Portugals Algarve – ein Sehnsuchtsfilm

portugals algarve - ein Sehnsuchtsfilm

portugals algarve - ein Sehnsuchtsfilm

portugals algarve auf eigene faust … so nennen Silke Schranz und Christian Wüstenberg ihren fast zweistündigen Film über Portugals Südküste, die Algarve.

Der Film wird im Augenblick in vielen deutschen Kinos gezeigt, die genauen Orte und Termine findet ihr auf der Homepage der beiden Filmemacher. Gestern war Erding dran, und natürlich habe ich mir den Film angesehen.

Er gliedert sich thematisch in zwei Teile: die ersten 45 Minuten geht es um die östliche Sandalgarve (Vila Real de Santo António bis Faro) und in den zweiten 45 Minuten geht es um die Felsalgarve (Faro bis Sagres). Fast zwei Stunden Film klingen lang. Aber dennoch reicht die Zeit nicht aus, um die Algarve in allen Facetten darzustellen.

Etwas überrascht war ich über das geringe Interesse, denn mit mir schauten sich nur zwei andere Personen den Film an. Erding ist sicher nicht gerade als Nest für Portugal-Fans bekannt, aber vielleicht lag es auch an dem Termin mitten in der Woche. Vor und nach der Veranstaltung hatte ich die Möglichkeit, mit Silke Schranz und Christian Wüstenberg über ihr Projekt und über andere Dinge zu plaudern. Ich erfuhr unter anderem, dass sie den Film auch schon in vollen Kinosälen präsentiert hatten.

Wer sich für Portugal interessiert und den Film verpasst, ist selber Schuld. Immerhin gibt es auch die Möglichkeit, den Film auf DVD zu bestellen (in einer Version, die 30 Minuten länger ist als die im Kino).

Im Film bewegt ihr euch abschnittsweise von der spanischen Grenze bis zum Cabo de São Vicente. Zunächst wird der entsprechende Küstenabschnitt aus der Luft gezeigt, danach auf der Karte, auf der ein netter animierter gelber Wurm über den Streckenverlauf und die auf dem Weg liegenden Orte informiert. Auf diese Weise verliert niemand die Orientierung. Danach gibt es Filmaufnahmen von den Orten und von den Menschen, die dort leben. Man erfährt Interessantes über die Korkindustrie, die Salzgärten und über die Orangenernte.

Die Algarve wird vollständig inklusive Hinterland, Monchique und Westküste dargestellt. Dennoch können nicht alle interessanten Orte im Detail vorgestellt werden (ich habe zum Beispiel Alte vermisst). Christian Wüstenberg kommentiert den Film fortlaufend mit ruhiger Stimme, zusätzlich wird die Stimmung durch Hintergrund-Musik unterstützt. Betonen möchte ich an dieser Stelle, dass die Filmemacher bewusst ihre eigene subjektive Sicht auf die Algarve wiedergeben. Da ist dann kein Platz für Massentourismus. Dieses Thema und der Trend, nach wie vor die Küste mit Betonklötzen zuzupflastern, wird daher auch nur am Rande angesprochen.

Im Film nicht vorgestellt werden

  • Golfplätze
  • Freizeitparks wie das Zoomarine oder Krazy World, Wasserparks
  • Vieh- und Flohmärkte
  • Hotels und Ferienanlagen
  • Shopping-Center
  • Urbanisationen mit Immobilien für Ausländer

Somit ist der Film nicht besonders geeignet für Menschen, die sich wichtige Infos erhoffen, wie sie den nächsten pauschal gebuchten Urlaub an der Algarve am besten buchen und gestalten können. Dies ist nicht abwertend gemeint, wir selber machen auch immer wieder einen Pauschalurlaub. Nur hilft der Film hierbei nur bedingt.

Auch Geschichte, Politik, Wirtschaft und Verkehr werden nicht thematisiert. Diese eher trockenen Daten lassen sich hervorragend im Internet recherchieren, zum Beispiel auf der Website „Leben in Portugal“ (http://leben-in-portugal.info) (Hinweis 05.10.2016: Die Domäne ist umgezogen nach http://leben-in-portugal.wiki.).

Aber für wen ist der Film denn dann?
Der Film ist besonders geeignet für Menschen, die schon mal an der Algarve waren und ihr Bild auf diese Weise vervollständigen können. Vielleicht löst der Film auch den Wunsch aus, sich eine bestimmte Gegend im nächsten Portugal Urlaub einmal selber genauer anzusehen, zum Beispiel die Ilha da Culatra.

Der Film ist sehr gut geeignet für Menschen, die eine Gegend auf eigene Faust erkunden wollen. Sich den Film anzusehen und die nächste Reise mit Mietauto oder gar eigenem Fahrzeug an die Algarve zu planen, sind praktisch eins. Wer noch nicht an der Algarve war, wird nach dem Film hochmotiviert sein, die Algarve abseits der bekannten Tourismusgegenden zu erleben.

Der Film ist hervorragend geeignet für Menschen, die sich für Portugal begeistern und sich sowieso jeden Film über dieses Land ansehen.

Der Film ist auch gut geeignet für Menschen, die ihren Urlaub lieber ganz weit weg außerhalb Europas verbringen. Denn sie erfahren, wie interessant ein Teil Europas sein kann und dass es sich lohnt, seinen eigenen Kontinent zu erkunden.

Auch für deutschsprachige Portugiesen ist der Film sicher ein Highlight. Egal, ob sie ihren nächsten Urlaub an der Algarve planen, oder einfach nur schöne Bilder von ihrer Heimat sehen wollen.

Zitat aus dem Pressetext zum Film:

Silke Schranz und Christian Wüstenberg sind immer auf eigene Faust unterwegs, sie lassen sich treiben und entscheiden spontan, wo sie bleiben wollen. Ihre Filme sind kein müder Abklatsch der Reiseführer. Die Reisereportagen der Filmemacher unterscheiden sich vor allem in einer Hinsicht von allen anderen: Es werden keine trockenen Geschichtsdaten runtergerasselt, sondern interessante Geschichten erzählt. Und das in einer Sprache, als säße man mit den beiden nach ihrem Urlaub am Küchentisch, wo sie mit leuchtenden Augen von ihrer letzten Reise erzählen.

Die tolle Landschaft und die Natur liegen ihnen besonders am Herzen. Immobilienspekulanten sind ihnen ein Dorn im Auge. „Wir wollen dem Zuschauer Lust machen, die Algarve auf eigene Faust zu bereisen und nicht einfach nur Teil des Industriezweigs Tourismus zu sein in einem gesichtslosen Bettenbunker“ sagt Silke Schranz. Eineinhalb Jahre haben sie am Film gearbeitet, alles daran haben sie selbst gemacht, alles ohne Werbung und Sponsoren. Ihre filmische Reise geht von Vila Real de Santo António an der spanischen Grenze bis nach Sagres mit vielen Ausflügen ins Hinterland und an die wilde Westküste. Der Zuschauer reist mit zu dramatisch abfallenden Steilküsten, in kleine Fischerdörfer, in hübsche Städte und zu traumhaften Stränden. Er erlebt mit wie die Korkeichenrinde zum Sektkorken wird, woher die leckersten Orangen Europas kommen oder wie Salzgärtner aus dem Meer feinste Salzblüte gewinnen.

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3 Kommentare
  1. Chica sagt:

    die gesamte liste für vorführungen in deutschland findet sich auch hier:
    http://www.portugallierforum.de/veranstaltungen/4487-film-ueber-portugals-algarve-vielen-kinos-deutschland-herbst-winter-2010-a.html
    als angemeldeter User im Portugallierforum kann man außerdem alle Termine im Kalender sehen 🙂

  2. […] doch bekannt vor, so schoss es mir durch den Kopf, als ich im Algarve Sehnsuchtsfilm (siehe auch http://blog.sevke.net/2010/11/25/portugals-algarve-ein-sehnsuchtsfilm/) darauf stieß. Hatte ich schon erwähnt, dass der Film empfehlenswert […]

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