Probefahrt mit dem Hyundai Kona Electric

Foto des Hyundai Kona Electric von vorne

Ich habe mich in der letzten Zeit ein wenig mit dem Gedanken beschäftigt, ob mein nächstes Auto vielleicht ein Auto mit Elektromotor sein könnte. Ein paar Überlegungen zum Stromverbrauch von Elektroautos habe ich in meinem Artikel „Elektroautos und Stromverbrauch“ niedergeschrieben.

Auf YouTube gibt es eine ganze Reihe von Videos, die sich mit Elektroautos im Allgemeinen und dem Kona im Speziellen beschäftigen. Auf diese Weise konnte ich mich schon recht gut informieren.

Da ich meinen aktuellen Hyundai i10 bei einem Hyundai Händler in Walpertskirchen gekauft habe, lag es auf der Hand, sich dort einen Kona Electric für eine Probefahrt auszuleihen.

Das Autohaus Holderried in Walpertskirchen stellte mir sehr kurzfristig ein Fahrzeug in der von mir gewünschten Premium Ausstattung zur Verfügung. Nicht nur das, ich darf das Auto sogar von Samstag Mittag bis Montag Morgen behalten, also über das Wochenende. Trotzdem muss ich dafür keinen einzigen Cent bezahlen, nicht einmal für das Benzin … äh, für den Strom. Der Wagen war vollgeladen (100%) und es wurde nicht von mir verlangt, das Fahrzeug voll geladen abzugeben. Zusätzlich wurde ich ermuntert, ruhig viele Kilometer damit zu fahren, um den Kona so richtig kennenzulernen.

Für diese Gelegenheit möchte ich mich deswegen ausdrücklich beim Autohaus Holderried bedanken!

Im Gespräch erfuhr ich, dass der Kona sehr begehrt sei. Leider hat er eine Lieferzeit von ca. 1 Jahr. Mit dem Problem kämpfen im Augenblick alle Elektroauto-Hersteller. Sie können gar nicht soviele Autos liefern, wie nachgefragt werden.

Der Hyundai Kona Electric ist das allererste Elektroauto, das ich gefahren bin. In diesem Artikel werde ich meine ersten Eindrücke und Erfahrungen beschreiben. Dabei werde ich nicht alle möglichen Features und Funktionen auflisten oder gar analysieren. Ich werde nur über das schreiben, was mir halt so aufgefallen ist. Manches davon kann falsch oder unvollständig sein.

Foto der Handbücher zum Hyundai Kona ElectricIch gebe es zu … ich habe zwar ein bisschen in die Handbücher hineingeschaut, aber vollständig gelesen habe ich sie für die Probefahrt nicht.


Das äußere Erscheinungsbild des Hyunda Kona Electric

Foto von der llinken Seite eines Hyundai Kona Electric

Ja, da wird es schon mal schwierig. Der Kona wird in die Kategorie „Mini-SUV“ oder „Kompakt-SUV“ eingestuft. Damit ist er natürlich deutlich kleiner als ein üblicher SUV, besitzt aber einige der äußerlichen Merkmale dieses Fahrzeugtyps.

Manche mögen das kompakte, etwas bullige Design mit den fetten Kunststoffplanken an den Radkästen … andere eher nicht.

Ich selber stehe mehr auf elegante Designs, aber da wird es bei Elektroautos momentan schwierig. Von daher sind SUV nicht gerade meine erste Wahl, aber naja, der Kona ist ja auch nur ein Pseudo-SUV. 😉

Ein Tesla ist mir zu teuer.

Ich finde das Aussehen des Kona okay, aber nicht unbedingt umwerfend. Immerhin sorgt die Gestaltung der Frontpartie und der Heckpartie für einen hohen Wiedererkennungsgrad.

Mir persönlich gefallen Türgriffe in Chrom besser als solche in Wagenfarbe. Ich weiß, das ist Geschmackssache.

Foto von der RÜckseite des Hyundai Kona Electric

Auffällig sind der fehlende Auspuff (absolut null Abgase!) und das Fehlen eines Kühlergrills.


Foto der Rückfahrkamera des Hyundai Kona Electric

Sehr ungünstig platziert wurde die Rückfahrkamera, nämlich oberhalb des Nummernschilds. Und ohne Schutzabdeckung. Das ist nun wirklich Unsinn. In der Praxis bedeutet das nämlich, dass du jedesmal vor dem Rückfährtseinparken erst einmal aussteigen musst, um die Kamera zu putzen, ansonsten siehst du nichts auf dem Display.

Die „Inneren Werte“ des Hyundai Kona Electric

Innen sieht man überall schwarzes/dunkelgraues Plastik. Mag ich nicht so gerne. Selbst in meinem i10 sind innen die Ziernähte am Lenkrad, an den Sitzen und am Schaltknauf in Wagenfarbe. Außerdem ist die Innenverkleidung zweifarbig ausgeführt, schwarz und weinrot. Auch bei einem früheren Fahrzeug von mir, einem Lancia Lybra 2.4 sw, war alles zweifarbig. Der obere Teil war zwar in Schwarz, der untere Bereich war aber in Beige.

Dieses komplette Schwarz mag zwar praktisch sein, sieht aber nicht besonders attraktiv aus.

Auch die Sitze sind schwarz. Schwarzes Leder und nett gestaltet, aber eben schwarz bzw. dunkelgrau (bin mir da nicht so sicher). Und die Lederqualität ist eher durchschnittlich. Ich bin mir noch nicht mal sicher, was davon Leder und was davon Kunstleder ist.

Foto des Cockpits des Hyundai Kona Electric

Das Cockpit empfängt den Fahrer mit Unmengen an Knöpfen. Mache mögen das. Andere wollen möglichst wenig Knöpfe haben. Fakt ist, dass die Bedienung oft nicht intuitiv ist. „Wo ist noch mal der Knopf für das VESS? Ach, da unten links.“

Es gibt einige Bordcomputerfunktionen direkt vorne im vollkommen digitalen Armaturenbrett. Andere Funktionen werden ausschließlich (und sinnvollerweise) über das Tablet in der Mitte gesteuert. Warum kann man die Einstellungen des Bordcomputers (Tageskilometerzähler etc.) nicht auch ins Tablet legen? Stattdessen muss man am Lenkrad mit ein paar Tasten herumwurschteln. Muss ich einen Tageskilometerzähler wirklich am Lenkrad zurücksetzen können, wenn ich ein riesen Tablet/Display habe?

Im Innenraum gibt es viele Punkte, die mir nicht so gefallen. Alles zu ertragen. Aber manchmal fragt man sich, warum das nicht etwas besser gelöst worden ist.

Foto des Ablagefachs unterhalb der Mittelkonsole

Die Mittelkonsole ist beispielsweise schwebend realisiert worden, so dass sich darunter ein großes Ablagefach befindet. Dieses Fach hat aber keinerlei Einteilungen, so dass es nur für Zeitungen oder Lappen praktisch ist. Alles andere würde beim Fahren darin herumfliegen.

Bei der geriffelten Fläche auf dem Foto handelt es sich nicht um eine Abdeckung, die man wegschieben kann. Das ist der Boden des Fachs.


Foto des Ablagefachs unterhalb der Armlehne im Hyundai Kona Electric

Unter der Armlehne gibt es ein weiteres sehr tiefes Fach. Auch hier: warum gibt es keinen Einsatz für zum Beispiel Münzen, die ich für Einkaufswagen beim Supermarkt brauche? So fliegen sie halt in diesem Fach zusammen mit anderen Gegenständen herum. Sicher bietet der Zubehörhandel Lösungen an. Wir reden hier aber von einem Auto in der maximalen, „Premium“ genannten, Ausstattungsvariante.

Foto einiger Bedienungselemente im Hyundai Kona ElectricDann haben wir die Bedienungselemente für die Sitzheizung/Sitzlüftung, Fahrmodus, Lenkradheizung, Auto Hold und Front-Parksensoren viel zu weit hinten bei der Armlehne. Diese Elemente sind nicht zu bedienen, ohne hinzugucken.


Die Mittelkonsole im Hyundai Kona Electric

Dabei hätte man das Fach für das induktive Laden eines Smartphones doch besser dorthin positioniert und die Schalter weit nach vorne. Während der Fahrt soll man das Handy sowieso in Ruhe lassen.

Das Smartphone kann man induktiv laden, was ich super finde. Man kann es auch per Bluetooth mit dem Auto verbinden. Nur leider funktioniert „Android Auto“ ausschließlich über ein USB-Kabel. Was soll der Blödsinn? Gut, die USB-Buchse befindet sich direkt neben der Ladestation. Aber gerade, wenn ich das Handy eh schon kabellos aufladen kann, ist es doch Quatsch, dass „Android Auto“ ein extra Kabel benötigt.

Auch die Anzeigen hinter dem Lenkrad, also da, wo sich klassischerweise Drehzahlmesser und Tacho befinden, sind nicht optimal. Es gibt dort eine Vielzahl von Informationen. Aber es ist zuviel, um sich das beim Autofahren in Ruhe anzusehen. Und es ist für meine Augen zu klein.

Digitale Instrumente im Hyundai Kona Electric

Da gibt es zum Beispiel ein grünes Auto, das die Betriebsfähigkeit anzeigt. Grünes Auto = Motor ist an = du kannst losfahren. Soweit okay.

Aber es leuchtet auch weiter, wenn ich bereits fahre. Äh … wieso?

Im Innenraum haben wir aber noch ein ganz anderes Problem, und diesmal kann man das nicht mit einem „Ach, komm, das ist doch nicht so wichtig!“ abtun. Der Kona ist klein!

Jawohl!

Auf der schön gestalteten Rücksitzbank kann man nicht sitzen. Also zumindest ich kann dort nur mit abgespreizten Beinen sitzen, weil meine Knie sich sonst in die Rücklehne des Vordersitzes bohren. Hinten ist definitiv zu wenig Platz!

Und noch etwas: der Kofferraum ist ebenfalls nur mäßig groß.

Das bedeutet zusammengefasst, dass ihr mit dem Auto keinen Familienurlaub antreten könnt. Zu klein!

Dass es anders geht, zeigt der Kira e-Niro aus dem gleichen Konzern. Tatsächlich hat das Auto denselben Akku, denselben Motor, dieselbe LCD-Software, aber viel mehr Beinfreiheit hinten und einen wesentlich (!) größeren Kofferraum. Allerdings sieht er auch anders aus. Aus meiner Sicht stellt der Kia e-Niro eine ernsthafte „Bedrohung“ für den Kona dar.

Was mir im Winter sehr gefällt, sind natürlich die Sitzheizung, aber noch viel mehr die Lenkradheizung. Beides habe ich auch im i10. Sitzheizung … na gut, ist ja Standard, hat jeder. Lenkradheizung? Wozu?

Ehrlich, die Lenkradheizung hat für mich einen größeren Wohlfühleffekt als die Sitzheizung. Inzwischen würde ich ohne Not kein Auto mehr ohne Lenkradheizung kaufen. Das ist im Winter sooooo angenehm!

Das Auto bleibt im Winter aber ohnehin nicht lange kalt. Beim Verbrennungsmotor nimmt sich die Heizung die Wärme vom Motor. Der muss aber erst mal warm sein. Deswegen bleiben viele Dieselautos ja sehr lange kalt, es sei denn, sie haben eine Standheizung. Anders im Elektroauto. Da wird sowieso elektrisch geheizt, und das funktioniert ab der ersten Sekunde. Der Wagen ist also viel schneller warm als ein Auto mit Verbrennungsmotor.

Das Aufladen des Hyundai Kona Electric

Foto der Ladeanzeige im Cockpit

Im Augenblick habe ich ihn mal spaßeshalber an meine Terrassensteckdose gehängt. Okay, jetzt bei den Minusgraden und dem kalten Akku lädt er gerade mal mit 2 kW. Damit würde der 64 kWh Akku von 0 auf 100 ganze 32 Stunden benötigen.

Anders als bei einem Verbrennerauto fährt man einen Elektrowagen aber üblicherweise nicht so lange, bis der Tank leer ist. Stattdessen lädt man ihn immer dann nach, wenn es gerade passt. Dadurch sind die Ladezeiten meistens deutlich kürzer.

Ganz davon abgesehen, kann der Kona maximal mit ca. 80 kW geladen werden, falls die Ladesäule das hergibt. Und dann wäre ein leerer Akku rein theoretisch nach einer Stunde voll. Theoretisch deswegen, weil das Lademanagement des Autos den Akku nicht über die ganze Zeit mit maximaler Leistung lädt.

Jetzt bei den Minustemperaturen zeigt mir der Hyundai bei vollem Akku eine Reichweite von etwa 350 km an. Das ist doch ganz ordentlich. Im Sommer sollen 450 km möglich sein. Ich finde, dass man damit schon gut leben kann. Viel weiter komme ich mit dem i10 auch nicht. Aber das Nachtanken geht bei dem kleinen i10 natürlich schneller.

Foto von den Einstellungen der Vorklimatisierung

Richtig cool finde ich die Funktion der Vorklimatisierung. Man kann dem Auto sagen, wann man losfahren will, also zum Beispiel jeden Werktag um 7:00 Uhr. Und dann stellt man ein, welche Temperatur man gerne zu dem Zeitpunkt im Auto haben möchte, also zum Beispiel 20 Grad.

(Habt ihr den Übersetzungsfehler im Foto entdeckt?)

Solange das Auto an einem Stromanschluss hängt, wird er das Auto schon mal einheizen, bevor du losfährst. So etwas kann man sich bei Autos mit Verbrennermotor auch einbauen lassen. Da nennt man das dann Standheizung, zum Beispiel von Webasto. Beim Elektroauto ist das schon von Haus aus eingebaut. Der Kona erlaubt dir die Vorklimatisierung aber nicht, wenn er nicht am Stromnetz hängt. So etwas wie: „Ich fahre in einer Stunde von der Arbeit nach Hause und möchte dann ein warmes Auto haben.“ funktioniert nicht, es sei denn, dein Arbeitgeber überlässt dir eine Steckdose, an die du das Auto anschließen kannst.

Ein weiteres Manko ist, dass es keine Smartphone App gibt, um Infos über den Ladezustand abzurufen oder um den Ladevorgang zu steuern. Unverständlich!

Das Fahrverhalten des Hyundai Kona Electric

Das Auto hat 150 kW Leistung und das merkt man auch. Trotz der fast 1,8 t Gewicht sind mir hin und wieder die vorderen Räder beim Beschleunigen auf trockener oder leicht feuchter Straße durchgedreht. Im Grunde bringt der Motor zuviel Kraft auf die Räder, so das ein Frontantrieb eventuell die falsche Wahl ist. Ihr dürft nicht vergessen, dass ein Elektromotor die Leistung nicht erst durch höhere Drehzahlen aufbauen muss, sondern sie sofort bereitstellt.

Einschub 23.01.2019
Ich wurde darauf hingewiesen, dass diese Darstellung doch ein wenig zu vereinfacht sei. Vielen Dank an bm3 und AgV8DdmU im Going Electric Forum.

Das Problem ist das Zusammenwürfeln von physikalischen Begriffen wie Leistung und Drehmoment. Am Stammtisch kein Problem, bei aufmerksamen und informierten Lesern aber durchaus und zu Recht.

Die Leistung ist immer abhängig von der Drehzahl, das Drehmoment steht von Anfang an bereit.

Zur Veranschaulichung für den e-Niro zwei Grafiken, die so auch auf den Kona übertragen werden können.

Zwei Diagramme mit den Leistungs- und Drehmomentkurven des Kona Motors

Zur Ergänzung hier noch der Link zu einer PDF-Datei mit einer Erklärung zu Leistung und Drehmoment: Was ist Leistung, was ist Drehmoment?

Die 150 kW lassen den Wagen auch zügig bis fast 180 km/h (echte 167 km/h) hochbeschleunigen. Dann ist definitv Schluss, weil der Motor elektronisch begrenzt ist. Mehr geht nicht! Der Grund ist, dass der Energieverbrauch bei noch höheren Geschwindigkeiten rapide anwächst und die Reichweite schrumpft. Wie auch immer, 180 km/h sind ja auch genug.

Das Gewicht merkt man in schnellen Kurven durchaus, der Wagen drängt ein wenig nach außen. Plump wirkt er aber trotzdem nicht.

Mir scheint das Fahrwerk insgesamt recht straff abgestimmt zu sein. Bodenunebenheiten merkt man relativ deutlich. Gefällt mir nicht so gut, ist aber zu ertragen.

Es gibt drei Fahrmodi:

  • Eco
  • Comfort
  • Sport

Was die Einstellungen genau verändern, weiß ich nicht. Auf das Fahrwerk scheint der „Drive Modus“ aber keinen Einfluss zu haben.

Die Sitze bieten übrigens nicht so viel Seitenhalt. Sie sind an den Seiten zwar entsprechend geformt, aber nicht fest genug. Gut, der Kona ist kein Sportwagen. Aber im Vergleich zu meinem i10 wirken die Sitze im Kona etwas „gemütlicher“. Beim i10 fühlt sich das Einsteigen immer so an, als würde ich in einen Handschuh schlüpfen. Der Sitz ist zwar recht schmal, passt aber gut. Beim Kona geht es etwas mehr in Richtung Sessel, etwas breiter.

Der Sitz ist komplett elektrisch einstellbar inklusive Lordosen-Unterstützung (die Unterstützung des unteren Rückenbereichs). Das ist praktisch.

Foto der Schalter für die FahrfunktionJetzt aber zum wesentlichen Unterschied: Das Auto hat keine Gangschaltung! Nein, es hat auch keine Automatik, es hat nur einen einzigen Gang.

Klar kann man die Spannung am Motor umpolen, so dass der Wagen dann rückwärts fährt. So ein bisschen Getriebe ist schon da, aber ansonsten musst du den Kona wie einen Automatik-Wagen fahren. Für Leute, die jahrzehntelang Schaltgetriebe gefahren sind und deswegen nicht bewusst die Kupplung treten oder die Gänge schalten, ist das eine echte Herausforderung.

Ihr rollt auf eine rote Ampel zu und wollt den Wagen ausrollen lassen. Also tretet ihr schon mal die Kupplung. Vollbremsung! Da ist nämlich keine Kupplung, sondern die Bremse.

Ihr müsst den linken Fuß fest auf den Boden pressen und nicht bewegen, sonst geht das schief.

Ähnliches Problem habt ihr, wenn ihr zügig an eine enge Kurve heranfahrt. Kupplung treten, kleineren Gang einlegen … völlig normal. Aber nicht bei einem Elektroauto. Vom „Gas“ gehen, die Rekuperation machen lassen, eventuell per Lenkrad-Pedals die Rekuperation verstärken, und dann am Kurvenausgang einfach „Gas“ geben. Auch ohne runterzuschalten, habt ihr die volle Kraft auf den Rädern.

Manchmal erwische ich mich dabei, wie meine Hand unbewußt rechts nach dem Schalthebel sucht, aber da ist nichts.

Letztendlich ist das Gewöhnungssache und dann viel chilliger.

Ein anderes Merkmal von Elektroautos ist die Rekuperation (gerade schon angesprochen). Wenn ihr den Fuß vom „Gas“ nehmt, könnt ihr die Bewegungsenergie für den Akku zurückgewinnen. Das fühlt sich dann so an, als würde der Wagen abgebremst werden. Die Rekuperationsstufe und damit die Stärke der Bremswirkung könnt ihr in drei Stufen am Lenkrad einstellen. Ihr könnt das auch ganz abschalten. Die Rekuperation sorgt dafür, dass ihr viel seltener selber auf die Bremse treten müsst. Die Stufe 3 ist etwas gewöhnungsbedüftig, weil sie das Fahrzeug doch sehr stark abbremst. Funktioniert aber gut, wenn ihr sowieso bremsen wolltet. Also zum Beispiel bei Ortsschildern 😉 oder vor Ampeln oder, wenn ihr einen Blitzer seht. Ansonsten ist eine niedrigere Stufe angenehmer.

Wie gesagt, lassen sich diese Stufen während der Fahrt ganz einfach mit Schaltwippen links und rechts am Lenkrad verändern. Ab Stufe 2 werden beim Rekuperieren, glaube ich, auch die Bremslichter eingeschaltet. Besser so, damit euch keiner von hinten ins Auto fährt.

Beim Fahren in der Nacht ist mir beim Abbiegen das Abbiegelicht aufgefallen. Bei meinem i10 habe ich das sehr zu schätzen gelernt. Leider ist die Lösung am Kona wesentlich schlechter. Das Licht leuchtet gelb und viel zu dunkel zur Seite. Das kann mein i10 wesentlich besser. Schade.

Den Fernlichtassistent habe ich auch ausprobiert. Er scheint zu funktionieren. Problematisch ist höchstens Querverkehr. Wenn du also quasi „senkrecht“ auf eine andere Straße zufährst, in die du einbiegen möchtest. Die Autofahrer auf der Straße dürfen dann nicht zur Seite schauen, weil dein Fernlicht sie blenden würde. Du kannst es aber selbstverständlich manuell ausschalten.

Und wie sieht es jetzt mit den Innengeräuschen aus?

Ein Elektroauto soll doch, laut Werbung, flüsterleise sein. Ganz so ist es nicht. Obwohl ich nicht weiß, wie es sich für einen Fußgänger anhört, an dem ihr vorbeifahrt.

Im Auto selber ist es zwar leiser als in einem Auto mit Verbrennungsmotor, aber doch nicht so leise, wie ich es mir vorgestellt habe. Das liegt daran, dass ihr nun viel deutlicher das Rumpeln der Räder über Unebenheiten auf der Straße hört. Auch Windgeräusche wirken lauter. Manchmal hört man das leise Heulen des Elektromotors, wenn ihr beschleunigt. Was aber völlig wegfällt, ist das laute Aufheulen eines Verbrennungsmotors, wenn ihr ihn mal in höhere Drehzahlen hinein beschleunigt.

Mein Fazit

Jetzt habe ich soviel herumgemeckert, dass es eigentlich klar sein sollte: ich will dieses Fahrzeug nicht!

Aber halt, so einfach ist das nicht.

Insgesamt macht mir das Fahren mit dem Kona Spaß. Die hohe Leistung, das Fehlen von Gangwechseln, die Assistenzsysteme … all das erzeugt eine gewisse Gelassenheit beim Autofahren. Das Fahren ist irgendwie viel unaufgeregter als mit dem kleinen i10.

Jetzt noch eine andere Farbe … und ja, es gibt ihn auch in Rot. Dann sieht er aus wie mein i10, nur ein bisschen größer.

Mit vielen der genannten Kritikpunkte kann man sich arrangieren.

Der fehlende Platz auf der Rücksitzbank und der relativ kleine Kofferraum sind aber relevant. Da muss sich jeder fragen, ob er öfter ausgewachsene Leute mitnimmt und ob er vielleicht auch mit dem Auto in Urlaub fahren möchte.

Wenn man grundsätzlich alleine oder maximal zu zweit mit dem Auto fährt, dann kann einem der Platz egal sein. Den Kofferraum vergrößert man einfach durch Umlegen der Sitzbank und gut ist.

Trotzdem überlege ich, ob ich mir nicht den Kia e-Niro auch noch einmal genauer ansehen sollte. Ich denke, dass für mich am Ende der Preis entscheidend sein wird, für den ich das Auto kaufen kann. Im Grundpreis liegt der e-Niro in Vollausstattung wohl auf demselben Niveau wie der Kona. Rein aus Vernunftgründen müsste man wohl den Kia wählen.

Da werde ich wohl mit meinem persönlichen Kundenberater bei Hyundai noch mal ein ernstes Gespräch führen müssen.

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