Testfahrt mit der Kawasaki Ninja H2 SX SE

Vorbemerkungen

Im Februar 2018 wurde in Portugal (in Cascais und auf der Rennstrecke von Estoril) der neue Sporttourer Kawasaki H2 SX SE vorgestellt. Seit dem überschlagen sich die Medien mit Lobpreisungen auf dieses 200 PS Motorrad.

Ich selber bin seit über 30 Jahren Yamaha XJ 900 F Fahrer.

Meine Yamaha XJ 900 F - Mausklick für größere Darstellung

Meine Yamaha XJ 900 F – Mausklick für größere Darstellung

Dazu gibt es auch schon einen Artikel hier im Blog: Yamaha XJ 900 F

Die XJ hat zwar auch schon 98 PS und fährt ca. 220 km/h, ist aber natürlich 30 Jahre alt. Außerdem hat sie noch 18-Zoll Räder, die Kawa hat 17 Zoll. Weiterer wichtiger Unterschied ist, dass die Kawa das Hinterrad mit einer Zahnkette antreibt, während die Yamaha über einen Kardanantrieb verfügt (heutzutage eher unüblich bei Motorrädern, aber wartungsarm).

Obwohl die XJ ebenfalls als Sporttourer bzw. Tourensportler eingeordnet wird, liegen zwischen ihr und der Kawa 30 Jahre Entwicklung.

Auf jeden Fall haben mich die Videos und Berichte angemacht und ich wollte das Bike gerne selber mal ausprobieren. Das war heute der Fall.

Die Kawasaki Ninja H2 SX SE

Seitenansicht der Kawasaki Ninja H2 SX SE

Allzuviel zur Technik werde ich hier nicht schreiben. Dafür gibt es genug andere Quellen im Internet. Hier geht es vor allem um meine persönlichen Eindrücke.

Zur Einstimmung ein ausführliches YouTube-Video:

Es gibt die H2 SX in zwei Varianten, einmal in der Standard Ausführung und einmal als Special Edition SE. Die Standard Version gibt es nur in Grau. Da macht das tolle glitzernde Grün („Emerald Blazed Green“) der SE erheblich mehr her. Als weitere zusätzliche Ausstattung hat die SE einen Hauptständer, den Quickshifter/Blipper, einen etwas höheren Windschild, Heizgriffe, eine Launch-Control, dreistufiges LED Kurvenlicht, Stahlflex Bremsleitungen, schönere Felgen und ein Farb-TFT-Display. Ich denke deshalb, dass sich kaum ein Käufer nur mit der Standard Ausführung zufrieden geben wird.

Anzeigeinstrumente der Kawasaki Ninja H2 SX SE

Trotz des großen TFT-Displays ist die Kopplung eines Smartphones nicht vorgesehen. Somit kann das Handy nicht für die Navigation genutzt werden, es sei denn über einen Extra-Adapter. Gut … du kannst dein Handy auch in die Jackentasche stecken und dir die Navigation per Bluetooth In-Ear-Ohrhörer ins Ohr flüstern lassen, aber wo doch da vorne schon so ein schönes farbiges TFT-Display eingebaut ist, hätte man es auch für Android Car vorbereiten können.

Die H2 SX hat 200 PS und ist bei einer Maximalgeschwindigkeit von 299 km/h elektronisch abgeregelt. Sie kann mit zwei Koffern in passender Lackierung mit je 28 Litern (da passt jeweils ein Helm hinein) ausgestattet werden, die für die hohe Geschwindigkeit ausgelegt sind.

Natürlich sind allerlei weitere nette Gimmicks dabei: Kurven-ABS und Traktionskontrolle, Tempomat, rundherum LED Lichter, Power-Management zur Leistungsreduzierung auf 75% oder gar 50%.

Anmietung der Kawasaki Ninja H2 SX SE

Vor dem Kauf eines neuen Fahrzeugs, sei es ein Auto oder ein Motorrad, ist es auf jeden Fall sinnvoll, auf einer Probefahrt zu überprüfen, ob einem das Fahrzeug zusagt. Es stellt sich allerdings die Frage, ob eine meist sehr kurze Probefahrt dafür ausreicht. Ein Motorrad wie die neue Kawasaki Ninja H2 SX SE sollte auch mal auf der Autobahn getestet werden. Alleine der Weg zur nächsten Autobahn und zurück kann die zugebillgte Probefahrtzeit bereits überschreiten.

Als erweiterte Alternative lassen sich Motorräder auch mieten. Ein Tag sollte ausreichend Gelegenheit bieten, das Motorrad zu testen. Natürlich sind auch längere Mietzeiträume möglich, falls man mit dem Motorrad zum Beispiel eine Wochenendtour durchführen möchte.

Ich habe einfach auf der Website von Kawasaki um eine Probefahrt gebeten und bin 4 Tage später von hadoMoto in Egmating angerufen worden, um konkret einen Termin auszumachen.

Vorher wollte ich aber persönlich bei dem Händler vorbeischauen, einfach um zu sehen, mit wem ich es zu tun hatte. Deswegen fuhr ich am darauf folgenden Samstag Vormittag nach Egmating und fand dort einen leicht zu erreichenden Händler mit Werkstatt vor, in dem auf zwei Stockwerken viele aktuelle Kawasaki Modelle und einige Gebrauchte ausgestellt waren. Ich wurde mit einer Tasse Kaffee empfangen, was mir gerade recht war.

Ich ließ mir viel Zeit für Benzingespräche mit Tom, der den Laden führte. Zwischendurch musste er sich zwar immer wieder um andere Kunden kümmern, aber ich blieb einfach da. Schließlich war ich ein potenzieller Kunde für eins der teuersten Kawasaki Modelle. Eine neue H2 SX SE stand im Ausstellungsraum, eine weitere stand im Hof für Probefahrten und Vermietungen bereit. Dort durfte ich auch mal probesitzen und war doch überrascht, dass das deutlich höhere Gewicht der Maschine gegenüber meiner XJ zwar spürbar, aber nicht abschreckend war. Respekt hatte ich immer noch, aber keine Angst mehr, mit der Maschine nicht fertig zu werden.

Gegen Mittag vereinbarte ich dann, die H2 SX am nächsten Dienstag für einen Tag zu mieten.

Die Kosten dafür sahen folgendermaßen aus:

Mietpreis für eine Kawasaki Ninja H2 SX SE

159 Euro für einen Tag fand ich recht hoch, bekommt man doch für weniger Geld viel teurere Autos gemietet. Aber es war ja meine Entscheidung. Ich konnte es auch lassen, niemand zwang mich.

Zusatzkosten bei der Anmietung einer Kawasaki Ninja H2 SX SE

Auf diese Kosten schlug hadoMoto weitere 10 Euro für die Reinigung des Motorrads nach der Rückgabe sowie (optional) 12 Euro für eine Vollkasko Versichung mit 2.000 Euro Selbstbeteiligung drauf.

Insgesamt also 181 Euro. Viel Geld für eine Probefahrt, finde ich. Dennoch … ein Motorrad dieser Preisklasse zu kaufen, ohne es selbst gefahren zu haben, ist Quatsch.

Meine persönlichen Fahreindrücke

Kawasaki Ninja H2SX SE auf der EICMA

Da stand sie nun, die Kawa mit ihrer schillernden grünen Lackierung. Sehr attraktiv anzuschauen. Vorne eine futuristisch wirkende Verkleidung. Hinten ein fetter 200er Hinterreifen.

Zunächst war ich etwas skeptisch, ob eine Maschine mit 200 PS und einem Kampfgewicht von ca. 260 kg für mich überhaupt beherrschbar sei. Zumal ich auf der XJ eher aufrecht sitze, wenn auch nicht so aufrecht wie auf einer BMW R 1200 GS. Obwohl es sich bei der H2 SX nicht um einen Supersportler handelt, war schon beim Anblick der Machine klar, dass die Sitzposition etwas liegender wäre.

Sitz und Tank einer Kawasaki Ninja H2 SX SE

Nach dem Aufsitzen zeigte sich, dass sich da ordentlich Gewicht zwischen den Schenkeln befand, es wirkte aber ausgewogen, keineswegs unhandlich. Die Sitzposition selber empfand ich als hervorragend. Gut, die Arme musste ich schon etwas strecken. Der Kniewinkel war nicht schlimmer als auf der XJ, sogar eher, rein subjektiv, ohne es nachgemessen zu haben, einen kleinen Tick angenehmer. Gerade der Kniewinkel bereitet bei langen Kerlen (ich bin 1,85 m groß) auf die Dauer Probleme … sprich Schmerzen.

Ganz anders als auf der XJ war aber, dass die Knie durch den Tank sehr weit auseinandergespreizt wurden. Der XJ-Tank ist zwar groß, aber relativ schmal. Später zeigte sich, dass mir der breite Tank besser gefiel als der schmale von der XJ. Er bot nämlich beim Bremsen oder wenn ich mal die Arme etwas entspannen wollte, eine gute Abstützung für die Beine. Auf der XJ habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich meine Knie oft vom Tank lösen und dann anfälliger für Wind werden (führt zu Unruhen im Fahrwerk).

Der Sitz war nicht sehr stark gepolstert, fühlte sich aber nicht unbequem an.

Durch die leicht gestreckte Haltung wirkt das Motorrad aus Fahrersicht übrigens viel kürzer als es für einen Außenstehenden von der Seite aus aussieht. Als Fahrer sieht man vor sich nur noch das Cockpit mit einer halbrund gebogenen Scheibe und das war’s.

Das sieht dann ungefähr so aus:

Cockpit der Kawasaki Ninja H2 SX SE

Oben im verlinkten YouTube-Video könnt ihr das Fahren auf der Ninja ebenfalls aus der Ego-Perspektive sehen, sogar in bewegten Bildern.

Beim Fahren muss man mit Vibrationen im Lenker leben, kaum spürbar, aber vorhanden. Das ist auf der XJ (und bei vielen anderen Motorrädern) allerdings auch nicht anders. Sehe ich nicht als Mangel. Interesasant fand ich allerdings, dass alle paar Kilometer mein rechter Zeigefinger von den Vibrationen einschlief. Nur der rechte, nicht der linke. Dann musste ich die Hand etwas ausschütteln und es ging wieder. Ob ich da irgendeiner Durchblutungsstörung auf der Fährte war? Auf der XJ kannte ich dieses Phänomen allerdings nicht.

Die Spiegel werden von den Vibrationen verschont. Das ist bei meiner XJ ganz anders. Da sieht man bei höheren Geschwindigkeiten nicht mehr viel im Spiegel. Die Spiegel der Ninja empfinge ich als etwas zu klein. Ich wünschte sie mir in der Höhe und nach rechts in der Breite um jeweils etwa 1 cm größer.

Wenn man den Motor startet, läuft er sofort grummelig vor sich hin. Im Leerlauf röhrt der Motor etwas. Das Röhren verschwindet sofort, wenn man losfährt. Was der technische Grund für das Röhren ist, weiß ich nicht. Freunde meinten, der Motor ist ja lauter im Stand als der Auspuff, da hört man ja gar nichts. Mit anderen Worten: das Röhren ist nicht besonders sozialverträglich. Man könnte darauf gerne verzichten.

Die Gänge lassen sich mit einem deutlichen Knacken einlegen. Den Leerlauf musste ich einige Male etwas suchen.

Zum Thema Quickshifter/Blipper. Das sind Systeme, die das Herauf- bzw. Herunterschalten ohne Kupplung möglich machen. Sinn ist dabei nicht ein höherer Komfort, sondern ein kleiner Zeitgewinn, wenn man maximal beschleunigen möchte. Von daher machen diese Systeme vor allem bei hohen Drehzahlen Sinn.

Ich hatte bei moderatem Tempo so meine Probleme damit. Erstens empfand ich das Schalten per Quickshifter überhaupt nicht als sanft. Davon abgesehen kam ich dem Quickshifter manchmal mit meinem Versuch, in die Quere, selber per Kupplungshebel schalten zu wollen. Während ich, wie gewohnt, mit dem linken Fuß schon mal leicht den Schalthebel unter Spannung setzte, schaltete der Quickshifter bereits hoch. Gas wegnehmen, Kupplung ziehen fand dann trotzdem noch statt. Es gab einen Ruck und wäre ohne Quickshifter besser gelaufen. Gewöhnungssache, denke ich. Wenn man will, kann man den Quickshifter aber auch ausschalten und wieder ganz auf altmodische Weise schalten.

Die Ninja H2 SX SE in Ortschaften

Die Ninja wiegt 260 kg. Auf den Handgelenken ruht durch die leicht vorgestreckte Haltung Körpergewicht. Dies beides führt dazu, dass langsames Stadtfahren sicherlich mit anderen Motorrädern mehr Spaß macht. Für den Stadtverkehr würde ich mir definitiv keine H2 SX kaufen.

Trotzdem bleibt es nicht aus, dass man auch mal durch einen Ort oder gar durch eine Stadt fährt.

Ganz grundsätzlich macht sich das hohe Gewicht eines Big Bikes beim langsamen Abbiegen schon deutlich bemerkbar. Damit muss man bei solchen Motorrädern einfach leben.

Die Machine bleibt stets gut beherrschbar und stabil. Vorsicht ist geboten, wenn man kurz beschleunigen möchte, zum Beispiel beim Abbiegen. Da man sich dann meistens in einem niedrigen Gang befindet, muss man sehr vorsichtig mit dem Gasgriff umgehen, um die Maschine nicht gleich in das vor einem fahrende Fahrzeug zu katapultieren. Einfach Gas aufreißen ist nicht!

Beim Anfahren hatte ich etwas Probleme mit der Kupplung der Testmaschine, weil mir die Kupplung zu spät kam. Das ist aber Gewöhnungssache und lässt sich vermutlich auch noch anders einstellen.

Eine andere Eigenschaft der Testmaschine machte weniger Spaß. Wenn ich so um die 40 bis 50 km/h gefahren bin, und die Maschine nur so mit Unterstützungsgas rollen ließ, fing sie an zu ruckeln und zu hoppeln, als ob sie Zündaussetzer hatte. Ob dies bei allen Ninjas so ist oder nur bei dieser Testmaschine, kann ich natürlich nicht beurteilen. Das Ruckeln verschwand auch sofort wieder, wenn ich sie etwas mehr ans Gas nahm. Trotzdem brachte das Ruckeln Unruhen ins Fahrwerk, die etwas unangenehm waren. Ich habe alle Gänge von 6 bis runter auf 2 ausprobiert, am Ruckeln änderte sich nichts.

Alles in allem kann man mit der Ninja gut beherrschbar durch Städte fahren, Spaß macht es aber keinen. Das ändert sich sofort, wenn man raus ist aus dem Ort.

Kawasaki Ninja H2 SX SE von vorne

Die Ninja H2 SX auf der Landstraße

Auf der Landstraße ist man mit der H2 SX immer überlegen unterwegs, fast schon gelangweilt, solange Autos vor einem sind. Wenn’s einen nervt, reicht ein kurzes Beschleunigen aus einem beliebigen, gerade eingelegten, Gang zum Überholen. Nur muss man dann sofort wieder das Gas zumachen, weil man dann fast immer bereits deutlich schneller als erlaubt fährt. Das Problem kennt man aber auch schon von leistungsschwächeren Motorrädern.

Die Sitzposition ist sehr gut. Der Windschutz ist ausreichend, schützt allerdings nicht den Kopf. Und auch die Oberarme liegen voll im Wind. Das macht aber auf der Landstraße nichts aus, auch dann nicht, wenn man doch mal kurz schneller als 100 km/h fährt. Das Motorrad liegt stabil auf der Straße und Leistung ist jederzeit auf Kommando in beliebiger Dosis abrufbar.

Teststrecke Harthofen - Buch am Buchrain - Isen - Burgrain - Hohenlinden

Von Hohenlinden aus gibt es über Burgrain, Isen, Buch am Buchrain und Harthofen eine nette kleine Strecke mit schlechtem Belag, Kurven und engen Hauskantenherumzirkeleien, auf denen man gut das Handling eines Motorrads oder seine eigenen Fähigkeiten testen kann.

Ich gebe es zu … meine eigene Kurven-Performance wollte ich auf einem Mietmotorrad nicht unbedingt austesten. Bin da eh nicht so der super Schräglagenkünstler.

Es ist aber bemerkenswert, wie souverän man diese Strecke fahren kann. Auf mich wirkte das Motorrad übermotorisiert (natürlich nur im positiven Sinn).

Als ich einmal von der Autobahn abgefahren und dann von der Abfahrt auf die Landstraße eingebogen bin, wollte ich mal ein paar Gänge hochbeschleunigen. Was für eine Schnapsidee! Ich meine …. schon der erste Gang geht weit über 100 km/h hoch, man braucht also für die Landstraße eigentlich nur den ersten Gang. Das war aber nicht das Problem. Beschleunigt die Ninja bereits bei niedrigen Umdrehungszahlen sehr nachdrücklich, so geht sie ab ca. 6.000 Umdrehungen/Minute ab wie eine Kanonenkugel. Sie reißt dir dermaßen an den Armen, dass du mit Festhalten beschäftigt bist, nicht mehr auf den Drehzahlmesser oder auf den Tacho schauen kannst, auch die Umgebung vor dir auf der Straße fast nicht mehr wahrnimmst … dein Gehirn kann die Informationen nicht mehr verarbeiten. Vielleicht nimmst du noch den Schaltblitz im Drehzahlmesser wahr, der dich (wohl standardmäßig ab 8.500 Umdrehungen) gelb anblinkt, also weit vor dem roten Bereich von 12.000 Umdrehungen … auf jeden Fall bist du damit beschäftigt, per Quickshifter (also ohne Kupplung), den zweiten und dann auch schon den dritten Gang reinzuziehen … um dann sofort wieder vom Gas zu gehen, weil die Kiste einfach bereits viel zu schnell geworden ist. Frag mich nicht, wie schnell ich da war … ich habe es mir nicht gemerkt und war noch wie besoffen von der Beschleunigungsorgie.

Hey, und das war nur ein bißchen höchstens mittelmäßiges Beschleunigen auf der Landstraße … nix Launch Control oder so. Und noch nicht mal bis zur maximalen Drehzahl.

Einfach ausgedrückt: ab ca. 6.000, 7.000 Umdrehungen pro Minute wird die Ninja zur Höllenbestie.

Aber geil ist es schon!

Mag sein, dass andere Motorräder sich genauso verhalten. Ich habe ja keine Erfahrungen mit solchen Maschinen. Mag sein, dass man sich mit der Zeit an die Beschleunigung gewöhnt. Ich kann mich noch erinnern, dass ich die Beschleunigung meiner XJ am Anfang (also vor mehr als 30 Jahren) auch als extrem empfand, ich sie heute aber jederzeit durchbeschleunigen kann, aber sie hat auch nur 98 PS und keinen Kompressor.

Wohin nur mit der ganzen Power?

(c) Kawasaki

Die Ninja H2 SX auf der Autobahn

Vielleicht kann man die Power ja endlich auf der Autobahn richtig ausnutzen.

Das habe ich ebenfalls ausprobiert, selbstverständlich ohne mein persönliches Limit zu überschreiten.

Auch auf der Autobahn gilt: du hast einfach immer genug Leistung abrufbar, egal, ob du 100 km/h fährst, 150 km/h, 200 km/h oder noch mehr. Es spielt keine Rolle. Wie schnell die Ninja H2 SX tatsächlich ist, weiß wohl nur Kawasaki. Ich selber habe es auf 260 km/h gebracht, dann verließ mich das Vertrauen in die Aufmerksamkeit und das Fahrvermögen der anderen Verkehrsteilnehmer, die es leider noch zu viele auf der A94 gab. Egal … 260 km/h auf einem Motorrad sind auch schon ganz schön anstrengend. Nein, die Maschine hatte keine Probleme damit, aber ich. Ich bin nicht so der Ducker, sitze also auch bei höherem Tempo noch aufrecht im Wind. Die kleine Verkleidungsscheibe kann aber den Windruck nicht von meinem Kopf und von den Oberarmen abhalten, so dass ich meine Muskeln schon ganz schön anstrengen musste, um gegenzuhalten. Das macht auf Dauer keinen Spaß. Also entweder klein machen auf dem Moped oder langsamer fahren.

Was diese Verkleidungsscheiben betrifft, haben die Ingenieure schon ein Problem. Ich hatte auf der XJ mal eine so genannte Tourenscheibe, also eine besonders hohe Verkleidungsscheibe. Passte zwar optisch nicht so gut zur Maschine, aber ich erhoffte mir einen besseren Windschutz. Nur leider war das Gegenteil der Fall. Die Scheibe schützte zwar den Oberkörper, blies mir aber den umgelenkten Wind direkt auf oder ins Visier. Das war wesentlich unangenehmer als den Wind auf den Oberkörper zu bekommen. Ich habe dann sofort wieder die Original-Scheibe montiert.

Es geht also nur mit wesentlich größeren Scheiben. Aber das sieht auf einer Ninja, ehrlich gesagt, scheiße aus.

Das kannst du auf einer Gold Wing machen oder meinetwegen auf einer Reise-Enduro, aber nicht auf einem Sporttourer.

Du musst also die Verkleidung so konstruieren, dass sie den Gegenwind möglichst perfekt um dich herum leitet, zusätzlich eine Scheibe, die zumindest den Oberkörper schützt. Von daher ist die Scheibe an der Ninja eigentlich schon ganz in Ordnung.

Höhenverstellbar ist sie übrigens nicht. Kawasaki begründet das damit, dass die Stabilität bei Geschwindigkeiten von 300 km/h im Vordergrund stand. Wie gesagt, auf einem Sporttourer oder einem Supersportler erwarte ich keine höhenverstellbare Scheibe.

Ich möchte noch einmal betonen: die Ninja fuhr auch bei 260 km/h stabil und souverän, ja überlegen.

In Deutschland werden alle straßenzugelassenen Motorräder bei 299 km/h elektronisch abgeregelt. Diese Geschwindigkeit erreicht die H2 SX leicht. Ich selber habe es nicht ausprobiert.

Die Geschwindigkeit fordert allerdings ihren Preis in Form von einem sehr hohen Benzinverbrauch. Der wird dir auch im Display angezeigt, aber ehrlich, bei diesem Tempo schau ich nicht mehr entspannt auf das (hervorragend ablesbare) Farb-TFT-Display. Es sind auf jeden Fall deutlich über 10 Liter auf 100 Kilometer. Deutlich mehr!

Auf der anderen Seite habe ich bei gemäßigtem Landstraßentempo geschaut, und da wurden sogar teilweise unter 4 Liter auf 100 km angezeigt. Das bedeutet im Endeffekt nur, dass deine eigene Fahrweise bestimmt, wie schnell der 19-Liter Tank leer ist. Aber das überrascht nun nicht wirklich.

Jedenfalls: Autobahn stellt für die Kawasaki Ninja H2 SX SE kein Problem dar.

Für wen ist die Kawasaki Ninja H2 SX SE geeignet?

Kawasaki Ninja H2 SX SE von hinten

Ja, die große Frage. Mit 22.000 Euro ist sie recht teuer, aber keineswegs überteuert. Jedes Durchschnittsauto kostet mehr (bei weniger Leistung und viel weniger Spaß!)

Die Maschine fährt sich jederzeit souverän und ist allem anderen, was da so normalerweise auf der Straße herumfährt, hoffnungslos überlegen.

Noch mal zur Erinnerung: 200 PS und 299 km/h Top-Speed.

Für den Stadtverkehr wünsche ich mir vor allem weniger Gewicht.

Auf der Landstraße ist sie übermotorisiert.

299 km/h auf der Autobahn? Kann man mal machen, aber ist das wirklich der Grund, warum ich motorradfahre?

Langstrecke mit Gepäck? Für die Maschine sicher kein Problem, da ja die Zubehörkoffer mit jeweils 28 Litern bis 299 km/h zugelassen sind. Aber wenn ich mir vorstelle, dass ich 800 km am Stück (von den Tankpausen abgesehen) mit vorgebeugter Haltung auf der Maschine sitzen soll … drängen sich mir frevelhafte Gedanken auf, dass eine Reise-Enduro vielleicht bequemer wäre.

Eins ist aber klar: die Ninja H2 SX SE ist ein überragendes Motorrad!

Ich bin mir tatsächlich nicht sicher, ob wir bei den Motorrädern nicht die Grenze des Sinnvollen bereits überschritten haben. Vielleicht wünsche ich mir einfach eine XJ 900 F in einer modernen Version, mit einem stabilen Rahmen, so um die 100 bis 120 PS, Annehmlichkeiten wie Farbdisplay, Kurven-ABS, LED-Licht rundherum, Smartphone-Kopplung via Bluetooth (sprich Android Car), guten Bremsen, Tankinhalt ab 20 Litern, passablen Windschutz usw.

Gibt es so etwas schon?

Vielleicht die Kawasaki 1000 Versys? oder eine Yamaha 900 Tracer? Was meint ihr?

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1 Kommentar
  1. Mark sagt:

    Es ist so schön, ich fahre Versys 650 und es ist irgendwie gut für Offroad, aber es ist nicht einmal nah an der Schönheit von Ninja H2 …

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