Die Geburt

10.04.2002 / 12.00 Uhr
Komme gerade von meinem täglichen Besuch am Strand wieder zurück und höre schon von weitem lautes langgezogene Miaulaute. „Jetzt geht es los !“ sage ich zu meinem Sohn, der mit seinen zwei Jahren nicht viel damit anfangen kann.

Medi sitzt im bereitgestellten Karton (der mit einer weichen Decke ausgestattet ist) und sieht mir hoffnungsvoll entgegen. Ihre ersten beiden Kinder Beauty und Schleicher sind nicht zu sehen, der Vater übrigens auch nicht. Ich gehe näher heran und sehe dass sie bereits in den Wehen liegt und etwas blutige, schleimige Flüssigkeit verloren hat.

Ich lasse sie in Ruhe und gehe erstmal mit meinem Sohn Mittagessen. Zum Glück schläft er danach gleich friedlich in seinem Bett und ich gehe wieder zur werdenden Mama.

12.45 Uhr
Sie läßt sich von Beauty – aha wieder aufgetaucht – umarmen und in den Hals beißen. Ist das ein Verhalten um von den Wehen abzulenken ? Ich verhalte mich still und beuge mich weiter aus dem Fenster heraus. Plötzlich springen beide auf und rennen ums Haus herum. Ich verlasse meinen Fensterplatz, renne durchs Wohnzimmer und stelle mich ans Terrassenfenster.

Wieder verkeilen sich die beiden ineinander und ich gehe so leise wie möglich auf die Terrasse hinaus. Nach ein paar Minuten hat Medi mich entdeckt und kommt zu mir gelaufen. Sie schleicht mir um die Füße, läuft ein Stück weg, wartet bis ich ihr nachkomme, schleicht mir um die Füße bis wir schließlich wieder vor dem Karton stehen. Medi springt hinein und miaut laut und anhaltend. Beauty hat sich verzogen und auch Schleicher sehe ich nicht mehr.

Also kraule ich Medi fest über den Kopf, runter zwischen den Schulterblättern bis zu ihrem dicken Bauch. Sie schließt die Augen und hört endlich auf zu miauen.

Jetzt sehe ich auch ein kleines dünnes Stück aus Medi raushängen. Ist das schon das Schwänzchen des Kindes ?

13.10 Uhr
Heftige Wehen, Medi windet und dreht sich und dann ist es auch schon da: Naß, blind, aufgeregt tretend und soweit ich jetzt schon erkennen kann mit der gleichen Fellzeichnung wie ihre Mutter. Ca. 10 cm lang und dürr. Beauty und Schleicher sind wieder da – ich gehe, bleibe aber in Sehweite. Medi putzt unablässig, immer wieder oben unten, links und rechts.

Das Neugeborene weicht nicht von Medis Seite und sucht den Bauch nach Zitzen ab.

Mein Gott, das Kind ist ja noch mit Medi durch die Nabelschnur verbunden, die sich schon wieder mit Wehen plagt. Kommt das nächste ? Nein, es ist der Mutterkuchen, der sogleich von ihr aufgefressen wird und auf diese Weise wird auch die Nabelschnur durchtrennt.

Leider ist der Anblick der Plazenta und vorallem der Geruch nicht gerade schön. Aber das hilflose Wesen ist jetzt schon zuckersüß, das Fell trocknet langsam und sein Miauen ist auch schon ganz kräftig.

Oh, der Vater kommt – er springt hoch, schnuppert, schreckt vor dem lauten Miauen seines Nachwuchs zurück und verzieht sich wieder. Medi und ich sind wieder allein.

Sie hat heftige Wehen und sie miaut wieder laut und ist offensichtlich sehr angestrengt. Wie kann ich ihr nur helfen ? Als ich wieder beginne, sie zu streicheln und fest zu kraulen, hört sie auf Laut zu geben und schließt die Augen.

14.10 Uhr
Jetzt aber geht es weiter, das zweite Kind – diesmal noch in der Fruchtblase – wird mit drei Wehen geboren. Medi beißt vorsichtig in die Fruchtblase und beginnt sofort das Neugeborene abzulecken. Es ist ein schwarzen Fellbündel, das sofort zu miauen beginnt und nach den Zitzen sucht. Die Plazenta flutscht mit einer Wehe heraus und wird von Medi aufgefressen. Tierisches Recycling ! Nach wenigen Minuten hört Medi aber auf ihr Kind zu putzen, weil wieder heftige Wehen kommen und sie anstrengen. Sie ist müde und erschöpft.

Dann wieder Wehen und nach nur 10 Minuten ist Kind Nummer 3. Aber was ist los, es bewegt sich nicht ? Doch nach ein paar kräftigen Ableckeinheiten kommt Leben in das jüngste Kind. Bin ich froh, er (oder sie) sieht sowieso ein bisschen zerzaust und struppig aus. War wohl anstrengend, Kleiner ?

14.30 Uhr
Mein Sohn wacht auf, die Post kommt; alles gleichzeitig – wie immer !

Mein Sohn darf zuschauen und mit dem Postboten rede ich heute keinen Smalltalk, beschließe ich.

14.45 Uhr
Wehen, Medi dreht und windet sich immer darauf bedacht ihre neugeborenen Kinder nicht zu treten. Sie verliert blutige schleimige Flüssigkeit und miaut herzzerreißend. „Also noch ein Kind “ denke ich. Mein Sohn ist ganz lieb und streichelt der Mama über den Kopf, aber nach einer halben Minute findet er sein Dreirad spannender.

15.10 Uhr
Kind Nr. 4 ist da. Komplett in intakter Fruchtblase, die sofort vorsichtig aufgeknabbert wird und ebenso aufgefressen, wird wie bei den anderen Geburten. Noch ein kleines schwarzes Fellbündel mit kleinen dünnen hellen Haaren an den Beinen.

Um 15.20 Uhr
Kommt der letzte Mutterkuchen heraus, der wie die vorherigen ekelhaft stinkt und kein schöner Anblick ist.

Als alles vorbei ist, kommen die beiden älteren Geschwister und lugen neugierig über den Rand des Kartons. Da ist ja auch der Papa in Begleitung seines Bruders ! Es ist wohl auch in Katzenkreisen ein Familienereignis, wenn Kinder geboren werden.

Um 16.30 Uhr springt Medi aus dem Karton und legt sich völlig erschöpft auf die Wiese und beginnt sich ausgiebig zu putzen. Beauty und Schleicher werden verjagt.

Abschließend kann ich nur meinen Hut vor Medi ziehen, sie hat das ohne großes Wehklagen in sehr kurzer Zeit hinbekommen. Gratulation !

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