Heißt es „der“ oder „die“ URL?

Erhobener Zeigefinger

Eigentlich ist es völlig egal, ob jemand „der“ oder „die“ URL sagt. Wichtig ist nur, dass man sich gegenseitig versteht.

Und trotzdem kommt es immer wieder zu Diskussionen. Das kennt ihr nicht? Für euch ist ganz klar, dass es „die“ heißt?

Und warum ist das so?

Was bedeutet URL?

URL ist eine Abkürzung für Uniform Resource Locator. Vereinfacht wird damit die Adresse für alles bezeichnet, was man im Internet so erreichen möchte, insbesondere eine Webseite. So ein Uniform Resource Locator kann recht komplex aufgebaut sein. Am bekanntesten sind aber URLs für Webseiten wie zum Beispiel https://blog.sevke.net/2018/12/25/heisst-es-der-oder-die-url/ (die Adresse dieser Webseite).

Der URL

Wenn aber URL die Abkürzung für „Uniform Resource Locator“ ist, so spricht einiges dafür, den männlichen Artikel „der“ zu verwenden. Alle Substantive, die wir in die deutsche Sprache importiert haben und die auf „-tor“ enden, sind männlich.

Oder würde jemend von euch sagen:
Arnold Schwarzenegger ist die Terminator? 😉

Die URL

Im deutschsprachigen Raum hat sich auf der anderen Seite aber tatsächlich „die“ Uniform Resource Locator eingebürgert. Nicht in der Langform, aber in der Kurzform „die URL“.

Das liegt daran, dass wir mit der Abkürzung URL den Begriff „Internetadresse“ assoziieren … und der ist weiblich. (Spaß am Rande … habt ihr es bemerkt? „Der“ ist „weiblich“.)

Was sagt der Duden zur/zum URL?

Jetzt haben wir ein Dilemma. Auf der einen Seite wäre „der“ richtiger, aber (fast) alle sagen „die“. Soll ich jetzt daruf bestehen, richtig deutsch zu sprechen oder soll ich mich des lieben Friedens wegen lieber verständlich, aber falsch ausdrücken?

Fragen wir doch mal den Duden dazu. Dort wird oft eine bestimmte Schreibweise empfehlen, wenn mehrere möglich sind.

Substantiv, feminin, oder Substantiv, maskulin

Nix mit Empfehlung. Das ist dem Duden schnuppe. Hilft also nicht weiter.

Im Duden steht aber auch:

die URL; Genitiv: der URL, Plural: die URLs, (selten:) der URL; Genitiv: der des URLs, Plural: die URLs

Das ist ein Hinweis darauf, dass normalerweise „die“ verwendet wird und wohl auch verwendet werden sollte.

Der Örl

So, nun noch etwas für die Nerds unter uns. Die sagen nämlich weder „die URL“ noch „der URL“, sondern sprechen das so aus: „der Örl“. Die Buchstaben „U“ „R“ „L“ werden also englisch als ein einziges Wort ausgesprochen, eben „Örl“.

Shrug EmojiIn dieser Form ist mir der Begriff bislang noch nicht mit weiblichem Artikel untergekommen. Aber … alles ist möglich.

Meine Entscheidung

Ich werde es so halten, dass ich in eher technischen Unterhaltungen weiter „der URL“ verwende. Das erscheint mir korrekter.

In Gesprächen mit Menschen, die sich eher weniger mit Technik und besonders dem Internet beschäftigen, sage ich „die URL“. Das ist sozialverträglicher und führt nicht unnötig zu Stirnrunzeln.

Pastéis de Nata selbstgemacht

Foto mit den fertig gebackenen Pastéis de Nata

Heute habe ich mir mal die berühmten Pastéis de Nata selbst gemacht.

Zugegeben … das Rezept ist nicht besonders anspruchsvoll. Das Ergebnis ist trotzdem sehr lecker.

Was sind Pastéis de Nata?

Die Pastéis de Nata sind kleine Pudding-Törtchen in Blätterteig. Wenn ihr einmal in der Umgebung von Lissabon zu Besuch seid, werdet ihr in jeder Konditorei und in jedem Café über dieses Gebäck stolpern.

Ich selber habe die Pastéis de Nata (bewusst) zum ersten Mal 2016 gegessen, und zwar von der Orginal-Bäckerei in Belém. Ich fand sie ganz lecker und trotz meiner Vorbehalte weniger süß als gedacht. Ich habe die Törtchen heute selber gemacht und weiß nun allerdings, dass Unmengen von Zucker enthalten sind!

Das Rezept für Pastéis de Nata

Für die geplante Silvesterfeier diese Jahr bei Freunden habe ich mir überlegt, etwas Portugiesisches mitzubringen. Entschieden habe ich mich für einen „Salat“ aus Oliven und Karotten mit viel Rosmarin und Knoblauch. Und als zweites eben für die Pastéis de Nata.

Allerdings habe ich die noch nie selber gemacht.

Also gab es heute einen Probelauf!

Das Rezept habe ich mir hier geholt: Pastel de Nata | inkl. Rezept zum selber backen. Ein empfehlenswerter Blog. Dort findet ihr noch weitere Infos zu dem Gebäck.

Warum steht da „Pastel“? Nun, „Pastel“ ist der Singular. Wenn man mehrere davon macht, mutieren sie zu Pastéis. 😉

Die Zutaten sind überhaupt nicht exotisch. Bis auf die Zimtstange sollte alles in einem normalen Haushalt vorhanden sein. Die Hauptzutaten sind Milch und Zucker.

Den Blätterteig habe ich fertig gekauft und nicht selber gemacht. Das empfiehlt auch Tanja in ihrem Blog. Ebenso habe ich die Zuckermenge gemäß ihrer Empfehlung drastisch von 500g auf 300g reduziert. Und ja, das reicht auf jeden Fall!

Foto mit den vorbereiteten Zutaten in meiner Küche

Eine Eigenart von mir ist, dass ich gerne alle Zutaten bereit lege und nicht erst zusammensuche, wenn sie dran sind. Übrigens … der Rotwein ist keine Zutat, schon gar nicht, wenn er nicht aus Portugal stammt.

Das mit dem Rezept ist so eine Sache. Es gibt auch Rezepte im Internet mit weniger Eiern. In manchen wird eine Vanilleschote dazugetan. Manche geben auch Butter hinzu.

Ich habe mich, wie gesagt, an Tanjas Rezept gehalten.

Meine Erfahrungen beim Backen

Ich habe ein Muffin-Blech verwendet mit 12 Förmchen. Leider besitze ich nur eins dieser Bleche, so habe ich die Törtchen in zwei Runden gebacken, weil das Rezept für die doppelte Menge an Pastéis ausgelegt ist.

Die Formen habe ich nicht gefettet. Beim ersten Gang war das okay, beim zweiten hätte ich mir etwas Fett in den Förmchen gewünscht. Ich glaube, ich hatte das Blech etwas länger im Ofen. Der Teig war dann doch schon etwas fest angebacken.

Beim ersten Mal habe ich den Blätterteig komplett ausgerollt und dann in 12 Rechtecke geschnitten. Es war ganz schön Arbeit, die Rechtecke halbwegs ordentlich in die Förmchen zu bekommen. Insgesamt schien mir die Teigstärke oft etwas zu dünn.

Bei der zweiten Runde habe ich den Teig eingerollt und dann 12 Scheiben abgeschnitten. Diese ließen sich viel leichter in die Förmchen drücken.

Andere stechen aus dem Teig kreisförmige Stücke aus, müssen dann aber den Teigrest erneut ausrollen, damit sie weitere Kreise ausstechen können.

Foto des Muffin-Blackblechs mit dem eingearbeiteten Teig, aber noch ohne Füllung

Auf dem Foto sieht es aus, als würde sich der Teig hochwölben. Das ist eine optische Täuschung. Die Füllung fehlt tatsächlich noch.

Da die Füllung sehr viel Zucker enthält, neigt sie ein wenig zum Anbrennen, wenn sie sich nicht in den Förmchen befindet, sondern dazwischen.

Die Füllung soll man nur zu 3/4 einfüllen. Ich habe die Teigformen fast vollständig gefüllt. Ich wollte nicht so viel von der Füllung übrig behalten. Am Ende war das auch egal, denn die Füllung wölbt sich zwar beim Backen hoch, fällt aber dann beim Abkühlen wieder leicht zusammen.

Foto mit den fertig gebackenen Pastéis de Nata, hier noch auf dem Muffin-Blech

Hier auf dem Foto könnt ihr die schwarzen Flecken auf dem Blech erkennen. Das ist verbrannter Teig. Auf den Törtchen selber gehört das so! Also nicht unbedingt schwarz, aber braun ist in Ordnung. Das ist halt der Zucker.

Wie bekommt man nun die Törtchen aus dem Blech?

Einfach das Blech umzustürzen, ist keine gute Idee. Die Puddingfüllung ist nämlich immer noch weich und würde aus den Törtchen herausfallen. Also nahm ich einen Tortenheber und fuhr damit bei jedem Törtchen einmal um die Seitenwand herum. Das ging meistens sehr gut. Aber einige Törtchen waren widerspenstig. Ein wenig Einfetten wäre wohl doch hilfreich gewesen. Zu spät. 🙁

Man sieht das den Törtchen auf dem ersten Bild in diesem Artikel an … die Außenseite ist bei einigen etwas … hm, zerzaust.

Naja, war mein erster Versuch! Also, bitte …

Traditionell streut man vor dem Anknabbern noch etwas Zucker oder Zimt auf die Pastéis de Nata. Das ist Geschmackssache. In manchen Rezepten wird auch noch mal extra Zucker oben als Topping mit einem Flambierbrenner karamelisiert. Hm .. noch mehr Zucker. Das muss am Ende jeder selbst entscheiden.

Ich habe natürlich ein, zwei probiert. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis!

Wenn ihr mögt, könnt ihr hier unten gerne von euren eigenen Erfahrungen berichten. Was habe ich falsch gemacht, was kann ich optimieren?

Update 10.12.2018:
Ich habe die Pastéis mit ins Büro genommen. Hier ein paar Kommentare, direkt aus den E-Mails herauskopiert:

Danke sehr sehr lecker.. und man kann nicht nur eins essen 😉 ich hab schon zwei.
Ist wahrlich schwer zu widerstehen.

hast Du sehr gut gemacht, war sehr lecker! Danke

Suuuuuperlecker.

Kannst öfter machen 🙂

Update 31.12.2018:
Für Silvester habe ich noch einmal zwei Bleche Pastéis de Nata gebacken. Diesmal habe ich die Förmchen auf dem Blech schön mit Butter eingerieben. Gebracht hat das allerdings gar nichts.

Beim zweiten Blech habe ich in die ungefetteten Förmchen zusätzlich Muffin-Förmchen aus Papier hineingestellt. Das hatte die Wirkung, dass der Blätterteig wohl weniger heiß geworden und damit nicht so hundertprozentig ausgebacken ist. Gegen das Ankleben hat das nichts geholfen.

Im Endeffekt ist es folgendermaßen: der Blätterteig sollte direkt am heißen Blech anliegen. Er klebt auch gar nicht an. Das Problem ist einzig der zuckerhaltige Pudding. Sobald der irgendwo an das heiße Blech kommt, verklebt er. Es muss also unbedingt darauf geachtet werden, dass der Pudding auch beim Backen immer schön im Blätterteig bleibt! Von daher hat das „nur zu 3/4 einfüllen“ seine absolute Berechtigung.

Schlecht ist es hingegen, wenn die Puddingmasse nach oben über den Blätterteigrand hinaus aufsteigt und dort entweder den Rand an das Blech klebt oder gar hinter den Teig fließt und dort den Teig oder das Papier (der zusätzlichen Förmchen) mit dem Blech verklebt.

Wie machen das eigentlich die Profis?

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Elektroautos und Stromverbrauch

Ich gebe es zu …. ich habe kein Elektroauto. Mein Hyundai i10 fährt ganz ordinär mit Benzin.

Warum zögere ich noch?

Gibt es doch mit dem Hyundai Kona elektro ein ziemlich interessantes Elektroauto.

Foto des Hyndai Kona Elektro

Mit dem Kona kommt man über 400 km weit.

Es sind dieselben Gründe, von denen man immer wieder in den Medien hört:

  • Hohe Anschaffungskosten
  • Geringe Reichweite
  • Zu wenig Ladesäulen

Gut … es tut sich langsam etwas. Schauen wir mal …

Im Gespräch mit anderen Menschen höre ich immer wieder:

Wenn alle einen Elektrowagen fahren würden, dann bräche das Stromnetz in Deutschland zusammen.

Das klingt plausibel. Es gäbe sehr viele Autos, die sehr viel Strom (ver-)bräuchten.

Aber stimmt das denn eigentlich?

Wieviel Strom brauchen Elektroautos?

Foto eines Stromzählers

Bildquelle: pixabay.com

Ich habe mir gedacht, dass ich das einfach selbst mal nachrechnen könnte. Basis für die Zahlen sind diverse, frei zugängliche Quellen im Internet.

Rechnen wir also mal durch, was so ein Auto im Jahr an Strom braucht.

Laut der Website Elektroauto News liegt der Stromverbrauch von Elektroautos derzeit bei 11,5 kWh (Hyundai Ioniq Elektro) bis 23,3 kWh (Tesla Model S P90D). Der Einfachheit halber nehme ich mal 15 kWh zum weiteren Rechnen.

Wieviel Kilometer fährt man denn so im Durchschnitt im Jahr? Bei mir sind es 25.000 km, aber das ist wahrscheinlich schon recht viel. Kommt ihr im Jahr auf 25.000 km? Nehmen wir mal einen etwas kleineren Wert, nämlich 20.000 km im Jahr.

20.000 km im Jahr bei einem Verbrauch von 15 kWh pro 100 km im Durchschnitt ergibt einen Strombedarf von 3.000 kWh.

Das klingt schon mal ganz schön viel. Andere Leute können ihre Wohnung damit ein Jahr lang betreiben.

In Deutschland gibt es laut dem Kraftfahrt-Bundesamt zum 01. Januar 2018 56,5 Millionen Kraftfahrzeuge. Dabei werden LKWs und Motorräder mit dazugezählt. Wieder der Einfachheit wegen erhöhe ich auf 60 Millionen.

Wenn also ab sofort sämtliche Kraftfahrzeuge in Deutschland mit Strom fahren würden, bräuchten sie 60 Mio mal 3.000 kWh im Jahr.

Das ergibt fette 180 TWh (= Terawatt-Stunden).

Stellt sich die Frage, ob das viel ist, verglichen mit dem Strom, der in Deutschland erzeugt wird. Oder könnt ihr so aus der Hüfte heraus etwas mit dem Wert 180 TWh anfangen? Ich nicht.

Wieviel Strom erzeugt Deutschland?

In einer idealen Welt vebrennen wir keine Kohle für Strom und wir zerstückeln auch keine Atome dafür. Aber die Frage, woher der Strom kommt, schieben wir hier mal beiseite.

Um die gigantischen 180 TWh einordnen zu können, müssen wir wissen, wie viel Strom insgesamt in Deutschland erzeugt wird. Wenn ich der Wikipedia glauben darf, so waren das im Jahr 2017 654,8 TWh.

In Prozent: 180 Terawatt-Stunden entsprechen fast 30 Prozent der derzeitigen Stromproduktion.

Haben wir genug Strom für alle Autos?

Wenn wir 30 Prozent der Stromproduktion nur für die Elektroautos benötigen, haben wir definitiv ein Problem.

Allerdings können wir nicht davon ausgehen, dass tatsächlich alle Autos auf einen Schlag auf einen Elektroantrieb umgestellt werden.

Tatsächlich gibt es laut Kraftfahrt-Bundesamt zum 01. Januar 2018 gerade mal 54.000 reine Elektrofahrzeuge.

Rechnen wir doch schnell mal den Strombedarf für diese Autos aus:

54.000 x 15 kWh / 100 km = 810.000 kWh / 100 km

Bei einer Fahrleistung von 20.000 km im Jahr ergibt das 162 GWh (= Gigawatt-Stunden).

Das entspricht also bei 655 TWh Gesamtstromproduktion 0,025 Prozent.

Der aktuelle Strombedarf kann also eher vernachlässigt werden. Er muss noch nicht mal zusätzlich produziert werden, weil Deutschland nach einem Bericht des Fraunhofer Instituts im ersten Halbjahr 2018 ca. 22 TWh exportiert hat.

Unsere Bundeskanzlerin hatte sich für das Jahr 2020 einen Bestand von 1 Mio Elektroautos gewünscht. Alle sind sich einig, dass dieses Ziel nicht erreicht werden kann.

1 Mio Elektroautos entsprächen dann einem jährlichen Strombedarf von 3 TWh, also etwa 0,5% der Stromproduktion im Jahre 2017. Auch 3 TWh werden leicht von den 22 TWh Exportüberschuss (im Halbjahr) abgedeckt.

Mit 22 TWh Exportüberschuss in einem halben Jahr, also 44 TWh im Jahr könnten wir insgesamt 15 Mio Elektroautos in Deutschland fahren lassen, ohne dass dies unseren sonstigen Stromverbrauch belasten würde. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Keine Panik Schild

Dabei ist der geplante weitere Ausbau der regenerativen Stromerzeugung nicht einmal berücksichtigt.

Wie viele Elektroautos tatsächlich in den nächsten Jahren auf deutschen Straßen fahren, weiß kein Mensch. Es gibt dazu verschiedene Studien, auf die ich hier gar nicht verlinken möchte, weil sich die Zahlen komplett unterscheiden.

Nur kurz: McKinsey erwartet bis 2030 einen Anteil von 7%, die TU München sieht bis 2035 bereits einen Anteil von über 30%.

Wie auch immer … es wird noch eine Weile dauern, so dass nicht mit einem exorbitant hohem zusätzlichen Strombedarf zu rechnen ist.

Und was ist mit dem Stromnetz?

Foto mit Hochspannungsmasten

Bildquelle: pixabay.com

Der zusätzliche jährliche Strombedarf ist auf absehbare Zeit eher zu vernachlässigen, wie wir eben nachgerechnet haben.

Ein Problem gibt es aber, wenn sich alle Stromer gleichzeitig an eine Steckdose oder Ladesäule hängen.

So unwahrscheinlich dieses Szenario auch erscheinen mag, so ist es doch sinnvoll, smarte (um mal nicht das Wort „intelligent“ zu verwenden) Ladesysteme zu entwicklen, die das Laden der Fahrzeuge steuern.

Piktogramm mit einem Elektroauto an einer Ladesäule

Bildquelle: pixabay.com

Stellt euch vor, dass ihr abends nach Hause kommt und euer Auto über Nacht aufladen wollt. Hier könnten die Ladevorgänge über einen größeren Zeitraum automatisch so gesteuert werden, dass in einer Region nicht alle Autos gleichzeitig geladen werden.

Noch konkreter: Zwei Autos mit jeweils einer benötigten Ladezeit von vier Stunden könnten nachts automatisch nacheinander geladen werden. Am Morgen wären beide trotzdem voll geladen startbereit. Die automatische Steuerung der Ladezeiten entlastet die Infrastruktur.

Man sollte dabei berücksichtigen, dass Elektrofahrzeuge im täglichen Betrieb nicht „leer“ gefahren werden, wie man das von seinem Benziner oder Diesel her kennt. Stattdessen hängt man die Fahrzeuge immer dann an eine Ladestation, wenn gerade eine verfügbar ist. Meist steht das Auto tagsüber oder nachts nur herum und kann dann „intelligent“ nachgeladen werden.

So ist es durchaus vorstellbar, dass unsere Autos in Zukunft auch beim Einkaufen oder bei einem Kinobesuch nachgeladen werden. Es wird überall Ladestationen geben.

Die Telekom startet gerade damit, graue Verteilerkasten um Stromladefunktionen zu erweitern. Nachzulesen ist das im Heise Artikel „Elektro-Mobilität: Telekom nutzt Verteilerkästen für Elektroauto-Ladestationen“ vom 05.11.2018.

Auf diese Weise verteilen sich die Ladevorgänge über die ganzen 24 Stunden und Spitzenbelastungen des Stromnetzes können vermieden werden.

Noch nicht abschätzbar ist, wie sich die Technik der Akkus in den nächsten Jahren weiter entwickeln wird. Akkus werden wahrscheinlich höhere Kapazitäten haben und sich schneller laden lassen. Das kann die Spitzenlast erhöhen, sorgt aber auch dafür, dass die Leistung des Stromnetzes nur kurzzeitig benötigt wird.

Stromanbieter wie die Stromnetz Berlin GmbH sehen hier auch bei einem Marktanteil der Elektroautos von 20% (zumindest für Berlin) keine Probleme, wie der Geschäftsführer Thomas Schäfer in seiner Keynote am 11.04.2018 auf der „Hauptstadtkonferenz Elektromobilität 2018“ ausführte.

Andere Stromanbieter wie Vattenfall arbeiten derzeit an einer so genannten Schieflasterkennung und Phasenvertauschung, was das Laden an heimischen Steckdosen optimieren soll. Eine Erläuterung dieser Entwicklungen würde den Rahmen dieses Artikels allerdings sprengen.

Und der Strom für die Herstellung?

Bleibt am Ende noch das Argument zu besprechen, dass Elektroautos in der Herstellung mehr Energie verbrauchen als Autos mit Verbrennungsmotor.

Das Thema „Umweltbilanz von Elektroautos“ möchte ich gerne auslassen. Mir geht es um den Strombedarf.

Hier nur kurz der Verweis auf einen Artikel der „Spektrum der Wissenschaft“ aus dem November 2017.

Leider konnte ich keine genauen Vergleichzahlen zum Energiebedarf bei der Herstellung von Elektroautos und Autos mit Verbrennungsmotor finden.

Die Industrie nennt keine Zahlen und die Forschung darf wohl keine Zahlen nennen.

In allen Untersuchungen geht es meist um den Ausstoß von Kohlendioxid. Dieser hängt aber maßgeblich davon ab, auf welche Weise der Strom erzeugt wird.

Strom aus Kohle ist dreckiger als ein Benzin-Motor

Foto von einer Kohlekraftwerkanlage

Bildquelle: Vattenfall

Naja, sagen wir mal so, die Elektroautos haben ja zunächst nichts damit zu tun, wo der Strom herkommt.

Ziel muss es ohnehin sein, von der Verstromung von Kohle wegzukommen, egal, für was wir diesen Strom verwenden.

Energie ist grundsätzlich unbegrenzt verfügbar, solange es Menschen gibt. Wind, Wasser und Sonne wird es immer geben. Es geht halt darum, diese Energieformen zu nutzen. Und da sehe ich eigentlich ganz positiv in die Zukunft. Es wird wohl noch eine Weile dauern, aber das Ziel ist ja allgmein anerkannt, oder?

Und spätestens dann, wenn wir unseren gesamten Strom aus regenerativen Energiequellen gewinnen, hat sich die Frage nach dem Stromverbrauch von Elektroautos sowieso erledigt.

Update 06.01.2019:
Einen sehr bemerkenswerten Artikel zum Thema „Graue Energie“ bzw. „energetischer Rucksack“ gibt es auf dem Blog der „interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg“: Auch Verbrenner fahren mit Strom!. Achtung! Der Artikel ist ziemlich lang. Aber wenn ihr nur zwei oder drei Sätze zu dem Thema lesen wollt, werdet ihr das Niveau eines Stammtischgesprächs nicht hinter euch lassen.