Netzhautablösung – Ablatio Retinae – Tag 4

Lest bitte zuerst meine Vorbemerkungen zum Thema Netzhautablösung.

Donnerstag, 3. Tag nach der Operation meiner Netzhautablösung.

Aufstehen und wieder hinlegen

Die letzte Nacht konnte ich sehr gut schlafen. Wir sind alle so gegen 7:00 Uhr morgens aufgestanden. Mein Sohn musste in die Schule und meine Frau ins Büro. Ich bin es gewohnt, morgens erst einmal einen Kaffee zu trinken. Also habe ich mir einen gemacht. Jetzt konnte ich ja endlich wieder soviel Kaffee trinken wie ich wollte und wann ich wollte. Mit den Perry-Rhodan Hörspielen war ich noch lange nicht durch. Jetzt hörte ich sie aber nicht mehr über den tragbaren CD-Spieler, sondern über die Stereoanlage im Wohnzimmer. Schön auf die Couch legen, vorsichtshalber meistens auf die linke Seite, mit Wolldecke zudecken, beide Augen zu und zuhören. So war die Welt zu ertragen.

Erster Apothekenbesuch

Gegen 9:00 Uhr bin ich zur Apotheke gegangen, die sich praktischerweise nicht weit weg in unserem Ort befindet. Da konnte ich also prima zu Fuß hingehen. Ich dachte, dass ein wenig Bewegung an der frischen Luft gut für mich wäre. Das linke Auge tat heute nicht besonders stark weh. Leider stellte ich sehr schnell fest, dass ich bei körperlicher Aktivität auch automatisch die Augen ständig bewege. Die Augen zucken unaufhörlich herum und visieren neue Ziele an, wo man eben so hinschaut. Das fällt einem mit gesunden Augen gar nicht so besonders auf. Bereits nach der halben Strecke zur Apotheke hatte ich wieder starke Schmerzen. Zum einen taten alle Augenmuskeln weh, wenn ich das Auge bewegte. Zum anderen hatte ich das Gefühl, als rieben Sandkörner in meinem Auge herum, die ich nur leider nicht ausspülen konnte. Sandkörner oder Wimpern … und das Auge wehrt sich mit starkem Tränenfluss. In der Apotheke kam ich mit tränendem Auge und hängendem Augenlid an. Eigentlich war das ja kein Wunder, denn bei der Operation wurde das Auge ja sehr stark verdreht, um die Plombe aufzunähen. In der Apotheke kamen fünf Leute vor mir an die Reihe, so dass ich dort eine Weile ungemütlich herumstand. Das Medikament selber war nicht vorrätig, sondern musste bestellt werden. Das Bestellwesen der Apotheken funktionierte hervorragend, so dass ich das Medikament noch am Nachmittag abholen konnte. Bis dahin musste ich weiter leiden.

Also bin ich wieder nach Hause gegangen und hab mir weiter – ihr wisst es schon – meine Perry-Rhodan Hörspiele. Zwischendurch habe ich mir etwas zum Essen gemacht. Das stellt kein großes Problem dar, weil ich ja mit dem rechten Auge normal sehen kann. Meistens halte ich das linke Auge geschlossen und blinzel nur ab und zu mal durch das halbgeöffnete Auge. Durch die vielen Tränen ist das linke Auge oft verklebt und schmerzt auch schnell wieder, sobald ich es bewege. Am angenehmsten ist es daher, das Auge einfach geschlossen zu lassen.

Zweiter Apothekenbesuch

Nachmittags bin ich zwischen 14:00 Uhr und 15:00 Uhr ein zweites Mal zur Apotheke gegangen und habe mein Medikament abgeholt. also die Kombipackung Dexa-Gentamicin (Tropfen und Salbe).

Foto der ES-Kompressen

Zusätzlich habe ich mir eine Packung Kompressen geben lassen, die ich verwenden wollte, um die Tränenflüssigkeit des Auges abzutupfen. Ein dreckiger Finger oder ein dreckiges Tuch wären momentan sicher kein schlauer Gedanke gewesen. Die Packung enthielt 100 Stück und sollte erst einmal ausreichen. Ich weiß den Preis nicht mehr, aber kann diese Art von Tupfer nur empfehlen, falls ihr mal in einer ähnlichen Situation sein solltet. Papiertaschentücher halte ich für weniger geeignet, weil die dünnen Lagen leicht am Auge festkleben können. Und billiger sind die auch nicht.

Brille kaputt

Abends beim Fernsehen kam es zu einem unerfreulichem Ereignis. In einer fahrigen Bewegung zerschlug ich mir leider meine Fernbrille. Sie zerbrach genau in der Mitte beim Nasenbügel. Gut, die Fernbrille war zwar aus hochwertigen, sehr biegsamen Titanstahl, aber eben schon etwas älter. Jetzt kann ich vorerst nur noch meine Nahbrille verwenden. Immerhin habe ich noch eine. Autofahren würde damit überhaupt nicht funktionieren, aber das war momentan sowieso unmöglich, egal mit welcher Brille. Innerhalb des Hauses kannte ich mich ja ganz gut aus, so dass es dort ganz gut ging. Jetzt hatte ich natürlich das zusätzliche Problem, dass ich mir ganz schnell eine neue Brille besorgen musste. Nur welches Glas sollte ich für das linke Auge nehmen? Im derzeitigen Zustand wären Messungen der Sehstärke schlichtweg unmöglich. Mir blieb also nichts anderes übrig, als mir vom Augenarzt eine neue Brille verschreiben zu lassen, bei der das linke Glas einfach die alten Werte erhielt, für das rechte Glas aber neue Werte ermittelt würden. Wahrscheinlich musste ich dann nach der Ausheilung des Auges das linke Glas noch einmal gegen ein besseres austauschen lassen. Ohne Fernbrille bin ich jedenfalls auf das Haus beschränkt und kann nicht draußen herumlaufen. Mit dem linken Auge sehe ich gar nichts und mit dem rechten nur auf kurze Entfernung, wenn ich die Nahbrille trage. Wenigstens war die Nahbrille relativ robust, hatte sogar Federgelenke. Es bestand Grund zu der Hoffnung, dass sie noch ein wenig durchhielt und nicht auch noch auseinanderbrach.

Mich hat dieses Ereignis seelisch zurückgeworfen: es kommt halt eins zum anderen und hört irgendwie nicht auf. Schlimm genug, dass ich bei meinem schlechten Zustand sowieso damit rechnen musste, dass ich gegen Wände lief oder Gegenstände umwarf, so musste ja nicht auch noch die Fernbrille kaputt gehen. Ein Problem war, dass ich nicht in der Lage war, alleine zum Augenarzt (15 km entfernt in Erding) oder zum Optiker (Fielmann in den Riem-Arkaden) zu fahren. Außerdem würde die Brille auch nicht gerade innerhalb von 1 Stunde fertig sein. Irgendwie musste ich die Termine so organisieren, dass Andrea mich mit dem Auto dort überall hinfahren konnte.

Mir ist auch noch schleierhaft, wie ich ab nächstem Donnerstag wieder mit dem Auto zur Arbeit fahren soll. Ich bin ja nur bis Mittwoch arbeitsunfähig geschrieben.

Aber eins nach dem anderen.

Im Augenblick fällt es mir sehr schwer, mir die Augentropfen selber ins Auge zu träufeln, obwohl das normalerweise ja kein großer Akt war. Deswegen habe ich meinem Sohn erklärt, wie man das macht. Wenn er zuhause ist, kann er das für mich tun. Und das macht er auch gerne. Tagsüber bleibt mir nichts anderes übrig, als mir das Medikament selber ins Auge zu tropfen. Auch beim Einbringen der Augensalbe für die Nacht geht es mit Hilfe viel leichter. Da bin ich froh, dass ich ein paar helfende Hände um mich herum habe.

Wenigstens hatte ich jetzt die Medikamente gegen die Entzündung, was mich etwas beruhigte. Es konnte nur besser werden. Ich hatte schon die Befürchtung, dass sich die Entzündung so stark verstärkte, dass ich erneut zur Augenklinik fahren musste. Ich war ja zur Operation der Netzhautablösung nur sehr kuz in der Klinik. Laut der LMU Augenklinik dauert der stationäre Aufenthalt je nach Schwere der Operation zwischen drei und sieben Tagen. Bei mir fand die Operation am Montag am späten Nachmittag statt. Danach war ich praktisch nur einen Tag zur Beobachtung, denn am nächsten Tag wurde ich bereits am Vormittag wieder entlassen. Selbst der Oberarzt Dr. Wolf hatte irgendwann die Bemerkung fallen lassen, dass die ersten zwei Tage die kritischsten sind. Ich war noch nicht mal zwei Tage zur Beobachtung in der Klinik, bin aber der Meinung, dass meine Operation nicht die einfachste war, weil drei Löcher zu verschließen waren. Die LMU Augenklinik spricht selber davon, dass die Operation zwischen 20 Minuten und 1 Stunde dauert. Bei mir dauerte es annähernd 1 Stunde. Ich halte es nicht für besonders gut, wenn man Patienten zu früh aus der Klinik entlässt. Auf der einen Seite bin ich natürlich froh, wenn ich zuhause in meiner gewohnten Umgebung sein kann, auf der anderen Seite wird natürlich im Krankenhaus das Auge erstens von den Krankenschwestern viel besser versorgt und zweitens stehen im Notfall sofort Ärzte bereit, die sich um Komplikationen kümmern können. Das ist nicht der Fall, wenn ich zuhause bin.

Wir wollen aber nicht den Teufel an die Wand malen und hoffen, dass sich das Auge zufriedenstellend entwickelt und schnell heilt. Ändern kann ich das jetzt sowieso nicht.


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