Lissabon-Reise mit Sunwave – die Hauptstadt von Portugal

Hinweis:
Die Vorbereitungen zum Ausflugstag nach Lissabon findet ihr in meinem Artikel Lissabon, Hauptstadt von Portugal – Vorbereitung.


Heute stand unser Lissabon-Sightseeing auf dem Plan. Und genau heute hat mein iPad-Wecker nicht funktioniert, weil ich zu blöd war, den Wecker auf Wiederholung zu stellen. So war er zwar auf 8:00 Uhr eingestellt, aber nur fĂŒr gestern. Das iPad hat mich also nicht geweckt.

Okay, 9:30 Uhr aufstehen, Treffen zum Abmarsch in der Lobby um 9:45 Uhr … Kein Ding! Duschen, Haare waschen war noch drin, aber das FrĂŒhstĂŒck fiel aus. Gemerkt hat das keiner und warten musste auch niemand auf mich.

Wir wollten heute alle mit der S-Bahn nach Lissabon fahren. Das war auch aus zwei GrĂŒnden eine gute Idee:

  1. Es gab eine sehr gute Zugverbindung von Carcavelos nach Lissabon
  2. Wie in allen GroßstĂ€dten ist das Parken in Lissabon eine Herausforderung

Wir sind also zu Fuß zur S-Bahn Station gegangen. Der Himmel war bewölkt, aber immerhin regnete es nicht.

Die Ein- und AusgĂ€nge der S-Bahn sind mit Vereinzelungsanlagen gesichert. Unsere Reiseleiterin musste die Sperre fĂŒr jedes Gruppenmitglied einzeln mit dem Gruppenticket freigeben. Eine ziemlich umstĂ€ndliche Angelegenheit.

Foto des Eingangs zum Bahnhof Cais do SodréMit der Bahn ging es dann bis zur Endstation in Lissabon Cais do Sodré, die etwas am Rand der Stadt lag, allerdings Umsteigemöglichkeiten zur U-Bahn bot.


Foto mit Blick auf die Praça do Comércio in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Von hier aus ging es am Tejo entlang zur Praça do ComĂ©rcio. Das ist der imposante Platz, der jeden Besucher vom Tejo aus mit seinen GebĂ€uden quasi umarmt und willkommen heißt. Vor dem großen Erdbeben von 1755, das die Stadt fast vollstĂ€ndig zerstörte, stand hier der Königspalast. Dieser Platz ist wirklich noch ein Platz und nicht nur ein „PlĂ€tzchen“, wie man sie heutzutage in vielen StĂ€dten findet. Obwohl es mich gerade in den Fingern juckt, ganz viel ĂŒber Lissabon und dessen Geschichte zu schreiben, soll es in diesem Artikel um meine Lissabon-Reise gehen. Also … ich bremse mich und bleibe bei unseren persönlichen Erlebnissen.

Wer zum ersten Mal nach Lissabon kommt, sollte seine Stadterkundung genau hier beginnen!

Bevor wir die Stadt fĂŒr uns eroberten, rief uns Helena alle am Rande des Platzes (beim Tejo) zusammen und gab uns einen Crash-Kurs ĂŒber Lissabon. Es war durch den StadtlĂ€rm etwas laut, aber Helena gab – wie ĂŒblich – ihr Bestes, um uns diese Stadt nĂ€her zu bringen.

Auf dem Foto seht ihr einen riesigen Triumphbogen, den Arco da Rua Augusta. Durch den gelangt man in die Rua Augusta, die schnurgerade zu den zwei weiteren wichtigen PlĂ€tzen, den Rossio und die Praça da Figueira fĂŒhrt. Die Rua Augusta ist die zentrale Einkaufsstraße von Lissabon und natĂŒrlich fĂŒr den Autoverkehr gesperrt.

Aber wir hatten zunĂ€chst noch ein anderes Ziel …

Lissabon – die sexieste Toilette der Welt

Foto von einem großen gelben Waschbecken in der so genannten sexiest Toilette in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Gleich rechts in den Arkaden (östliche Seite) findet man sie!

Ich spĂŒrte kein besonderes BedĂŒrfnis und wollte lieber draußen eine Bica trinken. Die anderen sind alle hineingegangen. Bevor ich meine Bica auch nur bestellt hatte, waren schon wieder alle draußen. War wohl nicht so aufregend. Auf dem Foto seht ihr ein großes gelbes Waschbecken, das gemeinsam von allen GĂ€sten benutzt wurde. Mit den richtigen Leuten ergibt das bestimmt eine tolle Plantsch-Party!

An einer Wand waren viele unterschiedlich eingefĂ€rbte Toilettenpapierrollen der Firma Renova aufgehĂ€ngt. Das sah hĂŒbsch aus, war aber nicht unbedingt sexy.

Eine Wand mit vieklen unterschiedlich gefÀrbten Klorollen

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Mehr gab es eigentlich nicht zu sehen. Wer gerade aufs Klo muss, kann da gerne reingehen. Aber erwartet nicht zuviel von dem Werbespruch The sexiest WC on earth.

Schnaps und HĂ€ppchen mitten auf der Straße

Eine Schachtel mit Pastéis de Bacalhau

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Wenn man so durch die FußgĂ€ngerzone von Lissabon schlenderte, ereilte einen auch schnell der kleine Hunger. „Servus, kleiner Hunger! Was willst du? Nee, nee, ich will jetzt kein Milchprodukt!“ Wie wĂ€re es mit einer TĂŒte Pommes? Jetzt aber! Wir waren in Lissabon unterwegs, da musste schon etwas typisch Portugiesisches beschafft werden. Helena lief dann auch gleich los und kaufte eine Schachtel mit Fingerfood fĂŒr den kleinen Hunger fĂŒr alle: PastĂ©is de Bacalhau. Das sind kleine BĂ€llchen aus einer Mischung aus Kartoffeln und Kabeljau, also quasi FischbĂ€llchen. Mag nicht jeder, aber sind eigentlich ganz lecker, etwas trocken vielleicht, auf jeden Fall nicht sĂŒĂŸ.

Foto vom Eingang eines Ginjinha GeschÀfts in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Nach der ganzen Völlerei brauchten wir jetzt dringend etwas zu trinken. Ein kleiner Ginjinha war jetzt gerade recht. Wird im Plastikbecher serviert, mit Kirsche oder ohne. Und wird sofort getrunken. Danach sieht Lissabon auch bei nicht so perfektem Wetter gleich viel fröhlicher aus. Dieser Likör wird aus Sauerkirschen hergestellt und schmeckt recht sĂŒĂŸ. Geschmacklich hat er ein bisschen Ähnlichkeit mit Portwein. Mir wurde leider untersagt, Fotos von den besoffenen Gruppenmitgliedern zu veröffentlichen. Man sagt dem Likör allerlei HeilkrĂ€fte gegen jede denkbare Krankheit nach. Vorsichtshalber gleich noch einen trinken!

Das Kulturzentrum Casa do Alentejo

Foto der Außenanicht der Casa do Alentejo in LissabonNoch hinter dem großen Platz „Rossio“ (also nördlich davon) befand sich das Kulturzentrum Casa do Alentejo. Von außen sah man gar nicht viel … ein bisschen Hausfassade. Aber drinnen entdeckte man einen Palast, eine Oase mitten in Lissabon.

Ging man die Treppe hinauf, wurde es schlagartig ruhig und sehr schummerig. Eine gewisse Andacht lag ĂŒber allen RĂ€umen. Das war etwas verwunderlich, war das GebĂ€ude doch durchaus fĂŒr lautstarke Veranstaltungen gut. DafĂŒr gab es extra einen großen Festsaal mit BĂŒhne. Außerdem beherbergte die Casa ein Restaurant in gediegenem Ambiente.

Foto des Innenhofs der Casa do Alentejo in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Anders als die RĂ€ume selbst war der ĂŒberdachte Innenhof hell. Der kleine Platz war im maurischen Stil gestaltet, mit BögengĂ€ngen und SĂ€ulen. Der Boden war natĂŒrlich gefliest und in der Mitte stand ein kleiner Springbrunnen. Außerdem waren mehrere Palmen aufgestellt worden. Irgendwie fĂŒhlte man sich beim Betreten dieses Atriums fast schon wie in einer Kirche. Vom oberen Stockwerk aus konnte man durch kleine Balkone ins Atrium hinuntersehen.

Foto des Festsaals der Casa do Alentejo in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

SalĂŁo Restaurante ou LuĂ­s XVI, so hieß der große Festsaal der Casa do Alentejo. Und so sah er auch aus … nĂ€mlich ziemlich barock mit seinen riesigen Kronleuchtern und den Verzierungen an Decken und WĂ€nden. Bestimmt eine nette Location fĂŒr die nĂ€chste Geburtstagsfeier. 😉


Wir blieben nicht zum Essen in der Casa do Alentejo. DafĂŒr hatte Helena einen anderen Palast ausgesucht. Obwohl die Casa do Alentejo wahrscheinlich jeden Besucher beeindruckte, handelte es sich doch nicht unbedingt um einen Insider-Tipp. Das Zentrum ist sehr bekannt. Das Essen wird im Internet unterschiedlich bewertet. Dem Charme der Casa konnte man sich aber nur sehr schwer entziehen.

Café Brasileira und Palåcio Chiado

Über den zentralen Rossio ging es anschließend hoch in den Chiado. Das kann man wohl mit einem Stadtviertel wie Schwabing in MĂŒnchen vergleichen, ein altes KĂŒnstlerviertel mit vielen Boutiquen, Bars und CafĂ©s.

Detailfoto vom Eingangsportal des Café A Brasiliera in Lissabon
Wir warfen einen Blick auf das berĂŒhmte CafĂ© A Brasileira, wo die Bica erfunden worden sein soll, damals noch als kostenloses Werbegeschenk zum Kauf von Kaffee.

Fernando Pessoas als Bronzestatue vor dem A Brasiliera in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Vom Kaffee-Shop entwickelte sich das A Brasiliera weiter zu einem CafĂ©, das viele Intellektuelle und KĂŒnstler anzog. Einer von Ihnen, der Schriftsteller Fernando Pessoas, hĂ€ngt da jetzt immer noch rum und lĂ€sst sich von den vielen Touristen angrabschen. Das CafĂ© steht inzwischen unter Denkmalschutz. Meistens ist hier ziemlich viel los.Ihr mĂŒsst selber wissen, ob ihr ausgerechnet hier eure Bica trinken möchtet.

Innen im CafĂ© fĂŒhlt man sich fast wie auf Kuba.

Wir blieben nicht lange, sondern bogen gleich links ab, um unser Mittagessen ganz standesgemĂ€ĂŸ in einem alten Stadtpalast einzunehmen, nĂ€mlich im PalĂĄcio Chiado.
FrĂŒher war der Palast unter dem Namen PalĂĄcio de Quintela bekannt.
Das Banner des PalĂĄcio Chiado in LissabonGleich am Eingang erhielt jeder seine eigene Abrechnungskarte, so eine Art Haus-Kreditkarte, auf die alle Ausgaben gebucht wurden. Der Palast nahm einen mit seiner Architektur und seinen Dekorationen sofort gefangen. Was fĂŒr eine Pracht! Genau wie bei der Casa do Alentejo sah man der Außenfassade ĂŒberhaupt nicht an, was sich dahinter verbarg. Die WĂ€nde und Decken waren voller Fresken, es gab große Fenster mit Buntglas und von einer Decke schwebte ein großer goldener Greif (geflĂŒgelter Löwe) herunter.

Die Einrichtung selber war sehr modern und auf sehr klare Formen reduziert. Das Moderne passte gut zu der sehr herrschaftlichen AtmosphÀre.

Womit wir allerdings alle etwas ĂŒberfordert waren, war das Gastronomie-Konzept. Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, gab es mehrere Theken, an denen man jeweils sein Essen bestellte (vorzugsweise auf Portugiesisch, ersatzweise auch auf Englisch). Eine richtige Speisekarte habe ich nicht in Erinnerung. Helena versuchte, allen aus der Gruppe beizustehen. GrundsĂ€tzlich wollten wir heute nur Kleinigkeiten zu uns nehmen.

Foto vom Restaurant-Bereich Delisbon im PalĂĄcio Chiado

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

So blieb ich dann an der Theke PatĂ©o no PalĂĄcio hĂ€ngen, wo es verschiedene Vorspeisen gab. Viele aus der Gruppe probierten grĂŒne Suppen, aber wie eine Caldo Verde sah das nicht aus. Ich entschied mich fĂŒr CamarĂŁo frito com malagueta e alecrim (Frittierte Garnelen mit Chili und Rosmarin). Die waren extrem lecker.

Nach der Bestellung und Buchung auf die Haus-Kreditkarte bekam jeder Gast ein Elektronik-Teil in die Hand gedrĂŒckt. Das wĂŒrde sich akustisch und optisch melden, sobald das bestellte Gericht bereit zur Abholung wĂ€re. Inzwischen wusste ich, dass fĂŒr uns der separate, fĂŒr spezielle Reservierungen vorgesehene Raum Sala Quintela im oberen Stockwerk bereitgestellt wurde.

Foto vom Treppenaufgang im PalĂĄcio Chiado
Ich ging also ĂŒber die breite Treppe nach oben, als – wie zu erwarten war – mein Elektronik-Dingsda LĂ€rm machte und mich unmissverstĂ€ndlich aufforderte, meinen Popo wieder nach unten zu bewegen, um mein Essen abzuholen. Also die Treppen wieder runter. 😉 Weil ich mir dabei wohl zuviel Zeit gelassen habe, kam mir einer der Köche schon halb entgegen.

Oben saßen wir alle zusammen an einem großen ovalen Tisch, bestellten noch etwas zu trinken und aßen unsere Mahlzeiten. Ich bin mir nicht so sicher, ob jeder mit dem Bestellten zufrieden war. Aber natĂŒrlich waren alle höflich und niemand beschwerte sich.

Nach dem Essen wurde kurz vor dem Ausgang alles abgerechnet und die Karte zurĂŒckgegeben. Alles in allem ein ziemlich hipper Laden. Solltet ihr euch mal anschauen!

Die Straßenbahn Linie 28

Foto von der Straßenbahn Linie 28 in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet und vergoldet

Ich habe mir diese klapprige Art, durch Lissabon zu fahren, bisher noch nie angetan. Aber heute war ich fÀllig!

Übrigens: es gibt natĂŒrlich auch moderne Straßen- und sogar U-Bahnen in Lissabon. Es ZWINGT euch niemand, mit der 28 zu fahren! Aber irgendwie tut das dann doch jeder! 🙂

Jedenfalls sind die Wagen aus den 30er Jahren (ja, im Original!) und innen ist alles aus Holz. Es handelt sich um eine ganz regulĂ€re Straßenbahn-Linie, aber natĂŒrlich fahren besonders gerne Touristen damit. Entsprechend ist sie ĂŒblicherweise ĂŒberfĂŒllt. Sie rumpelt und scheppert durch enge und engste Gassen, macht viel LĂ€rm und schĂŒttelt einen ordentlich durch. Aber sie funktioniert … immer noch. Ein Wunder! Und sie bewĂ€ltigt enge Gassen und scharfe Kurven, die eine neue Straßenbahn nicht schaffen wĂŒrde.

Ein kleines Abenteuer ist es jedoch in jedem Fall. Zur NormalitÀt gehören auch Fahrtunterbrechungen durch parkende Autos und andere Behinderungen.

Ich glaube, wir haben 2,85 Euro fĂŒr die Fahrt rauf in die Alfama bezahlt. Ausgestiegen sind wir dann bei der Kirche SĂŁo Vicente de Fora (aber nur, wenn ich mich richtig erinnere 😉 ). Von da ging es dann zu Fuß durch die Alfama.

Kurzer Fußmarsch durch die Alfama

Foto von einem Hauseingang in der Alfama, Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

So allmÀhlich ging uns die Zeit aus, denn wir wollten ja auch noch nach Belém raus fahren.

Die Alfama befindet sich rechts (also östlich) vom Stadtzentrum auf einem HĂŒgel und reicht runter bis zum (Fluß) Tejo. Was ist so interessant an der Alfama? Naja, hier liegt der eigentliche Stadtkern von Lissabon. Von hier aus hat sich die Stadt nach Westen ausgebreitet. Und mit der Ausbreitung sind viele der wohlhabeneren Einwohner ebenfalls aus der Alfama verschwunden, so dass hier heutzutage eher nicht so reiche Leute wohnten.

Außerdem gibt es in der Alfama jede Menge SehenswĂŒrdigkeiten, ĂŒber die ich hier in meinem Artikel aber nicht schreiben werde (das wird einfach zu viel).

Dieser Stadtteil ist weiter bekannt fĂŒr seine vielen kleinen Lokale, Bars und Restaurants. Wer den Fado (spezieller portugiesischer Gesang mit Gitarrenbegleitung) mal im Orginal hören möchte, der ist hier richtig. Dann aber bitte nicht vor 22:00 Uhr.

Da dieser Stadtteil schon sehr alt ist, sind die Straßen nicht fĂŒr moderne SUVs (so nennt man in MĂŒnchen die typischen Stadtfahrzeuge) oder Ă€hnliches ausgelegt. Vielmehr gibt es hier vor allem kleine verwinkelte Gassen und steile Treppen. Man kann natĂŒrlich auch einige Straßen mit dem Auto befahren, aber falls ihr hier im Urlaub sein solltet, dann geht lieber zu Fuß!

Blick ĂŒber die Alfama

Foto von mir, 2002



Wenn ihr bei 34 Grad (im Sommer) zu Fuß durch die Alfama kraxelt, werdet ihr euch ĂŒber die vielen Aussichtspunkte freuen, wo ihr Pause machen könnt. Von dort hat man tolle Ausblicke ĂŒber die Stadt.

Reisegruppe spaziert durch die Alfama in Lissabon

Foto von Angela, roter Pfeil von mir

Wir hatten allerdings ganz andere Temperaturen, so dass zumindest die Hitze nicht als Ausrede fĂŒr meine Kurzatmigkeit herhalten konnte. An sich war es heute das perfekte Wetter, um durch die Alfama spazieren zu gehen. WĂ€hrend wir diese spezielle AtmosphĂ€re in uns hinein sogen, gab uns Helena zwischendurch immer mal wieder ein paar Infos zur Alfama und zu einzelnen GebĂ€uden.

Irgendwann waren wir dann wieder im Stadtzentrum. Dort nahmen wir die Straßenbahnlinie 15 nach BelĂ©m. An der Haltestelle war ein ganz schönes GedrĂ€nge. Eine Bahn ließen wir ohne uns weiterfahren, sie war zu voll. WĂ€hrend wir so vor uns hinwarteten, war Helena damit beschĂ€ftigt, sowohl Portugiesen als auch Touristen zu helfen. Was aber genau gefragt wurde, habe ich nicht mitbekommen. Jedenfalls war Helena die ganze Zeit schwer beschĂ€ftigt.

Auch unsere 15er war so eine alte Straßenbahn. Mit der ratterten wir also Richtung Westen.

Pastéis de Nata in Belém

Eigentlich bekommt man diese kleinen BlĂ€tterteigtörtchen, die mit einer Creme aus Eigelb, Zucker und Sahne gefĂŒllt sind, in jedem CafĂ© und in jeder Konditorei hier in der Gegend von Lissabon. Und auch in Deutschland hat man sie schon gesehen.

Foto des Banners Pastéis de Belém

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet


Und was ist nun der Unterschied zwischen Pastéis de Nata und Pastéis de Belém?

Na, ganz einfach. Das Rezept stammt ursprĂŒnglich von den Mönchen aus dem benachbarten Hieronymiten-Kloster. Als das Kloster vor rund 200 Jahren geschlossen wurde, verkauften die Mönche das Rezept an eine Zuckerfabrik. Und die machten daraus die bekannte Marke PastĂ©is de BelĂ©m. Das geschickte Marketing spricht von einem Geheimrezept und so hĂ€lt sich die Meinung, dass die Törtchen aus dieser Konditorei die echtesten und schmackhaftesten seien.

Warteschlange for der Casa Pastéis de Belém

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Entsprechend darf man sich dann auch auf eine lange Warteschlange einstellen.

Wir haben uns glĂŒcklicherweise eine Einheimische mitgenommen. Helena sorgte dann kraft ihres Amtes als Reiseleiterin dafĂŒr, dass wir uns nicht anstellen mussten. Sie ging einfach schnurstracks ins CafĂ© und ließ sich ausreichend Törtchen in einer Schachtel aushĂ€ndigen, mit der wir in ein benachbartes CafĂ© gingen.

Ein einzelnes Pastel de Belém plus Zimt und Zucker

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

So sah das dann vor mir auf dem Tisch aus.

Zugegeben, macht nicht so viel her auf dem Foto. Zum Törtchen wird je ein kleines TĂŒtchen Zucker und Zimt gereicht. Das GebĂ€ck sieht zwar etwas verbrannt aus, aber das gehört so. Man nennt das karamelisieren.

Hier noch mal ein Foto, auf dem ihr das berĂŒhmte Pastel de Nata besser erkennen könnt.
Foto vonn einem einzelnen Pastel de Nata
Lustig, beim Bearbeiten des Fotos steigt mir gerade der Geruch von der kleinen Leckerei in die Nase.

Apropos lecker. Wie schmeckt das denn nun? Eigentlich ganz gut. Ob ich es jetzt unbedingt „göttlich“ nennen wĂŒrde wie andere, naja. Auf jeden Fall schmeckt es weniger sĂŒĂŸ als ich es erwartet hĂ€tte. Solltet ihr mal probieren. Ihr mĂŒsst dazu aber nicht unbedingt in die Casa PastĂ©is de BelĂ©m gehen.

ErgĂ€nzung (06.12.2018): Ich habe einen tollen Artikel zu den PastĂ©is de Nata inklusive Rezept gefunden … Portugalismo – Pastel de Nata | inkl. Rezept zum selber backen.

Kurzer Abstecher zum Mosteiro dos JerĂłnimos

Totalansicht der Kloster-Fassade

Bildquelle: Wikipedia


Gleich nebenan erwartete uns schon das Hieronymiten-Kloster. Dieses Weltkulturerbe beeindruckt schon allein durch seine GrĂ¶ĂŸe.

Ein Sarkophag in der Basilika des Heronymitenklosters in Belém

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

In der Kirche liegen eine ganze Reihe von portugiesischen Königen und anderen wichtigen Persönlichkeiten begraben. Das Mosteiro dos Jerónimos gilt als das bedeutendste erhaltende Bauwerk manuelinischen Stils. Dabei handelte es sich im Kern um den gotischen Stil, der um zahlreiche maritime Elemente wie Seile, Anker usw. angereichert wurde.

Wir waren nur kurz und auf eigene Faust in der Basilika. NatĂŒrlich gab es auch FĂŒhrungen, auf denen man jede Menge Informationen erhielt. Aber wie gesagt, das gehörte nicht zum Programm, wĂ€re aber in diesem Fall sicher sinnvoll gewesen.

Nachdem wir uns vor dem Kloster wieder als Gruppe zusammengefunden hatten (bis auf eine Teilnehmerin, die wir erst spĂ€ter wieder einsammelten 😉 – Smartphone sei Dank! ), ĂŒberquerten wir die Hauptstraße und gingen durch die große Parkanlage gegenĂŒber des Klosters zum Seefahrer-Denkmal.

Das Padrão dos Descobrimentos in Belém

Sehr eindrucksvoll ist das PadrĂŁo dos Descobrimentos, also das Denkmal der Entdeckungen, das auch als Seefahrer-Denkmal bekannt ist.

Linke Seite des Entdecker-Denkmals in Belém

Foto von mir, 2016

Bei diesem Denkmal handelt es sich ausnahmsweise mal nicht um etwas Altes. Vielmehr wurde es 1960 aus Beton gebaut. Auf dem Foto könnt ihr nur einen kleinen Ausschnitt sehen. Das Denkmal hat eine Höhe von 52 Metern, es ist also schon ziemlich beeindruckend. Insgesamt tummeln sich auf dem Denkmal 33 wichtige Persönlichkeiten (nicht ausschließlich Seefahrer) der glorreichen portugiesischen Zeit der Entdeckungen.

Tritt man ein paar Schritte zurĂŒck, kann man das Monument komplett ĂŒberblicken.

PadrĂŁo dos Descobrimentos - die linke Seite komplett

Foto von Angela, von mir nacbearbeitet

Leider war das Wetter nicht so toll, so dass auch die Fotos alle ein bisschen grau aussehen.

Hier am Fluss war es ĂŒbrigens ziemlich windig.

Wer mag, kann gegen Bezahlung mit einem Lift innen nach oben zu einer Aussichtsplattform hochfahren. Soll gut sein. Ich habe es nicht ausprobiert.

Der Torre de Belém

Etwas weiter westlich konnte man ihn schon sehen, den Wachturm Torre de BelĂ©m. FrĂŒher stand er mitten im Tejo, heute konnte man bequem zu Fuß hingehen.

Torre de Belem in der Ferne, davor unsere Gruppe

Foto von mir, 2016

Dachten wir …

… aber wenn man dem Tejo folgt, so kommt man plötzlich nicht mehr weiter, weil sich vor einem so eine Art Hafeneinfahrt auftat. Also umdrehen und wieder zurĂŒck und dann im großen Bogen erst mal hoch zur Hauptstraße, um diesen Minihafen rum und dann wieder runter zum Tejo.

Und da war er schließlich!

Modell des Torre de Belém

Foto von mir

Niedlich, nicht wahr? 🙂

Ich habe noch ein Foto:

Der kleine Torre de Belém noch mal als Modell

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Und vor diesem Giganten hatten frĂŒher die Schiffe, die vom Atlantik nach Lissabon wollten, Angst? Kaum vorstellbar!

Ich mach nur Spaß!

Der Wachturm, ĂŒbrigens wieder mal ein Weltkulturerbe, war 35 Meter hoch, also schon etwas höher als auf dem Foto zu sehen ist. Es handelt sich nur um ein Modell.

UrsprĂŒnglich als Wachturm gedacht, hat er zwischendurch auch mal als GefĂ€ngnis und als Waffenlager gedient.

Der Torre de BelĂ©m in LebensgrĂ¶ĂŸe

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Jetzt macht er schon mehr her, oder?

FrĂŒher gab es auf der anderen Tejo-Seite noch einen zweiten Wachturm, der aber dem Erdbeben von 1755 zum Opfer fiel. Mit diesen beiden TĂŒrmen war die FlußmĂŒndung des Tejo bestens geschĂŒtzt.

Detailaufnahme eines TĂŒrmchens am Torre de BelĂ©m

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Sah man genau hin, konnte man wieder manuelinische Stilelemente erkennen, wie hier zum Beispiel die angedeuteten horizontalen Seile.

Unser Tag in Lissabon neigte sich nun langsam dem Ende zu. AllmÀhlich machte sich auch der Hunger bemerkbar.

Abendessen im Restaurant Bem Belém

Unser Restaurant befand sich in der NÀhe der Casa Pastéis de Belém, also dort, wo wir die Pudding-Törtchen gekauft haben.

Tierkreis Mosaiken auf der Praça do ImpĂ©rioEs war also schon ein StĂŒckchen zu gehen. Wir kamen auch wieder zum Park Jardim Praça do ImpĂ©rio, wo auf dem Boden die Tierkreiszeichen als Mosaik gestaltet waren. Dies lud die Gruppen-Teilnehmer ein, sich je nach Sternzeichen auf die Mosaiken zu stellen und lauthals ihr Sternzeichen hinauszubrĂŒllen. Auf dem Steinbock-Bild standen Helena, eine andere Teilnehmerin und ich. Wir brĂŒllten am lautesten! Wie die kleinen Kinder … 🙂


Foto von zwei Flohmarkt-StÀnden auf dem Jardim de Belém

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Rechts (östlich) des Park schloss sich gleich der nĂ€chste Park an, nĂ€mlich der Jardim de BelĂ©m (an anderer Stelle heißt der auch Jardim Vasco da Gama. Was richtig ist, weiß ich nicht.). Im Übergangsbereich wurde gerade ein Flohmarkt veranstaltet oder eher ein Kulturmarkt, so wie wir ihn in grĂ¶ĂŸerem Maßstab als Tollwood in MĂŒnchen oder Sinnflut in Erding kennen. Die Gruppe löste sich auf und schlenderte unabhĂ€ngig voneinander ĂŒber diesen Markt.

Irgendwann fanden sich dann die ersten auch hinter dem McDonalds ein. McDonalds? Na, klar, da wusste man wenigstens, was man auf den Teller bzw. in die Hand bekam.

Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass ich in Portugal in einen McDonalds gehen wĂŒrde? Niemals!

Hier, zwischen dem Park und der Hauptstraße, hatten sich mehrere Gastronomie-Betriebe angesiedelt. Kein Wunder, liefen hier doch regelmĂ€ĂŸig viele Touristen herum. Hinter den GebĂ€uden, also in Richtung Park hinaus, hatten alle Restaurants ihre Außenbereiche. Hinter dem McDonalds befand sich ebenfalls ein Restaurant mit so einem kleinen Biergarten. Dort machten wir zunĂ€chst Halt, um etwas zu trinken. In „unserem“ Restaurant hatten wir einen Tisch reserviert, aber dafĂŒr war es noch zu frĂŒh. Fragt mich aber bitte nicht, warum wir uns nicht dort draußen hingesetzt haben. Es waren nur ca. 5 Meter weiter. Was sollÂŽs? Zum Diskutieren war ich viel zu entspannt. Also hinsetzen und den Abend genießen.

Neben einem Bier bestellte ich mir ein paar Oliven. Der Kellner sorgte dann gleich fĂŒr Erheiterung bei meinen Mitreisenden. Er servierte mir nĂ€mlich genau je EINE grĂŒne und eine schwarze Olive.

Jaaaaaaa … okay … mĂŒsste ich halt mehrmals nachbestellen.

Nachdem das allgemeine GelĂ€chter wieder abgeklungen war, reichte er mir dann doch noch eine Schale mit ausreichend Oliven. 🙂

„Ausreichend“ stimmte nur bedingt. Ich ließ die Oliven rumgehen, damit die anderen auch mal diese köstlichen Oliven probieren konnten. Aber Oliven sind nicht jedermans Sache. Es blieben noch genug fĂŒr mich ĂŒbrig.

Leider habe ich keine Fotos von unserem netten Beisammensein.

Um 21:00 Uhr sind wir dann ins Bem BelĂ©m weitergezogen. Wie gesagt … 5 Meter oder so. Dort wurden wir schon von dem freundlichen Personal erwartet.

Foto der Reisegruppe im Bem Belém

Foto mit Angelas Kamera, von mir nachbearbeitet

Eine kurze Bemerkung zu dem Foto: Ich hatte euch versprochen, von euch keine Fotos ins Internet zu stellen. Sorry, dieses Foto ist so schön fröhlich! Wenn wirklich jemand von euch damit Probleme hat, dann sagt mir bitte Bescheid. Ich entferne es wieder!

Dieses Restaurant war klasse! Tolles Personal, tolle AtmosphÀre, tolle Gruppe, tolles portugiesisches Essen! Genau so will ich es haben.

Der Gastraum war relativ klein. Wenn ihr also drinnen sitzen wollt, dann solltet ihr unbedingt vorher reservieren. Wir waren diesmal wegen der schlechten Witterung darauf angewiesen. Ansonsten kann man natĂŒrlich auch wunderbar draußen sitzen, wo viel mehr Platz ist. Einige tolle EindrĂŒcke bekommt ihr auf der Facebook Seite des Bem BelĂ©m.

Was hatte ich eigentlich gegessen? Achja, Borreguinho, sehr leckeres Lamm. Dazu natĂŒrlich Vinho Verde.

Als Entrada (=Vorspeise) gab es die typische Sardinen- und Thunfischpaste. Außerdem noch Bolinhos de Bacalhau und Krabbenpaste an einer Krabbenzange als Stiel (wie heißt das auf Portugiesisch?).

Wie immer haben wir die Gesamtrechnung durch alle Gruppenteilnehmer geteilt und kamen dabei auf 20 Euro fĂŒr jeden.

RĂŒckfahrt ins Hotel mit der S-Bahn

Irgendwann war auch dieses Abendessen zu Ende und wir fuhren mit der S-Bahn ins Hotel.

Dort sprachen sich einige Teilnehmer noch fĂŒr eine große Sause an der Bar aus. Am Ende (23:30 Uhr) blieben nur Angela und ich ĂŒbrig. Alle anderen hatten sich inzwischen in ihre Betten verzogen. Weicheier … allesamt!


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Alle Sunwave Artikel in meinem Blog.
Meine Portugal-Artikel.
Übersicht ĂŒber Facebook-Gruppen, die sich mit Portugal beschĂ€ftigen.
Übersicht ĂŒber deutschsprachige Portugal-Foren.


Weitere Informationen zu Lissabon und Belém

Lissabon in der Wikipedia
Belém in der Wikipedia
Individuelle Tipps und Infos zu Lissabon von Andrea Schmekel
Sehr informative und persönliche Artikel ĂŒber Lisssabon von Markus Horn
BBC Artikel „Why this is Europe’s best work-and-play capital“ vom 20. April 2016.
Ein Besuch im „The Sexiest WC on Earth“ in Lissabon
Homepage des PalĂĄcio Chiado
Facebook Seite des PalĂĄcio Chiado
Spiegel Artikel zur Straßenbahn Linie 28
Website des Reiseanbieters Sunwave


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