Was ist eigentlich ein Computer?

 
Der folgende Artikel ist 1994 für die Computer-Rubrik einer Zeitschrift in Portugal entstanden.
 

Eine Bitte habe ich an die Computer-Fachleute unter unseren Lesern, mir einige Verein­fachungen nicht übel zu nehmen. Dieser Artikel soll das grundsätzliche Verständnis für die Funktion­sweise eines Computers schaffen und wird Einzelheiten deswegen nicht vertiefen.

Was ist also ein Computer?

Zuerst einmal ist ein Computer eine Maschine.

Sie schmunzeln jetzt vielleicht ein wenig, aber diese Einordnung bietet bereits einen ersten An­satz, die Funktionsweise zu verstehen.

Werfen wir doch einmal einen Blick auf eine uns allen bekannte Maschine: das Auto.

Damit das Auto das tut, was wir erwarten, stehen uns eine Reihe von Hebeln, Schaltern, Pedalen und Anzeigeuhren zur Verfügung. Außerdem brauchen wir noch jemanden, der das Ganze be­dient, nämlich einen Fahrer.

Bei einem Computer ist das auch nicht anders, wenn es auch auf dem ersten Blick so aussieht. Wenn Sie schon einmal einen üblichen PC gese­hen haben, dann haben Sie eine Tastatur, einen Bil­dschirm und einen mehr oder weniger großen Kasten gesehen.

Bild eines Computers

Das was bei einem Auto die Schalter, Hebel und Pedale sind, ist bei einem Computer die Tasta­tur. Allgemein kann man von Eingabegeräten spr­echen, weil Sie hiermit der Maschine Ihre Anw­eisungen mitteilen.

Zur Kontrolle verwenden Sie Ausgabegeräte. Beim Auto schauen Sie zum Beispiel auf den Tacho­meter, um zu überprüfen, ob das Auto wirklich so schnell fährt, wie Sie das wollen. Sie haben im Auto noch mehr Ausgabegeräte: Zum Beispiel die Tankanzeige oder auch die Fer­nlic­htkontrolllampe. Beim Computer hat man sich die Arbeit leichtgemacht und einfach nur ein einziges Ausgabegerät zur Verfügung­ gestellt: den Bildschirm.

Mit den Eingabegeräten sagen Sie dem Auto, was es tun soll, und das Auto berichtet Ihnen über die Ausgabegeräte das Ergebnis. Zwischen beiden gibt es eine weitere wichtige Funktion: die eigentliche Maschinenaktion.

Wenn Sie die richtigen Schalter betätigt haben, wird Ihr Auto ja hoffentlich fahren, es tut also irgendetwas. Es verarbeitet Ihre Daten und lie­fert Ausgaben. Dieses sogenannte EVA-Prinzip (Eingabe-Verarbeitung-Ausgabe) können Sie auf jede Maschine anwenden!

Damit haben Sie das wichtigste Prinzip eines Computers verstanden. Wir können hier also unseren Ausflug beenden.

Nein? Sind Sie immer noch nicht zufrieden?

Vielleicht ist Ihnen bereits vorhin aufgefallen, dass da im Auto ja nicht nur Schalter, der Motor und Anzeigen sind, sondern vor allem auch noch Sie!

Jawohl, Sie sitzen am Steuer. Und so ein Steu­erwerk brauchen wir natürlich auch beim Co­mputer.

Das steckt in diesem rechteckigen Kasten, in den man meistens nie hineingesehen hat. Jetzt aber nur keine Angst! Sie werden hier als Steuermann nicht ersetzt. Denken Sie wieder an das Auto: Auch dort haben Sie viele kleine Steuerwerke an Ihrer Seite, die Ihnen helfen.

Der Blinker zum Beispiel. Stellen Sie sich ein­ mal vor, Sie müssten den immer selber im Inte­rvall ein- und ausschalten!

Beim Computer ist das Steuerwerk auch nur da­ zu da, um Sie bei unnötig nervtötenden Arbeiten zu entlasten.

An dieser Stelle müssen wir uns ein bißchen mehr um das »V« im EVA-Prinzip kümmern, so­ weit es einen Computer betrifft.

Das »V« für Verarbeitung wird bei einem Computer als Zentraleinheit bezeichnet und be­steht hauptsächlich aus einem kleinen elektron­ischen Schaltkreis, der Mikroprozessor heißt. Ah, sagen Sie, davon haben Sie schon gehört. Ja, denn diese Dinger stecken heute in fast allen el­ektronischen Geräten, um Ihnen Ihre Arbeit beim Steuern zu erleichtern. Der Mikroprozessor ist das Herz Ihres Computers. Aber so, wie man sich beim Menschen darüber streiten kann, ob das Herz das Wichtigste ist, so kann man das auch beim Computer!

Denn alle Funktionseinheiten zusammen erge­ben erst ein funktionsfähiges System.

Eigentlich ist unser Computer mit Tastatur, Zentral­einheit und Bildschirm bereits komplett.

»Und was ist mit Festplatte, Disketten und Arbeits­speicher?« werden diejenigen rufen, die sich schon mit Computern beschäftigt haben.

Grafik von Festplatte, Diskette und Arbeitsspeicher

Stimmt! Stellen Sie sich vor, Sie tippen mit der Tastatur einen Brief in den Computer. Der PC weiß nun durch sein Steuerwerk, dass Sie sehen wollen, was Sie da gerade eingetippt haben und sagt dem Bildschirm, dass er Ihnen Ihre Buchstaben wie­der anzeigen soll. Sie sind glücklich und schalten den Computer aus. PENG!

Nun ist es passiert. Wenn Sie den Computer wie­der einschalten, können Sie den ganzen Text noch einmal neu eingeben, denn er ist nicht mehr auf dem Bildschirm. Er ist völlig ve­rschwunden!

Und dagegen helfen die erwähnten Erweiterun­gen unseres Systems. Sie heißen Speicher, auf dem man wie auf einem Blatt Papier seine Ei­ngaben speichern kann.

Nicht nur das! Ich habe nämlich noch gar nicht erwähnt, dass Sie dem Mikroprozessor auch mit richtigen Worten Aufträge erteilen können. Die Fach­leute nennen das Programmieren. Bisher hä­tten Sie aber viel zu tippen gehabt, denn der Mik­roprozessor versteht nur ganz einfache Befehle. Schon der Befehl: »Zeige mir ein A auf dem Bildschirm« ist viel zu kompliziert. Normalerweise müssen Sie also sehr viel­e Befehle eingeben, und nach jedem Befeh­l müssen Sie warten, bis der Computer fertig ist. Schöner wäre es, wenn man alle Befehle a­uf einma­l eingeben könnte, der Computer sich alles merkt, und wir dann zu ihm sagen könnten: »Nun leg mal los!« Genau dafür ist der Arbeitsspe­icher eingebaut. Das ist so eine Art Schmierzettel, wo sich der Computer a­lles notieren kann, was er braucht. Das hat nur einen Nachteil: der Computer schmeißt seine Kladde nämlich weg, wenn Sie ihm den ­Strom abdrehen. Es muss also ein Aktenordner her, wo er alles abheften kann, damit Sie nicht jedesmal alles neu eintippen müssen. Diese ­Art von Speicher stellen Ihnen die Disketten- und Festplattenlaufwerke zur Verfügun­g. Die Disketten können Sie sogar transportieren, Festplatten nicht, deswegen heißen sie ja auch »fest«. Dafür dauert ­es aber wesentlich länger,­ Befehle auf eine Diskette zu speichern als auf eine Festplatte. Machen Sie sich keine Geda­nken: Wahrscheinlich sind in Ihren Computer b­eide Geräte eingebaut, so dass Sie sich später immer noch entscheiden können, wo S­ie Ihre Daten speichern möchten.

So eine Diskette hat übrigens noch einen ande­ren Vorteil. Sie können dort die Befehle (Ihr Pr­ogramm) nicht nur speichern. Nein, logisch­erweise funktioniert auch der andere Weg!

Sie können Ihr Programm auch wieder in die Computer-Kladde einlesen, und jetzt kommt Freude auf. Ihr Programm kann sogar in einen ganz anderen Computer eingelesen werden, weil man doch die Disketten aus dem Laufwerk neh­men kann, um sie an einen anderen Ort zu transportieren. Es wird noch besser: Sie können auf diese Weise Disketten kaufen mit Progra­mmen, die so lang sind, dass Sie die aus Bequemlichkeit nicht im Traum selber eintippen würden. Und nun haben Sie eine wirklich universelle Maschine: Ihren Computer.

Am besten besorgen Sie sich gleich mal eine Textverarbeitung. Die kann man immer brau­chen.

Aber hoppla! Jetzt haben Sie Ihren Beschwerde­brief wunderbar eingetippt, ja, Ihre neue Tex­tv­erarbeitung hat Ihnen dabei sogar ge­holfen, es ist alles auf einer Diskette ge­speichert, nur … der Empfänger hat noch keinen Computer. Wie soll er dann Ihren Brief lesen können?

Mit einem weiteren Ausgabegerät, nämlich dem Drucker, vervollständigen wir erst einmal unsere universelle Maschine, so daß wir auch alles nicht nur auf den Bildschirm, sondern auch auf Papier bekommen.

So ein Drucker ist meistens schon wieder ein eigener kleiner Computer und kann all die kleinen Helferlein, über die wir gesprochen haben, ebenfalls unter seiner Haube besitzen. Aber das vertiefen wir jetzt lieber nicht.

Zum Schluss lassen Sie sich noch einmal durch den Kopf gehen, was das Besondere an Ihrem Computer ist: Obwohl er ja eigentlich nur eine Maschine ist, die Ihnen Ihre Arbeit als Werkzeug erleichtern soll, ist er so universell aus­gelegt, daß Sie viele verschiedenen Probleme damit lösen können. Autofahren und Flugzeuge fliegen können die übr­igens auch schon.

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