Probefahrt mit dem Hyundai Kona Electric

Foto des Hyundai Kona Electric von vorne

Ich habe mich in der letzten Zeit ein wenig mit dem Gedanken beschĂ€ftigt, ob mein nĂ€chstes Auto vielleicht ein Auto mit Elektromotor sein könnte. Ein paar Überlegungen zum Stromverbrauch von Elektroautos habe ich in meinem Artikel „Elektroautos und Stromverbrauch“ niedergeschrieben.

Auf YouTube gibt es eine ganze Reihe von Videos, die sich mit Elektroautos im Allgemeinen und dem Kona im Speziellen beschÀftigen. Auf diese Weise konnte ich mich schon recht gut informieren.

Da ich meinen aktuellen Hyundai i10 bei einem Hyundai HĂ€ndler in Walpertskirchen gekauft habe, lag es auf der Hand, sich dort einen Kona Electric fĂŒr eine Probefahrt auszuleihen.

Das Autohaus Holderried in Walpertskirchen stellte mir sehr kurzfristig ein Fahrzeug in der von mir gewĂŒnschten Premium Ausstattung zur VerfĂŒgung. Nicht nur das, ich darf das Auto sogar von Samstag Mittag bis Montag Morgen behalten, also ĂŒber das Wochenende. Trotzdem muss ich dafĂŒr keinen einzigen Cent bezahlen, nicht einmal fĂŒr das Benzin … Ă€h, fĂŒr den Strom. Der Wagen war vollgeladen (100%) und es wurde nicht von mir verlangt, das Fahrzeug voll geladen abzugeben. ZusĂ€tzlich wurde ich ermuntert, ruhig viele Kilometer damit zu fahren, um den Kona so richtig kennenzulernen.

FĂŒr diese Gelegenheit möchte ich mich deswegen ausdrĂŒcklich beim Autohaus Holderried bedanken!

Im GesprÀch erfuhr ich, dass der Kona sehr begehrt sei. Leider hat er eine Lieferzeit von ca. 1 Jahr. Mit dem Problem kÀmpfen im Augenblick alle Elektroauto-Hersteller. Sie können gar nicht soviele Autos liefern, wie nachgefragt werden.

Der Hyundai Kona Electric ist das allererste Elektroauto, das ich gefahren bin. In diesem Artikel werde ich meine ersten EindrĂŒcke und Erfahrungen beschreiben. Dabei werde ich nicht alle möglichen Features und Funktionen auflisten oder gar analysieren. Ich werde nur ĂŒber das schreiben, was mir halt so aufgefallen ist. Manches davon kann falsch oder unvollstĂ€ndig sein.

Foto der HandbĂŒcher zum Hyundai Kona ElectricIch gebe es zu … ich habe zwar ein bisschen in die HandbĂŒcher hineingeschaut, aber vollstĂ€ndig gelesen habe ich sie fĂŒr die Probefahrt nicht.


Das Ă€ußere Erscheinungsbild des Hyunda Kona Electric

Foto von der llinken Seite eines Hyundai Kona Electric

Ja, da wird es schon mal schwierig. Der Kona wird in die Kategorie „Mini-SUV“ oder „Kompakt-SUV“ eingestuft. Damit ist er natĂŒrlich deutlich kleiner als ein ĂŒblicher SUV, besitzt aber einige der Ă€ußerlichen Merkmale dieses Fahrzeugtyps.

Manche mögen das kompakte, etwas bullige Design mit den fetten Kunststoffplanken an den RadkĂ€sten … andere eher nicht.

Ich selber stehe mehr auf elegante Designs, aber da wird es bei Elektroautos momentan schwierig. Von daher sind SUV nicht gerade meine erste Wahl, aber naja, der Kona ist ja auch nur ein Pseudo-SUV. 😉

Ein Tesla ist mir zu teuer.

Ich finde das Aussehen des Kona okay, aber nicht unbedingt umwerfend. Immerhin sorgt die Gestaltung der Frontpartie und der Heckpartie fĂŒr einen hohen Wiedererkennungsgrad.

Mir persönlich gefallen TĂŒrgriffe in Chrom besser als solche in Wagenfarbe. Ich weiß, das ist Geschmackssache.

Foto von der RÜckseite des Hyundai Kona Electric

AuffĂ€llig sind der fehlende Auspuff (absolut null Abgase!) und das Fehlen eines KĂŒhlergrills.


Foto der RĂŒckfahrkamera des Hyundai Kona Electric

Sehr ungĂŒnstig platziert wurde die RĂŒckfahrkamera, nĂ€mlich oberhalb des Nummernschilds. Und ohne Schutzabdeckung. Das ist nun wirklich Unsinn. In der Praxis bedeutet das nĂ€mlich, dass du jedesmal vor dem RĂŒckfĂ€hrtseinparken erst einmal aussteigen musst, um die Kamera zu putzen, ansonsten siehst du nichts auf dem Display.

Die „Inneren Werte“ des Hyundai Kona Electric

Innen sieht man ĂŒberall schwarzes/dunkelgraues Plastik. Mag ich nicht so gerne. Selbst in meinem i10 sind innen die ZiernĂ€hte am Lenkrad, an den Sitzen und am Schaltknauf in Wagenfarbe. Außerdem ist die Innenverkleidung zweifarbig ausgefĂŒhrt, schwarz und weinrot. Auch bei einem frĂŒheren Fahrzeug von mir, einem Lancia Lybra 2.4 sw, war alles zweifarbig. Der obere Teil war zwar in Schwarz, der untere Bereich war aber in Beige.

Dieses komplette Schwarz mag zwar praktisch sein, sieht aber nicht besonders attraktiv aus.

Auch die Sitze sind schwarz. Schwarzes Leder und nett gestaltet, aber eben schwarz bzw. dunkelgrau (bin mir da nicht so sicher). Und die LederqualitÀt ist eher durchschnittlich. Ich bin mir noch nicht mal sicher, was davon Leder und was davon Kunstleder ist.

Foto des Cockpits des Hyundai Kona Electric

Das Cockpit empfĂ€ngt den Fahrer mit Unmengen an Knöpfen. Mache mögen das. Andere wollen möglichst wenig Knöpfe haben. Fakt ist, dass die Bedienung oft nicht intuitiv ist. „Wo ist noch mal der Knopf fĂŒr das VESS? Ach, da unten links.“

Es gibt einige Bordcomputerfunktionen direkt vorne im vollkommen digitalen Armaturenbrett. Andere Funktionen werden ausschließlich (und sinnvollerweise) ĂŒber das Tablet in der Mitte gesteuert. Warum kann man die Einstellungen des Bordcomputers (TageskilometerzĂ€hler etc.) nicht auch ins Tablet legen? Stattdessen muss man am Lenkrad mit ein paar Tasten herumwurschteln. Muss ich einen TageskilometerzĂ€hler wirklich am Lenkrad zurĂŒcksetzen können, wenn ich ein riesen Tablet/Display habe?

Im Innenraum gibt es viele Punkte, die mir nicht so gefallen. Alles zu ertragen. Aber manchmal fragt man sich, warum das nicht etwas besser gelöst worden ist.

Foto des Ablagefachs unterhalb der Mittelkonsole

Die Mittelkonsole ist beispielsweise schwebend realisiert worden, so dass sich darunter ein großes Ablagefach befindet. Dieses Fach hat aber keinerlei Einteilungen, so dass es nur fĂŒr Zeitungen oder Lappen praktisch ist. Alles andere wĂŒrde beim Fahren darin herumfliegen.

Bei der geriffelten FlÀche auf dem Foto handelt es sich nicht um eine Abdeckung, die man wegschieben kann. Das ist der Boden des Fachs.


Foto des Ablagefachs unterhalb der Armlehne im Hyundai Kona Electric

Unter der Armlehne gibt es ein weiteres sehr tiefes Fach. Auch hier: warum gibt es keinen Einsatz fĂŒr zum Beispiel MĂŒnzen, die ich fĂŒr Einkaufswagen beim Supermarkt brauche? So fliegen sie halt in diesem Fach zusammen mit anderen GegenstĂ€nden herum. Sicher bietet der Zubehörhandel Lösungen an. Wir reden hier aber von einem Auto in der maximalen, „Premium“ genannten, Ausstattungsvariante.

Foto einiger Bedienungselemente im Hyundai Kona ElectricDann haben wir die Bedienungselemente fĂŒr die Sitzheizung/SitzlĂŒftung, Fahrmodus, Lenkradheizung, Auto Hold und Front-Parksensoren viel zu weit hinten bei der Armlehne. Diese Elemente sind nicht zu bedienen, ohne hinzugucken.


Die Mittelkonsole im Hyundai Kona Electric

Dabei hĂ€tte man das Fach fĂŒr das induktive Laden eines Smartphones doch besser dorthin positioniert und die Schalter weit nach vorne. WĂ€hrend der Fahrt soll man das Handy sowieso in Ruhe lassen.

Das Smartphone kann man induktiv laden, was ich super finde. Man kann es auch per Bluetooth mit dem Auto verbinden. Nur leider funktioniert „Android Auto“ ausschließlich ĂŒber ein USB-Kabel. Was soll der Blödsinn? Gut, die USB-Buchse befindet sich direkt neben der Ladestation. Aber gerade, wenn ich das Handy eh schon kabellos aufladen kann, ist es doch Quatsch, dass „Android Auto“ ein extra Kabel benötigt.

Auch die Anzeigen hinter dem Lenkrad, also da, wo sich klassischerweise Drehzahlmesser und Tacho befinden, sind nicht optimal. Es gibt dort eine Vielzahl von Informationen. Aber es ist zuviel, um sich das beim Autofahren in Ruhe anzusehen. Und es ist fĂŒr meine Augen zu klein.

Digitale Instrumente im Hyundai Kona Electric

Da gibt es zum Beispiel ein grĂŒnes Auto, das die BetriebsfĂ€higkeit anzeigt. GrĂŒnes Auto = Motor ist an = du kannst losfahren. Soweit okay.

Aber es leuchtet auch weiter, wenn ich bereits fahre. Äh … wieso?

Im Innenraum haben wir aber noch ein ganz anderes Problem, und diesmal kann man das nicht mit einem „Ach, komm, das ist doch nicht so wichtig!“ abtun. Der Kona ist klein!

Jawohl!

Auf der schön gestalteten RĂŒcksitzbank kann man nicht sitzen. Also zumindest ich kann dort nur mit abgespreizten Beinen sitzen, weil meine Knie sich sonst in die RĂŒcklehne des Vordersitzes bohren. Hinten ist definitiv zu wenig Platz!

Und noch etwas: der Kofferraum ist ebenfalls nur mĂ€ĂŸig groß.

Das bedeutet zusammengefasst, dass ihr mit dem Auto keinen Familienurlaub antreten könnt. Zu klein!

Dass es anders geht, zeigt der Kira e-Niro aus dem gleichen Konzern. TatsĂ€chlich hat das Auto denselben Akku, denselben Motor, dieselbe LCD-Software, aber viel mehr Beinfreiheit hinten und einen wesentlich (!) grĂ¶ĂŸeren Kofferraum. Allerdings sieht er auch anders aus. Aus meiner Sicht stellt der Kia e-Niro eine ernsthafte „Bedrohung“ fĂŒr den Kona dar.

Was mir im Winter sehr gefĂ€llt, sind natĂŒrlich die Sitzheizung, aber noch viel mehr die Lenkradheizung. Beides habe ich auch im i10. Sitzheizung … na gut, ist ja Standard, hat jeder. Lenkradheizung? Wozu?

Ehrlich, die Lenkradheizung hat fĂŒr mich einen grĂ¶ĂŸeren WohlfĂŒhleffekt als die Sitzheizung. Inzwischen wĂŒrde ich ohne Not kein Auto mehr ohne Lenkradheizung kaufen. Das ist im Winter sooooo angenehm!

Das Auto bleibt im Winter aber ohnehin nicht lange kalt. Beim Verbrennungsmotor nimmt sich die Heizung die WĂ€rme vom Motor. Der muss aber erst mal warm sein. Deswegen bleiben viele Dieselautos ja sehr lange kalt, es sei denn, sie haben eine Standheizung. Anders im Elektroauto. Da wird sowieso elektrisch geheizt, und das funktioniert ab der ersten Sekunde. Der Wagen ist also viel schneller warm als ein Auto mit Verbrennungsmotor.

Das Aufladen des Hyundai Kona Electric

Foto der Ladeanzeige im Cockpit

Im Augenblick habe ich ihn mal spaßeshalber an meine Terrassensteckdose gehĂ€ngt. Okay, jetzt bei den Minusgraden und dem kalten Akku lĂ€dt er gerade mal mit 2 kW. Damit wĂŒrde der 64 kWh Akku von 0 auf 100 ganze 32 Stunden benötigen.

Anders als bei einem Verbrennerauto fĂ€hrt man einen Elektrowagen aber ĂŒblicherweise nicht so lange, bis der Tank leer ist. Stattdessen lĂ€dt man ihn immer dann nach, wenn es gerade passt. Dadurch sind die Ladezeiten meistens deutlich kĂŒrzer.

Ganz davon abgesehen, kann der Kona maximal mit ca. 80 kW geladen werden, falls die LadesĂ€ule das hergibt. Und dann wĂ€re ein leerer Akku rein theoretisch nach einer Stunde voll. Theoretisch deswegen, weil das Lademanagement des Autos den Akku nicht ĂŒber die ganze Zeit mit maximaler Leistung lĂ€dt.

Jetzt bei den Minustemperaturen zeigt mir der Hyundai bei vollem Akku eine Reichweite von etwa 350 km an. Das ist doch ganz ordentlich. Im Sommer sollen 450 km möglich sein. Ich finde, dass man damit schon gut leben kann. Viel weiter komme ich mit dem i10 auch nicht. Aber das Nachtanken geht bei dem kleinen i10 natĂŒrlich schneller.

Foto von den Einstellungen der Vorklimatisierung

Richtig cool finde ich die Funktion der Vorklimatisierung. Man kann dem Auto sagen, wann man losfahren will, also zum Beispiel jeden Werktag um 7:00 Uhr. Und dann stellt man ein, welche Temperatur man gerne zu dem Zeitpunkt im Auto haben möchte, also zum Beispiel 20 Grad.

(Habt ihr den Übersetzungsfehler im Foto entdeckt?)

Solange das Auto an einem Stromanschluss hĂ€ngt, wird er das Auto schon mal einheizen, bevor du losfĂ€hrst. So etwas kann man sich bei Autos mit Verbrennermotor auch einbauen lassen. Da nennt man das dann Standheizung, zum Beispiel von Webasto. Beim Elektroauto ist das schon von Haus aus eingebaut. Der Kona erlaubt dir die Vorklimatisierung aber nicht, wenn er nicht am Stromnetz hĂ€ngt. So etwas wie: „Ich fahre in einer Stunde von der Arbeit nach Hause und möchte dann ein warmes Auto haben.“ funktioniert nicht, es sei denn, dein Arbeitgeber ĂŒberlĂ€sst dir eine Steckdose, an die du das Auto anschließen kannst.

Ein weiteres Manko ist, dass es keine Smartphone App gibt, um Infos ĂŒber den Ladezustand abzurufen oder um den Ladevorgang zu steuern. UnverstĂ€ndlich!

Das Fahrverhalten des Hyundai Kona Electric

Das Auto hat 150 kW Leistung und das merkt man auch. Trotz der fast 1,8 t Gewicht sind mir hin und wieder die vorderen RĂ€der beim Beschleunigen auf trockener oder leicht feuchter Straße durchgedreht. Im Grunde bringt der Motor zuviel Kraft auf die RĂ€der, so das ein Frontantrieb eventuell die falsche Wahl ist. Ihr dĂŒrft nicht vergessen, dass ein Elektromotor die Leistung nicht erst durch höhere Drehzahlen aufbauen muss, sondern sie sofort bereitstellt.

Einschub 23.01.2019
Ich wurde darauf hingewiesen, dass diese Darstellung doch ein wenig zu vereinfacht sei. Vielen Dank an bm3 und AgV8DdmU im Going Electric Forum.

Das Problem ist das ZusammenwĂŒrfeln von physikalischen Begriffen wie Leistung und Drehmoment. Am Stammtisch kein Problem, bei aufmerksamen und informierten Lesern aber durchaus und zu Recht.

Die Leistung ist immer abhÀngig von der Drehzahl, das Drehmoment steht von Anfang an bereit.

Zur Veranschaulichung fĂŒr den e-Niro zwei Grafiken, die so auch auf den Kona ĂŒbertragen werden können.

Zwei Diagramme mit den Leistungs- und Drehmomentkurven des Kona Motors

Zur ErgÀnzung hier noch der Link zu einer PDF-Datei mit einer ErklÀrung zu Leistung und Drehmoment: Was ist Leistung, was ist Drehmoment?

Die 150 kW lassen den Wagen auch zĂŒgig bis fast 180 km/h (echte 167 km/h) hochbeschleunigen. Dann ist definitv Schluss, weil der Motor elektronisch begrenzt ist. Mehr geht nicht! Der Grund ist, dass der Energieverbrauch bei noch höheren Geschwindigkeiten rapide anwĂ€chst und die Reichweite schrumpft. Wie auch immer, 180 km/h sind ja auch genug.

Das Gewicht merkt man in schnellen Kurven durchaus, der Wagen drĂ€ngt ein wenig nach außen. Plump wirkt er aber trotzdem nicht.

Mir scheint das Fahrwerk insgesamt recht straff abgestimmt zu sein. Bodenunebenheiten merkt man relativ deutlich. GefÀllt mir nicht so gut, ist aber zu ertragen.

Es gibt drei Fahrmodi:

  • Eco
  • Comfort
  • Sport

Was die Einstellungen genau verĂ€ndern, weiß ich nicht. Auf das Fahrwerk scheint der „Drive Modus“ aber keinen Einfluss zu haben.

Die Sitze bieten ĂŒbrigens nicht so viel Seitenhalt. Sie sind an den Seiten zwar entsprechend geformt, aber nicht fest genug. Gut, der Kona ist kein Sportwagen. Aber im Vergleich zu meinem i10 wirken die Sitze im Kona etwas „gemĂŒtlicher“. Beim i10 fĂŒhlt sich das Einsteigen immer so an, als wĂŒrde ich in einen Handschuh schlĂŒpfen. Der Sitz ist zwar recht schmal, passt aber gut. Beim Kona geht es etwas mehr in Richtung Sessel, etwas breiter.

Der Sitz ist komplett elektrisch einstellbar inklusive Lordosen-UnterstĂŒtzung (die UnterstĂŒtzung des unteren RĂŒckenbereichs). Das ist praktisch.

Foto der Schalter fĂŒr die FahrfunktionJetzt aber zum wesentlichen Unterschied: Das Auto hat keine Gangschaltung! Nein, es hat auch keine Automatik, es hat nur einen einzigen Gang.

Klar kann man die Spannung am Motor umpolen, so dass der Wagen dann rĂŒckwĂ€rts fĂ€hrt. So ein bisschen Getriebe ist schon da, aber ansonsten musst du den Kona wie einen Automatik-Wagen fahren. FĂŒr Leute, die jahrzehntelang Schaltgetriebe gefahren sind und deswegen nicht bewusst die Kupplung treten oder die GĂ€nge schalten, ist das eine echte Herausforderung.

Ihr rollt auf eine rote Ampel zu und wollt den Wagen ausrollen lassen. Also tretet ihr schon mal die Kupplung. Vollbremsung! Da ist nÀmlich keine Kupplung, sondern die Bremse.

Ihr mĂŒsst den linken Fuß fest auf den Boden pressen und nicht bewegen, sonst geht das schief.

Ähnliches Problem habt ihr, wenn ihr zĂŒgig an eine enge Kurve heranfahrt. Kupplung treten, kleineren Gang einlegen … völlig normal. Aber nicht bei einem Elektroauto. Vom „Gas“ gehen, die Rekuperation machen lassen, eventuell per Lenkrad-Pedals die Rekuperation verstĂ€rken, und dann am Kurvenausgang einfach „Gas“ geben. Auch ohne runterzuschalten, habt ihr die volle Kraft auf den RĂ€dern.

Manchmal erwische ich mich dabei, wie meine Hand unbewußt rechts nach dem Schalthebel sucht, aber da ist nichts.

Letztendlich ist das Gewöhnungssache und dann viel chilliger.

Ein anderes Merkmal von Elektroautos ist die Rekuperation (gerade schon angesprochen). Wenn ihr den Fuß vom „Gas“ nehmt, könnt ihr die Bewegungsenergie fĂŒr den Akku zurĂŒckgewinnen. Das fĂŒhlt sich dann so an, als wĂŒrde der Wagen abgebremst werden. Die Rekuperationsstufe und damit die StĂ€rke der Bremswirkung könnt ihr in drei Stufen am Lenkrad einstellen. Ihr könnt das auch ganz abschalten. Die Rekuperation sorgt dafĂŒr, dass ihr viel seltener selber auf die Bremse treten mĂŒsst. Die Stufe 3 ist etwas gewöhnungsbedĂŒftig, weil sie das Fahrzeug doch sehr stark abbremst. Funktioniert aber gut, wenn ihr sowieso bremsen wolltet. Also zum Beispiel bei Ortsschildern 😉 oder vor Ampeln oder, wenn ihr einen Blitzer seht. Ansonsten ist eine niedrigere Stufe angenehmer.

Wie gesagt, lassen sich diese Stufen wÀhrend der Fahrt ganz einfach mit Schaltwippen links und rechts am Lenkrad verÀndern. Ab Stufe 2 werden beim Rekuperieren, glaube ich, auch die Bremslichter eingeschaltet. Besser so, damit euch keiner von hinten ins Auto fÀhrt.

Beim Fahren in der Nacht ist mir beim Abbiegen das Abbiegelicht aufgefallen. Bei meinem i10 habe ich das sehr zu schÀtzen gelernt. Leider ist die Lösung am Kona wesentlich schlechter. Das Licht leuchtet gelb und viel zu dunkel zur Seite. Das kann mein i10 wesentlich besser. Schade.

Den Fernlichtassistent habe ich auch ausprobiert. Er scheint zu funktionieren. Problematisch ist höchstens Querverkehr. Wenn du also quasi „senkrecht“ auf eine andere Straße zufĂ€hrst, in die du einbiegen möchtest. Die Autofahrer auf der Straße dĂŒrfen dann nicht zur Seite schauen, weil dein Fernlicht sie blenden wĂŒrde. Du kannst es aber selbstverstĂ€ndlich manuell ausschalten.

Und wie sieht es jetzt mit den InnengerÀuschen aus?

Ein Elektroauto soll doch, laut Werbung, flĂŒsterleise sein. Ganz so ist es nicht. Obwohl ich nicht weiß, wie es sich fĂŒr einen FußgĂ€nger anhört, an dem ihr vorbeifahrt.

Im Auto selber ist es zwar leiser als in einem Auto mit Verbrennungsmotor, aber doch nicht so leise, wie ich es mir vorgestellt habe. Das liegt daran, dass ihr nun viel deutlicher das Rumpeln der RĂ€der ĂŒber Unebenheiten auf der Straße hört. Auch WindgerĂ€usche wirken lauter. Manchmal hört man das leise Heulen des Elektromotors, wenn ihr beschleunigt. Was aber völlig wegfĂ€llt, ist das laute Aufheulen eines Verbrennungsmotors, wenn ihr ihn mal in höhere Drehzahlen hinein beschleunigt.

Mein Fazit

Jetzt habe ich soviel herumgemeckert, dass es eigentlich klar sein sollte: ich will dieses Fahrzeug nicht!

Aber halt, so einfach ist das nicht.

Insgesamt macht mir das Fahren mit dem Kona Spaß. Die hohe Leistung, das Fehlen von Gangwechseln, die Assistenzsysteme … all das erzeugt eine gewisse Gelassenheit beim Autofahren. Das Fahren ist irgendwie viel unaufgeregter als mit dem kleinen i10.

Jetzt noch eine andere Farbe … und ja, es gibt ihn auch in Rot. Dann sieht er aus wie mein i10, nur ein bisschen grĂ¶ĂŸer.

Mit vielen der genannten Kritikpunkte kann man sich arrangieren.

Der fehlende Platz auf der RĂŒcksitzbank und der relativ kleine Kofferraum sind aber relevant. Da muss sich jeder fragen, ob er öfter ausgewachsene Leute mitnimmt und ob er vielleicht auch mit dem Auto in Urlaub fahren möchte.

Wenn man grundsĂ€tzlich alleine oder maximal zu zweit mit dem Auto fĂ€hrt, dann kann einem der Platz egal sein. Den Kofferraum vergrĂ¶ĂŸert man einfach durch Umlegen der Sitzbank und gut ist.

Trotzdem ĂŒberlege ich, ob ich mir nicht den Kia e-Niro auch noch einmal genauer ansehen sollte. Ich denke, dass fĂŒr mich am Ende der Preis entscheidend sein wird, fĂŒr den ich das Auto kaufen kann. Im Grundpreis liegt der e-Niro in Vollausstattung wohl auf demselben Niveau wie der Kona. Rein aus VernunftgrĂŒnden mĂŒsste man wohl den Kia wĂ€hlen.

Da werde ich wohl mit meinem persönlichen Kundenberater bei Hyundai noch mal ein ernstes GesprĂ€ch fĂŒhren mĂŒssen.

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