Portugal – Pego do Inferno – Ausflugstipp für mobile Urlauber

Pego do Inferno … das kam mir doch bekannt vor, so schoss es mir durch den Kopf, als ich im Algarve Sehnsuchtsfilm (siehe auch https://blog.sevke.net/2010/11/25/portugals-algarve-ein-sehnsuchtsfilm/) darauf stieß. Hatte ich schon erwähnt, dass der Film empfehlenswert ist?

Jedenfalls war ich dort noch nie gewesen, und eigentlich kannten wir so ziemlich alle interessanten Ausflugsziele an der Algarve. Deswegen stand fest, dass wir uns das dieses Jahr auch einmal ansehen wollten. Ich war mir vollkommen sicher, dass ich einen entsprechenden Wegweiser mal irgendwo in der Nähe von Moncarapacho gesehen hätte. Also kreisten wir großräumig um diesen Ort, fanden aber nirgends dieses Schild. Irgendwann sahen wir ein deutsches Auto am Wegrand, dessen Fahrerin gerade Müll in einen Müllcontainer warf. Ich folgerte messerscharf, dass es sich um eine Residentin handeln musste und sprach sie an. Leider konnte sie mir nicht weiterhelfen, bot aber spontan an, in einer Nebenstraße eine Portugiesin danach zu fragen, die sehr gut Deutsch verstünde. So geschah es dann auch. Während meine Familie im Auto schmorte, unterhielt ich mich längere Zeit mit den beiden Frauen … nebenbei auch mal über unser Ausflugsziel. (Zu dem Zeitpunkt hatte ich aber noch nicht mal die richtige Bezeichnung bei der Hand, sondern konnte das Ziel nur beschreiben.) Nichts half … und ich musste mir von meiner inneren Stimme herbe Vorwürfe gefallen lassen, wieso ich denn das Ganze nicht wesentlich besser von zu Hause aus vorbereitet hatte. Schon recht …

Das große Portugalforum

Das große Portugalforum

Wozu hat man Freunde? Zurück im Hotel in Spanien setzte ich mich in die Hotel-Lobby, wo ich einen kostenlosen Hotspot nutzen konnte, und fragte im Portugallierforum nach. Schon nach gut einer Stunde erhielt ich alle Informationen!

So haben wir uns am 19. Juni wieder auf den Weg gemacht.

Autobahn A22 / IP1 bis Ausfahrt Tavira, von dort Richtung Tavira, dann rein in den ersten Kreisel, schön 3/4 rechts herum und da stand es …

Portugal 2011 - Pego do Inferno - der Wegweiser

Portugal 2011 - Pego do Inferno - der Wegweiser

Wir waren also auf dem richtigen Weg zum Höllenabgrund!

Nun ging es ein kurzes Stück (ca 0,6 km) weiter auf der EN270 und dann links ab in Richtung Norden, wieder unter der Autobahn hindurch, und dann immer schön geradeaus (so ca. 3 km) den Schildern nach, die an jeder Kreuzung den richtigen Weg bestätigten. Die Fahrt ging durch große Zitronen- und Orangenhaine (die Zitronen waren noch fast alle grün). Man kann allerdings nicht bis direkt zum Wasserfall fahren, sondern muss sein Auto vorher entweder am Straßenrand oder auf dem kleinen Parkplatz abstellen.

Portugal 2011 - Pego do Inferno: eine kleine Wanderung ist angesagt

Portugal 2011 - Pego do Inferno: eine kleine Wanderung ist angesagt

Gerade an den Wochenenden (und nur dann sollte man dort hinfahren, weil die portugiesische Bevölkerung dort dann so etwas wie ein großes Happening veranstaltet) kann es ein wenig knapp mit den Parkplätzen werden. Ein bisschen Wandern ist in jedem Fall notwendig, aber das ist gar nicht schlimm. Der erste Teil des Weges führt zwar über einen Sandweg in der prallen Sonne, aber danach wird es besser.

Portugal 2011 - Pego do Inferno: schöne Holztreppen führen zum See

Portugal 2011 - Pego do Inferno: schöne Holztreppen führen zum See

Auf dem Rückweg später bin ich die Treppen barfuß hochgestiegen, aber seid gewarnt: ihr verbrennt euch die Füße … lieber mit Schuhen!

Den Weg säumen mehrere Informationstafeln, die über die Gegend, die Fauna und Flora und das EEForest-Projekt (25.04.2015 Anmerkung: früher gab es dazu mal die Website http://eeforest.org) informieren. Alles auf Portugiesisch und Englisch.

Portugal 2011 - Pego do Inferno: noch mehr Treppen, aber schattig

Portugal 2011 - Pego do Inferno: noch mehr Treppen, aber schattig

Nach vielen gefühlten Stunden (Schmarrn, es macht Spaß, die Treppen durch das üppige Grün nach unten zu steigen!), kann man dann einen ersten Blick nach unten werfen und sieht einen kleinen Teich mit glasklarem Wasser. Den Wasserfall hört man, kann ihn aber noch nicht sehen. Dafür sieht man unten viele Besucher, die sich anscheinend mehr oder weniger häuslich dort eingerichtet haben.

Portugal 2011 - Pego do Inferno: ein erster Überblick

Portugal 2011 - Pego do Inferno: ein erster Überblick

Und dann ist man endlich unten und sieht ihn, den Wasserfall!

Ja, vielleicht ist er nicht so mega-spektakulär wie die Niagara-Fälle, an die wohl viele denken, wenn sie das Wort Wasserfall hören, aber so 10 Meter tief dürfte das Wasser schon fallen.

Portugal 2011 - Pego do Inferno: der Wasserfall

Portugal 2011 - Pego do Inferno: der Wasserfall

Einige Leute schwimmen im Wasser, andere grillen am Ufer, Hunde wuseln überall herum, Jugendliche turnen an einem Seil über dem Wasser, um sich dann mit allerlei Verrenkungen ins Wasser fallen zu lassen, ein paar klettern auf den Felsen, um neben dem Wasserfall herunterzuspringen …

Portugal 2011 - Pego do Inferno: Buben und Mädels

Portugal 2011 - Pego do Inferno: Buben und Mädels

Die Jugendlichen haben sich mehr oder weniger in Gruppen aufgeteilt. Während die Jungs von Felsen springen oder sich wie Tarzan durch die Lüfte schwingen, treiben die Mädels mit einer Luftmatratze im Wasser und feuern ihre Favoriten an.

Anderen ist das egal, die grillen lieber … Würstchen oder später plattgeklopfte Frangos.

Portugal 2011 - Pego do Inferno: Lecker grillen!

Portugal 2011 - Pego do Inferno: Lecker grillen!

Am See herrscht also ein buntes Treiben, viele haben sich wohl auf einen Ganztagesausflug eingestellt. Ein kurzes (qualitativ nicht so gutes) Video zeigt in einem kurzen Schwenk noch mal den See und gibt auch einen Eindruck von der Geräuschkulisse.

Nachdem der Fluss über den Wasserfall in den See gefallen ist, fließt er über einen nur knöcheltiefen Bach ab. Hier kann man herrlich den Bach lang waten. Es ist eine sehr idylische Stimmung, zumal es dort auch nicht mehr so wuselig zugeht wie direkt am See.

Allen Algarve-Urlaubern, die mobil unterwegs sind, kann ich den Pego do Inferno nur wärmstens empfehlen. Wer es ruhiger mag, fährt während der Woche dahin, wer ein authentisches portugiesisches Gewusel fernab des Tourismus mag, wählt das Wochenende für einen Besuch.

Ich freue mich über eure eigenen Erfahrungen als Kommentare!

Update 21.10.2011:
In den portugiesischen Nachrichten (zum Beispiel Regiao-Sul) wird berichtet, dass die Anlage Pego do Inferno Vandalismus zum Opfer fiel. Insbesondere ist der Zugang über die Holztreppe nicht mehr verfügbar. Anscheinend kommt es jedes Jahr zu Zerstörungen, die aber dieses Jahr besonders schwerwiegend ausfielen.

Update 11.10.2013:
Leider ist die Anlage nach wie vor nicht zugänglich, wie ein Mitglied des Portugalforums vor Ort überprüft hat. Sehr schade. Ich kann nur vermuten, dass die Finanzierung nicht sichergestellt werden konnte. Theoretisch müsste man über den kleinen Fluss noch zum See gelangen.

Update 15.07.2015:
Auch 2015 liegt das Gebiet weiterhin brach. Anscheinend sind die Kosten für die Instandsetzung so hoch, dass die Gemeinde Tavira das Geld nicht alleine aufbringen kann. Ohne entsprechende Pflege muss leider davon ausgegangen werden, dass dieser schöne Ort weiter verwahrlost.


 

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