Lissabon-Reise mit Sunwave – noch mal Mafra und Cascais

Hinweis:
Die Vorbereitungen zu meiner privaten Ausflugstour nach Mafra findet ihr in meinem Artikel Mafra und Ericeira in Portugal – Vorbereitung. Und die Boca do Inferno erwähne ich in dem Artikel Cascais und Praia do Guincho in Portugal – Vorbereitung.


Heute hatten wir den Tag zur freien Verfügung. Da ich ja einige spezielle Ziele auf meiner Agenda hatte, war der Tag deswegen ideal, um damit anzufangen. Obwohl ich die anderen Mitreisenden über meine Pläne informierte, hatte doch niemand Lust, mich zu begleiten. Stattdessen wollten die anderen wieder nach Lissabon und dort weitere interessante Orte erkunden.

Wir hatten vereinbart, dass wir uns dann abends alle unter dem Triumphbogen Arco da Rua Augusta am Praça do Comércio treffen wollten. Danach wollten wir uns dann ins Nachtleben von Lissabon stürzen!

Wenigstens hatte mein Wecker heute wieder normal funktioniert. Die Frühstückstische waren mit Besteck und Papierservietten eingedeckt. Draußen regnete es in Strömen und es war sehr windig. Optimale Bedingungen also für einen entspannten Ausflugstag. 😉

Naja, es war sinnlos, sich in eine trübsinnige Laune hineinzusteigern. Ich war jetzt hier in Lissabon (und Umgebung) und ich wollte jetzt meine Ziele erreichen.

Eins davon war das kleine Museumsdörfchen von José Franco. Und auf dem Weg dorthin konnte ich mir den Nationalpalast von Mafra vielleicht auch noch anschauen. Also schnappte ich mir mein iPad als Navi, nahm mir das Auto und fuhr los.

Der Palácio Nacional de Mafra – jetzt aber richtig!

So grün hatte ich Portugal noch nie erlebt! Unglaublich!

Mit Fotos ist das aber heute so eine Sache … Regen kennt ihr ja alle, aber okay …

Der nationalpalast von Mafra im Regen

Foto von mir … Angela war diesmal nicht dabei 😉

So … das war er also: der Nationalpalast von Mafra … bei Regen. Aus der Sicht eines Menschen, der überhaupt keine Lust verspürte, das trockene Auto zu verlassen. Zumal ich noch nicht mal einen Regenschirm dabei hatte. Aber was soll’s? Was uns nicht umbringt, macht uns nur härter.

Ich bin also mit weit ausholenden Schritten, aber nicht laufend – man musste ja Contenance bewahren – zur Basilika ge… eilt. Konnte ich denn heute wenigstens hinein?

Innenaufnahme der Basilika des Nationalpalasts in MafraJa, ich konnte und ich durfte. Die Basilika befand sich zentral in der riesigen barocken Schloss- und Klosteranlage. Sechs Orgeln gab es in der Kirche! Zunächst fand ein katholischer Gottesdienst statt, an dem Kinder beteiligt waren, vielleicht eine Erstkommunion oder eine Firmung. So verhielt ich mich still. Es waren nicht sehr viele Menschen in der Kirche, möglicherweise war die Veranstaltung gerade zu Ende.

Katholische Kirchen sind immer sehr prächtig gestaltet. So auch diese. Über Details zur Architektur und zur Geschichte müsst ihr euch aber an anderer Stelle erkundigen.

Ein Innenhof vom Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir

Links neben dem Eingang zur Basilika war der Zugang zum Palast mit dem Ticket-Schalter untergebracht. Von dort gelangte man auch in einen der Innenhöfe. In einer der Ecken stand jemand mit ein paar Eulen auf Ständern. Dort konnte man sich gegen Geld fotografieren lassen. Bei dem Wetter war aber nicht mit viel Umsatz zu rechnen.

Da ich nun einmal hier war, wollte ich mir auch den Palast selbst ansehen. Der Eintritt kostete 6 Euro. Zu besichtigen war nur das obere Stockwerk, und das leider auch nicht komplett. Der Palast und das Kloster sind aber so groß, dass auch das völlig ausreichend ist.

Das Bett des Königs im Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir

Im linken Teil des Palastes befanden sich die Gemächer des Königs. Die Königin wohnte auf der anderen Seite des Palastes im rechten Teil. Glücklicherweise gab es einen langen, langen Verbindungsgang zwischen den Gemächern.


Foto von einem Bodenmosaik im Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir

Genau in der Mitte des langen Gangs gab es einen Raum mit einem wunderschönen Bodenmosaik. Nach vorne zum großen Platz hin, befand sich hier ein Balkon, wo sich der Monarch seinem Volke zeigen konnte, um dann vom selbigen bewundert und bejubelt zu werden.


Blick in die Basilika von Mafra auf eine Hochzeit

Foto von mir

In die andere Richtung hatte der König einen direkten Blick hinab in die Basilika. So mussten er und seine Königin sich nicht unters Volk mischen. Als ich dort war, fand gerade eine Hochzeit statt oder die Probe zu einer Hochzeit. Es waren nur sehr wenige Leute da.


Das Bett der Königin im Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir

Ich habe mich auch nicht lange dort aufgehalten, sondern bin weiter in die Gemächer der Königin gegangen. In ihren Räumern war alles etwas verspielter und dekorativer. Ich konnte sofort erkennen, dass hier eine Frau wohnte. Ich fand es sympathischer als drüben beim König.


EIn Foto von der badewanne der Königin im Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir

DIe Königin leistete sich sogar den Luxus einer eigenen Badewanne. Wahrscheinlich mussten 10 Kammerzofen gleichzeitig das heiße Wasser in Krügen herbeischaffen.


So bin ich dann weiter durch die verschiedenen Räume des Palastes geschlendert, die nahtlos in die des Klosters übergingen. Alle Räume waren prachtvoll ausgestattet.

Als Beispiel möchte ich hier noch gerne das Musikzimmer zeigen:

Foto eines Klaviers im Musikzimmer des Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir


Es gab dann noch Jagdzimmer, Herrenzimmer (= Spielsalon), Speisesaal und noch jede Menge weiterer Räume.

Hinten im Kloster befanden sich Wachstuben und Zellen. Aber so ganz habe ich nicht verstanden, ob diese kleinen Räume nun Gefängniszellen oder Wohnzellen für die Mönche waren. Alles in allem ist die Anlage sehr groß und beeindruckend. Viel zu groß für ein Land wie Portugal, aber damals floss das Gold ja auch reichlich aus Brasilien. Aber was man mit insgesamt 1.200 Zimmern anstellte … ich weiß es nicht. Möglicherweise wurden auch damals schon nicht alle Räume genutzt.

Es heißt, der König wollte seinen Park vom Palast aus bis zum Meer anlegen lassen, das sind dann mal so 20 bis 30 km. Ein bisschen größenwahnsinnig, der Gute. Aber so einen König hatten wir früher in Bayern ja auch. 😉

Einen Raum muss ich euch noch kurz zeigen und das ist die einzigartige Bibliothek:

die große Bibliothek im Palácio Nacional de Mafra

Bild von mir


Die Qualität des Fotos ist leider nicht so prickelnd. Ich durfte keinen Blitz verwenden und außerdem musste ich aus der Hand fotografieren. Die Architektur sieht doch richtig klasse aus, oder? In der Bibliothek werden Fledermäuse geduldet. Alle Insekten, die eventuell die Bücher schädigen könnten, werden von den Fledermäusen eliminiert.

Der für die Öffentlichkeit zugängliche Bereich des Palastes und des Klosters wurde durch zahlreiche Einrichtungsgegenstände dekoriert. Natürlich weiß ich nicht, ob dies zu Zeiten, als Palast und Kloster noch genutzt worden sind, genauso ausgesehen hatte. Ich habe auch keine Ahnung, ob die Einrichtungs­gegenstände eventuell aus anderen historischen Gebäuden hierhergebracht worden sind. Auf jeden Fall sieht alles sehr stilecht aus.

Somit ist die Besichtigung des Palácio Nacional de Mafra für alle Leute, die auf alte Schlösser stehen, sehr zu empfehlen. Und das kann man auch wunderbar bei Regenwetter machen!

Aber eigentlich wollte ich ja ganz woanders hin und habe den Palast nur quasi so en-passant besichtigt.

Aldeia típica de José Franco

Wegweiser zur Aldeia tipica de José Franco

Foto von mir

Den Tipp dazu erhielt ich von Uwe und Susanne Ahrens. Und anscheinend ist dieses kleine Dörfchen selbst in Lissabon nicht besonders bekannt. Umso dankbarer bin ich für diesen Tipp!

Im Grunde besucht man einen Keramikladen.

Wenn man von Mafra aus nach Ericeira ans Meer fährt, kommt man auch durch Sobreiro. Und dort an der Straße steht dieser Wegweiser. Übersehen kann man das eigentlich nicht.


Schlechtes Wetter auf dem parkplatz der Aldeia típica de José Franco

Foto von mir

Der Parkplatz war gut ausgebaut und ließ erahnen, dass bei besserem Wetter wohl mit sehr vielen Besuchern zu rechnen war. Heute standen nur wenige Autos auf dem Parkplatz, aber immerhin. Mein Blick aus dem Autofenster ließ mich wieder zaudern. Sollte ich wirklich rausgehen und im Regen kleine portugiesische Häuser ansehen? Na, klar sollte ich! Aber lasst uns noch einen Moment inne halten und diesen Moment des Zauderns und der Frustration genießen, bevor wir energisch die Autotür öffnen und ins Dorf gehen.

Okay … los geht´s!

Überblick über das  Dorf Aldeia típica de José Franco

Foto von mir

Vorne seht ihr den Miniaturnachbau eines portugiesischen Dorfes (angeblich Ericeira), in der Mitte den Außenbereich einer echten Taberna und hinten rechts den Parkplatz, wo wir gerade das Auto abgestellt hatten.


Foto von dem Miniaturdorf in der  Aldeia típica de José Franco

Foto von mir

In diesem Miniatur-Dorf waren typische Häuser eines portugiesischen Dorfes dargestellt. Das Dorf war von verschiedenen Mini-Menschen bewohnt. Und typische Tätigkeiten wie Windmühlen waren durch Wasserkraft in Bewegung. Richtig niedlich!


 Aldeia típica de José Franco: Eingan zu Schuster und Friseur

Foto von mir

Es ging aber auch eine Nummer größer. Eine Reihe von kleinen … sagen wir mal … Kammern … war erbaut worden, die ebenfalls die typischen Gewerbebetriebe eines Dorfes aus der Region vor einigen Jahrzehnten darstellten. Hier seht ihr links den Eingang zum Schuster und rechts den Eingang zum Friseur und Zahnarzt in Personalunion. Man konnte diese Gebäude zwar nicht betreten, aber man konnte durch das Gitter hineinschauen.


Ein portugiesischer Schuster bei der Arbeit

Foto von mir

Hier seht ihr den Schuster, umgeben von all seinen Werkzeugen und Maschinen. Die Gerätschaften wurden allesamt aus der Region herbeigeschafft. Das erklärt auch das Gitter vor dem Eingang. Als ich das erste Mal in so einen dunklen Eingang geschaut habe, wurde mir doch etwas mulmig, als ich dort im Dunkeln diese schaurig schöne Gestalt erblickte. Erst wenn sich die Augen an das (nicht vorhandene) Licht gewöhnt hatten, wurde man ruhiger. 😉 Man sieht einfach viel zuviele Horrorfilme im Fernsehen!


Aldeia típica de José Franco: der Zahnarzt

Foto von mir

Gleich nebenan hatte der Zahnarzt seine Praxis. Und auch der Friseur ging dort seiner Arbeit nach. Wer Haare schneiden kann, der kann auch Zähne ziehen. „Und wenn man schon mal da war … „, dachte sich wohl der Herr auf dem Stuhl.


Aldeia típica de José Franco: Unterkünfte für Haustiere

Foto von mir

Selbst an die Haustiere wurde gedacht. Jedes Tier erhielt seine eigene Unterkunft. Oben die Tauben, unten das Schwein und unten rechts der Hofhund.


Aldeia típica de José Franco: ein voll eingerichtetes Klassenzimmer

Foto von mir

José Franco schreckte nicht davor zurück, ganze Räume, in voller Größe und komplett eingerichtet, aufzubauen. Dieses Klassenzimmer durften die Besucher betreten und sich in Ruhe alles anschauen. Ähnliche Klassenzimmer gab es auch früher in Deutschland. Ich habe sie glücklicherweise selber nicht live erleben müssen.

Die mit viel Liebe und viel Arbeit erbauten Räume und Gebäude stellten zusammen mit den vielen originalen Gerätschaften eine Art Bauernmuseum dar. Ich konnte herumschlendern und mir alles genau ansehen.


Foto von mir

Foto von mir

Wenn man seine Kinder dabei hatte und die irgendwann keine Lust mehr auf Museum hatten (soll ja vorkommen), so gab es auf dem Gelände auch einen guten Spielplatz. Mir ist schon klar, dass der bei Regen nicht so toll ist. Aber auf mich machte der Spielbereich einen guten Eindruck. Die Kinder konnten ja darüber hinaus auf dem ganzen Gelände herumlaufen. Und selbst von der kleinen Taberna aus hatte man sie im Blick.


Aldeia típica de José Franco: der Weinkeller für die Besucher

Foto von mir

Da ich gerade von der Taberna spreche … ja, es gab da so einen Raum, eher eine Adega, voll mit Krempel, der herumstand oder von der Decke hing. Das war alles sehr urig, wirkte allerdings auch ein bisschen wie ein Pferdestall. Im Raum standen Bänke und Tische und es gab zwei riesen Weinfässer. Ziemlich ursprünglich das Ganze, aber durchaus sympathisch. An einem normalen Sommertag war hier sicher die Hölle los. Im Augenblick war eher wenig Kundschaft da. Nebenan gab es noch die Möglichkeit, frisches Brot und Wurst zu kaufen und am besten auch gleich zu verzehren.

Aldeia típica de José Franco: der Außenbereich der Adega

Foto von mir

Schade! Wieder der Regen. Ich konnte mir gut vorstellen, hier nach einer Besichtigung des Museumdorfes bei schönem Wetter zu sitzen und eine Bica oder einen Vinho Verde zu trinken. Aber ihr seht es selbst: heute hatte wirklich niemand das Verlangen, sich dort in den Regen zu setzen.


Na, schön, blieb noch die Olaria. Kein Portugalbesuch ohne ein Mitbringsel (für mich!) in Form von kleinen Schalen. Am liebsten mochte ich die einfachen Formen und Farben, also Terrakotta und Blau und Weiß. Es gab auch jede Menge quietschbunter Keramik in Portugal, aber das sprach mich nicht so an.

Olaria José Franco: bunte Keramiken

Foto von mir


Portugiesische Keramik-Läden oder -Werkstätten sind grundsätzlich immer einen Besuch wert. Natürlich wird man sich überlegen müssen, was man tatsächlich kauft und nach Deutschland mitnimmt. Immerhin bedeuteten diese Mitbringsel zusätzliches Gewicht. Viel schlimmer war aber die Vorstellung, dass die Keramik den Flug nicht heil überstehen könnte.

Olaria José Franco: noch mehr Keramik

Foto von mir

Der ganze Raum war voller Regale mit praktischen oder einfach nur dekorativen Keramik-Produkten. Ich habe in solchen Läden immer Angst, etwas herunterzureißen, so dass es zu Bruch geht. Also bewege ich mich immer ganz vorsichtig.


Olaria José Franco: kleine Olivenschale

Foto von mir

Ich entschied mich für zwei kleine Olivenschalen. Das sind Schalen mit zwei unterschiedlich großen Fächern, ein größeres für die Oliven und ein kleineres für die Kerne. Eine Schale war für mich selbst bestimmt, die andere für eine Freundin in Erding.


Dieses kleine Dörfchen war ein sehr pitoresker Ort. Einen Besuch bei schönem Wetter kann ich sehr empfehlen. Dann macht es sicher auch Spaß, bei Brot, Wurst und Wein an den Fliesentischen draußen zu sitzen und die Stimmung auf sich einwirken zu lassen, während möglicherweise unten die Kinder herumspielten. Bei Regen ist der Spaß sehr begrenzt.

Der Besuch kostet keinen Eintritt.

Boca do Inferno in Cascais

Nach dem Besuch der Aldeia tipica hatte ich noch genug Zeit, um auf dem Rückweg einen Abstecher über Cascais zu machen und mir dort die Boca do Inferno anzusehen.

Schon beim Besuch des Nationalpalasts in Mafra und der Aldeia tipica de José Franco wurde deutlich, dass ich bei dem Wetter nach dem Aussteigen aus dem Auto jedesmal in kürzester Zeit nass war. Vor allem die Jeans wurde permanent gewaschen. Ich hatte ja leider keinen Regenschirm dabei, sondern nur eine dünne Regenjacke. Die war okay, aber schützte natürlich nicht die Beine.

Jetzt konnte ich herumjammern oder das Wetter einfach ignorieren.

Im Auto trocknete die Hose dann von innen durch meine Körperwärme. Bei den Schuhen war das schon schwieriger.

Während meiner Autofahrt nach Cascais konnte ich auf den Straßen immer wieder richtige Bäche beobachten, die quer über die Fahrbahn schossen. Selbst auf der Autobahn stand das Wasser immer mal wieder in größeren Pfützen. Allerdings nicht so hoch wie auf der Landstraße. Dort waren die Pfützen manchmal wie kleine Seen. Es machte richtig Spaß hindurchzufahren … nur sehen konnte ich in dem Moment gar nichts mehr, weil das Wasser in Fontänen so hoch spritzte, dass es mit der Sicht schwierig wurde. Vor allem, wenn gerade vor einem ein anderes Auto durch so einen Minisee rauschte, kam man sich beinahe vor wie unter Wasser.

Bei dem Wetter waren nicht sehr viele Fahrzeuge unterwegs. Auch wenn es so klingt, als wären die Straßen katastrophal gewesen. So war das ganz und gar nicht der Fall, jedenfalls nicht hier in der Umgebung von Lissabon. Auch die Infrastruktur in Form von Ampeln, Schildern und Kreisverkehren war sehr gut ausgebaut. Mir persönlich sind darüber hinaus keine durchgeknallten Autofahrer begegnet. Alle sind vorsichtig gefahren. Da hatte ich früher an der Algarve schon ganz andere Fahrer erlebt.

In Cascais habe ich die Boca do Inferno mit Hilfe des Navis leicht gefunden. Diese imposante Naturerscheinung lag am westlichen (=links!) Rand von Cascais.

Boca do Inferno in Cascais bei Regen

Foto von mir

Kaum aus dem Auto gestiegen, waren meine Schuhe komplett durchnässt, weil genau vor der Fahrertür ein Fluss über den Parkplatz führte … jedenfalls jetzt bei Regen. Normalerweise war da kein Fluss. Natürlich ließ ich mich dadurch nicht von meinem Mini-Ausflug abhalten, denn jetzt war es auch schon egal. Und vorne an der Klippe würde ich sicher noch nasser werden. Also habe ich mir meine Tasche gegriffen und bin rüber zur Felskante gegangen. Das waren nur wenige Meter, denn die Straße verlief direkt an der Küste.

Nun war ich wieder komplett nass, versuchte zwar noch mühsam, die Kapuze in die Stirn zu ziehen, aber das war so gut wie sinnlos wegen des starken Winds. Die Brille war ebenfalls total voller Wassertropfen, was die Sicht noch weiter verschlechterte. Aber immerhin war ich auf diese Weise alleine am Felsabgrund. Es parkten zwar viele Autos, aber Besucher konnte ich keine entdecken. Die hatten es sich vermutlich in den Bars und Restaurant gemütlich gemacht, die es hier natürlich ebenfalls gab.

Riesige Wasserfontänen an der Boca do Inferno in Cascais

Foto von mir

Ich war ziemlich guter Laune, denn ich war hier und trotzte der Witterung. Es war mir auch völlig egal, dass die Brandung in Gischt-Fontänen bis zu mir hoch schlug und mich noch weiter durchnässte. Nur mit schönen Postkartenfotos kann ich leider nicht dienen. Da müsst ihr mal Tante Google bemühen.

Das Atlantikwasser schoss immer wieder mit viel Getöse an den hohen Klippen nach oben. Durch den Wind war das ganze Meer in starker Bewegung. Die Klippen selbst waren durch das Wasser recht rutschig, und der interessanteste Teil der Klippenkante war durch ein hohes Gitter geschützt.

Ich habe zusätzlich ein kurzes Video gemacht, das ich euch nicht vorenthalten möchte. Erwartet aber nicht zuviel von der Qualität. Der infernalische Lärm ist keine Störung der Kamera, sondern der Wind.

Länger als etwa 10 Minuten hielt ich es nicht aus. Dann fuhr ich weiter nach Carcavelos, zurück ins Hotel. Ich wollte mich noch für unseren gemeinsamen Abend in Lissabon in Form bringen.

Der Abend in Carcavelos und in Cascais

Eingang der LX Factory in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Als ich im Hotel ankam, saßen in der Lobby vier meiner Mitreisenden und machten einen niedergeschlagenen, wenn nicht sogar frustrierten Eindruck. Zur Erinnerung: der Rest der Gruppe hatte geplant, nach Lissabon zum Shoppen zu fahren. Sie wollten zu dieser alten Fabrik, auf derem ehemaligen Gelände ein angesagtes Gemisch aus Kultur, Kreativität und Shopping entstanden ist, die LX Factory in Alcântara, direkt unter der Brücke Ponte 25 de Abril (das ist diese nachgemachte Golden Gate Brücke).

Die vier Frauen berichteten, dass sie bereits auf dem Weg nach Lissabon dermaßen durchnässt gewesen waren, dass ihnen der Spaß am Shoppen gegen Mittag verloren gegangen ist. Sie sind deswegen wieder zurück ins Hotel gefahren. Das Problem bestand in der nicht ausreichend vorhandenen Menge an trockener Wäsche. Bei dem Wetter hier in Lissabon war einfach irgendwann alles nass. Aber selbst, wenn man noch trockene Kleidung hatte, so wollte man diese nicht unbedingt auch noch dem Risiko aussetzen, das nasse Schicksal der anderen Kleidungsstücke zu teilen.

Allerdings wollten wir uns alle um 18:00 Uhr in Lissabon treffen, um den Abend gemeinsam mit der Gruppe zu verbringen. Die halbe Gruppe saß gerade vor mir und hatte so gar keine Lust, wieder nach Lissabon reinzufahren.

Einige der Frauen versuchten, unsere Reiseleiterin telefonisch zu erreichen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Allerdings führte das nicht so richtig zu einem neuen Plan.

Kurze Zeit später stieß eine weitere Mitreisende zu uns, die den Tag genau wie ich auf eigene Faust gestaltet hatte. Sie informierte uns darüber, dass unser gemeinsames Treffen nun für einen späteren Zeitpunkt geplant war und sie auch jeden Fall hinfahren wollte. Ich wäre im übrigen um 18:00 Uhr in Lissabon gewesen. Mich hatte niemand über eine Terminänderung informiert.

Da die anderen Frauen weiterhin keine Lust auf ein nasses Lissabon verspürten, entschieden wir uns, mit dem Auto zum Abendessen nach Cascais zu fahren. Wir wollten versuchen, das möglichst trocken zu bewerkstelligen.

Foto von Cascais

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Um 19:15 Uhr habe ich mich mit drei der Frauen in der Hotel-Lobby getroffen. Wir sind zusammen nach Cascais zum Abendessen gefahren. Und man glaubt es kaum, aber das Wetter wurde immer besser. So langsam verzogen sich sogar die Wolken!

So ohne Regen machte es auch gleich wieder Spaß, durch die Straßen und Gassen zu schlendern.

Im Zentrum von Cascais gab es einen kleinen Platz (Largo Luís de Camões). Dort hatten sich gleich mehrere Bars und Restaurants angesiedelt. Im Grunde bestand der ganze Platz nur aus Gastronomie. Vor jedem Lokal stand jemand und sprach dich an, um dich davon zu überzeugen, dass genau sein Restaurant das ideale sei. Die Speisekarten unterschieden sich dabei kaum voneinander. Nachdem wir uns für ein Restaurant entschieden hatten, wurden wir in das kleine Haus in das obere Stockwerk geführt. Es war alles recht eng, aber urig eingerichtet. Leider hatten wird das Pech, dass uns ein an der Decke angebrachtes Klimagerät direkt anblies. Nach höflichem Bitten wurde es auf eine viel niedrigere Stufe gestellt. Die Klimaanlage war aber heute auch wirklich nicht nötig. Ich hatte einen wunderbaren Spieß mit Tintenfisch und Garnelen für 16,50 Euro. Okay, das ist jetzt nicht mehr ganz billig, aber wir befanden uns ja immerhin im Herzen von Cascais.

Auf eine Entrada (=Vorspeise) verzichteten wir diesmal. Für mich gehörte das zwar zum portugiesischen Essen dazu, aber die Mädels wollten nicht und da schloss ich mich aus Solidarität an. Aber auf meine Bica nach dem Essen verzichtete ich nicht, auch wenn zwei der Mädels gar keinen Nachtisch wollten.

Icon mit einem schlafenden MenschenDanach fuhren wir entspannt zurück nach Carcavelos und gingen schlafen. Die Laune der Mädels hatte sich aufgrund des besseren Wetters deutlich aufgehellt.

Meine Gedanken drehten sich noch ein wenig um das Wetter. Mal sehen, wie das die nächsten beiden Tage laufen würde. Wandern in den Serra de Arrábida und Spazieregehen im Park der Quinta da Regaleira bei diesem Wetter? Fragezeichen … großes Fragezeichen.

Wie auch immer, ich würde meine Ziele auf jeden Fall weiter verfolgen: Quinta da Regaleira, Cabo da Roca und die Bar Moinho Dom Quixote kurz vor dem Kap. Egal, welches Wetter wir haben würden und egal, ob jemand mit mir mitfahren möchte oder nicht.


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Alle Sunwave Artikel in meinem Blog.
Meine Portugal-Artikel.
Übersicht über Facebook-Gruppen, die sich mit Portugal beschäftigen.
Übersicht über deutschsprachige Portugal-Foren.


Weitere Informationen zur Boca do Inferno und zur Aldeia tipica

Englisch- und portugiesischsprachige Seite zum Nationalpalast in Mafra
Portugal Reisen: Mafra – Kloster Nationalpalast Wildpark
Fotos und Beschreibung des Aldeia tipica de José Franco (portugiesisch)
Boca do Inferno in der Wikipedia
Persönlicher Artikel von Claus Moser mit Hinterfundwissen
Boca do Inferno – Ein Ausflug zum Höllenschlund>
Website des Reiseanbieters Sunwave


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