Buch-Vorstellung: Psychologisches Konfliktmanagement

Hinweis:
Bei diesem Artikel handelt es sich um einen gesponserten Artikel.
Das vorliegende Buch wurde mir freundlicherweise vom Autor Werner Schienle überlassen. Mir wurden keinerlei Vorgaben zum Inhalt meiner Besprechung gemacht. Dennoch kann ich nicht vollständig ausschließen, dass ich durch das Sponsoring beeinflusst wurde.

Konfliktmanagement? Was habe ich mit Konfliktmanagement zu tun?

Naja, so ungewöhnlich ist das nicht. Als Projektmanager beschäftigt man sich zwangsläufig auch mit Konfliktmanagement. So definiert das bekannte Online Projektmagazin:

Konflikte sind Alltag in der Durchführung von Projekten. Der Projektleitung obliegt es, durch vorausschauendes Handeln Konflikte zu vermeiden, und bestehende Konflikte so zu lösen, dass Krisen vermieden und das Projektziel nicht gefährdet wird.

(Quelle: https://www.projektmagazin.de/glossarterm/konfliktmanagement)

Nicht nur in Projekten, sondern auch im ganz normalen beruflichen oder privaten Leben haben wir es alle immer wieder mit Konflikten zu tun. Somit ist das Thema Konfliktmanagement eins, das jeden von uns betrifft.

Das mir vorliegende Buch Psychologisches Konfliktmanagement aus der essentials-Reihe des Springer Verlags erreichte mich auf direktem Wege. Einer der beiden Autoren, nämlich Werner Schienle, ist ein alter Weggefährte aus längst vergangenen CompuServe-Zeiten. Er bat mich um meine Meinung zu seinem vor kurzem veröffentlichten Buch. Es ist mir eine Freude und Ehre, das Buch zu lesen und euch einen Überblick darüber zu geben.

Von Werner gab es schon früher in meinem Blog Input für Artikel:

Was sind Essentials?

Die Buchreihe essentials des Springer Verlags hat folgende Zielsetzung:

essentials liefern aktuelles Wissen in konzentrierter Form. Die Essenz dessen, worauf es als „State-of-the-Art“ in der gegenwärtigen Fachdiskussion oder in der Praxis ankommt. essentials informieren schnell, unkompliziert und verständlich

  • als Einführung in ein aktuelles Thema aus Ihrem Fachgebiet
  • als Einstieg in ein für Sie noch unbekanntes Themenfeld
  • als Einblick, um zum Thema mitreden zu können

Mit dem kleinen Büchlein erwartet den Leser also eine knappe Einführung in das Thema, aber keine komplexe Doktorarbeit.

Überblick über das Buch

Das professionelle Handwerkzeug für Fach- und Führungskräfte für den Bereich Psychologisches Konfliktmanagement wird in Form eines broschierten Taschenbuchs im DIN A5 Format mit insgesamt 56 Seiten herausgegeben. Als Zielgruppe werden Fach- und Führungskräfte aller Branchen und Hierarchiestufen, Manager und Entscheidungsträger, sowie Studierende und Dozierende der Psychologie und der Betriebswirtschaftslehre genannt.

Das Buch ist in die folgenden fünf Kapitel unterteilt:

  1. Einleitung
  2. Konfliktmanagement: Machen Sie sich Ihr Leben leichter
  3. „Typisch Mensch“ – Konfliktfallen
  4. Handwerkzeuge für die Praxis
  5. Der Lohn der Mühe

Kapitel 1 (Einleitung) und Kapitel 5 (Lohn der Mühe) bilden hierbei nur den Rahmen für den eigentlichen Buchinhalt. Den größten Raum nimmt das Kapitel 4 (Handwerkzeuge für die Praxis) ein. Da Werner Schienle ganz konkrete Seminare für das Konfliktmanagement anbietet, ist die Fokussierung auf echte Handlungsempfehlungen nur logisch.

Was steht im Kapitel 2?
„Konfliktmanagement: Machen Sie sich Ihr Leben leichter“

In diesem Kapitel werden in knapper Form zunächst die drei „Gewinnfelder“ dargestellt:

  • Bestehende Konflikte bewältigen
  • Notwendige Konflikte anpacken
  • Überflüssigen Konflikten vorbeugen

Danach werden die drei „Erfolgs-Säulen“ skizziert:

  • Wichtige Denk- und Wahrnehmungsprozesse kennen
  • Innere Einstellung/Haltung reflektieren und ggf. „justieren“
  • Konkretes Handwerkzeug beherrschen

Im dritten Unterkapitel geht es um Dimensionen und Auswirkungen von Konflikten im betrieblichen Umfeld.

Was steht im Kapitel 3?
„Typisch Mensch – Konfliktfallen“

An Hand von Beispielen stellen die Autoren in diesem Kapitel dar, wie es zu Konflikten kommt und wie Konflikte eskalieren können. Ergänzt werden die Ausführungen durch erste konkrete Hinweise, wie mit Konflikten umgegangen werden kann.

Was steht im Kapitel 4?
„Handwerkzeuge für die Praxis“

Nachdem die Entstehung von Konflikten beschrieben wurde, geht es in diesem Kapitel um praktische Tipps, wie man Konflikten vorbeugen kann oder wie man mit ihnen umgeht, wenn es bereits zu Konflikten gekommen ist. Dieses Kapitel beansprucht den meisten Platz des kleinen Büchleins.

Meine Meinung

Nach dem Lesen des Büchleins bin ich etwas zwiespältig. Auf der einen Seite habe ich ein Buch über Konfliktmanagement gelesen, das in der herausgegebenen Form das Thema nur anreißen möchte. Dies wird sehr gut erreicht. Der Text lässt sich leicht lesen und verstehen. Die Beispiele kommen aus der Praxis. Die Autoren sind Fachleute auf ihren Gebieten.

Auf der anderen Seite erfüllt das Buch nicht alle meine Wünsche nach Inhalt. Mir fehlt eine noch stärkere Einbindung in den großen Rahmen der Kommunikation. Erst die Betrachtung, wie Kommunikation funktioniert, und was dabei alles schief gehen kann, ja, schief gehen muss, ermöglicht das Verständnis, wie es zu Konflikten kommt. Begriffe wie Eisberg-Modell, Johari-Fenster und Transaktionsanalyse werden nicht besprochen, das 4-Ohren-Modell nur angerissen und die selektive Wahrnehmung nur sehr abstrakt beschrieben.

Diese Themen kommen zu kurz, müssen wahrscheinlich zu kurz kommen, weil man sich als Autor bei vorgegebenen ca. 40 Seiten Inhalt stark einschränken muss, was die Auswahl der Themen und die Tiefe der Darstellung betrifft.

Mir fehlt darüber hinaus ein zusätzliches Kapitel mit praktischen Übungen, so dass ich als Leser die neuen Kenntnisse gleich einmal ausprobieren kann. An bewährten Übungen wird es auf Grund der jahrelangen Erfahrung von Werner Schienle als Trainer und Coach nicht mangeln.

Von daher: Ja, ein gutes, leicht zu lesendes und zu verstehendes Büchlein zum Thema Konfliktmanagement.

Aber vielleicht nur ein erster Schritt, dem eine vertiefte und breitere Ausarbeitung folgen könnte, wenn ich einen Wunsch äußern darf. Das wäre dann vermutlich kein Buch in der Essentials-Reihe.

Obwohl sich das Buch an Fach- und Führungskräfte richtet, kann ich es auch für den privaten Bereich empfehlen.



Weitere Buch-Empfehlungen.



Lissabon-Reise mit Sunwave – noch mal Mafra und Cascais

Hinweis:
Die Vorbereitungen zu meiner privaten Ausflugstour nach Mafra findet ihr in meinem Artikel Mafra und Ericeira in Portugal – Vorbereitung. Und die Boca do Inferno erwähne ich in dem Artikel Cascais und Praia do Guincho in Portugal – Vorbereitung.


Heute hatten wir den Tag zur freien Verfügung. Da ich ja einige spezielle Ziele auf meiner Agenda hatte, war der Tag deswegen ideal, um damit anzufangen. Obwohl ich die anderen Mitreisenden über meine Pläne informierte, hatte doch niemand Lust, mich zu begleiten.Stattdessen wollten die anderen wieder nach Lissabon und dort weitere interessante Orte erkunden.

Wir hatten vereinbart, dass wir uns dann abends alle unter dem Triumphbogen Arco da Rua Augusta am Praça do Comércio treffen wollten. Danach wollten wir uns dann ins Nachtleben von Lissabon stürzen!

Wenigstens hatte mein Wecker heute wieder normal funktioniert. Die Frühstückstische waren mit Besteck und Papierservietten eingedeckt. Draußen regnete es in Strömen und es war sehr windig. Optimale Bedingungen also für einen entspannten Ausflugstag. 😉

Naja, es war sinnlos, sich in eine trübsinnige Laune hineinzusteigern. Ich war jetzt hier in Lissabon (und Umgebung) und ich wollte jetzt meine Ziele erreichen.

Eins davon war das kleine Museumsdörfchen von José Franco. Und auf dem Weg dorthin konnte ich mir den Nationalpalast von Mafra vielleicht auch noch anschauen. Also schnappte ich mir mein iPad als Navi, nahm mir das Auto und fuhr los.

Der Palácio Nacional de Mafra – jetzt aber richtig!

So grün hatte ich Portugal noch nie erlebt! Unglaublich!

Mit Fotos ist das aber heute so eine Sache … Regen kennt ihr ja alle, aber okay …

Der nationalpalast von Mafra im Regen

Foto von mir … Angela war diesmal nicht dabei 😉

So … das war er also: der Nationalpalast von Mafra … bei Regen. Aus der Sicht eines Menschen, der überhaupt keine Lust verspürte, das trockene Auto zu verlassen. Zumal ich noch nicht mal einen Regenschirm dabei hatte. Aber was soll’s? Was uns nicht umbringt, macht uns nur härter.

Ich bin also mit weit ausholenden Schritten, aber nicht laufend – man musste ja Contenance bewahren – zur Basilika ge… eilt. Konnte ich denn heute wenigstens hinein?

Innenaufnahme der Basilika des Nationalpalasts in MafraJa, ich konnte und ich durfte. Die Basilika befand sich zentral in der riesigen barocken Schloss- und Klosteranlage. Sechs Orgeln gab es in der Kirche! Zunächst fand ein katholischer Gottesdienst statt, an dem Kinder beteiligt waren, vielleicht eine Erstkommunion oder eine Firmung. So verhielt ich mich still. Es waren nicht sehr viele Menschen in der Kirche, möglicherweise war die Veranstaltung gerade zu Ende.

Katholische Kirchen sind immer sehr prächtig gestaltet. So auch diese. Über Details zur Architektur und zur Geschichte müsst ihr euch aber an anderer Stelle erkundigen.

Ein Innenhof vom Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir

Links neben dem Eingang zur Basilika war der Zugang zum Palast mit dem Ticket-Schalter untergebracht. Von dort gelangte man auch in einen der Innenhöfe. In einer der Ecken stand jemand mit ein paar Eulen auf Ständern. Dort konnte man sich gegen Geld fotografieren lassen. Bei dem Wetter war aber nicht mit viel Umsatz zu rechnen.

Da ich nun einmal hier war, wollte ich mir auch den Palast selbst ansehen. Der Eintritt kostete 6 Euro. Zu besichtigen war nur das obere Stockwerk, und das leider auch nicht komplett. Der Palast und das Kloster sind aber so groß, dass auch das völlig ausreichend ist.

Das Bett des Königs im Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir

Im linken Teil des Palastes befanden sich die Gemächer des Königs. Die Königin wohnte auf der anderen Seite des Palastes im rechten Teil. Glücklicherweise gab es einen langen, langen Verbindungsgang zwischen den Gemächern.


Foto von einem Bodenmosaik im Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir

Genau in der Mitte des langen Gangs gab es einen Raum mit einem wunderschönen Bodenmosaik. Nach vorne zum großen Platz hin, befand sich hier ein Balkon, wo sich der Monarch seinem Volke zeigen konnte, um dann vom selbigen bewundert und bejubelt zu werden.


Blick in die Basilika von Mafra auf eine Hochzeit

Foto von mir

In die andere Richtung hatte der König einen direkten Blick hinab in die Basilika. So mussten er und seine Königin sich nicht unters Volk mischen. Als ich dort war, fand gerade eine Hochzeit statt oder die Probe zu einer Hochzeit. Es waren nur sehr wenige Leute da.


Das Bett der Königin im Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir

Ich habe mich auch nicht lange dort aufgehalten, sondern bin weiter in die Gemächer der Königin gegangen. In ihren Räumern war alles etwas verspielter und dekorativer. Ich konnte sofort erkennen, dass hier eine Frau wohnte. Ich fand es sympathischer als drüben beim König.


EIn Foto von der badewanne der Königin im Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir

DIe Königin leistete sich sogar den Luxus einer eigenen Badewanne. Wahrscheinlich mussten 10 Kammerzofen gleichzeitig das heiße Wasser in Krügen herbeischaffen.


So bin ich dann weiter durch die verschiedenen Räume des Palastes geschlendert, die nahtlos in die des Klosters übergingen. Alle Räume waren prachtvoll ausgestattet.

Als Beispiel möchte ich hier noch gerne das Musikzimmer zeigen:

Foto eines Klaviers im Musikzimmer des Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir


Es gab dann noch Jagdzimmer, Herrenzimmer (= Spielsalon), Speisesaal und noch jede Menge weiterer Räume.

Hinten im Kloster befanden sich Wachstuben und Zellen. Aber so ganz habe ich nicht verstanden, ob diese kleinen Räume nun Gefängniszellen oder Wohnzellen für die Mönche waren. Alles in allem ist die Anlage sehr groß und beeindruckend. Viel zu groß für ein Land wie Portugal, aber damals floss das Gold ja auch reichlich aus Brasilien. Aber was man mit insgesamt 1.200 Zimmern anstellte … ich weiß es nicht. Möglicherweise wurden auch damals schon nicht alle Räume genutzt.

Es heißt, der König wollte seinen Park vom Palast aus bis zum Meer anlegen lassen, das sind dann mal so 20 bis 30 km. EIn bisschen größenwahnsinnig, der Gute. Aber so einen König hatten wir früher in Bayern ja auch. 😉

Einen Raum muss ich euch noch kurz zeigen und das ist die einzigartige Bibliothek:

die große Bibliothek im Palácio Nacional de Mafra

Bild von mir


Die Qualität des Fotos ist leider nicht so prickelnd. Ich durfte keinen Blitz verwenden und außerdem musste ich aus der Hand fotografieren. Die Architektur sieht doch richtig klasse aus, oder? In der Bibliothek werden Fledermäuse geduldet. Alle Insekten, die eventuell die Bücher schädigen könnten, werden von den Fledermäusen eliminiert.

Der für die Öffentlichkeit zugängliche Bereich des Palastes und des Klosters wurde durch zahlreiche Einrichtungsgegenstände dekoriert. Natürlich weiß ich nicht, ob dies zu Zeiten, als Palast und Kloster noch genutzt worden sind, genauso ausgesehen hatte. Ich habe auch keine Ahnung, ob die Einrichtungs­gegenstände eventuell aus anderen historischen Gebäuden hierhergebracht worden sind. Auf jeden Fall sieht alles sehr stilecht aus.

Somit ist die Besichtigung des Palácio Nacional de Mafra für alle Leute, die auf alte Schlösser stehen, sehr zu empfehlen. Und das kann man auch wunderbar bei Regenwetter machen!

Aber eigentlich wollte ich ja ganz woanders hin und habe den Palast nur quasi so en-passant besichtigt.

Aldeia típica de José Franco

Wegweiser zur Aldeia tipica de José Franco

Foto von mir

Den Tipp dazu erhielt ich von Uwe und Susanne Ahrens. Und anscheinend ist dieses kleine Dörfchen selbst in Lissabon nicht besonders bekannt. Umso dankbarer bin ich für diesen Tipp!

Im Grunde besucht man einen Keramikladen.

Wenn man von Mafra aus nach Ericeira ans Meer fährt, kommt man auch durch Sobreiro. Und dort an der Straße steht dieser Wegweiser. Übersehen kann man das eigentlich nicht.


Schlechtes Wetter auf dem parkplatz der Aldeia típica de José Franco

Foto von mir

Der Parkplatz war gut ausgebaut und ließ erahnen, dass bei besserem Wetter wohl mit sehr vielen Besuchern zu rechnen war. Heute standen nur wenige Autos auf dem Parkplatz, aber immerhin. Mein Blick aus dem Autofenster ließ mich wieder zaudern. Sollte ich wirklich rausgehen und im Regen kleine portugiesische Häuser ansehen? Na, klar sollte ich! Aber lasst uns noch einen Moment inne halten und diesen Moment des Zauderns und der Frustration genießen, bevor wir energisch die Autotür öffnen und ins Dorf gehen.

Okay … los geht´s!

Überblick über das  Dorf Aldeia típica de José Franco

Foto von mir

Vorne seht ihr den Miniaturnachbau eines portugiesischen Dorfes (angeblich Ericeira), in der Mitte den Außenbereich einer echten Taberna und hinten rechts den Parkplatz, wo wir gerade das Auto abgestellt hatten.


Foto von dem Miniaturdorf in der  Aldeia típica de José Franco

Foto von mir

In diesem Miniatur-Dorf waren typische Häuser eines portugiesischen Dorfes dargestellt. Das Dorf war von verschiedenen Mini-Menschen bewohnt. Und typische Tätigkeiten wie Windmühlen waren durch Wasserkraft in Bewegung. Richtig niedlich!


 Aldeia típica de José Franco: Eingan zu Schuster und Friseur

Foto von mir

Es ging aber auch eine Nummer größer. Eine Reihe von kleinen … sagen wir mal … Kammern … war erbaut worden, die ebenfalls die typischen Gewerbebetriebe eines Dorfes aus der Region vor einigen Jahrzehnten darstellten. Hier seht ihr links den Eingang zum Schuster und rechts den Eingang zum Friseur und Zahnarzt in Personalunion. Man konnte diese Gebäude zwar nicht betreten, aber man konnte durch das Gitter hineinschauen.


Ein portugiesischer Schuster bei der Arbeit

Foto von mir

Hier seht ihr den Schuster, umgeben von all seinen Werkzeugen und Maschinen. Die Gerätschaften wurden allesamt aus der Region herbeigeschafft. Das erklärt auch das Gitter vor dem Eingang. Als ich das erste Mal in so einen dunklen Eingang geschaut habe, wurde mir doch etwas mulmig, als ich dort im Dunkeln diese schaurig schöne Gestalt erblickte. Erst wenn sich die Augen an das (nicht vorhandene) Licht gewöhnt hatten, wurde man ruhiger. 😉 Man sieht einfach viel zuviele Horrorfilme im Fernsehen!


Aldeia típica de José Franco: der Zahnarzt

Foto von mir

Gleich nebenan hatte der Zahnarzt seine Praxis. Und auch der Friseur ging dort seiner Arbeit nach. Wer Haare schneiden kann, der kann auch Zähne ziehen. „Und wenn man schon mal da war … „, dachte sich wohl der Herr auf dem Stuhl.


Aldeia típica de José Franco: Unterkünfte für Haustiere

Foto von mir

Selbst an die Haustiere wurde gedacht. Jedes Tier erhielt seine eigene Unterkunft. Oben die Tauben, unten das Schwein und unten rechts der Hofhund.


Aldeia típica de José Franco: ein voll eingerichtetes Klassenzimmer

Foto von mir

José Franco schreckte nicht davor zurück, ganze Räume, in voller Größe und komplett eingerichtet, aufzubauen. Dieses Klassenzimmer durften die Besucher betreten und sich in Ruhe alles anschauen. Ähnliche Klassenzimmer gab es auch früher in Deutschland. Ich habe sie glücklicherweise selber nicht live erleben müssen.

Die mit viel Liebe und viel Arbeit erbauten Räume und Gebäude stellten zusammen mit den vielen originalen Gerätschaften eine Art Bauernmuseum dar. Ich konnte herumschlendern und mir alles genau ansehen.


Foto von mir

Foto von mir

Wenn man seine Kinder dabei hatte und die irgendwann keine Lust mehr auf Museum hatten (soll ja vorkommen), so gab es auf dem Gelände auch einen guten Spielplatz. Mir ist schon klar, dass der bei Regen nicht so toll ist. Aber auf mich machte der Spielbereich einen guten Eindruck. Die Kinder konnten ja darüber hinaus auf dem ganzen Gelände herumlaufen. Und selbst von der kleinen Taberna aus hatte man sie im Blick.


Aldeia típica de José Franco: der Weinkeller für die Besucher

Foto von mir

Da ich gerade von der Taberna spreche … ja, es gab da so einen Raum, eher eine Adega, voll mit Krempel, der herumstand oder von der Decke hing. Das war alles sehr urig, wirkte allerdings auch ein bisschen wie ein Pferdestall. Im Raum standen Bänke und Tische und es gab zwei riesen Weinfässer. Ziemlich ursprünglich das Ganze, aber durchaus sympathisch. An einem normalen Sommertag war hier sicher die Hölle los. Im Augenblick war eher wenig Kundschaft da. Nebenan gab es noch die Möglichkeit, frisches Brot und Wurst zu kaufen und am besten auch gleich zu verzehren.

Aldeia típica de José Franco: der Außenbereich der Adega

Foto von mir

Schade! Wieder der Regen. Ich konnte mir gut vorstellen, hier nach einer Besichtigung des Museumdorfes bei schönem Wetter zu setzen und eine Bica oder einen Vinho Verde zu trinken. Aber ihr seht es selbst: heute hatte wirklich niemand das Verlangen, sich dort in den Regen zu setzen.


Na, schön, blieb noch die Olaria. Kein Portugalbesuch ohne ein Mitbringsel (für mich!) in Form von kleinen Schalen. Am liebsten mochte ich die einfachen Formen und Farben, also Terrakotta und Blau und Weiß. Es gab auch jede Menge quietschbunter Keramik in Portugal, aber das sprach mich nicht so an.

Olaria José Franco: bunte Keramiken

Foto von mir


Portugiesische Keramik-Läden oder -Werkstätten sind grundsätzlich immer einen Besuch wert. Natürlich wird man sich überlegen müssen, was man tatsächlich kauft und nach Deutschland mitnimmt. Immerhin bedeuteten diese Mitbringsel zusätzliches Gewicht. Viel schlimmer war aber die Vorstellung, dass die Keramik den Flug nicht heil überstehen könnte.

Olaria José Franco: noch mehr Keramik

Foto von mir

Der ganze Raum war voller Regale mit praktischen oder einfach nur dekorativen Keramik-Produkten. Ich habe in solchen Läden immer Angst, etwas herunterzureißen, so dass es zu Bruch geht. Also bewege ich mich immer ganz vorsichtig.


Olaria José Franco: kleine Olivenschale

Foto von mir

Ich entschied mich für zwei kleine Olivenschalen. Das sind Schalen mit zwei unterschiedlich großen Fächern, ein größeres für die Oliven und ein kleineres für die Kerne. Eine Schale war für mich selbst bestimmt, die andere für eine Freundin in Erding.


Dieses kleine Dörfchen war ein sehr pitoresker Ort. Einen Besuch bei schönem Wetter kann ich sehr empfehlen. Dann macht es sicher auch Spaß, bei Brot, Wurst und Wein an den Fliesentischen draußen zu sitzen und die Stimmung auf sich einwirken zu lassen, während möglicherweise unten die Kinder herumspielten. Bei Regen ist der Spaß sehr begrenzt.

Der Besuch kostet keinen Eintritt.

Boca do Inferno in Cascais

Nach dem Besuch der Aldeia tipica hatte ich noch genug Zeit, um auf dem Rückweg einen Abstecher über Cascais zu machen und mir dort die Boca do Inferno anzusehen.

Schon beim Besuch des Nationalpalasts in Mafra und der Aldeia tipica de José Franco wurde deutlich, dass ich bei dem Wetter nach dem Aussteigen aus dem Auto jedesmal in kürzester Zeit nass war. Vor allem die Jeans wurde permanent gewaschen. Ich hatte ja leider keinen Regenschirm dabei, sondern nur eine dünne Regenjacke. Die war okay, aber schützte natürlich nicht die Beine.

Jetzt konnte ich herumjammern oder das Wetter einfach ignorieren.

Im Auto trocknete die Hose dann von innen durch meine Körperwärme. Bei den Schuhen war das schon schwieriger.

Während meiner Autofahrt nach Cascais konnte ich auf den Straßen immer wieder richtige Bäche beobachten, die quer über die Fahrbahn schossen. Selbst auf der Autobahn stand das Wasser immer mal wieder in größeren Pfützen. Allerdings nicht so hoch wie auf der Landstraße. Dort waren die Pfützen manchmal wie kleine Seen. Es machte richtig Spaß hindurchzufahren … nur sehen konnte ich in dem Moment gar nichts mehr, weil das Wasser in Fontänen so hoch spritzte, dass es mit der Sicht schwierig wurde. Vor allem, wenn gerade vor einem ein anderes Auto durch so einen Minisee rauschte, kam man sich beinahe vor wie unter Wasser.

Bei dem Wetter waren nicht sehr viele Fahrzeuge unterwegs. Auch wenn es so klingt, als wären die Straßen katastrophal gewesen. So war das ganz und gar nicht der Fall, jedenfalls nicht hier in der Umgebung von Lissabon. Auch die Infrastruktur in Form von Ampeln, Schildern und Kreisverkehren war sehr gut ausgebaut. Mir persönlich sind darüber hinaus keine durchgeknallten Autofahrer begegnet. Alle sind vorsichtig gefahren. Da hatte ich früher an der Algarve schon ganz andere Fahrer erlebt.

In Cascais habe ich die Boca do Inferno mit Hilfe des Navis leicht gefunden. Diese imposante Naturerscheinung lag am westlichen (=links!) Rand von Cascais.

Boca do Inferno in Cascais bei Regen

Foto von mir

Kaum aus dem Auto gestiegen, waren meine Schuhe komplett durchnässt, weil genau vor der Fahrertür ein Fluss über den Parkplatz führte … jedenfalls jetzt bei Regen. Normalerweise war da kein Fluss. Natürlich ließ ich mich dadurch nicht abhalten, denn jetzt war es auch schon egal. Und vorne an der Klippe würde ich sicher noch nasser werden. Also habe ich mir meine Tasche gegriffen und bin rüber zur Felskante gegangen. Das waren nur wenige Meter, denn die Straße verlief direkt an der Küste.

Nun war ich wieder komplett nass, versuchte zwar noch mühsam, die Kapuze in die Stirn zu ziehen, aber das war so gut wie sinnlos wegen des starken Winds. Die Brille war ebenfalls total voller Wassertropfen, was die Sicht noch weiter verschlechterte. Aber immerhin war ich auf diese Weise alleine am Felsabgrund. Es parkten zwar viele Autos, aber Besucher konnte ich keine entdecken. Die hatten es sich vermutlich in den Bars und Restaurant gemütlich gemacht, die es hier natürlich ebenfalls gab.

Riesige Wasserfontänen an der Boca do Inferno in Cascais

Foto von mir

Ich war ziemlich guter Laune, denn ich war hier und trotzte der Witterung. Es war mir auch völlig egal, dass die Brandung in Gischt-Fontänen bis zu mir hoch schlug und mich noch weiter durchnässte. Nur mit schönen Postkartenfotos kann ich leider nicht dienen. Da müsst ihr mal Tante Google bemühen.

Das Atlantikwasser schoss immer wieder mit viel Getöse an den hohen Klippen nach oben. Durch den Wind war das ganze Meer in starker Bewegung. Die Klippen selbst waren durch das Wasser recht rutschig, und der interessanteste Teil der Klippenkante war durch ein hohes Gitter geschützt.

Ich habe zusätzlich ein kurzes Video gemacht, das ich euch nicht vorenthalten möchte. Erwartet aber nicht zuviel von der Qualität. Der infernalische Lärm ist keine Störung der Kamera, sondern der Wind.

Länger als etwa 10 Minuten hielt ich es nicht aus. Dann fuhr ich weiter nach Carcavelos, zurück ins Hotel. Ich wollte mich noch für unseren gemeinsamen Abend in Lissabon in Form bringen.

Der Abend in Carcavelos und in Cascais

Eingang der LX Factory in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Als ich im Hotel ankam, saßen in der Lobby vier meiner Mitreisenden und nachten einen niedergeschlagenen, wenn nicht sogar frustrierten Eindruck. Zur Erinnerung: der Rest der Gruppe hatte geplant, nach Lissabon zum Shoppen zu fahren. Sie wollten zu dieser alten Fabrik, auf derem ehemaligen Gelände ein angesagtes Gemisch aus Kultur, Kreativität und Shopping entstanden ist, die LX Factory in Alcântara, direkt unter der Brücke Ponte 25 de Abril (das ist diese nachgemachte Golden Gate Brücke).

Die vier Frauen berichteten, dass sie bereits auf dem Weg nach Lissabon dermaßen durchnässt gewesen waren, dass ihnen der Spaß am Shoppen gegen Mittag verloren gegangen ist. Sie sind deswegen wieder zurück ins Hotel gefahren. Das Problem bestand in der nicht ausreichend vorhandenen Menge an trockener Wäsche. Bei dem Wetter hier in Lissabon war einfach irgendwann alles nass. Aber selbst, wenn man noch trockene Kleidung hatte, so wollte man diese nicht unbedingt auch noch dem Risiko aussetzen, das nasse Schicksal der anderen Kleidungsstücke zu teilen.

Allerdings wollten wir uns alle um 18:00 Uhr in Lissabon treffen, um den Abend gemeinsam mit der Gruppe zu verbringen. Die halbe Gruppe saß gerade vor mir und hatte so gar keine Lust, wieder nach Lissabon reinzufahren.

Einige der Frauen versuchten, unsere Reiseleiterin telefonisch zu erreichen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Allerdings führte das nicht so richtig zu einem neuen Plan.

Kurze Zeit später stieß eine weitere Mitreisende zu uns, die den Tag genau wie ich auf eigene Faust gestaltet hatte. Sie informierte uns darüber, dass unser gemeinsames Treffen nun für einen späteren Zeitpunkt geplant war und sie auch auch jeden Fall hinfahren wollte. Ich wäre im übrigen um 18:00 Uhr in Lissabon gewesen. Mich hatte niemand über eine Terminänderung informiert.

Da die anderen Frauen weiterhin keine Lust auf ein nasses Lissabon verspürten, entschieden wir uns, mit dem Auto nach Cascais zum Abendessen zu fahren. Wir wollten versuchen, das möglichst trocken zu bewerkstelligen.

Foto von Cascais

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Um 19:15 Uhr habe ich mich mit drei der Frauen in der Hotel-Lobby getroffen. Wir sind zusammen nach Cascais zum Abendessen gefahren. Und man glaubt es kaum, aber das Wetter wurde immer besser. So langsam verzogen sich sogar die Wolken!

So ohne Regen machte es auch gleich wieder Spaß, durch die Straßen und Gassen zu schlendern.

Im Zentrum von Cascais gab es einen kleinen Platz (Largo Luís de Camões). Dort hatten sich gleich mehrere Bars und Restaurants angesiedelt. Im Grunde bestand der ganze Platz nur aus Gastronomie. Vor jedem Lokal stand jemand und sprach dich an, um dich davon zu überzeugen, dass genau sein Restaurant das ideale sei. Die Speisenkarten unterschieden sich dabei kaum voneinander. Nachdem wir uns für ein Restaurant entschieden hatten, wurden wir in das kleine Haus in das obere Stockwerk geführt. Es war alles recht eng, aber urig eingerichtet. Leider hatten wird das Pech, dass uns ein an der Decke angebrachtes Klimagerät direkt anblies. Nach höflichem Bitten wurde es auf eine viel niedrigere Stufe gestellt. Die Klimaanlage war aber heute auch wirklich nicht nötig. Ich hatte einen wunderbaren Spieß mit Tintenfisch und Garnelen für 16,50 Euro. Okay, das ist jetzt nicht mehr ganz billig, aber wir befanden uns ja immerhin im Herzen von Cascais.

Auf eine Entrada (=Vorspeise) vezichteten wir diesmal. Für mich gehörte das zwar zum portugiesischen Essen dazu, aber die Mädels wolten nicht, und dann schloss ich mich aus Solidarität an. Aber auf meine Bica nach dem Essen verzichtete ich nicht, auch wenn zwei der Mädels gar keinen Nachtisch wollten.

Icon mit einem schlafenden MenschenDanach fuhren wir entspannt zurück nach Carcavelos und gingen schlafen. Die Laune der Mädels hatte sich aufgrund des besseren Wetters deutlich aufgehellt.

Meine Gedanken drehten sich noch ein wenig um das Wetter. Mal sehen, wie das die nächsten beiden Tage laufen würde. Wandern in den Serra de Arrábida und Spazieregehen im Park der Quinta da Regaleira bei diesem Wetter? Fragezeichen … großes Fragezeichen.

Wie auch immer, ich würde meine Ziele auf jeden Fall weiter verfolgen: Quinta da Regaleira, Cabo da Roca und die Bar Moinho Dom Quixote kurz vor dem Kap. Egal, welches Wetter wir haben würden und egal, ob jemand mit mir mitfahren möchte oder nicht.


 zurück zum 3. Tag (Lissabon)


Alle Sunwave Artikel in meinem Blog.
Meine Portugal-Artikel.
Übersicht über Facebook-Gruppen, die sich mit Portugal beschäftigen.
Übersicht über deutschsprachige Portugal-Foren.


Weitere Informationen zur Boca do Inferno und zur Aldeia tipica

Englisch- und portugiesischsprachige Seite zum Nationalpalast in Mafra
Portugal Reisen: Mafra – Kloster Nationalpalast Wildpark
Fotos und Beschreibung des Aldeia tipica de José Franco (portugiesisch)
Boca do Inferno in der Wikipedia
Persönlicher Artikel von Claus Moser mit Hinterfundwissen

Website des Reiseanbieters Sunwave


Lissabon-Reise mit Sunwave – die Hauptstadt von Portugal

Hinweis:
Die Vorbereitungen zum Ausflugstag nach Lissabon findet ihr in meinem Artikel Lissabon, Hauptstadt von Portugal – Vorbereitung.

Heute stand unser Lissabon-Sightseeing auf dem Plan. Und genau heute hat mein iPad-Wecker nicht funktioniert, weil ich zu blöd war, den Wecker auf Wiederholung zu stellen. So war er zwar auf 8:00 Uhr eingestellt, aber nur für gestern. Das iPad hat mich also nicht geweckt.

Okay, 9:30 Uhr aufstehen, Treffen zum Abmarsch in der Lobby um 9:45 Uhr … Kein Ding! Duschen, Haare waschen war noch drin, aber das Frühstück fiel aus. Gemerkt hat das keiner und warten musste auch niemand auf mich.

Wir wollten heute alle mit der S-Bahn nach Lissabon fahren. Das war auch aus zwei Gründen eine gute Idee:

  1. Es gab eine sehr gute Zugverbindung von Carcavelos nach Lissabon
  2. Wie in allen Großstädten ist das Parken in Lissabon eine Herausforderung

Wir sind also zu Fuß zur S-Bahn Station gegangen. Der Himmel war bewölkt, aber immerhin regnete es nicht.

Die Ein- und Ausgänge der S-Bahn sind mit Vereinzelungsanlagen gesichert. Unsere Reiseleiterin musste die Sperre für jedes Gruppenmitglied einzeln mit dem Gruppenticket freigeben. Eine ziemlich umständliche Angelegenheit.

Foto des Eingangs zum Bahnhof Cais do SodréMit der Bahn ging es dann bis zur Endstation in Lissabon Cais do Sodré, die etwas am Rand der Stadt lag, allerdings Umsteigemöglichkeiten zur U-Bahn bot.


Foto mit Blick auf die Praça do Comércio in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Von hier aus ging es am Tejo entlang zur Praça do Comércio. Das ist der imposante Platz, der jeden Besucher vom Tejo aus mit seinen Gebäuden quasi umarmt und willkommen heißt. Vor dem großen Erdbeben von 1755, das die Stadt fast vollständig zerstörte, stand hier der Königspalast. Dieser Platz ist wirklich noch ein Platz und nicht nur ein „Plätzchen“, wie man sie heutzutage in vielen Städten findet. Obwohl es mich gerade in den Fingern juckt, ganz viel über Lissabon und dessen Geschichte zu schreiben, soll es in diesem Artikel um meine Lissabon-Reise gehen. Also … ich bremse mich und bleibe bei unseren persönlichen Erlebnissen.

Wer zum ersten Mal nach Lissabon kommt, sollte seine Stadterkundung genau hier beginnen!

Bevor wir die Stadt für uns eroberten, rief uns Helena alle am Rande des Platzes (beim Tejo) zusammen und gab uns einen Crash-Kurs über Lissabon. Es war durch den Stadtlärm etwas laut, aber Helena gab – wie üblich – ihr Bestes, um uns diese Stadt näher zu bringen.

Auf dem Foto seht ihr einen riesigen Triumphbogen, den Arco da Rua Augusta. Durch den gelangt man in die Rua Augusta, die schnurgerade zu den zwei weiteren wichtigen Plätzen, den Rossio und die Praça da Figueira führt. Die Rua Augusta ist die zentrale Einkaufsstraße von Lissabon und natürlich für den Autoverkehr gesperrt.

Aber wir hatten zunächst noch ein anderes Ziel …

Lissabon – die sexieste Toilette der Welt

Foto von einem großen gelben Waschbecken in der so genannten sexiest Toilette in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Gleich rechts in den Arkaden (östliche Seite) findet man sie!

Ich spürte kein besonderes Bedürfnis und wollte lieber draußen eine Bica trinken. Die anderen sind alle hineingegangen. Bevor ich meine Bica auch nur bestellt hatte, waren schon wieder alle draußen. War wohl nicht so aufregend. Auf dem Foto seht ihr ein großes gelbes Waschbecken, das gemeinsam von allen Gästen benutzt wurde. Mit den richtigen Leuten ergibt das bestimmt eine tolle Plantsch-Party!

An einer Wand waren viele unterschiedlich eingefärbte Toilettenpapierrollen der Firma Renova aufgehängt. Das sah hübsch aus, war aber nicht unbedingt sexy.

Eine Wand mit vieklen unterschiedlich gefärbten Klorollen

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Mehr gab es eigentlich nicht zu sehen. Wer gerade aufs Klo muss, kann da gerne reingehen. Aber erwartet nicht zuviel von dem Werbespruch The sexiest WC on earth.

Schnaps und Häppchen mitten auf der Straße

Eine Schachtel mit Pastéis de Bacalhau

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Wenn man so durch die Fußgängerzone von Lissabon schlenderte, ereilte einen auch schnell der kleine Hunger. „Servus, kleiner Hunger! Was willst du? Nee, nee, ich will jetzt kein Milchprodukt!“ Wie wäre es mit einer Tüte Pommes? Jetzt aber! Wir waren in Lissabon unterwegs, da musste schon etwas typisch Portugiesisches beschafft werden. Helena lief dann auch gleich los und kaufte eine Schachtel mit Fingerfood für den kleinen Hunger für alle: Pastéis de Bacalhau. Das sind kleine Bällchen aus einer Mischung aus Kartoffeln und Kabeljau, also quasi Fischbällchen. Mag nicht jeder, aber sind eigentlich ganz lecker, etwas trocken vielleicht, auf jeden Fall nicht süß.

Foto vom Eingang eines Ginjinha Geschäfts in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Nach der ganzen Völlerei brauchten wir jetzt dringend etwas zu trinken. Ein kleiner Ginjinha war jetzt gerade recht. Wird im Plastikbecher serviert, mit Kirsche oder ohne. Und wird sofort getrunken. Danach sieht Lissabon auch bei nicht so perfektem Wetter gleich viel fröhlicher aus. Dieser Likör wird aus Sauerkirschen hergestellt und schmeckt recht süß. Geschmacklich hat er ein bisschen Ähnlichkeit mit Portwein. Mir wurde leider untersagt, Fotos von den besoffenen Gruppenmitgliedern zu veröffentlichen. Man sagt dem Likör allerlei Heilkräfte gegen jede denkbare Krankheit nach. Vorsichtshalber gleich noch einen trinken!

Das Kulturzentrum Casa do Alentejo

Foto der Außenanicht der Casa do Alentejo in LissabonNoch hinter dem großen Platz „Rossio“ (also nördlich davon) befand sich das Kulturzentrum Casa do Alentejo. Von außen sah man gar nicht viel … ein bisschen Hausfassade. Aber drinnen entdeckte man einen Palast, eine Oase mitten in Lissabon.

Ging man die Treppe hinauf, wurde es schlagartig ruhig und sehr schummerig. Eine gewisse Andacht lag über allen Räumen. Das war etwas verwunderlich, war das Gebäude doch durchaus für lautstarke Veranstaltungen gut. Dafür gab es extra einen großen Festsaal mit Bühne. Außerdem beherbergte die Casa ein Restaurant in gediegenem Ambiente.

Foto des Innenhofs der Casa do Alentejo in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Anders als die Räume selbst war der überdachte Innenhof hell. Der kleine Platz war im maurischen Stil gestaltet, mit Bögengängen und Säulen. Der Boden war natürlich gefliest und in der Mitte stand ein kleiner Springbrunnen. Außerdem waren mehrere Palmen aufgestellt worden. Irgendwie fühlte man sich beim Betreten dieses Atriums fast schon wie in einer Kirche. Vom oberen Stockwerk aus konnte man durch kleine Balkone ins Atrium hinuntersehen.

Foto des Festsaals der Casa do Alentejo in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Salão Restaurante ou Luís XVI, so hieß der große Festsaal der Casa do Alentejo. Und so sah er auch aus … nämlich ziemlich barock mit seinen riesigen Kronleuchtern und den Verzierungen an Decken und Wänden. Bestimmt eine nette Location für die nächste Geburtstagsfeier. 😉


Wir blieben nicht zum Essen in der Casa do Alentejo. Dafür hatte Helena einen anderen Palast ausgesucht. Obwohl die Casa do Alentejo wahrscheinlich jeden Besucher beeindruckte, handelte es sich doch nicht unbedingt um einen Insider-Tipp. Das Zentrum ist sehr bekannt. Das Essen wird im Internet unterschiedlich bewertet. Dem Charme der Casa konnte man sich aber nur sehr schwer entziehen.

Café Brasileira und Palácio Chiado

Über den zentralen Rossio ging es anschließend hoch in den Chiado. Das kann man wohl mit einem Stadtviertel wie Schwabing in München vergleichen, ein altes Künstlerviertel mit vielen Boutiquen, Bars und Cafés.

Detailfoto vom Eingangsportal des Café A Brasiliera in Lissabon
Wir warfen einen Blick auf das berühmte Café A Brasileira, wo die Bica erfunden worden sein soll, damals noch als kostenloses Werbegeschenk zum Kauf von Kaffee.

Fernando Pessoas als Bronzestatue vor dem A Brasiliera in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Vom Kaffee-Shop entwickelte sich das A Brasiliera weiter zu einem Café, das viele Intellektuelle und Künstler anzog. Einer von Ihnen, der Schriftsteller Fernando Pessoas, hängt da jetzt immer noch rum und lässt sich von den vielen Touristen angrabschen. Das Café steht inzwischen unter Denkmalschutz. Meistens ist hier ziemlich viel los.Ihr müsst selber wissen, ob ihr ausgerechnet hier eure Bica trinken möchtet.

Innen im Café fühlt man sich fast wie auf Kuba.

Wir blieben nicht lange, sondern bogen gleich links ab, um unser Mittagessen ganz standesgemäß in einem alten Stadtpalast einzunehmen, nämlich im Palácio Chiado.
Früher war der Palast unter dem Namen Palácio de Quintela bekannt.
Das Banner des Palácio Chiado in LissabonGleich am EIngang erhielt jeder seine eigene Abrechnungskarte, so eine Art Haus-Kreditkarte, auf die alle Ausgaben gebucht wurden. Der Palast nahm einen mit seiner Architektur und seinen Dekorationen sofort gefangen. Was für eine Pracht! Genau wie bei der Casa do Alentejo sah man der Außenfassade überhaupt nicht an, was sich dahinter verbarg. Die Wände und Decken waren voller Fresken, es gab große Fenster mit Buntglas und von einer Decke schwebte ein großer goldener Greif (geflügelter Löwe) herunter.

Die Einrichtung selber war sehr modern und auf sehr klare Formen reduziert. Das Moderne passte gut zu der sehr herrschaftlichen Atmosphäre.

Womit wir allerdings alle etwas überfordert waren, war das Gastronomie-Konzept. Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, gab es mehrere Theken, an denen man jeweils sein Essen bestellte (vorzugsweise auf Portugiesisch, ersatzweise auch auf Englisch). Eine richtige Speisenkarte habe ich nicht in Erinnerung. Helena versuchte, allen aus der Gruppe beizustehen. Grundsätzlich wollten wir heute nur Kleinigkeiten zu uns nehmen.

Foto vom Restaurant-Bereich Delisbon im Palácio Chiado

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

So blieb ich dann an der Theke Patéo no Palácio hängen, wo es verschiedene Vorspeisen gab. Viele aus der Gruppe probierten grüne Suppen, aber wie eine Caldo Verde sah das nicht aus. Ich entschied mich für Camarão frito com malagueta e alecrim (Frittierte Garnelen mit Chili und Rosmarin). Die waren extrem lecker.

Nach der Bestellung und Buchung auf die Haus-Kreditkarte bekam jeder Gast ein Elektronik-Teil in die Hand gedrückt. Das würde sich akustisch und optisch melden, sobald das bestellte Gericht bereit zur Abholung wäre. Inzwischen wusste ich, dass für uns der separate, für spezielle Reservierungen vorgesehene Raum Sala Quintela im oberen Stockwerk bereitgestellt wurde.

Foto vom Treppenaufgang im Palácio Chiado
Ich ging also über die breite Treppe nach oben, als – wie zu erwarten war – mein Elektronik-Dingsda Lärm machte und mich unmissverständlich aufforderte, meinen Popo wieder nach unten zu bewegen, um mein Essen abzuholen. Also die Treppen wieder runter. 😉 Weil ich mir dabei wohl zuviel Zeit gelassen habe, kam mir einer der Köche schon halb entgegen.

Oben saßen wir alle zusammen an einem großen ovalen Tisch, bestellten noch etwas zu trinken und aßen unsere Mahlzeiten. Ich bin mir nicht so sicher, ob jeder mit dem Bestellten zufrieden war. Aber natürlich waren alle höflich und niemand beschwerte sich.

Nach dem Essen wurde kurz vor dem Ausgang alles abgerechnet und die Karte zurückgegeben. Alles in allem ein ziemlich hipper Laden. Solltet ihr euch mal anschauen!

Die Straßenbahn Linie 28

Foto von der Straßenbahn Linie 28 in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet und vergoldet

Ich habe mir diese klapprige Art, durch Lissabon zu fahren, bisher noch nie angetan. Aber heute war ich fällig!

Übrigens: es gibt natürlich auch moderne Straßen- und sogar U-Bahnen in Lissabon. Es ZWINGT euch niemand, mit der 28 zu fahren! Aber irgendwie tut das dann doch jeder! 🙂

Jedenfalls sind die Wagen aus den 30er Jahren (ja, im Original!) und innen ist alles aus Holz. Es handelt sich um eine ganz reguläre Straßenbahn-Linie, aber natürlich fahren besonders gerne Touristen damit. Entsprechend ist sie üblicherweise überfüllt. Sie rumpelt und scheppert durch enge und engste Gassen, macht viel Lärm und schüttelt einen ordentlich durch. Aber sie funktioniert … immer noch. Ein Wunder! Und sie bewältigt enge Gassen und scharfe Kurven, die eine neue Straßenbahn nicht schaffen würde.

Ein kleines Abenteuer ist es jedoch in jedem Fall. Zur Normalität gehören auch Fahrtunterbrechungen durch parkende Autos und andere Behinderungen.

Ich glaube, wir haben 2,85 Euro für die Fahrt rauf in die Alfama bezahlt. Ausgestiegen sind wir dann bei der Kirche São Vicente de Fora (aber nur, wenn ich mich richtig erinnere 😉 ). Von da ging es dann zu Fuß durch die Alfama.

Kurzer Fußmarsch durch die Alfama

Foto von einem Hauseingang in der Alfama, Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

So allmählich ging uns die Zeit aus, denn wir wollten ja auch noch nach Belém raus fahren.

Die Alfama befindet sich rechts (also östlich) vom Stadtzentrum auf einem Hügel und reicht runter bis zum (Fluß) Tejo. Was ist so interessant an der Alfama? Naja, hier liegt der eigentliche Stadtkern von Lissabon. Von hier aus hat sich die Stadt nach Westen ausgebreitet. Und mit der Ausbreitung sind viele der wohlhabeneren Einwohner ebenfalls aus der Alfama verschwunden, so dass hier heutzutage eher nicht so reiche Leute wohnten.

Außerdem gibt es in der Alfama jede Menge Sehenswürdigkeiten, über die ich hier in meinem Artikel aber nicht schreiben werde (das wird einfach zu viel).

Dieser Stadtteil ist weiter bekannt für seine vielen kleinen Lokale, Bars und Restaurants. Wer den Fado (spezieller portugiesischer Gesang mit Gitarrenbegleitung) mal im Orginal hören möchte, der ist hier richtig. Dann aber bitte nicht vor 22:00 Uhr.

Da dieser Stadtteil schon sehr alt ist, sind die Straßen nicht für moderne SUVs (so nennt man in München die typischen Stadtfahrzeuge) oder ähnliches ausgelegt. Vielmehr gibt es hier vor allem kleine verwinkelte Gassen und steile Treppen. Man kann natürlich auch einige Straßen mit dem Auto befahren, aber falls ihr hier im Urlaub sein solltet, dann geht lieber zu Fuß!

Blick über die Alfama

Foto von mir, 2002



Wenn ihr bei 34 Grad (im Sommer) zu Fuß durch die Alfama kraxelt, werdet ihr euch über die vielen Aussichtspunkte freuen, wo ihr Pause machen könnt. Von dort hat man tolle Ausblicke über die Stadt.

Reisegruppe spaziert durch die Alfama in Lissabon

Foto von Angela, roter Pfeil von mir

Wir hatten allerdings ganz andere Temperaturen, so dass zumindest die Hitze nicht als Ausrede für meine Kurzatmigkeit herhalten konnte. An sich war es heute das perfekte Wetter, um durch die Alfama spazieren zu gehen. Während wir diese spezielle Atmosphäre in uns hinein sogen, gab uns Helena zwischendurch immer mal wieder ein paar Infos zur Alfama und zu einzelnen Gebäuden.

Irgendwann waren wir dann wieder im Stadtzentrum. Dort nahmen wir die Straßenbahnlinie 15 nach Belém. An der Haltestelle war ein ganz schönes Gedränge. Eine Bahn ließen wir ohne uns weiterfahren, sie war zu voll. Während wir so vor uns hinwarteten, war Helena damit beschäftigt, sowohl Portugiesen als Touristen zu helfen. Was aber genau gefragt wurde, habe ich nicht mitbekommen. Jedenfalls war Helena die ganze Zeit schwer beschäftigt.

Auch unsere 15er war so eine alte Straßenbahn. Mit der ratterten wir also Richtung Westen.

Pastéis de Nata in Belém

Eigentlich bekommt man diese kleinen Blätterteigtörtchen, die mit einer Creme aus Eigelb, Zucker und Sahne gefüllt sind, in jedem Café und in jeder Konditorei hier in der Gegend von Lissabon. Und auch in Deutschland hat man sie schon gesehen.

Foto des Banners Pastéis de Belém

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet


Und was ist nun der Unterschied zwischen Pastéis de Nata und Pastéis de Belém?

Na, ganz einfach. Das Rezept stammt ursprünglich von den Mönchen aus dem benachbarten Hieronymiten-Kloster. Als das Kloster vor rund 200 Jahren geschlossen wurde, verkauften die Mönche das Rezept an eine Zuckerfabrik. Und die machten daraus die bekannte Marke Pastéis de Belém. Das geschickte Marketing spricht von einem Geheimrezept und so hält sich die Meinung, dass die Törtchen aus dieser Konditorei die echtesten und schmackhaftesten seien.

Warteschlange for der Casa Pastéis de Belém

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Entsprechend darf man sich dann auch auf eine lange Warteschlange einstellen.

Wir haben uns glücklicherweise eine Einheimische mitgenommen. Helena sorgte dann kraft ihres Amtes als Reiseleiterin dafür, dass wir uns nicht anstellen mussten. Sie ging einfach schnurstracks ins Café und ließ sich ausreichend Törtchen in einer Schachtel aushändigen, mit der wir in ein benachbartes Café gingen.

Ein einzelnes Pastel de Belém plus Zimt und Zucker

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

So sah das dann vor mir auf dem Tisch aus.

Zugegeben, macht nicht so viel her auf dem Foto. Zum Törtchen wird je ein kleines Tütchen Zucker und Zimt gereicht. Das Gebäck sieht zwar etwas verbrannt aus, aber das gehört so. Man nennt das karamelisieren.

Hier noch mal ein Foto, auf dem ihr das berühmte Pastel de Nata besser erkennen könnt.
Foto vonn einem einzelnen Pastel de Nata
Lustig, beim Bearbeiten des Fotos steigt mir gerade der Geruch von der kleinen Leckerei in die Nase.

Apropos lecker. Wie schmeckt das denn nun? Eigentlich ganz gut. Ob ich es jetzt unbedingt „göttlich“ nennen würde wie andere, naja. Auf jeden Fall schmeckt es weniger süß als ich es erwartet hätte. Solltet ihr mal probieren. Ihr müsst dazu aber nicht unbedingt in die Casa Pastéis de Belém gehen.

Kurzer Abstecher zum Mosteiro dos Jerónimos

Totalansicht der Kloster-Fassade

Bildquelle: Wikipedia


Gleich nebenan erwartete uns schon das Hieronymiten-Kloster. Dieses Weltkulturerbe beeindruckt schon allein durch seine Größe.

Ein Sarkophag in der Basilika des Heronymitenklosters in Belém

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

In der Kirche liegen eine ganze Reihe von portugiesischen Königen und anderen wichtigen Persönlichkeiten begraben. Das Mosteiro dos Jerónimos gilt als das bedeutendste erhaltende Bauwerk manuelinischen Stils. Dabei handelte es sich im Kern um den gotischen Stil, der um zahlreiche maritime Elemente wie Seile, Anker usw. angereichert wurde.

Wir waren nur kurz und auf eigene Faust in der Basilika. Natürlich gab es auch Führungen, auf denen man jede Menge Informationen erhielt. Aber wie gesagt, das gehörte nicht zum Programm, wäre aber in diesem Fall sicher sinnvoll gewesen.

Nachdem wir uns vor dem kloster wieder als Gruppe zusammengefunden hatten (bis auf eine Teilnehmerin, die wir erst später wieder einsammelten 😉 – Smartphone sei Dank! ), überquerten wir die Hauptstraße und gingen durch die große Parkanlage gegenüber des Klosters zum Seefahrer-Denkmal.

Das Padrão dos Descobrimentos in Belém

Sehr eindrucksvoll ist das Padrão dos Descobrimentos, also das Denkmal der Entdeckungen, das auch als Seefahrer-Denkmal bekannt ist.

Linke Seite des Entdecker-Denkmals in Belém

Foto von mir, 2016

Bei diesem Denkmal handelt es sich ausnahmsweise mal nicht um etwas Altes. Vielmehr wurde es 1960 aus Beton gebaut. Auf dem Foto könnt ihr nur einen kleinen Ausschnitt sehen. Das Denkmal hat eine Höhe von 52 Metern, es ist also schon ziemlich beeindruckend. Insgesamt tummeln sich auf dem Denkmal 33 wichtige Persönlichkeiten (nicht ausschließlich Seefahrer) der glorreichen portugiesischen Zeit der Entdeckungen.

Tritt man ein paar Schritte zurück, kann man das Monument komplett überblicken.

Padrão dos Descobrimentos - die linke Seite komplett

Foto von Angela, von mir nacbearbeitet

Leider war das Wetter nicht so toll, so dass auch die Fotos alle ein bisschen grau aussehen.

Hier am Fluss war es übrigens ziemlich windig.

Wer mag, kann gegen Bezahlung mit einem Lift innen nach oben zu einer Aussichtsplattform hochfahren. Soll gut sein. Ich habe es nicht ausprobiert.

Der Torre de Belém

Etwas weiter westlich konnte man ihn schon sehen, den Wachturm Torre de Belém. Früher stand er mitten im Tejo, heute konnte man bequem zu Fuß hingehen.

Torre de Belem in der Ferne, davor unsere Gruppe

Foto von mir, 2016

Dachten wir …

… aber wenn man dem Tejo folgt, so kommt man plötzlich nicht mehr weiter, weil sich vor einem so eine Art Hafeneinfahrt auftat. Also umdrehen und wieder zurück und dann im großen Bogen erst mal hoch zur Hauptstraße, um diesen Minihafen rum und dann wieder runter zum Tejo.

Und da war er schließlich!

Modell des Torre de Belém

Foto von mir

Niedlich, nicht wahr? 🙂

Ich habe noch ein Foto:

Der kleine Torre de Belém noch mal als Modell

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Und vor diesem Giganten hatten früher die Schiffe, die vom Atlantik nach Lissabon wollten, Angst? Kaum vorstellbar!

Ich mach nur Spaß!

Der Wachturm, übrigens wieder mal ein Weltkulturerbe, war 35 Meter hoch, also schon etwas höher als auf dem Foto zu sehen ist. Es handelt sich nur um ein Modell.

Ursprünglich als Wachturm gedacht, hat er zwischendurch auch mal als Gefängnis und als Waffenlager gedient.

Der Torre de Belém in Lebensgröße

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Jetzt macht er schon mehr her, oder?

Früher gab es auf der anderen Tejo-Seite noch einen zweiten Wachturm, der aber dem Erdbeben von 1755 zum Opfer fiel. Mit diesen beiden Türmen war die Flußmündung des Tejo bestens geschützt.

Detailaufnahme eines Türmchens am Torre de Belém

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Sah man genau hin, konnte man wieder manuelinische Stilelemente erkennen, wie hier zum Beispiel die angedeuteten horizontalen Seile.

Unser Tag in Lissabon neigte sich nun langsam dem Ende zu. Allmählich machte sich auch der Hunger bemerkbar.

Abendessen im Restaurant Bem Belém

Unser Restaurant befand sich in der Nähe der Casa Pastéis de Belém, also dort, wo wir die Pudding-Törtchen gekauft haben.

Tierkreis Mosaiken auf der Praça do ImpérioEs war also schon ein Stückchen zu gehen. Wir kamen auch wieder zum Park Jardim Praça do Império, wo auf dem Boden die Tierkreiszeichen als Mosaik gestaltet waren. Dies lud die Gruppen-Teilnehmer ein, sich je nach Sternzeichen auf die Mosaiken zu stellen und lauthals ihr Sternzeichen hinauszubrüllen. Auf dem Steinbock-Bild standen Helena, eine andere Teilnehmerin und ich. Wir brüllten am lautesten! Wie die kleinen Kinder … 🙂


Foto von zwei Flohmarkt-Ständen auf dem Jardim de Belém

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Rechts (östlich) des Park schloss sich gleich der nächste Park an, nämlich der Jardim de Belém (an anderer Stelle heißt der auch Jardim Vasco da Gama. Was richtig ist, weiß ich nicht.). Im Übergangsbereich wurde gerade ein Flohmarkt veranstaltet oder eher ein Kulturmarkt, so wie wir ihn in größerem Maßstab als Tollwood in München oder Sinnflut in Erding kennen. Die Gruppe löste sich auf und schlenderte unabhängig voneinander über diesen Markt.

Irgendwann fanden sich dann die ersten auch hinter dem McDonalds ein. McDonalds? Na, klar, da wusste man wenigstens, was man auf den Teller bzw. in die Hand bekam.

Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass ich in Portugal in einen McDonalds gehen würde? Niemals!

Hier, zwischen dem Park und der Hauptstraße, hatten sich mehrere Gastronomie-Betriebe angesiedelt. Kein Wunder, liefen hier doch regelmäßig viele Touristen herum. Hinter den Gebäuden, also in Richtung Park hinaus, hatten alle Restaurants ihre Außenbereiche. Hinter dem McDonalds befand sich ebenfalls ein Restaurant mit so einem kleinen Biergarten. Dort machten wir zunächst Halt, um etwas zu trinken. In „unserem“ Restaurant hatten wir einen Tisch reserviert, aber dafür war es noch zu früh. Fragt mich aber bitte nicht, warum wir uns nicht dort draußen hingesetzt haben. Es waren nur ca. 5 Meter weiter. Was soll´s? Zum Diskutieren war ich viel zu entspannt. Also hinsetzen und den Abend genießen.

Neben einem Bier bestellte ich mir ein paar Oliven. Der Kellner sorgte dann gleich für Erheiterung bei meinen Mitreisenden. Er servierte mir nänlich genau je EINE grüne und eine schwarze Olive.

Jaaaaaaa … okay … müsste ich halt mehrmals nachbestellen.

Nachdem das allgemeine Gelächter wieder abgeklungen war, reichte er mir dann doch noch eine Schale mit ausreichend Oliven. 🙂

„Ausreichend“ stimmte nur bedingt. Ich ließ die Oliven rumgehen, damit die anderen auch mal diese köstlichen Oliven probieren konnten. Aber Oliven sind nicht jedermans Sache. Es blieben noch genug für mich übrig.

Leider habe ich keine Fotos von unserem netten Beisammensein.

Um 21:00 Uhr sind wir dann ins Bem Belém weitergezogen. Wie gesagt … 5 Meter oder so. Dort wurden wir schon von dem freundlichen Personal erwartet.

Foto der Reisegruppe im Bem Belém

Foto mit Angelas Kamera, von mir nachbearbeitet

Eine kurze Bemerkung zu dem Foto: Ich hatte euch versprochen, von euch keine Fotos ins Internet zu stellen. Sorry, dieses Foto ist so schön fröhlich! Wenn wirklich jemand von euch damit Probleme hat, dann sagt mir bitte Bescheid. Ich entferne es wieder!

Dieses Restaurant war klasse! Tolles Personal, tolle Atmosphäre, tolle Gruppe, tolles portugiesisches Essen! Genau so will ich es haben.

Der Gastraum war relativ klein. Wenn ihr also drinnen sitzen wollt, dann solltet ihr unbedingt vorher reservieren. Wir waren diesmal wegen der schlechten Witterung darauf angewiesen. Ansonsten kann man natürlich auch wunderbar draußen sitzen, wo viel mehr Platz ist. Einige tolle Eindrücke bekommt ihr auf der Facebook Seite des Bem Belém.

Was hatte ich eigentlich gegessen? Achja, Borreguinho, sehr leckeres Lamm. Dazu natürlich Vinho Verde.

Als Entrada (=Vorspeise) gab es die typische Sardinen- und Thunfischpaste. Außerdem noch Bolinhos de Bacalhau und Krabbenpaste an einer Krabbenzange als Stiel (wie heißt das auf Portugiesisch?).

Wie immer haben wir die Gesamtrechnung durch alle Gruppenteilnehmer geteilt und kamen dabei auf 20 Euro für jeden.

Rückfahrt ins Hotel mit der S-Bahn

Irgendwann war auch dieses Abendessen zu Ende und wir fuhren mit der S-Bahn ins Hotel.

Dort sprachen sich einige Teilnehmer noch für eine große Sause an der Bar aus. Am Ende (23:30 Uhr) blieben nur Angela und ich übrig. Alle anderen hatten sich inzwischen in ihre Betten verzogen. Weicheier … allesamt!


 weiter zum 4. Tag (Mafra, Sobreiro, Cascais)
 zurück zum 2. Tag (Mafra, Ericeira, Cascais)


Alle Sunwave Artikel in meinem Blog.
Meine Portugal-Artikel.
Übersicht über Facebook-Gruppen, die sich mit Portugal beschäftigen.
Übersicht über deutschsprachige Portugal-Foren.


Weitere Informationen zu Lissabon und Belém

Lissabon in der Wikipedia
Belém in der Wikipedia
Individuelle Tipps und Infos zu Lissabon von Andrea Schmekel
Sehr informative und persönliche Artikel über Lisssabon von Markus Horn
BBC Artikel „Why this is Europe’s best work-and-play capital“ vom 20. April 2016.
Ein Besuch im „The Sexiest WC on Earth“ in Lissabon
Spiegel Artikel zur Straßenbahn Linie 28
Website des Reiseanbieters Sunwave