Lehrer – Svens Gedankensplitter http://blog.sevke.net Querbeete Gedanken, Meinungen und Interessen Sun, 22 Oct 2017 15:45:43 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.1 http://blog.sevke.net/wp-content/uploads/2016/03/cropped-think-622166_960_720-150x150.jpg Lehrer – Svens Gedankensplitter http://blog.sevke.net 32 32 27620428 Wozu ist ein Bewertungsbogen in einer Deutsch Schulaufgabe gut? http://blog.sevke.net/2016/12/10/wozu-ein-bewertungsbogen-in-einer-deutsch-schulaufgabe/ http://blog.sevke.net/2016/12/10/wozu-ein-bewertungsbogen-in-einer-deutsch-schulaufgabe/#respond Sat, 10 Dec 2016 13:22:40 +0000 http://blog.sevke.net/?p=8277 Gestern war wieder so ein Tag … mein Sohn bringt eine Deutsch-Schulaufgabe mit einer schlechten Note nach Hause.

Na ja, Schwamm drüber!

Das Thema war die „Analyse und Interpretation eines Dramenauszugs“, und zwar des Stücks „Die Räuber“ vom jugendlichen Friedrich Schiller. Kennen wir alle … kein Ding. Kein Meisterwerk, aber egal.

Für Deutsch Schulaufgaben verwenden die Lehrer eine Matrix, einen so genannten Bewertungsbogen, um die, oft sehr subjektiv erscheinende, Benotung transparenter zu machen. Finde ich gut. Dabei gibt es eine Reihe von Bewertungskriterien, die jeweils separat eine Note von 1 bis 6 erhalten.

Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Ausgefüllter Bewertungsbogen einer Deutsch Schulaufgabe in der 10. Klasse

Okay, die Bewertungen sind nicht besonders gut. Zu beachten ist, dass nicht jedes Kriterium gleich hoch gewichtet wird. Ob es eine objektive Gewichtung gibt, weiß ich nicht, sie ist jedenfalls nicht angegeben. Das lässt dem Lehrer einiges an Spielraum. In Deutsch muss man sich leider mit noch mehr Subjektivität bei der Benotung abfinden als bei den meisten anderen Fächern. Meine Meinung zu Noten ist vermutlich bekannt, dennoch hier noch mal kurz der Verweis auf Noten lügen – ein Buchtipp.

Aber zurück zum Bewertungsbogen.

Welche Gesamtnote würde sich nun aus den Einzelkriterien ergeben?

Was meint ihr?

Gewichte ich alle Werte gleich, so komme ich auf 4,25 (also eine 4 minus).

Selbst, wenn sämtliche Werte mit 3 und 4 nur ein geringes Gewicht haben sollten, so ergibt das für mich immer noch eine 4 minus oder eine 5 plus.

Als Gesamtnote erhielt mein Sohn eine glatte 5.

Oder anders ausgedrückt: die Kriterien, für die er eine 3 oder 4 erhalten hat, könnte man schlicht und ergreifend aus dem Bewertungsbogen löschen … sie zählen nicht.

Man könnte argumentieren, dass in Deutsch Schulaufgaben nur ganze Noten gegeben werden. Dann hätte sich dies aber seit der 10. Klasse geändert, denn noch in der 9. Klasse gab es sehr wohl auch Drittel-Noten.

Also was nun? Willkür der Lehrerin?

Ich weiß es nicht, aber ich werde die Lehrerin schriftlich um eine Stellungnahme bitten.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Mir geht es keineswegs darum, noch eine Drittel-Note für meinen Sohn herauszuschlagen. Mir geht es ganz einfach darum, dass ich die Bewertung an Hand des Bewertungsbogens nicht nachvollziehen kann. Und dafür ist er doch eigentlich da.


Update 16.12.2016:
Die Deutsch-Lehrerin hat mir heute mündlich über meinen Sohn mitgeteilt, dass die Schulaufgabe tatsächlich mit einer 5 plus bewertet worden sei. Dies könne man aus der folgenden Formulierung am Ende der Arbeit herauslesen:

Aufgrund … kann Ihre Arbeit nicht mehr mit „ausreichend“ benotet werden.

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Deutsch – sprachliche Ausdrucksfähigkeit lernen http://blog.sevke.net/2014/02/09/deutsch-sprachliche-ausdrucksfaehigkeit-lernen/ http://blog.sevke.net/2014/02/09/deutsch-sprachliche-ausdrucksfaehigkeit-lernen/#respond Sun, 09 Feb 2014 17:00:28 +0000 http://blog.sevke.net/?p=5584 Ausriss aus einer Deutsch Schulaufgabe

Ja …

… ich finde es toll, wenn Lehrer Hinweise unter eine Schulaufgabe schreiben, was gut und was vielleicht auch nicht so gut war. (Zum Thema Lehrer und die Lesbarkeit ihrer Schrift habe ich an anderer Stelle schon mal etwas geschrieben: Lehrer und ihre Schrift.)

Sprachliche Mängel waren also das größte Problem. Okay … da ist sicher etwas dran.

Nun bin ich davon ausgegangen, dass mein Kind eine Schule, ja sogar ein Gymnasium besucht, um genau diese Fähigkeiten zu lernen. Ich habe inzwischen schon verstanden, dass von mir als Vater erwartet wird, abends und am Wochenende den gesamten Schulstoff mit meinem Kind durchzuackern, weil die Lehrer dies in der Schule nicht erbringen können (Arbeitsüberlastung, Lehrer-Mangel, unwillige Schüler, doofes Schulsystem etc.). Gut, geht in Ordnung. Das mache ich doch sehr gerne.

Vokabeln lernen, Fremdwörter lernen, Aufbau einer Inhaltsangabe lernen … machen wir inzwischen alles zu Hause.

Ich bin allerdings etwas überfordert, wie ich meinem Kind die sprachlichen Mängel abtrainieren kann. Klar … Lesen hilft, Schreiben auch. Dafür ist ja abends nach 17:10 Uhr, wenn mein Kind nach Hause kommt, ausreichend Zeit bis zum Abendessen und danach bis zum Schlafengehen.

Ich als Vater kann aber nur dann wirklich helfen, wenn meine sprachlichen Fähigkeiten mindestens das vom Lehrer geforderte Niveau erreichen. Was aber nun, wenn ich mich nicht so gut ausdrücken kann? Ist mein Kind dann automatisch dazu verurteilt, in Deutsch nur noch schlechte Noten zu schreiben, weil ja ich meinem Kind diese Fertigkeiten nicht beibringen kann? Was, wenn ich nicht in Deutschland geboren bin und nur schlecht deutsch sprechen kann? Muss mein Kind dann automatisch auf die Hauptschule … wegen sprachlicher Mängel?

Oder wäre es vielleicht doch eine Idee, einfach mal so zum Ausprobieren, dass die Lehrer in der Schule meinem Kind diese Fähigkeit beibringen?

Ohne Schulpflicht würde ich mir tatsächlich manchmal überlegen, ob mein Kind überhaupt zur Schule gehen sollte. Die meisten Zusammenhänge lernt es, zumindest subjektiv betrachtet, sowieso von mir.

Nun bin ich ja immer für eine offene Kommunikation und für einen Dialog mit den Lehrern.

Deswegen schrieb ich einen Brief an den Deutschlehrer und wollte wissen, wie die Schule die sprachlichen Mängel aus dem Weg zu räumen beabsichtigte. Es folgt mein Brief (die xxx habe natürlich ich zur Anonymisierung eingesetzt):

Sehr geehrter Herr xxxx,

mein Sohn xxx xxx ist Schüler der xx.

Am 21. Oktober 2013 ließen Sie die Schüler der xx die 1. Schulaufgabe des Schuljahres 2013/2014 im Fach Deutsch schreiben.

Vielen Dank, dass Sie die Arbeit meines Sohnes mit zahlreichen Hinweisen kommentiert haben. Insbesondere weisen Sie zu Recht auf „beträchtliche sprachliche Mängel“ hin.

Nun besucht mein Sohn ein Gymnasium, um eine möglichst gute Bildung zu erhalten.

Welche konkreten Maßnahmen planen das Anne-Frank-Gymnasium und speziell Sie als Deutschlehrer, um diese sprachlichen Mängel zu beseitigen?

Mit freundlichen Grüßen

 

Eine Antwort erhielt ich freilich nie. Schade!

Inspektor Deutsch auf der Suche - CartoonInspektor Deutsch auf der Suche nach angemessenen Sprachfähigkeiten!


 

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Buchbesprechung: Lehrer – Traumberuf oder Horrorjob? http://blog.sevke.net/2013/02/10/buchbesprechung-lehrer-traumberuf-oder-horrorjob/ http://blog.sevke.net/2013/02/10/buchbesprechung-lehrer-traumberuf-oder-horrorjob/#respond Sun, 10 Feb 2013 13:08:48 +0000 http://blog.sevke.net/?p=4495 Hinweis:
Bei diesem Artikel handelt es sich um einen gesponserten Artikel.
Mir wurden weder vom Autor Arne Ulbricht noch vom Verlag Vandenhoeck & Ruprecht irgendwelche Vorgaben zum Inhalt meiner Besprechung gemacht. Dennoch kann ich nicht vollständig ausschließen, dass ich durch das Sponsoring beeinflusst wurde.

 
In meinem Artikel „Ein Lehrer will kein Beamter sein“ hatte ich das Buch „Lehrer – Traumberuf oder Horrorjob“ bereits einmal erwähnt. Inzwischen habe ich es gelesen.

Das Buch ist im Januar 2013 erschienen, also noch brandneu. Auf insgesamt 157 Seiten, die in 7 Hauptkapitel unterteilt sind, schreibt Arne Ulbricht darüber, wie er selber zum Lehrer wurde und wie er ganz persönlich den Berufsalltag eines Lehrers erlebt hat.

Im ersten Teil des Buches geht es darum, wie es zu der Entscheidung kam, Lehrer zu werden. Auch Arne Ulbricht war nach dem Abitur, wie viele andere Menschen, der Meinung, dass er als Lehrer über viel Freizeit verfügen würde, in der er sich ganz seinem Hobby, dem Sport widmen könnte. Er wurde Lehrer, stellt sich aber in diesem Kapitel auch die Frage, was einen guten Lehrer ausmache. Anschließend nennt er Beispiele von Lehrern aus seiner eigenen Schulzeit, die ihn inspiriert und beeinflusst haben. Am Ende konstatiert er: „Ich bin kein Lehrer, dessen Unterricht einzigartig ist und den die Schüler verehren. Ich bin auch kein schlechter Lehrer, dessen Unterricht vollkommen wirkungslos ist und der dauerhaft mit Schülern Probleme hatte bzw. hat.“

Beim Lesen hörte ich mich manchmal denken: „Und so ein Typ ist Lehrer geworden? Wenn alle Lehrer so eine Vorgeschichte haben, dann wundert mich so manches nicht mehr.“ Aber er hat Recht, Lehrer sind eben auch Menschen und haben meist eine ganz normale Kindheit, sind also nichts Schlechteres oder Besseres als andere Menschen.

Nach dem Entschluss, Lehrer zu werden, wird es Ernst. Im zweiten Kapitel wird das Lehramtsstudium beleuchtet. Arne Ulbricht ist kein Anhänger dieses Studiums, soviel wird deutlich. In seinem sehr persönlichen Stil erklärt er in deutlichen Worten, wie ungenügend das Studium die angehenden Lehrer auf die Schule vorbereitet. Es setzt sich im Studium das fort, was ich in meinem Artikel HSU Probe in der 4. Klasse angesprochen habe: es wird viel unnützes Wissen vermittelt.

Nach dem Studium folgte das Referendariat, aber nicht sofort. Im dritten Kapitel beschreibt Arne Ulbricht daher zunächst, wie er ein Jahr Wartezeit in Hamburg mit allerlei Gelegenheitsjobs hinter sich brachte. Von wegen Akademiker. Aber damit ist er nicht alleine. Viele Akademiker haben Probleme, einen Job zu finden und müssen sich deswegen mit den berühmten Taxifahrer-Jobs über Wasser halten. Nach einem Jahr war der Autor dann relativ unvorbereitet Studienreferendar, und zwar als Beamter. Seine Zeit als Referendar nennt der Autor „Horrorjahre“. Interessanterweise ist der Referendar den Seminarleitern genauso ausgeliefert wie viele Schüler ihren Lehrern. Auch hier zeigt sich wieder die absolute Willkürlichkeit der Notengebung (siehe auch meine Buchbesprechung des Buches Ich habe eine Eins! Und Du?), die nicht geeignet ist, Kompetenzen oder einen Leistungsstand zu bewerten. Arne Ulbricht räumt aber wiederholt ein, dass nicht an allem die Seminarleiter oder Mentoren schuld waren, sondern zu einem guten Stück auch er selbst.

Das Referendariat war geschafft. In Kapitel vier geht es weiter mit Arne Ulbricht’s Odyssee als Vertretungslehrer. Was mir nicht klar geworden ist: wie wurde aus dem verbeamteten Referendar ein angestellter Vertretungslehrer? Mit einer Schule in Hamburg fing es an und endete erst nach 8 Jahren und 6 verschiedenen Schulen. Und auch in dieser Lebensphase hatte der Autor erneut mit Noten (seine eigenen waren nur mittelmäßig) zu kämpfen. Erstaunt verfolgt man als Leser, wie planlos Schulen organisiert zu sein scheinen. Erwartet man nicht automatisch, dass Schulen perfekt nach Regeln, Handlungsanweisungen und Vorschriften funktionieren? Dieses Buch beschreibt eher das Gegenteil. Trotzdem empfiehlt der Autor jedem Lehrer, während seiner Berufszeit auch mal die Schule zu wechseln, so wie er es als Vertretungslehrer zu tun gezwungen war. Er erklärt ausführlich, welche Vorteile er in solchen Perspektivenwechseln sieht.

Als Einwohner einer klitzekleinen Stadt im Landkreis Erding (Bayern) gefiel mir das folgende Zitat sehr gut: Wenn man von einem Lehrer, der in einer bayerischen Kleinstadt unterrichtet, verlangen würde, ein Jahr lang in Neukölln zu arbeiten, dann wäre dies ja vergleichbar mit einem Auslandseinsatz der Bundeswehr, und auch wenn das diesem Lehrer gut täte, wäre das dann doch vielleicht zu viel verlangt.

Ja, meine Damen und Herren aus Erding: wie sehen Sie das? Wäre das nicht mal eine schöne Bereicherung Ihres Berufslebens? Ein Jahr Neukölln? Also hören Sie auf, über Ihre schlimmen Klassen zu jammern, selbst wenn es die 7e ist!

Arne Ulbricht nimmt sich nun in Kapitel fünf eins seiner Hauptthemen vor, die Verbeamtung. Offensichtlich ist das Hauptziel der meisten Lehrer, Beamter auf Lebenszeit zu werden. Er nimmt den Beamtenstatus von Lehrern regelrecht auseinander, regt sich über das Sicherheitsdenken von Beamten auf, spricht aber auch die selbstverständlich vorhanden Vorzüge an. Der Autor weiß durchaus selber, dass er mit seiner Meinung kontra der Verbeamtung von Lehrern relativ alleine steht, quasi sogar zum Nestbeschmutzer wird. Deswegen lässt er eine Reihe von Kollegen zu Wort kommen. Einige von ihnen sind angestellt, andere sind Beamte. Das Meinungsbild ergibt kein klares Bild, aber das ist auch ganz gut so. Es gibt eben nicht nur Gut und Böse, sondern auch Zwischentöne.

Letztendlich entschloss sich Arne Ulbricht, den Beamtenstatus wieder aufzugeben. Das entpuppte sich aber als schwieriges Unterfangen, denn kaum einer der Beteiligten wusste, wie dies zu bewerkstelligen sei. Das Ergebnis des Antrags stand bis zum Druck des Buches noch nicht fest.

Arne Ulbricht nutzt dieses Kapitel auch noch, um den Verdienst bzw. das Gehalt von Lehrern zu diskutieren. Er räumt mit dem Vorurteil vieler Lehrer auf, dass sie „in der Wirtschaft“ wesentlich mehr verdienen könnten als in ihrem Beruf als Lehrer. Aber er will auch konstruktiv sein, der Arne. Also entwirft er in groben Zügen ein Verdienstmodell, das auf einem Grundverdienst plus verschiedener leistungsabhängiger Zuschüsse basiert. Bravo! Auch ich bin ein Verfechter davon, engagierte Lehrer wesentlich besser zu bezahlen als jene, die ohne Motivation und Inspiration ihren Regelunterricht durchziehen.

Föderalismus ist das Thema des relativ kurzen sechsten Kapitels. Ein Thema, mit dem nur wenige Lehrer persönlich in Kontakt kommen. Dennoch scheinen in Deutschland die meisten Eltern und Lehrer Gegner davon zu sein, dass die Bildung unserer Kinder Ländersache ist. „Wenn man darüber nachdenkt, kann man doch nur platzen vor Wut, Zorn und Verzweiflung“, drückt es Arne Ulbricht aus. Trotz seiner Wut bremst er sich wieder ein und berichtet von seinen eigenen Erfahrungen mit dem Föderalismus und der damit verbundenen Bürokratie.

Im siebten Kapitel, dem längsten Kapitel des Buches, werfen wir gemeinsam mit dem Autor einen Blick in unterschiedliche Unterrichtsstunden. Wir erfahren, dass einige Schulstunden nicht nur für Schüler, sondern auch für einen Lehrer schrecklich sein können. Ich muss aber auch die Stirn runzeln, wenn ich hautnah erleben muss, wie ein Lehrer seine Schüler anbrüllt. Von Autorität ist in diesen Sequenzen nichts zu spüren. Das Thema Notenvergabe, diesmal aber nicht aus der Sicht des Betroffenen wie in Kapitel drei, wird in einem kleinen Exkurs angesprochen. Leider gibt es hierzu nur Fragen, aber keine Antworten oder wenigstens eine Meinung. Der Autor vermeidet es, das Thema Notenvergabe zu reflektieren oder selber Stellung zu beziehen. Aber es geht nicht nur um anstrengende Stunden, um Horrorstunden, sondern eben auch um Traumstunden. Auf der einen Seite die Horrorstunden, die einen Lehrer bis zur Weißglut wütend machen können oder die einen Lehrer einfach resignieren lassen. Auf der anderen Seite aber die vielen kleinen Erlebnisse, die den Beruf zu einem Traumjob werden lassen. Alles natürlich absolut subjektiv. Und sicher macht jeder Lehrer in solchen Situationen andere Erfahungen. Aber in diesem Buch geht es um Arne Ulbricht und darum, wie er seinen Beruf als Lehrer erlebt.

Mein Fazit

Das Buch „Lehrer – Traumberuf oder Horrorjob?“ ist eins auf jeden Fall nicht, nämlich ein Buch über die Schule oder über das deutsche Bildungssystem. Es beschäftigt sich auch nicht mit Eltern und nur am Rande mit Kindern. In diesem Buch beschreibt ein einziger Lehrer, wie er Schule erlebt hat, und zwar von der eigenen Grundschule an bis zu der Zeit, in der er als Lehrer fest angestellt bzw. verbeamtet war. Seine Sprache ist sehr direkt, oft anklagend, aber auch immer wieder selbstkritisch. Manchmal vergaloppiert sich Arne Ulbricht und schreibt sich ein wenig in Rage. Da wird sein Stil dann vielleicht auch hin und wieder etwas zu deutlich. Die Bedeutung einiger Abkürzungen wie GEW (= Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) werden als selbst erklärend angenommen, was sie möglicherweise im Lehrerkreis sind, aber nicht bei allen anderen Berufsgruppen.

Es drängt sich ein wenig der Verdacht auf, als ob Arne Ulbricht das Buch als eine Art Selbstreinigung benötigt, denn letztendlich geht es vor allem um die Kritik an der Verbeamtung von Lehrern und um die Bürokratie des föderalistischen deutschen Bildungssystem, beides verpackt in die Darstellung seiner persönlichen Erfahrungen als Lehrer.

Mutig ist es von Arne Ulbricht, seine eigenen Unzulänglichkeiten als Lehrer öffentlich zu machen. Haben nicht Lehrer und Ärzte immer Recht? (Nein, das haben sie natürlich nicht.)

Bemerkenswert kritisch sieht er den Beruf des Lehrers an sich. Lehrer leben nach wie vor in ihrer eigenen geschützen (verbeamteten) Welt und verlieren den Bezug zu dem, was für andere Menschen Berufsleben bedeutet. Aber genau darauf sollen Lehrer ihre Schüler vorbereiten, auf den Berufsalltag. Ebenso sieht es mit der Vorbereitung auf ein Studium aus. Welcher gestandene Lehrer weiß denn schon, wie es heute an den Universitäten zugeht? Zu betonen ist an dieser Stelle, dass Arne Ulbricht nicht einzelne Personen kritisieren möchte, sondern das System der Verbeamtung von Lehrern als Ganzes. Wer also mal lesen möchte, wie ein verbeamteter Lehrer seinen Status als Beamter (und den seiner Kollegen) sieht, der muss dieses Buch lesen. Diese Gelegenheit hat man nicht sehr oft.

Aber vor allem sollten Lehrer dieses Buch lesen. Nach den ersten Seiten werden viele wahrscheinlich in Versuchung geraten, das Buch in die Ecke zu knallen. Aber glücklicherweise ist das Buch in einer einfachen Sprache geschrieben und lässt sich deswegen leicht und schnell herunterlesen (ihr haltet das schon durch!). Vielleicht gebt ihr dem Buch eine zweite Chance und lest erst einmal ab Seite 137 weiter (= Traumstunden). Wisst ihr wieder, warum ihr Lehrer geworden seid? Nehmt die Schüler ernst, lasst euch auf eure Schüler ein und sie werden es euch danken! Und vergesst nicht, dass auch andere Berufe ihre Schattenseiten haben.

Für alle anderen ist das Buch zwar kurzweilig, aber nicht unbedingt ein literarisches Meisterwerk, ohne das man nicht weiterleben könnte. (Das solle es aber auch gar nicht sein.)


Weitere Buch-Empfehlungen.



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http://blog.sevke.net/2013/02/10/buchbesprechung-lehrer-traumberuf-oder-horrorjob/feed/ 0 4495
Fach Werken/Textiles Gestalten wird nicht gekürzt http://blog.sevke.net/2013/02/06/keine-kuerzung-von-wtg/ http://blog.sevke.net/2013/02/06/keine-kuerzung-von-wtg/#respond Wed, 06 Feb 2013 09:57:19 +0000 http://blog.sevke.net/?p=4462 In meinem Artikel Unterschriftenaktion gegen Streichung von WTG Stunden in der Grundschule habe ich auf eine Aktion des BLLV hingewiesen, mit dem die Streichung von WTG-Stunden in den Grundschulen verhindert werden sollte.

Dies ist gelungen!

Der BLLV berichtet auf seiner Website im Artikel Fach Werken/Textiles Gestalten wird nicht gekürzt, dass die Stundenzahl nicht gekürzt wird.

Über 3.600 Menschen haben sich an der Unterschriftenaktion beteiligt und auf diese Weise sicher den Druck auf das Kultusministerium erhöht.

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Noten hindern Kinder am Lernen http://blog.sevke.net/2013/02/06/noten-hindern-kinder-am-lernen/ http://blog.sevke.net/2013/02/06/noten-hindern-kinder-am-lernen/#respond Wed, 06 Feb 2013 08:28:19 +0000 http://blog.sevke.net/?p=4444 Noten hindern Kinder am Lernen

… sagt der Psychologe und Bildungsforscher Georg Lind in einem Interview der Frankfurter Rundschau (25.02.2017 Hinweis: das Interview steht auf der Website nicht mehr zur Verfügung. Ursprünglicher Link: http://www.fr-online.de/wissenschaft/interview-mit-bildungsforscher-schulnoten-machen-suechtig,1472788,17244556.html).

So neu ist diese Erkenntnis ja nicht, aber immer wieder gut, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.

In Nordrhein-Westfalen dürfen Grundschulen inzwischen weitgehend auf Noten verzichten. Ein Anfang, finde ich. Natürlich sagen die meisten Lehrer, Eltern und sogar Schüler: „Wir wollen Noten! Ohne Noten geht es nicht!“. Das liegt aber daran, dass wir es einfach nicht anders kennen. Noten waren schon immer da, also brauchen wir sie auch. Andere Konzepte sind für viele einfach nicht vorstellbar.

Und doch hinterfragen immer mehr Lehrer, Eltern und Schüler und natürlich Bildungsforscher die Vergabe von Noten, schauen auf die Modellschulen in Deutschland, die ohne Noten auskommen. Auch in der viel zitierten Pisa-Studie belegt ein Land den ersten Platz, das praktisch auf Noten verzichtet: Finnland. Heimlich schleicht sich bei immer mehr Menschen der Gedanke ein: „Hm … geht es vielleicht doch ohne Noten viel besser?“

Sehr hat mir auch das folgende Zitat von Georg Lind gefallen, das natürlich etwas provokant ist:

Für Lehrer, die nicht gut unterrichten können, sind Noten ein Rettungsanker, weil sie damit die Klasse disziplinieren. Aber ein guter Lehrer braucht keine Noten, weil er die Kinder für den Stoff begeistern kann.

Tja … 😉 Was soll ich dazu noch sagen? Ich verweise auf meinen Artikel Note 6 fürs Abschreiben. Ein klassischer Fall dafür, wie man Noten nicht zum Nachweis des Leistungsstands, sondern ausschließlich als Strafe zur Disziplinierung verwendet.

Was ist der Sinn der Schule? Georg Lind beantwortet diese Frage folgendermaßen:

Ziel der Schule muss es aber sein, Wissen und Lernmotivation zu vermitteln – und nicht Menschen zu bewerten.

Dem kann ich mich nur anschließen!


Weitere Artkel in meinem Blog zum Thema Noten.


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http://blog.sevke.net/2013/02/06/noten-hindern-kinder-am-lernen/feed/ 0 4444
Ein Lehrer will kein Beamter sein http://blog.sevke.net/2013/01/17/lehrer-beamter/ http://blog.sevke.net/2013/01/17/lehrer-beamter/#respond Thu, 17 Jan 2013 09:00:30 +0000 http://blog.sevke.net/?p=4332 Obwohl ich natürlich in diesem Blog vor allem über Themen (bezüglich Schule) schreibe, die mich ärgeren, so gibt es sie doch, die engagierten, die nachdenklichen, die hinterfragenden Lehrer.

Im Schulspiegel wurde gestern das Interviewm mit dem Lehrer Arne Ulbricht veröffentlicht.

Er ist wohl durch halb Deutschland nomadisiert, immer auf der Suche nach einer Beschäftigung als Lehrer. Irgendwann hatte man ihm den Status eines Bemanten angeboten. Er probierte es eine Zeitlang aus, bittet dann aber, den Beamtenstatus wieder aufzuheben.

Seine Begründung:
Lehrer gelten immer noch als faul. Ihr Ruf würde sich schlagartig verbessern, wenn sie nicht mehr verbeamtet wären. Außerdem wäre es gesamtgesellschaftlich gerechter. Lehrer sollten nach Engagement bezahlt werden. Jemand, der Leistungskurse leitet, nebenbei einen Schüleraustausch organisiert und haufenweise Klausuren korrigiert, sollte mehr verdienen als seine Kollegen, die im Schulbetrieb weniger Aufgaben übernehmen.

Absolut richtig!

In meinem Artikel „Klasse Lehrer“ habe ich ebenfalls gefordert, dass Lehrer leistungsgerecht bezahlt werden müssen. Jeder Lehrer sollte die Chance erhalten, sein Gehalt durch Engagement zu verbessern. An unseren Schulen wollen wir nur engagierte Lehrer haben! Das motiviert auch besonders Referendare, die ja oft erst den Schock des echten Berufslebens als Lehrer überwinden müssen, wenn sie es denn überhaupt packen. Die Aussicht auf ein gutes Gehalt durch Engagement hilft ganz bestimmt dabei.

Arne Ulbricht hat seine Erfahrungen als Lehrer in einem Buch niedergeschrieben. Ich habe es selber noch nicht gelesen, möchte es hier aber dennoch erwähnen.

Wie heißt es dort?

„Das Buch ist sowohl ein leidenschaftliches Plädoyer für ein einheitliches Schulsystem als auch eine kämpferische Polemik gegen das Elend der Verbeamtung Und schließlich ist es auch eine Liebeserklärung an einen verrückten und nie langweiligen Beruf, über den jeder Mensch eine eigene Meinung hat.“

Arne Ulbricht verfügt über eine eigene Website.


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Unterschriftenaktion gegen Streichung von WTG Stunden in der Grundschule http://blog.sevke.net/2012/12/19/unterschriftenaktion-gegen-streichung-von-wtg-stunden-in-der-grundschule/ http://blog.sevke.net/2012/12/19/unterschriftenaktion-gegen-streichung-von-wtg-stunden-in-der-grundschule/#respond Wed, 19 Dec 2012 17:02:27 +0000 http://blog.sevke.net/?p=4038 Der BLLV (= Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband) setzt sich dafür ein, die Stundenanzahl des Fachs WTG (= Werken/Textiles Gestalten) in den Jahrgangsstufen 3 und 4 nicht zu kürzen, wie es wohl vom Kultusministerium geplant wird.

Die Stunden sollen zwar der 1. Jahrgangsstufe zugute kommen, würden dann aber in der 3. und 4. Klasse fehlen.

Wer der Meinung ist, dass das einzige praktische Fach in der Grundschule nicht gekürzt werden soll, kann dies mit seiner digitalen Unterschrift auf der Unterschriftaktion gegen eine Kürzung des Faches WTG ausdrücken.

Dort stehen einige Hintergrund-Infos und natürlich die komplette Positionsbeschreibung des BLLV zur geplanten Stundenverlagerung und Umbenennung des Faches WTG.


Nachtrag 05.02.2013:
WTG wird nicht gekürzt!


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1. Geographie Stegreifaufgabe in der 7. Klasse Gymnasium http://blog.sevke.net/2012/11/30/1-geographie-stegreifaufgabe-in-der-7-klasse-gymnasium/ http://blog.sevke.net/2012/11/30/1-geographie-stegreifaufgabe-in-der-7-klasse-gymnasium/#comments Fri, 30 Nov 2012 10:52:09 +0000 http://blog.sevke.net/?p=3821 Die 1. Stegreifaufgabe im Fach Geografie der 7. Klasse ist für mich wieder einmal Anlass für einen Blog-Artikel.

Anmerkung: Ich bevorzuge die Schreibweise Geografie gegenüber Geographie. Die ältere Schreibweise wird in unserem Gymnasium verwendet. Da Eltern vermutlich in Suchmaschinen häufiger die ältere Schreibweise als Suchbegriff eingeben, taucht sie auch in diesem Artikel einmalig im Titel auf.

Der Thema Europa war schon einmal in der 4. Klasse Schwerpunkt einer HSU-Probe. (Hier findet ihr den alten Artikel: HSU Probe in der 4. Klasse) Damals kritisierte ich die sehr schlechte Qualität des Arbeitsblattes. Kaum zu glauben, dass sich das auch 3 Jahre später nicht geändert hat. Dazu später mehr.

Erdkunde, Geographie oder Geografie … bezeichnet ein Fach, das ich für sehr wichtig halte. Insbesondere kann man meiner Meinung nach nicht früh genug damit beginnen, den Kindern ein gesundes Verständnis für Europa zu vermitteln. Viele aktuelle Diskussionen in den Medien (vor allem, was die politische Situation Europas betrifft) beweisen, dass noch viel Bildungsarbeit geleistet werden muss. In diesem Artikel geht es aber nicht um Politik, sondern um Erdkunde.

Entsprechend lautete die erste Aufgabe:

1. Die Landschaftszonen Europas

Dazu gab es eine kleine Zeichnung, in der grob die 5 (plus 1) wesentlichen Landschaftszonen Europas eingezeichnet waren.

Graubild von Europa zu Aufgabe 1

Suchbild mit 5 plus 1 Landschaftszonen

Also sorry, so richtig gut erkennbar ist diese Zeichnung nicht. Ich wage ja gar nicht mehr, nach Farbzeichnungen zu rufen, aber mal im Ernst: habt ihr das „F“ sofort im Bild entdeckt? „Wieso „F“?“, fragt ihr. „Es geht doch nur von „A“ bis „E“, erkennt man doch an der Aufgabe.“ Irrtum, es gibt ein „F“, auf das sich später die Teilfrage 1.4 beziehen wird. Wenn ihr mögt, könnt ihr das Bild für eine vergrößerte Darstellung anklicken, vielleicht wird es dann deutlicher. 18 Minuten Zeit für die gesamte Stegreifaufgabe inklusive dieses Suchspiels. Was wird hier geprüft? Kenntnisse in Geografie oder die Sehleistung der Schüler?

Achja, wo steckt eigentlich das „B“? Das ist auf dem Original-Ausdruck übrigens etwas besser erkennbar.

Aufgabe 1.1. Benenne die verschiedenen Landschaftsformen Europas.

Hier wird reines Faktenwissen abgefragt, das entsprechend schlichtweg auswendig gelernt werden muss. (Seite 33 im Buch Seydlitz 7 Geographie – Gymnasium BayernDetails zum Erdkunde Buch bei Amazon)

A: Tundra
B: Nadelwald (Taiga)
C: Sommergrüner Laub- und Mischwald
D: Hartlaubvegetation
E: Steppe

3 BE für 5 Antworten … irgendetwas habe ich dann wohl doch übersehen. Es fehlt mir ein halber Punkt.

Aufgabe 1.2. Nenne die typische Vegetation für die Landschaftszonen A und E.

Die Antworten finden sich im Erdkundebuch auf der Seite 32.

A: Zwergsträucher, Gräser, Moose und Flechten
B: Graslandschaften

1.3. Erkläre, warum es in Europa überhaupt verschiedene Landschaftszonen gibt.

Auch diese Antwort finden die Schüler auf Seite 32. Es geht um die Anpassung der Pflanzen an die verschiedenen Klimazonen.

1.4. Erkläre, warum in der Karte der Bereich F separat eingezeichnet ist.

Tja, und da haben wir ihn, den geheimnisvollen Bereich F, die Area 51 auf der Europakarte weiter oben. Bei genauerem Hinsehen kann man den Buchstaben F schließlich ausmachen.

Hochgebirge als Suchspiel in der Vergrößerung

Da ist das F!

Aber welche Landschaftszone ist denn gemeint? Die große graue, die sich um das Mittelmeer herum ausdehnt, aber eigentlich mit D bezeichnet ist? Schade, Farben würden hier für Klarheit sorgen.

Ihr habt Recht, es geht um das Hochgebirge. Dazu gehören natürlich nicht nur die Alpen, sondern auch einige andere Gebirge in Europa. Ein Schüler hätte unter Umständen darauf kommen können, wenn er sich die Grafik im Erdkundebuch auf Seite 33 gut gemerkt hätte. Dort werden die Hochgebirge nämlich erwähnt und gut (in Farbe … wenn auch in grauer Farbe 🙂 ) dargestellt. Wer gedacht hat, F soll Italien, Frankreich und/oder die Schweiz darstellen, hat eben Pech gehabt. Ich hätte es besser gefunden, wenn das Thema „Vegetationszone Hochgebirge“ nicht in Form eines Suchspiels angeboten worden wäre, sondern durch eine klare Frage. Mein Sohn wusste die Antwort bezogen auf das Hochgebirge zwar, interpretierte die grafische Darstellung allerdings so, dass die Hartlaubvegetationszone gemeint war. Faktenwissen vorhanden, trotzdem null Punkte!

Die Aussagekraft der Gesamtnote ist so gesehen ziemlich fragwürdig. Was mich auf eines meiner Lieblingsthemen bringt: Noten. Wie war das noch mal? Ihr müsst in den nächsten 2 Wochen in der Lage sein, 30 Liegestützen zu machen, sonst gibt es eine schlechte Note. Wie bitte? Es ist für mich absolut pervers, Kindern im Fach Sport Noten zu geben. Was ist denn das Ziel des Sportunterrichts? Den Kindern vielseitige Bewegung zu ermöglichen … wäre meine Antwort. Wie kann man Kinder, die sich vor allem in diesem Alter alle körperlich sehr stark voneinander unterscheiden, über einen Kamm scheren und nach dem gleichen Schema F (da haben wir wieder unser ominöses F) beurteilen? Die Kinder können sich in der Körpergröße durchaus um 30 Zentimeter unterscheiden (Quelle: Wachstumskurve Jungen), werden aber beispielsweise beim Hochsprung oder beim Laufen trotzdem nach gleichen Kriterien benotet. Das ist Schwachsinn.

Aber zurück zu Erdkunde bzw. Geografie.

Die nächsten beiden Blöcke prüften das Grundwissen der Schüler.

2. Grundwissen: Klimadiagramm

2.1. Beschreibe folgendes Klimadiagramm. Benutze die passenden Fachausdrücke.

Klimadiagramm über ein Jahr mit Niederschlag und Temperaturwerten

Das Klimadiagramm zu Aufgabe 2.1

Diese Grafik ist hervorragend erkennbar. So sollte es immer sein. Sie lässt allerdings Spielraum für die Interpretation, bei welcher Kurve es sich um den Niederschlag und bei welcher um die Temperatur handelt. Sicher … es liegt auf der Hand. Aber wissenschaftlich sind solche subjektiven Annahmen nicht. Eine Beschriftung der beiden Kurven mit „Niederschlag“ und mit „Temperatur“ wäre zu empfehlen. Das zu Grunde liegende Problem ist übrigens wieder einmal die fehlende Farbdarstellung. Im Erdkundebuch wird die Temperaturkurve rot und die Niederschlagskurve blau dargestellt, allerdings fehlen auch dort die Bezeichnungen bzw. eine Legende.

Das Thema Klimatabelle wird im Erdkundebuch auf den Seiten 28 bis 30 behandelt.

In dieser Aufgabe sollten die folgenden Fachbegriffe verwendet werden:

1. humid
2. arid
3. Maximum
4. Minimum
5. Amplitude

Für die Erklärung der Begriffe gab es je einen halben Punkt. Zusätzliche Punkte gab es bei Maximum und Minimum für die Nennung der Werte und des Zeitpunktes.

3. Grundwissen: Topographie Europas

Benenne folgende Städte (1-2), das Meer (A), den Fluss (a) und das Gebirge (I).

Grafik zur Topografie Europas

Europa verschwindet eindeutig aus meiner Wahrnehmung

Liebe Lehrer, das ist doch nicht euer Ernst, oder? Im Original ist diese Grafik ca. 8×8 cm groß.

Die enstprechende sehr gute Grafik im Erdkundebuch findet sich auf Seite 11.

Die Antworten:

1: Kiew
2: Brüssel
A: Nordsee
a: Don
I: Karpaten

Don? Kennt doch jeder, ist ein sehr wichtiger Fluss! Ohne Don keine 1 in Erdkunde! Hier mehr Infos zum Don.

Liebe Lehrer, so geht es nicht! Bitte verwendet brauchbares Material in euren Stegreifaufgaben und Schulaufgaben. Macht den Schülern das Leben doch nicht noch schwerer als es ohnehin schon ist.

Die Inhalte dieser Geografie-Stegreifaufgabe sind durchaus angemessen (bis auf den Don, über den ich immer noch lache), aber bitte bereitet die Aufgabenblätter so vor, dass ihr nicht die Interpretationsfähigkeit oder die Sehleistung der Kinder prüft, sondern das Fachwissen.


Ergänzung (11.12.2012):
Ich habe der Erdkunde-Lehrerin einen Brief geschrieben, in dem ich mehrere der oben genannten Punkte angesprochen habe. Insbesondere wollte ich aber auch eine nicht nachvollziehbare Benotung thematisieren.

Es ging um Aufgabe 1.1, die Benennung der verschiedenen Landschaftszonen Europas. Mein Sohn hatte alle fünf erwarteten Begriffe korrekt hingeschrieben, ließ sich dann aber (möglicherweise wegen des Prüfungsdrucks) irritieren. Daher strich er vier der fünf Antworten durch und schrieb dann so etwas wie „Nördliches Meerklima“ hin. Kind, das war nicht schlau! Glücklicherweise erkannte er das selber und machte die Lehrerin am Ende der Stegreifaufgabe auch genau auf dieses Missverständnis aufmerksam.

Es half alles nichts: er bekam nur für die eine übrig gebliebene Antwort einen halben Punkt und seine Note wurde in Folge um eine Stufe abgewertet.

Was bitteschön wird denn hier beurteilt? Ich habe ja verstanden, dass Lehrer unbedingt Kinder miteinander vergleichen und aussieben wollen. Ich habe auch verstanden, dass deswegen der Wissensstand der Schüler regelmäßig in Stichproben überprüft und bewertet wird. Aber hier war das Wissen ja eindeutig vorhanden!

Hat mein Sohn durch das Durchstreichen der korrekten Antworten etwa gleichzeitig damit das Wissen aus seinem Gehirn gestrichen? Welchen Sinn hat eine Stegreifaufgabe, wenn sie das Wissen gar nicht bewertet?

Oder sind Lehrer über jede Möglichkeit froh, wo sie das ganze Notenspektrum ausnutzen (gemäß Sabine Czerny) und wieder einen Schüler abwerten können? Und tschüß, du Loser!

Im Antwortschreiben der Erdkunde-Lehrerin wird die Verunsicherung einfach mit den folgenden Worten wegdefiniert:

Der Begriff „Landschaftszone“ ist der korrekte Fachausdruck und da die Überschriften in Schulheft und -buch diesen beinhalten, sollte er in einer Stegreifaufgabe nicht zu Verunsicherungen führen.

 
Hat er aber.

Zum durchgestrichen Fachwissen heißt es schlichtweg:

Durchgestrichene Antworten werden generell nicht gewertet.

 
Kann ich nachvollziehen, sagt dann aber leider nichts über den Wissensstand eines Schülers aus. Die Benotung ist damit völlig wert- und sinnlos.

Übrigens bin ich ja nicht der Einzige auf dem Planeten, der Noten für Unsinn hält. Ursula Leppert war Lehrerin an einem bayrischen Gymnasium und schreibt in ihrem viel beachteten Buch Ich hab eine Eins! Und Du?: Von der Notenlüge zur Praxis einer besseren Lernkultur: „Schulnoten lügen – darunter leiden Lehrer genbauso wie Schüler und Eltern. Ursula Leppert zeigt das in Beispielen und Interviews und beweist, dass Noten ein logisch und systemisch falsches Instrumentarium zur Leistungsbewertung sind. Aber es gibt bildungspolitische und individuelle Wege zu einer Lernkultur, die Mut machen …“ (von der Rückseite des Buches abgeschrieben).

Wenn ihr das Buch lest, werdet ihr ständig zustimmend mit dem Kopf nicken.


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http://blog.sevke.net/2012/11/30/1-geographie-stegreifaufgabe-in-der-7-klasse-gymnasium/feed/ 3 3821
Unterschriftenaktion gegen Streichung von Lehrerstellen http://blog.sevke.net/2012/11/22/unterschriftenaktion-gegen-streichung-von-lehrerstellen/ http://blog.sevke.net/2012/11/22/unterschriftenaktion-gegen-streichung-von-lehrerstellen/#respond Thu, 22 Nov 2012 07:22:49 +0000 http://blog.sevke.net/?p=3812 Laut dem BLLV sollen im Staatshaushalt 2013/2014 bis zu 1.453 Planstellen für Lehrer in Bayern wegfallen.

Noch weniger Lehrer? Noch mehr Stundenausfälle? Noch mehr Kurzstunden von 30 Minuten?

Wenn ihr der Meinung seid, dass die Streichung unserem Bildungssystem und damit unseren Kindern schadet, dann könnt ihr bei der Unterschiftenaktion gegen Streichung von Lehrerstellen mitmachen.

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Lehrer und ihre Schrift http://blog.sevke.net/2012/07/11/lehrer-und-ihre-schrift-2/ http://blog.sevke.net/2012/07/11/lehrer-und-ihre-schrift-2/#respond Wed, 11 Jul 2012 10:19:02 +0000 http://blog.sevke.net/?p=3493 Ich hatte mir im Februar 2011 schon einmal ein paar Gedanken zur Lesbarkeit der Kommentare von Lehrern in Schulaufgaben / Proben / Lernstandserhebungen gemacht: Artikel Lehrer und ihre Schrift – Februar 2011

Viele Lehrer kommentieren die Arbeiten der Schüler mit hilfreichen Hinweisen. Das kann helfen, aus den Fehlern zu lernen. Dazu ist es aber notwendig, dass die Kommentare auch für die Kinder lesbar sind, was leider nicht immer gegeben ist.

Hier ein paar Beispiele aus einer aktuellen Lernstandserhebung.

Beispiele für schlecht lesbare Lehrer Kommentare

Ich kenn das noch gut aus meiner Schulzeit. Mein Englisch-Lehrer, Herr Schnabel, schrieb oft jede Menge Hinweise an den Rand, allerdings in einer Art und Weise, dass ich regelmäßig zu ihm gegangen bin, um mir die Anmerkungen von ihm vorlesen zu lassen. Fand er damals nicht so witzig. Ich auch nicht.

Bitte, liebe Lehrer, eure Anmerkungen sind sehr willkommen! Aber sie müssen lesbar sein!

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