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Deutschsprachige Portugal Foren

Vor kurzem habe ich in diesem Artikel berichtet, dass das renommierte Portugal Forum Portugalforum.de wieder auferstanden ist.

Lange Zeit habe ich mich in der deutschsprachigen Portugal-Community rar gemacht, aber im Augenblick bin ich dabei, meine alten (=langjährigen) Kontakte wieder aufzufrischen. Je mehr ich das tue, desto mehr Spaß macht es mir!

In dem Zusammenhang habe ich natürlich auch die deutschsprachigen Portugal-Foren besucht. Im oben genannten Portugalforum.de war ich eigentlich “schon immer” Mitglied. Wegen des Verkaufs sind dort allerdings die Account-Daten nicht mehr verfügbar. Das Forum wird inzwischen von 5 der ehemaligen Moderatoren unter der Bezeichnung Portugallierforum weitergeführt. Zwei weitere Moderatoren sind inzwischen nicht mehr dabei. Eine ganze Reihe von aktiven Mitgliedern hat sich diesen Moderatoren angeschlossen und betreibt das Forum als Team gemeinsam.

Der ursprüngliche Besitzer des verkauften Portugalforums versucht mittlerweile an dem Erfolg des früheren Forums anzuknüpfen, hat sich aber nicht zu einer Zusammenarbeit mit seinen ehemaligen Moderatoren (möglicherweise war es auch umgekehrt) entschließen können, sondern hat parallel ein eigenes Forum aufgebaut, das Portugalforum.org.

Neben diesen beiden Foren betreibt der Michael Müller Verlag (dort gibt es bekannte Reiseführer für Individualreisen) ein Forum, das einen direkten Kontakt mit den Autoren der Reiseliteratur ermöglicht.

Weitere aktive deutschsprachige Foren konnte ich nicht finden. Ich bin zwar auf einige Links im Internet gestoßen, die aber entweder ins Leere oder zu Blogs verwiesen. Wenn jemand von euch weitere interessante deutschsprachige Foren kennt, die sich dem Thema Portugal widmen, würde ich mich über einen kurzen Hinweis per E-Mail freuen.

Da es sich nur bei den ersten beiden Foren um privat betriebene handelt, dürften sie für alle Liebhaber von Portugal, seien es Urlauber oder auch Zugezogene (üblicherweise Residente genannt), am interessantesten sein. Beim Portugalforum.org ist nicht ganz klar ersichtlich, ob mit dem Forum nicht doch kommerzielle Interessen verfolgt werden. Zum einen wurde vom jetzigen Betreiber schon mal ein Portugal-Forum verkauft, zum anderen werden überall auf den Seiten, sogar zwischen den einzelnen Beiträgen kommerzielle Werbeanzeigen eingestreut. Beim Portugallierforum ist das bisher nicht der Fall.

Ich habe zu beiden Foren wieder Kontakt aufgenommen. Generell hat man als Außenstehender den Eindruck, dass es einen Kern von Aktiven (plus Moderatoren) gibt, der das Forum als eine Art Fetisch sieht, der mit allen Mitteln beschützt werden muss. Neue Besucher haben es schwer, von diesem Kreis anerkannt zu werden. Einfache Fragen wie “Ist es im November noch warm an der Algarve?” werden zwar gerne beantwortet, ziehen aber häufig einen längeren Schwanz von Diskussionen zum Thema, aber auch weit jenseits des eigentlichen Themas nach sich. Der Kern wird nicht müde, sich mit sich selber zu beschäftigen, weist aber Besucher, die nicht zum Kern gehören, gerne daraufhin, beim Thema zu bleiben. Manche aktiven Mitglieder gefallen sich in der Rolle, ihre Kommunikationsfähigkeiten in schwer verständlichen, mit allerlei Fremdwörtern gespickten Beiträgen zu demonstrieren. Besucher stehen dann oft verloren da und fragen sich:”Schön. Und was will er mir jetzt damit sagen?”. Daneben fallen regelmäßig Anspielungen und Spitzfindigkeiten, die nur Leute verstehen, die zum inneren Kern gehören. Für Portugal-Freunde, die nicht zum inneren Kern gehören, ist es sehr schwierig, aus all dem Kommunikationsrauschen nützliche Informationen herauszufiltern. Gerne werden auch Meta-Diskussionen über den Stil des Diskutierens oder über das Verhalten von einzelnen Mitgliedern geführt.

Meiner Erfahrung nach trifft das Gesagte auf sehr viele Internet-Foren zu.

Es wäre ungerecht, diese negative Bild von Foren so im Raum stehen zu lassen. In jedem Forum findet man hochmotivierte, sehr freundliche und hilfsbereite Menschen, die nichts anderes wollen, als ihre Erfahrungen und ihr Wissen über ein Thema an andere weiterzugeben. Vielen Dank an all diese Menschen!

Gegen eine Kerngruppe kann man nichts machen, die bildet sich automatisch. Die Gruppe selber kann versuchen, sich ihrer Außenwirkung bewusst zu werden, um gezielt anderen Besuchern, die (noch?) nicht zu den ganz aktiven Mitgliedern gehören, die Hand zu reichen, sie willkommen zu heißen und für eine Wohlfühl-Atmosphäre zu sorgen. Jeder Besucher, der sich wohlfühlt, ist eine Bereicherung für ein Forum und sollte umworben werden!

Wie wurde ich in den beiden Foren willkommen geheißen?

Die Moderatoren-Gruppe des Portugallierforums freute sich sehr darüber, dass ich mich (zurück-) meldete. Nicht nur das. Schon nach kurzer Zeit wurde ich gefragt, ob ich mich nicht noch aktiver einbringen möchte, zum Beispiel zur Unterstützung der Moderation oder der Administration. Beides lehnte ich ab, denn beides ist mit viel Frust und viel Arbeit verbunden. (Deswegen noch mal grundsätzlich ein Dankeschön an alle Moderatoren und Administratoren von privat betriebenen Foren!) Letztendlich ließ ich mich darauf ein, als technischer Berater zu unterstützen. Ich bin von allen mit einem großen Vertrauensvorschuss aufgenommen worden, die Zusammenarbeit klappt hervorragend.

Natürlich habe ich mich auch neu im Portugalforum.org angemeldet. Dort war die Begrüßung weniger freundlich. Leute, die ich gar nicht kannte, beschimpften mich als Troll (= jemand, der die Ordnung und die Harmonie in einem Forum vorsätzlich zerstören will) und sperrten meinen Account nach wenigen Beiträgen.

Eine der Reaktionen zeige ich im folgenden Screenshot:

Portugal Forum Beschimpfungen

Portugal Forum Beschimpfungen - für größere Darstellung bitte klicken

Der Diskussionsfaden (= Thread) wurde ursprünglich mit der folgenden Frage begonnen:

… ich möchte gerne mit meinem Freund in den Urlaub. Wir sind uns noch nicht 100%ig sicher, ob es Portugal sein wird, nur wir können uns halt einfach nicht entscheiden. Wieso? Naja, das Problem ist, wir wollen maximale Entspannung, keine von Touristen überfüllten Orte, also n RelaxUrlaub durch und durch…

und

… Wir suchen ein gutes und günstiges Hotel (er ist Azubi, ich studiere . Möchten halt nicht auf den Hotelluxus verzichten, sonst würden wir ja ne FeWo miete …

Offensichtlich ging es darum, das jemand relativ günstig, aber dennoch mit viel Inklusiv-Komfort in den Urlaub fahren wollte, nicht notwendigerweise nach Portugal.

Meine Antwort war die folgende:

Svens Beitrag im Portugalforum

Mein Beitrag - für größere Darstellung bitte klicken

Nachvollziehen kann ich dabei durchaus, dass sich die Kerngruppe provoziert fühlte, als ich es wagte, die heilige Kuh Portugal anzugreifen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass eine Aufforderung “Verpiss dich!” deutlich über das Ziel hinausgeschossen ist. Eine Klärung wurde mir durch eine Forums-Sperre sofort verweigert.

Insgesamt muss ich feststellen, dass ich in diesem Portugal-Forum sicher nicht freundlich aufgenommen wurde. Mal abgesehen davon, dass ich zur Zeit dort eh nicht mehr schreiben kann, kann ich mir aktuell nicht vorstellen, mich in dieses Forum einzubringen.

Mir ist bekannt, dass es Menschen gibt, die sich in dieser Umgebung dennoch gut aufgehoben fühlen. Ich gehöre nicht dazu und empfehle deswegen in Zukunft ausschließlich Portugallierforum.

Abschließend möchte ich ergänzen, dass ich dem Betreiber des Portugalforum.org privat eine E-Mail geschickt habe. Ich kenne ihn lange genug, um davon auszugehen, dass er diesen Umgangston und diese Reaktion nicht gut heißt.

Nachtrag vom 3.8.2010:
Das Portugalforum.org verfügt über eine Schiedsstelle, die man in Streitfällen für eine Schlichtung bemühen kann. Natürlich hatte ich mich auch dort gemeldet. Allerdings erfolgte keine für mich erkennbare Reaktion. Die Bewertung überlasse ich euch selber. Im nächsten Screenshot könnt ihr die Satzung der Schiedsstelle nachlesen:

PF Schiedsstelle Satzung

PF Schiedsstelle - für größere Darstellung bitte klicken

Inzwischen habe ich eine private Nachricht im Portugalforum.org erhalten, die ich dort allerdings nur lesen kann, wenn ich mich anmelde, was wegen meiner Sperre natürlich nicht funktioniert. Trotzdem war es möglich, die Nachricht zu lesen, da ich vom System automatisch eine Kopie per E-Mail zugesandt bekomme, die ich natürlich trotz Sperre lesen kann. (Logisch, oder?)

Der Betreiber des Forums äußert sich nicht zur Sache, teilt mir aber mit, dass die Sperre aufgehoben sei.

Nachtrag vom 7.8.2010:
Anscheinend war für die Schiedsstelle eine falsche E-Mail Adresse hinterlegt, so dass E-Mails nicht ankamen oder zumindest nicht in das richtige Postfach geliefert wurden. Das ist heute korrigiert worden.

Grundschule: Noten verbessern

Heute war der letzte Schultag für unseren Sohn in der Grundschule. Nach den Sommerferien wird er nach Erding ins Anne-Frank-Gymnasium fahren.

Bis hierhin war es ein manchmal anstrengender Weg, immer mal wieder gab es auch Tränen.

An sich bin ich kein Freund von Belohnungssystemen für gute Noten, denn schließlich “lernen die Kinder ja fürs Leben und nicht für gute Noten”. Stimmt, aber mir war das als Kind ziemlich egal! Warum sollte das den heutigen Kindern anders gehen? Die ersten drei Jahre gab es auch keinen Anlass, in dieser Hinsicht besonders aktiv zu werden. Mitte letzten Jahres drifteten die Noten allerdings so langsam auf ein 3er Niveau. Uns als ehrgeizige Eltern konnte das nicht kalt lassen. Uns war klar, dass vor allem in Deutschland eine gute Schulausbildung die Grundlage für einen guten Job darstellte. Nicht dass wir uns falsch verstehen, ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn mein Sohn später ein Handwerk ausübt oder als Weltenbummler von dem lebt, was er sich so am Tage verdient. Mit einer guten Ausbildung hat er aber später selber die Wahl zu entscheiden, was ihm am meisten liegt und was er gerne machen möchte. Diese Möglichkeiten sind deutlich eingeschränkt, wenn er eine schlechtere Schulbildung hat. Mir ist auch bewusst (und die Lehrer auf den info-Abenden werden nicht müde, das uns Eltern immer und immer wieder einzubläuen – schließlich haben die Gymnasien einfach keinen Platz mehr für neue Schüler), dass ein Kind einfach mal mit der Hauptschule anfangen und dann später immer noch das Abitur machen kann. Ich bin aber auch der Meinung, dass ein Kind mit einem guten Zeugnis nicht zur Hauptschule gezwungen werden sollte, sondern den Besuch des Gymnasiums versuchen sollte. In manchen Gesprächen mit anderen Eltern hatte ich den Eindruck, dass der Besuch eines Gymnasiums oftmals überhaupt gar nicht erst in Erwägung gezogen wurde. (“Wie? Gymnasium? Das Kind soll aufs Gymnasium gehen? So ein Schmarrn!”).

Wie auch immer … unser Kind sollte aufs Gymnasium gehen, wenn die Noten (als formale Bestätigung der Eignung) entsprechend gut wären.

Mit den Noten stehe ich ja so ein bißchen auf dem Kriegsfuß. Wenn die Arbeitsblätter bei den Proben so gut wie nicht lesbar sind, dann kann ein Kind noch so gut in dem entsprechenden Fach sein, es kann die Aufgabe schlichtweg nicht lösen, weil es gar nicht lesen kann, was erwartet wird. Schlechte Noten bedeuten nicht zwangsläufig, dass ein Kind in einem Fach schlecht ist. Da muss man schon genauer hinsehen und sein Kind beobachten.

Jedenfalls hatten wir vor einem Jahr den Eindruck, dass sich die Noten unseres Sohnes verschlechterten. Was tun? Üben, üben, üben? Ja, klar. Ohne Mithilfe des Kindes ist das ein unmögliches Unterfangen! Konzentrieren wollten wir uns auf die Hauptfächer Mathe, HSU und Deutsch.

Mathe war an sich kein Thema. Ich kann mich an eine Probenvorbereitung erinnern, in der es um die schriftliche Division ging. Es stellte sich heraus, dass unser Sohn hier praktisch keine einzige Aufgabe lösen konnte. Das war umso erstaunlicher, weil er in der Gesamtnote zwischen 1 und 2 pendelte. Wir stellten dann fest, dass den Kindern eine Technik für die schriftliche Division beigebracht wurde, die weder er noch ich verstanden. Viel Zeit vor der Probe hatten wir nicht mehr, deswegen versuchte ich gar nicht lange, mich in diese Lösungstechnik einzuarbeiten, sondern verwarf sie kurzerhand, erklärte meinem Sohn die übliche Art der schriftlichen Division und war mit dem Thema innerhalb einer halben Stunde inklusive Übungsaufgaben durch. Kein Fehler mehr! Ich sagte ihm, dass er genau diese Methode in der Probe verwenden sollte, auch wenn die Lehrerin sich vielleicht wundern würde, woher er diesen Rechenweg hatte. Das wäre egal, weil er die Aufgabe auf jeden Fall richtig rechnen würde. So kam es dann auch.

Witzigerweise lernten die Kinder dann wenige Tage/Wochen später auch noch den üblichen Rechenweg.

Wir konzentrierten uns also auf HSU. Hier war das Problem der große Umfang an relativ abstrakten Inhalten. Dazu habe ich in meinem Blog schon mal etwas geschrieben: HSU Probe. Für dieses Fach lernten wir entsprechend recht intensiv für die Proben. Schlechte Kopien der Arbeitsblätter konnten wir dadurch natürlich nicht verhindern.

Für Deutsch hatten wir verschiedene Übungsansätze. Einer zielte darauf ab, die Rechtschreibung zu verbessern. Dazu nutzten wir die gute alte Karteikasten-Methode, schrieben also die meisten Wörter auf, die er bis zum Ende der 4. Klasse beherrschen musste, ergänzten sie immer mal wieder durch Wörter, über die er in Aufsätzen stolperte und fragten sie ab. Dazu nahmen wir uns einen Satz von 30 bis 50 Karteikarten mit dementsprechend vielen Wörtern, diktierten jedes einzeln und ließen es schreiben. Danach wurden die fehlerhaften Wörter markiert und erneut richtig aufgeschrieben. Die Karteikarten mit den falschen Wörtern steckten wir ganz vorne in den Karteikasten, damit sie beim nächsten Mal gleich wieder geübt werden konnten, die anderen Karten kamen ganz nach hinten in den Kasten. Uns ging es nicht darum, Fehler zu zählen oder gar Noten zu geben. Ziel war einzig die Wiederholung. Je öfter man ein Wort richtig schreibt, desto mehr prägt sich die richtige Schreibweise ein. Die Rechtschreibsicherheit unseres Sohnes verbesserte sich deutlich.

Zurück zum Belohnungssystem. Üben ist wichtig, aber Üben macht überhaupt keinen Spaß!

Also was nun? Für jede Eins in einer Probe 5 Euro bezahlen? Für jede 5 als Note 5 Euro bezahlen lassen? Nein, wir wollten unser Kind auf keinen Fall mit Geld belohnen. Letztendlich entschieden wir uns für einen sehr teuren Weg und schrieben einen Vertrag, den Mama, Papa und Kind verbindlich unterschreiben mussten:

Vertrag über Belohnungen für gute Noten

Vertrag über Belohnungen für gute Noten

Der Vertrag wurde an prominenter Stelle in der Küche aufgehängt. Wir sind keine Pädagogen, sondern nur Eltern, die ihre Kinder lieben. Wahrscheinlich haben wir mit diesem Vertrag einen schweren Defekt in der Psyche unseres Kindes angelegt, wer weiß das schon.

Jedenfalls konnten wir zwei Hauptfächer um jeweils eine ganze Note innerhalb eines Jahres verbessern. Natürlich war es nicht der Vertrag alleine, der das bewirkt hatte.

Heiko hat heute ein Super Zeugnis mit nach Hause gebracht! Seine Schwester hat inzwischen sogar drei Einser im Zeugnis, geht allerdings auf die Realschule. Wir sind auf beide super stolz!

Der Vertrag galt nur für die Grundschule. Wie sich die Noten auf dem Gymnasium entwickeln, und was wir dann gegebenenfalls an kreativen Maßnahmen entwickeln werden, wird sich zeigen.

Wie seid ihr vorgegangen, um gemeinsam mit euren Kindern die Noten zu verbessern?

Schnee am Zuckerhut – Weiherspiele Markt Schwaben

Auch dieses Jahr sind wir wieder zu den Weiherspielen nach Markt Schwaben gefahren. Ursprünglich hätten wir eine Vorstellung am Wochenende (am 23.7.) besucht, aber leider hat es wie letztes Jahr so stark geregnet, dass die Veranstaltung verschoben werden musste. Also nun am Dienstag. Blöd, weil man am nächsten Tag nicht ausschlafen konnte.

Flyer Weiherspiele Markt Schwaben 2010 - Schnee am Zuckerhut

Flyer Weiherspiele Markt Schwaben 2010 - Schnee am Zuckerhut

Die Kurzbeschreibung, um was es diesmal geht, entleihe ich mir von der offiziellen Website der Weiherspiele:

Rio de Janeiro, das ist Carneval, Fußball und Caipirinha. Aber auch Armut, Elend und Verbrechen. In einigen Jahren ist man Gastgeber für die Fußballweltmeisterschaft und die olympischen Spiele. Anlass genug um die Stadt zu säubern und aufzuräumen unter den Obdachlosen, Drogendealern und Jugendbanden.

Vor diesem Hintergrund spielt die heitere Komödie „Schnee am Zuckerhut“ ein brasilianisches Abenteuer. Leon und Rubinho, zwei Brüder aus den Favelas, den Elendsvierteln von Rio, sind Anführer einer Straßen-Gang. Ihr Leben ist eine brisante Mischung aus „Fun and Crime“, ein Vulkan der höllischen Triebe. Es sind keine schlechten Jungs, aber gefangen im rauhen Alltag der Straße. Arbeit gibt es nicht für sie, Zukunft auch nicht. Oder doch? In der Gestalt der jungen Teresa, einem Mädchen aus vornehmen Haus, Tochter des Kaffeebarons Don Martino. Ist Teresa ein Ausweg?….oder das Verderben?

„Ich breite meine Arme aus um Euch zu beschützen“ verkündet die Christus Statue auf dem Corcovado und blickt hinab auf Rio de Janeiro, die Stadt „ am Fluss des Januar“.

Natürlich freuten wir uns sehr auf die Weiherspiele, das Wetter war am Dienstag tagsüber leider nicht so toll, so dass wir nicht sicher waren, ob es diesmal klappen würde. Auf der Homepage der Weiherspiele konnte man ab 16:00 Uhr nachlesen, ob die Aufführung tatsächlich stattfand oder ob sie verschoben wurde. Das Wetter wurde gegen Abend zunehmend trockener, obwohl weiterhin sehr dunkle Wolken drohten. Die Temperaturen waren gegenüber den letzten Wochen (da hatten wir Temperaturen bis 38 Grad) stark gesunken. Wir mussten uns also auf einen Abend mit Temperaturen um die 16 Grad einstellen. Also galt es, Pullover, Strickjacke, Regenjacke einzupacken. Bei den Weiherspielen handelt es sich um eine äußerst formlose Veranstaltung. Jeder durfte sich gerne Getränke und etwas zum Essen mit in das Open-Air-Theater mitnehmen. Wir nahmen uns also auch allerlei Gemüse mit wie rohe Karotten und Kohlrabi (ja, wir mögen das Zeug essen, es schmeckt uns, aber wir sind überhaupt keine Vegetarier. ;-) ), außerdem belegte Brötchen. Dazu zwei Flaschen Bier für mich und eine Flasche alkoholfreies Bier für Andrea (dieses Jahr war sie die Chauffeurin), außerdem Punica und heißen Fencheltee … man konnte ja nicht wissen. Rotwein wäre mir zwar lieber gewesen, aber alleine wollte ich den nicht trinken, und Andrea durfte ja keinen Alkohol trinken, deswegen blieb es beim Bier.

Markt Schwaben Weiherspiele - das Theater

Markt Schwaben Weiherspiele - das Theater ... im Augenblick noch fast leer

Das Gelände kannten wir inzwischen gut. Das Gros der Sitzplätze bestand aus großen Betonblöcken. Man saß zwar relativ eng nebeneinander, hatte aber für die Füße ausreichend Platz. Auf Beton sitzt es sich hart und kalt, deswegen sollte man unbedingt irgendeine Art von Unterlage mitnehmen, in unserem Fall waren das eine dünne isolierende Unterlage und darauf ein Kissen. Und keine Angst, es sitzt sich auf diese Weise eigentlich überraschend bequem.

Markt Schwaben Weiherspiele - Sitzplan

Markt Schwaben Weiherspiele - der Sitzplan

Das Theater ist nicht besonders groß, so dass man von allen Plätzen eine gute Sicht hat, auf jeden Fall von allen im Sitzplan rot gekennzeichneten. Die blauen Plätze müssten auch in Ordnung sein, die grünen sind aber schon recht arg am Rande. Man kann auf dem Sitzplan auch den Bühnenaufbau erahnen: links gibt es eine Luxus-Villa, daran schließt sich in der Mitte das Armenviertel von Rio an, und ganz rechts ist die Copa Cabana der Schauplatz.

Abhängig vom Sitzplatz gibt es eine Preisstaffelung.

Markt Schwaben Weiherspiele - Preisplan

Der Preisplan für die Weiherspiele in Markt Schwaben

Wir selber wählen immer die roten Karten am Wochenende, also die teuerste Kategorie. 20,00 Euro für die teuerste Kategorie ist aber für mehr als 2 Stunden Super Vorstellung in perfekter Umgebung sicher akzeptabel. Pech für uns, dass wir diesmal am Dienstag zu den Weiherspielen gehen mussten. Die 4 Euro Preisunterschied gab es natürlich nicht zurück (wir haben aber auch gar nicht erst nachgefragt).

Markt Schwaben Weiherspiele 2010 - Spielplan

Der Spielplan der Weiherspiele 2010 - nur 6 Wochen!

Auf dem Spielplan fällt sofort auf, dass nur sechs Wochen lang gespielt wird. Unsere dringende Empfehlung: wer die Weiherspiele besuchen möchte, sollte sich Karten sehr frühzeitig besorgen, am besten bereits im April, wenn der Vorverkauf startet! Unser Erfahrung nach bekommt man im Juni praktisch keine Karten mehr.

Allerdings konnten wir am Dienstag feststellen, dass wohl wegen der unsicheren Wetterlage einige Gäste nicht gekommen sind, denn es sind doch einige Plätze leer geblieben.

Markt Schwaben Weiherspiele 2010 - Bühnenaufbau

Bühne: Villa, Favelas, Copa Cabana

Die Bühne war wieder sehr aufwändig gestaltet und wurde auf mehreren Ebenen genutzt. Die Ausleuchtung war hervorragend und leitete die Aufmerksamkeit des Publikums zum jeweils aktuellem Schauplatz der Handlung. Auch der Ton war hervorragend, die Akteure waren sehr deutlich und glasklar zu verstehen. Einzig bei den (wenigen) Gesangsdarbietungen hätte der Ton etwas leiser sein können.

Ich habe vor der Aufführung ein kurzes Video gemacht, auf dem man den Bühnenaufbau als Schwenk sehen kann:

Wir hatten Glück mit dem Wetter, es regnete kein bisschen, und es gab auch kaum Wind. Unsere Befürchtungen, dass wir möglicherweise frieren müssten, erfüllten sich glücklicherweise nicht. Zusätzlich hatten wir auch noch eine Wolldecke dabei, die wir über unsere Beine ausbreiteten. Heiko schaffte es an diesem Abend nicht durchzuhalten und schlief dann irgendwann ein. Wie immer waren die Weiherspiele eine Art Mini-Musical mit Schauspiel, Gesangseinlagen und Tanzdarbietungen. Alles hatte natürlich einen deutlichen brasilianischen Stempel. So wurde Rio mit einer brasilianischen Tanztruppe und heißen Samba-Rhythmen zum Leben erweckt. Alle Akteure ließen regelmäßig portugiesische Sprachfragmente mit brasilianischem Akzent einfließen. Hier konnte man erkennen, dass zur Vorbereitung höchstwahrscheinlich auch ein Sprachtraining gehört hatte. So kam das auch gar nicht lächerlich rüber, sondern trug wesentlich zur Atmosphäre bei.

Als Effekte gab es diesmal nur ein kleines Feuerwerk, das am Zuckerhut zum Faschings-Gehopse abgefeuert wurde.

Der Weiher wurde ebenfalls wieder in die Handlung mit einbezogen. Der Drogenboss schipperte dort mit seiner Hochseeyacht herum und ließ es unter Deck mächtig mit der Krankenschwester seiner altehrwürdigen Mutter krachen, so dass das ganze Boot ins Rollen kam. Später musste der Weiher noch als Tatwerkzeug für einen Selbstmord herhalten.

Markt Schwaben Weiherspiele - Publikum

Kurz vor dem Beginn der Veranstaltung wurde das Theater langsam voll

 

Markt Schwaben Weiherspiele - Eintrittskarte

Eine unserer Eintrittskarten

Das Portugalforum ist zurück!

http://www.portugalforum.de ist wieder da!

Wie alles anfing:
Mitte der 80er Jahre begann ich mich für Portugal zu interessieren. Auslöser waren zahlreiche Erzählungen und Dia-Vorträge (so mit richtigen Dias, Projektor und Leinwand!) von den Eltern meiner damaligen Freundin Susanne. Sie waren von dem Land und vor allem den Menschen begeistert und suchten bereits nach einer dauerhaften Bleibe an der Algarve. So geschah es dann auch, sie kauften ein abgelegenes Grundstück und bauten sich ein Haus darauf.

Wie es weiter ging:
1986 war ich das erste Mal an der Algarve, damals noch mit dem Motorrad … ein Auto besaß ich lange Jahre gar nicht. Insgesamt war ich vier Mal mit dem Motorrad an der Algarve, einige Male mit dem Auto und auch oft mit dem Flugzeug. 2000 habe ich dann mit der ganzen Familie für ein Jahr in Nordportugal, nördlich von Porto gearbeitet und gelebt.

Als das Internet (genauer das World Wide Web) so langsam bekannt wurde, habe ich mir natürlich auch eine eigene Website aufgebaut (die damals sogar recht bekannt war): Algarve-Kontakt. Bereits vorher hatte ich quasi mit Zettelkasten (Computer ohne Internet) eine Art Kontaktdatenbank gestartet, die solche Fragen wie “Sag mal, kennst du nicht einen guten Maurer in der Nähe von Lagos?” beantworten sollte. Ich bin aktiv auf deutschsprachige Menschen an der Algarve zugegangen, um deren Adressen und Kompetenzen zu speichern und anderen Leuten zu vermitteln. Dies wollte ich nun mit Algarve-Kontakt weiter ausbauen. Leider verlor ich die Domäne wegen einiger Kommunikationsprobleme mit dem amerikanischen Registrar vor einiger Zeit. Übrig geblieben ist die Domäne Portugal-Kontakt, die allerdings seit mehreren Jahren brach liegt.

So kam es zum Forum:
Mit Online Communities hatte ich bereits viel Erfahrung, da ich für zwei Computer-Magazine bei Compuserve (kennt das noch jemand? Man, waren das noch Zeiten!) freiwillig und der Ehre wegen als SysOp aktiv war, und zwar für die Bereiche PDA und OS/2. Eingebunden waren diese beiden Teilbereiche in ein größeres Angebot, das vor allem Downloads und Diskussionsforen bereitstellte. Die Diskussionsforen glichen dabei teilweise einem Chat, so schnell trudelten neue Themen, Antworten und Kommentare ein. Mit meinem lieben Wegbegleiter Werner zusammen mischte ich so manche Diskussion auf! (Natürlich nie bösartig oder destruktiv.) Für den legendären “Auto-Thread” bekam ich sogar einmal das äußerst kompetente Buch “Das große MS-DOS 6.0 Profi Arbeitsbuch” von Dieter Smode mit persönlicher Widmung des Autoren geschenkt. Er war damals SysOp-Kollege von mir. Das Buch steht natürlich heute noch in meiner privaten IT-Bibliothek. Genug in Erinnerungen geschwelgt.

Wie ging es nun weiter mit den Foren?
Ja, okay, kommen wir zurück zum Thema. Auf Algarve-Kontakt gab es (nun aus meiner Historie gut nachvollziehbar) natürlich ebenfalls ein Diskussionsforum. Konkurrenz zum Thema “Portugal” und speziell “Algarve” gab es damals eigentlich keine, und die wenigen Leute, die sich auf diese Weise kennenlernten, bildeten so etwas wie eine eingeschworene Pioniergemeinschaft. So bildeten sich auch schnell kleinere Interessensgemeinschaften, die sich gegenseitig zu unterstützen versuchten (mit mehr oder weniger altruistischen Motiven). Eigentlich gab es nur ein einziges anderes Forum, das eine ähnliche Zielsetzung hatte wie mein eigenes. Damals war es, glaube ich, noch Teil einer Web-Präsenz, wurde dann aber in eine eigene Domäne ausgegliedert (ich kann mich aber auch täuschen, und, Kai, so wichtig ist mir das auch gar nicht!).

Was geschah dann?
Ich lernte schnell, dass es eine Menge Leute gab, die die Kultur eines Forums massiv stören und manchmal sogar regelrecht zerstören wollten. Man nennt diese Leute “Trolle”. Zur Folge hatte das, dass ich mich einen großen Teil meiner Zeit mit Trollen beschäftigen musste, während auf der anderen Seite Leute, die sich für das Forum interessierten, genervt das Handtuch warfen und ausblieben. Da ich zu der Zeit nicht nur in meinem eigenen Forum aktiv war, sondern auch in einigen anderen, speziell im “Portgualforum”, wurde es mir irgendwann zuviel und ich zog mich aus dem aktiven Forumsleben zurück. Auch heute schreibe ich noch hin und wieder in verschiedenen Foren, aber ich betreibe selber keins mehr aktiv.

Aber was war nun mit diesem Portugalforum?
Das unter der Adresse Portugalforum.de bekannte Forum entwickelte sich weiter recht erfolgreich. Aus meiner Sicht ist dies vor allem den engagierten Moderatoren zu verdanken, ohne die ein Forum heutzutage nicht sinnvoll mehr zu betreiben ist. Noch viel wichtiger sind aber für jedes Forum die Beiträge der Teilnehmer! Die Arbeit der Moderatoren ist sehr diffizil, manche sind eher Hardliner, die rigoros unangenehme Artikel zusammen- oder gar ganz streichen, andere bevorzugen einen “laissez-faire”-Stil und werden nur bei strafrechtlich bedenklichen Formulierungen richtig böse. Ich selber war und bin der Meinung, dass Moderatoren sich weitestgehend aus den aktiven Diskussionen heraushalten, vor allem nicht in jeder spitzen Bemerkung gleich einen Angriff auf das Abendland sehen sollten. Damals wurden Zusammenarbeiten zwischen verschiedenen Internet-Sites (speziell auch Foren) angestrebt, mehr oder weniger erfolgreich aus meiner Sicht. Das “Portugalforum” sollte laut Betreiber werbefrei und ohne kommerziellen Hintergrund betrieben werden. Aber zuerst wurden Google-Anzeigen überall auf den Seiten eingestreut, später wurde das Forum sogar komplett verkauft. Es lief noch eine Weile ganz gut, wurde dann aber eingestampft. Das “Portugalforum” war tot.

War das nun alles?
Nein, natürlich nicht. Der Betreiber des ehemaligen “Portugalforums” war anscheinend der Meinung: ” was einmal gut funktioniert hat, das wird auch ein zweites Mal gut funktionieren!” Er baute ein neues Portugal-Forum auf. Die Vorgehensweise wurde im Internet an mehreren Stellen heftig diskutiert, ich selber war nicht beteiligt. Daher werde ich das Thema hier auch nicht aufrollen. Jedenfalls waren einige der Moderatoren mit der bisherigen Geschichte nicht einverstanden und verstanden sich wohl auch mit dem Betreiber nicht mehr so gut, so dass sie letztendlich Ende 2009 mit dem Portugallierforum eine Alternative aufbauten. Unter den Moderatoren befinden sich mehrere, die ich schon aus den Zeiten von Algarve-Kontakt noch gut kenne. Bei dem Moderatoren-Team des Portugallierforum handelt es sich um ein sehr hochkarätiges Team. Das schließt die technischen Administratoren ein. Sozusagen das “Who is Who” aus Portugal!

Und wo bleibt das Happy-End?
Vor einiger Zeit wurde ich gefragt, ob ich mich nicht auch in das Portugallierforum einbringen möchte. Ich überlegte kurz, wusste ich doch, dass dies vermutlich mit viel Arbeit verbunden sein würde, ließ mich dann aber doch wieder für diese Idee begeistern. Allerdings bat ich darum, nicht als Moderator, sondern nur als technischer Berater für das Forum aktiv sein zu dürfen. So geschah es! Das Forum entwickelt sich prächtig und mit dem heutigen Datum wurde ein neuer Meilenstein erreicht: Das Portugallierteam hat es geschafft, die alte Internet-Domain des gestorbenen “Portugalforums”, nämlich http://www.portugalforum.de wie den Phönix aus der Asche neu zum Leben zu erwecken. Das “Portugalforum” ist wieder da! Und es sind weitgehend die alten Moderatoren und Admins an Bord!

Nicht nur das. Die wichtigsten Informationen rund um Portugal wurden gesammelt und stehen nun auf einer angegliederten Website Leben-in-Portugal zur Lektüre bereit.

Hinweis für die Schlauberger im Netz: Ich bin mir bewusst und möchte betonen, dass meine Darstellung eine ganz subjektive ist. Ihr habt diese Geschichte möglicherweise aus einem anderen Blickwinkel erlebt, das ist ganz normal. Aber bitte akzeptiert auch andere (in diesem Fall meine) Meinungen.

Facebook, Twitter, Xing … ist mir viel zu gefährlich!

Soziale Netzwerke boomen … kein Zweifel. Die Frage, die sich viele stellen: Brauch ich das? Oder anders herum: für viele im Internet stellt sich diese Frage gar nicht mehr, sie sind in irgendeiner Art und bei einem oder mehreren Social Network Services bereits dabei.

Ich auch. Schon, weil mich neue Themen im Internet immer sehr neugierig machen. Ich will immer sofort sehen, was dahinter steckt, einmal natürlich, um mitreden zu können, zum anderen aber auch, weil mich neue technologische Trends im Internet schon immer interessiert haben. Oft wurde ich deswegen von Kollegen ausgelacht, aber meistens war die Zeit einfach noch nicht reif. Ich denke an E-Mails zurück. Als ich begann, mich bei Freunden nach deren E-Mail Adressen zu erkundigen, erhielt ich nur ein Lächeln. Und heutzutage ist E-Mail nur noch bei den Ü40ern beliebt. Jüngere Menschen kommunizieren via SMS, Twitter, Facebook und anderen Netzwerken. Meist bestehen hier auch keinerlei Berührungsängste.

Aber oft höre ich: “Oh Gott, das mache ich bestimmt nicht! Das ist mir zu gefährlich!”. Dann frage ich: “Was ist denn daran gefährlich?” und erhalte “Na, das hört man doch dauernd im Fernsehen und kann es in der Zeitung lesen! Die verkaufen meine Daten, und dann passiert weiß-Gott-was damit.”

Ich kenne auch Leute, die ihren Account bei einem sozialen Netzwerk wieder gekündigt haben. Die Bedenken sind ähnlich wie gerade beschrieben. Aber manchmal frage ich: “Was konkret wurde denn mit deinen Daten angestellt? Ist dir irgendein Schaden entstanden?”

Wir brauchen das nicht zu verharmlosen. Natürlich besteht die Gefahr, dass Daten in einer Form ausgewertet und verwendet werden, die wir als Nutzer nicht wollen. Möglicherweise bekommen wir zielgerichtet Werbung zugeschickt. Viel gefährlicher aber ist, dass aus einer riesigen Menge von verschiedenen Daten Profile über uns erstellt werden können. Was dann damit einmal gemacht wird, kann heute überhaupt noch niemand abschätzen.

Also doch besser keine sozialen Netzwerke nutzen!

Ich denke, dass dieser Zug bereits abgefahren ist. Firmen müssen Soziale Netzwerke ohnehin in ihre Marketing-Strategien integrieren. Es gibt genügend Beispiele, was passieren kann, wenn eine Firma dies nicht tut. Aber das Thema will ich an dieser Stelle nicht weiter ausbreiten.

Was ist aber mit privaten Nutzern? Will sich wirklich noch jemand dem Internet verweigern? Wenn nicht, dann fließen jetzt schon unglaublich viele Daten über jeden Nutzer durch das Internet. Außerdem liegen die Daten auf vielen Computern gespeichert, und wir haben keinerlei Kontrolle darüber.

Ich selber bin Mitglied bei Xing, LinkedIn, MySpace, Facebook, Twitter, Skype, Lokalisten, StayFriends und ein paar anderen Communities, die nicht im klassischen Sinne in die Schublade “Soziales Netzwerk” fallen, dort aber im weiteren Sinne durchaus hingehören. Jeder Blog, jede Website, die mit Systemen wie WordPress, Joomla!, Xoops, TYPO3, Drupal oder anderen aufgebaut wird, verfügt heute über Funktionen, die eine Website in eine Community, oder gar in ein Soziales Netzwerk verwandelt. Der Zug ist abgefahren.

Natürlich kann ich mich nicht in allen Netzwerken gleichzeitig aktiv beteiligen. Daher sind diese inzwischen untereinander miteinander verbunden, so dass eine Nachricht, die ich zum Beispiel in Twitter schreibe, automatisch auch in Facebook erscheint … wenn ich dies so wünsche. Gleiches gilt für diesen Blog.

Wer sich im Internet bewegt, gibt also zwangsläufig Daten über sich preis. (Da helfen auch Pseudonyme nicht viel, aber auch das ist ein anderes Thema.)

Zurück zu Facebook!

Okay, ich will also doch nicht auf Facebook verzichten, kostet mich kein Geld, und immerhin erreiche ich in Deutschland bereits 10 Millionen Leute damit direkt, weltweit die Kleinigkeit von 400 Mio. Wenn ich mich anmelde, muss ich zunächst nur die folgenden Daten angeben:

  • Vorname
  • Nachname
  • E-Mail Adresse
  • Kennwort
  • Geschlecht
  • Geburtstag

Wer will mich daran hindern, falsche Daten einzugeben, auch wenn dies natürlich nicht erlaubt ist? Einzig die E-Mail Adresse muss irgendwie funktionieren, sonst klappt der Double-Opt-in nicht. Aber dafür kann man sich auch bei den vielen E-Mail Anbietern wie GMX speziell für den Facebook-Account eine anlegen. Wenn ich einen falschen Namen angebe, werde ich allerdings später auch von keinen Freunden gefunden, sondern muss mir die selber zusammen sammeln.

Nun habe ich meinen Account und stelle erst mal alle Berechtigungen so ein, dass möglichst wenig Menschen möglichst wenig von mir zu sehen bekommen. Dazu wähle ich “Konto” – “Privatsphäre-Einstellungen”. Das folgende Bild zeigt die von Facebook empfohlenen Einstellungen:

Facebook empfohlene Privatsphäre Einstellungen

Facebook empfohlene Privatsphäre Einstellungen

Diese Einstellungen passt man am besten erst einmal so an, dass alle Optionen ausschließlich für “Freunde” freigegeben sind. Jetzt haben wir erreicht, dass unsere (nicht vorhandenen) Daten nur von unseren (nicht vorhandenen) Freunden gesehen werden können. Viel soziales Netzwerk haben wir aber so noch nicht. Wir werden also nach und nach Freunde in unser Netzwerk einladen, die dann auch unsere Daten sehen können. Dabei können wir nicht verhindern, dass unsere Freunde unsere Daten an andere weiterreichen. Aber das Problem haben wir immer. Menschen, die etwas über uns wissen, können jederzeit im Internet über uns schreiben, ob es nun wahr ist oder nicht. Darum sollten wir uns auch gut überlegen, wen wir als “Freund” einladen. Mit der Zeit werden wir auch regelmäßig Einladungen bekommen, als “Freund” auf der Liste von anderen Personen aufzutauchen. Dabei scheint es bei vielen jungen Leuten ein Status-Symbol zu sein, möglichst viele Freunde auf der Liste zu haben, denn viele Einladungen werden von Leuten kommen, die wir überhaupt nicht kennen. Es zwingt uns niemand, solche Einladungen anzunehmen.

Wichtige Regel: Facebook Freundeskreis auf Menschen beschränken, die man kennt und denen man vertraut!

Die Sichtbarkeit lässt sich sogar noch feiner einstellen, wenn einem selbst die Gruppe der “Freunde” noch zu groß ist. Man kann sich selber benannte Listen mit bestimmten Leuten anlegen und die als berechtigt eintragen. Es ist sogar möglich, die Sichtbarkeit auf explizit ausgewählte Facebook Nutzer einzuschränken. Im Zweifelsfall kann man mit “Nur ich” auch Einträge komplett verbergen. Aber wozu soll das gut sein? In dem Fall würde ich den entsprechenden Eintrag erst gar nicht ins Profil schreiben. Denn eines ist auch sicher: die Daten liegen auf Servern im Internet, über die ich keine Kontrolle habe. Was mit den Daten heute oder morgen passiert, entzieht sich somit ebenfalls meinem Einfluss. Deshalb gilt eine weitere

Wichtige Regel: So wenig Daten wie nötig in das eigene Profil schreiben.

Haben meine “Politische Einstellung” oder meine “Religiösen Ansichten” wirklich etwas im Internet zu suchen? Beides kann ich bei Bedarf auch im Chat oder per E-Mail mitteilen, muss dies aber sicher nicht in meinem Facebook Profil hinterlegen.

Bei jedem sozialen Netzwerk muss man sich überlegen, was man damit für Ziele verknüpft. In dem geschäftlich orientierten Netzwerk Xing gebe ich zum Beispiel relativ viele Daten über meine beruflichen Kompetenzen an, weil ich nur so von mir noch unbekannten Menschen kontaktiert werden kann. Diese bemühen nämlich die Suchfunktion und suchen gezielt nach Personen mit bestimmten Interessen. Daneben nutzen sehr viele Personalvermittler Xing, um Jobs zu besetzen. In meinem Fall kam auf diese Weise bereits eine Anstellung zustande. Wer sich nicht traut, ein paar Daten von sich zu veröffentlichen, wird die Möglichkeiten des Netzwerks nur eingeschränkt nutzen können.

Facebook ist allerdings nicht gerade bekannt dafür, ein besonders beliebter Stellenmarkt zu sein. Hier geht es mehr um Freizeit und Spaß.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Einstellungen, die wir besser erst einmal auf “Nur Freunde” setzen. Sie sind auf der Seite mit den Einstellungen zur Privatsphäre zu finden, wenn man weiter oben auf der Seite im Textblock “Allgemeine Informationen” auf den schwer erkennbaren Link “Einstellungen anzeigen” klickt. Besonders wichtig erscheint es mir, die eigene Freundesliste nur für Freunde sichtbar zu machen. Andere Leute geht es nichts an, mit wem ich befreundet bin.

Ein weiteres wichtiges Thema in Facebook sind die vielen, vielen Anwendungen, die auf der Plattform laufen wie zum Beispiel Farmville. Auf der Seite mit den Einstellungen zur Privatspähre gibt es weiter unten den Textblock “Anwendungen und Webseiten, der uns weitere Einstellungsmöglichkeiten liefert. Das Problem dabei ist, dass Anwendungen ebenfalls auf meine Daten zugreifen können. Je nach Einstellungen kann dies sogar passieren, wenn ich selber die Anwendung gar nicht nutze, sondern einer meiner Freunde. Das kann ich verhindern, indem ich unter “Informationen, die durch deine Freunde zugänglich sind” alle Häkchen entferne. Zusätzlich sollte auch “Umgehende Personalisierung” ausgeschaltet sein. Die “Aktivitäten in Spielen und Anwendungen” habe ich auf Freunde eingeschränkt, denn es muss nicht jeder die Nachrichten der Anwendungen sehen, die ich nutze.

Wie sieht denn nun einer meiner Freunde oder “die Welt” ganz allgemein mein Profil? Auch dazu gibt es einen Link zum Anklicken. Den findet man im Bereich mit den Privatsphäre-Einstellungen, aber nur, wenn man die Einstellungen über “Benutzerdefinierte Einstellungen” anpasst. Dann gibt es oben auf der Seite einen Link mit der Bezeichnung “Vorschau auf mein Profil”. Zunächst sieht man sein Profil so, wie es andere mir unbekannte Facebook Nutzer sehen können. Darüber hinaus habe ich die Möglichkeit, einen bestimmten Nutzer anzugeben, um mir mein Profil aus seiner Sicht anzeigen zu lassen.

Wir haben also nur sehr wenige Daten von uns preisgegeben und die Sichtbarkeit darauf noch einmal ganz deutlich eingeschränkt. Dennoch können wir Facebook als Plattform mit unseren Freunden nutzen. Ich denke, dass wir so geschützt ohne Angst oder gar Panik an dem beliebtesten sozialem Netzwerk partizipieren können.

Wer mich kennt und mich als Freund einladen will, kann einfach in Facebook nach meinem Namen suchen und mich als Freund einladen!