Grundschule: Noten verbessern

Heute war der letzte Schultag für unseren Sohn in der Grundschule. Nach den Sommerferien wird er nach Erding ins Anne-Frank-Gymnasium fahren.

Bis hierhin war es ein manchmal anstrengender Weg, immer mal wieder gab es auch Tränen.

An sich bin ich kein Freund von Belohnungssystemen für gute Noten, denn schließlich „lernen die Kinder ja fürs Leben und nicht für gute Noten“. Stimmt, aber mir war das als Kind ziemlich egal! Warum sollte das den heutigen Kindern anders gehen? Die ersten drei Jahre gab es auch keinen Anlass, in dieser Hinsicht besonders aktiv zu werden. Mitte letzten Jahres drifteten die Noten allerdings so langsam auf ein 3er Niveau. Uns als ehrgeizige Eltern konnte das nicht kalt lassen. Uns war klar, dass vor allem in Deutschland eine gute Schulausbildung die Grundlage für einen guten Job darstellte. Nicht dass wir uns falsch verstehen, ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn mein Sohn später ein Handwerk ausübt oder als Weltenbummler von dem lebt, was er sich so am Tage verdient. Mit einer guten Ausbildung hat er aber später selber die Wahl zu entscheiden, was ihm am meisten liegt und was er gerne machen möchte. Diese Möglichkeiten sind deutlich eingeschränkt, wenn er eine schlechtere Schulbildung hat. Mir ist auch bewusst (und die Lehrer auf den info-Abenden werden nicht müde, das uns Eltern immer und immer wieder einzubläuen – schließlich haben die Gymnasien einfach keinen Platz mehr für neue Schüler), dass ein Kind einfach mal mit der Hauptschule anfangen und dann später immer noch das Abitur machen kann. Ich bin aber auch der Meinung, dass ein Kind mit einem guten Zeugnis nicht zur Hauptschule gezwungen werden sollte, sondern den Besuch des Gymnasiums versuchen sollte. In manchen Gesprächen mit anderen Eltern hatte ich den Eindruck, dass der Besuch eines Gymnasiums oftmals überhaupt gar nicht erst in Erwägung gezogen wurde. („Wie? Gymnasium? Das Kind soll aufs Gymnasium gehen? So ein Schmarrn!“).

Wie auch immer … unser Kind sollte aufs Gymnasium gehen, wenn die Noten (als formale Bestätigung der Eignung) entsprechend gut wären.

Mit den Noten stehe ich ja so ein bisschen auf dem Kriegsfuß. Wenn die Arbeitsblätter bei den Proben so gut wie nicht lesbar sind, dann kann ein Kind noch so gut in dem entsprechenden Fach sein, es kann die Aufgabe schlichtweg nicht lösen, weil es gar nicht lesen kann, was erwartet wird. Schlechte Noten bedeuten nicht zwangsläufig, dass ein Kind in einem Fach schlecht ist. Da muss man schon genauer hinsehen und sein Kind beobachten.

Jedenfalls hatten wir vor einem Jahr den Eindruck, dass sich die Noten unseres Sohnes verschlechterten. Was tun? Üben, üben, üben? Ja, klar. Ohne Mithilfe des Kindes ist das ein unmögliches Unterfangen! Konzentrieren wollten wir uns auf die Hauptfächer Mathe, HSU und Deutsch.

Mathe war an sich kein Thema. Ich kann mich an eine Probenvorbereitung erinnern, in der es um die schriftliche Division ging. Es stellte sich heraus, dass unser Sohn hier praktisch keine einzige Aufgabe lösen konnte. Das war umso erstaunlicher, weil er in der Gesamtnote zwischen 1 und 2 pendelte. Wir stellten dann fest, dass den Kindern eine Technik für die schriftliche Division beigebracht wurde, die weder er noch ich verstanden. Viel Zeit vor der Probe hatten wir nicht mehr, deswegen versuchte ich gar nicht lange, mich in diese Lösungstechnik einzuarbeiten, sondern verwarf sie kurzerhand, erklärte meinem Sohn die übliche Art der schriftlichen Division und war mit dem Thema innerhalb einer halben Stunde inklusive Übungsaufgaben durch. Kein Fehler mehr! Ich sagte ihm, dass er genau diese Methode in der Probe verwenden sollte, auch wenn die Lehrerin sich vielleicht wundern würde, woher er diesen Rechenweg hatte. Das wäre egal, weil er die Aufgabe auf jeden Fall richtig rechnen würde. So kam es dann auch.

Witzigerweise lernten die Kinder dann wenige Tage/Wochen später auch noch den üblichen Rechenweg.

Wir konzentrierten uns also auf HSU. Hier war das Problem der große Umfang an relativ abstrakten Inhalten. Dazu habe ich in meinem Blog schon mal etwas geschrieben: HSU Probe. Für dieses Fach lernten wir entsprechend recht intensiv für die Proben. Schlechte Kopien der Arbeitsblätter konnten wir dadurch natürlich nicht verhindern.

Für Deutsch hatten wir verschiedene Übungsansätze. Einer zielte darauf ab, die Rechtschreibung zu verbessern. Dazu nutzten wir die gute alte Karteikasten-Methode, schrieben also die meisten Wörter auf, die er bis zum Ende der 4. Klasse beherrschen musste, ergänzten sie immer mal wieder durch Wörter, über die er in Aufsätzen stolperte und fragten sie ab. Dazu nahmen wir uns einen Satz von 30 bis 50 Karteikarten mit dementsprechend vielen Wörtern, diktierten jedes einzeln und ließen es schreiben. Danach wurden die fehlerhaften Wörter markiert und erneut richtig aufgeschrieben. Die Karteikarten mit den falschen Wörtern steckten wir ganz vorne in den Karteikasten, damit sie beim nächsten Mal gleich wieder geübt werden konnten, die anderen Karten kamen ganz nach hinten in den Kasten. Uns ging es nicht darum, Fehler zu zählen oder gar Noten zu geben. Ziel war einzig die Wiederholung. Je öfter man ein Wort richtig schreibt, desto mehr prägt sich die richtige Schreibweise ein. Die Rechtschreibsicherheit unseres Sohnes verbesserte sich deutlich.

Zurück zum Belohnungssystem. Üben ist wichtig, aber Üben macht überhaupt keinen Spaß!

Also was nun? Für jede Eins in einer Probe 5 Euro bezahlen? Für jede 5 als Note 5 Euro bezahlen lassen? Nein, wir wollten unser Kind auf keinen Fall mit Geld belohnen. Letztendlich entschieden wir uns für einen sehr teuren Weg und schrieben einen Vertrag, den Mama, Papa und Kind verbindlich unterschreiben mussten:

Vertrag über Belohnungen für gute Noten

Vertrag über Belohnungen für gute Noten

Der Vertrag wurde an prominenter Stelle in der Küche aufgehängt. Wir sind keine Pädagogen, sondern nur Eltern, die ihre Kinder lieben. Wahrscheinlich haben wir mit diesem Vertrag einen schweren Defekt in der Psyche unseres Kindes angelegt, wer weiß das schon.

Jedenfalls konnten wir zwei Hauptfächer um jeweils eine ganze Note innerhalb eines Jahres verbessern. Natürlich war es nicht der Vertrag alleine, der das bewirkt hatte.

Heiko hat heute ein Super Zeugnis mit nach Hause gebracht! Seine Schwester hat inzwischen sogar drei Einser im Zeugnis, geht allerdings auf die Realschule. Wir sind auf beide super stolz!

Der Vertrag galt nur für die Grundschule. Wie sich die Noten auf dem Gymnasium entwickeln, und was wir dann gegebenenfalls an kreativen Maßnahmen entwickeln werden, wird sich zeigen.

Wie seid ihr vorgegangen, um gemeinsam mit euren Kindern die Noten zu verbessern?

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2 Kommentare
  1. Petra Zarske sagt:

    Hallo Sven, genauso wie Ihr, haben meine Freunde es auch gehandhabt, Es gab kein Geld für Schulnoten, aber fürs Zeugnis durfte sich deren Tochter Verena immer etwas Besonderes aussuchen, z.B. einen Tag in der Skihalle in Neuss, Kinobesuch mit Freundinnen, auch mal ein Geschenk. Zum tollen 1,4 Abi hat sie sich einen Apple gewünscht, aber nicht den teuersten (der wird mir sowieso gklaut), aber die Option auf einen neuen, wenn der alte mal zusammenbricht oder total überholt ist. Ich find’s Klasse von beiden Seiten.Von mir gab es eine „abgefahrene“ Kulturtasche aus London, darüber hat sie sich auch mächtig gefreut und auch gleich bei einer Reise nach München eingeweiht.
    Gru?
    Petra

  2. Agent Smith sagt:

    Hi Sven,

    belohnungen für gute Noten sind absoluter bullshit, wenn Du mich fragst.
    In der Geschichte unserer Schulen der vergangenen 200 Jahre, liegt der Hund begraben.
    Denn in der Vergangenheit (sowie leider heute auch noch) erzogen die
    Schulen die Kinder zu „folgsamen und fleißigen Staatsbürgern“, die als fleißige Bienchen in
    Fabriken, im Finanzmanagement oder im Krieg eingesetzt werden konnten.
    Bei meinen Kindern fördere ich das Lernen, das aus dem eigenen Ansporn der Kinder entsteht, etwas
    verstehen zu wollen und nicht, zu lernen, was man ihnen vorsetzt, um gute Noten zu bekommen.
    Sie besuchen daher eine freie Schule bis zu ihrem 13. Lebensjahr, nachdem sie dann die Regelschule
    besuchen werden.
    In den Regelschulen werden meines Erachtens die Kinder viel zu früh auf Leistung getrimmt und
    soziale Kompetenz, Gemeinschaftssinn und die Förderung individueller Fähigkeiten werden hinten angestellt.

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