Buch-Vorstellung: Psychologisches Konfliktmanagement

Hinweis:
Bei diesem Artikel handelt es sich um einen gesponserten Artikel.
Das vorliegende Buch wurde mir freundlicherweise vom Autor Werner Schienle überlassen. Mir wurden keinerlei Vorgaben zum Inhalt meiner Besprechung gemacht. Dennoch kann ich nicht vollständig ausschließen, dass ich durch das Sponsoring beeinflusst wurde.

Konfliktmanagement? Was habe ich mit Konfliktmanagement zu tun?

Naja, so ungewöhnlich ist das nicht. Als Projektmanager beschäftigt man sich zwangsläufig auch mit Konfliktmanagement. So definiert das bekannte Online Projektmagazin:

Konflikte sind Alltag in der Durchführung von Projekten. Der Projektleitung obliegt es, durch vorausschauendes Handeln Konflikte zu vermeiden, und bestehende Konflikte so zu lösen, dass Krisen vermieden und das Projektziel nicht gefährdet wird.

(Quelle: https://www.projektmagazin.de/glossarterm/konfliktmanagement)

Nicht nur in Projekten, sondern auch im ganz normalen beruflichen oder privaten Leben haben wir es alle immer wieder mit Konflikten zu tun. Somit ist das Thema Konfliktmanagement eins, das jeden von uns betrifft.

Das mir vorliegende Buch Psychologisches Konfliktmanagement aus der essentials-Reihe des Springer Verlags erreichte mich auf direktem Wege. Einer der beiden Autoren, nämlich Werner Schienle, ist ein alter Weggefährte aus längst vergangenen CompuServe-Zeiten. Er bat mich um meine Meinung zu seinem vor kurzem veröffentlichten Buch. Es ist mir eine Freude und Ehre, das Buch zu lesen und euch einen Überblick darüber zu geben.

Von Werner gab es schon früher in meinem Blog Input für Artikel:

Was sind Essentials?

Die Buchreihe essentials des Springer Verlags hat folgende Zielsetzung:

essentials liefern aktuelles Wissen in konzentrierter Form. Die Essenz dessen, worauf es als „State-of-the-Art“ in der gegenwärtigen Fachdiskussion oder in der Praxis ankommt. essentials informieren schnell, unkompliziert und verständlich

  • als Einführung in ein aktuelles Thema aus Ihrem Fachgebiet
  • als Einstieg in ein für Sie noch unbekanntes Themenfeld
  • als Einblick, um zum Thema mitreden zu können

Mit dem kleinen Büchlein erwartet den Leser also eine knappe Einführung in das Thema, aber keine komplexe Doktorarbeit.

Überblick über das Buch

Das professionelle Handwerkzeug für Fach- und Führungskräfte für den Bereich Psychologisches Konfliktmanagement wird in Form eines broschierten Taschenbuchs im DIN A5 Format mit insgesamt 56 Seiten herausgegeben. Als Zielgruppe werden Fach- und Führungskräfte aller Branchen und Hierarchiestufen, Manager und Entscheidungsträger, sowie Studierende und Dozierende der Psychologie und der Betriebswirtschaftslehre genannt.

Das Buch ist in die folgenden fünf Kapitel unterteilt:

  1. Einleitung
  2. Konfliktmanagement: Machen Sie sich Ihr Leben leichter
  3. „Typisch Mensch“ – Konfliktfallen
  4. Handwerkzeuge für die Praxis
  5. Der Lohn der Mühe

Kapitel 1 (Einleitung) und Kapitel 5 (Lohn der Mühe) bilden hierbei nur den Rahmen für den eigentlichen Buchinhalt. Den größten Raum nimmt das Kapitel 4 (Handwerkzeuge für die Praxis) ein. Da Werner Schienle ganz konkrete Seminare für das Konfliktmanagement anbietet, ist die Fokussierung auf echte Handlungsempfehlungen nur logisch.

Was steht im Kapitel 2?
„Konfliktmanagement: Machen Sie sich Ihr Leben leichter“

In diesem Kapitel werden in knapper Form zunächst die drei „Gewinnfelder“ dargestellt:

  • Bestehende Konflikte bewältigen
  • Notwendige Konflikte anpacken
  • Überflüssigen Konflikten vorbeugen

Danach werden die drei „Erfolgs-Säulen“ skizziert:

  • Wichtige Denk- und Wahrnehmungsprozesse kennen
  • Innere Einstellung/Haltung reflektieren und ggf. „justieren“
  • Konkretes Handwerkzeug beherrschen

Im dritten Unterkapitel geht es um Dimensionen und Auswirkungen von Konflikten im betrieblichen Umfeld.

Was steht im Kapitel 3?
„Typisch Mensch – Konfliktfallen“

An Hand von Beispielen stellen die Autoren in diesem Kapitel dar, wie es zu Konflikten kommt und wie Konflikte eskalieren können. Ergänzt werden die Ausführungen durch erste konkrete Hinweise, wie mit Konflikten umgegangen werden kann.

Was steht im Kapitel 4?
„Handwerkzeuge für die Praxis“

Nachdem die Entstehung von Konflikten beschrieben wurde, geht es in diesem Kapitel um praktische Tipps, wie man Konflikten vorbeugen kann oder wie man mit ihnen umgeht, wenn es bereits zu Konflikten gekommen ist. Dieses Kapitel beansprucht den meisten Platz des kleinen Büchleins.

Meine Meinung

Nach dem Lesen des Büchleins bin ich etwas zwiespältig. Auf der einen Seite habe ich ein Buch über Konfliktmanagement gelesen, das in der herausgegebenen Form das Thema nur anreißen möchte. Dies wird sehr gut erreicht. Der Text lässt sich leicht lesen und verstehen. Die Beispiele kommen aus der Praxis. Die Autoren sind Fachleute auf ihren Gebieten.

Auf der anderen Seite erfüllt das Buch nicht alle meine Wünsche nach Inhalt. Mir fehlt eine noch stärkere Einbindung in den großen Rahmen der Kommunikation. Erst die Betrachtung, wie Kommunikation funktioniert, und was dabei alles schief gehen kann, ja, schief gehen muss, ermöglicht das Verständnis, wie es zu Konflikten kommt. Begriffe wie Eisberg-Modell, Johari-Fenster und Transaktionsanalyse werden nicht besprochen, das 4-Ohren-Modell nur angerissen und die selektive Wahrnehmung nur sehr abstrakt beschrieben.

Diese Themen kommen zu kurz, müssen wahrscheinlich zu kurz kommen, weil man sich als Autor bei vorgegebenen ca. 40 Seiten Inhalt stark einschränken muss, was die Auswahl der Themen und die Tiefe der Darstellung betrifft.

Mir fehlt darüber hinaus ein zusätzliches Kapitel mit praktischen Übungen, so dass ich als Leser die neuen Kenntnisse gleich einmal ausprobieren kann. An bewährten Übungen wird es auf Grund der jahrelangen Erfahrung von Werner Schienle als Trainer und Coach nicht mangeln.

Von daher: Ja, ein gutes, leicht zu lesendes und zu verstehendes Büchlein zum Thema Konfliktmanagement.

Aber vielleicht nur ein erster Schritt, dem eine vertiefte und breitere Ausarbeitung folgen könnte, wenn ich einen Wunsch äußern darf. Das wäre dann vermutlich kein Buch in der Essentials-Reihe.

Obwohl sich das Buch an Fach- und Führungskräfte richtet, kann ich es auch für den privaten Bereich empfehlen.



Weitere Buch-Empfehlungen.



Lissabon-Reise mit Sunwave – Serra da Arrábida

Hinweis:
Die Vorbereitungen zur gemeinsamen Ausflugstour in die Serra da Arrábida findet ihr in meinem Artikel Serra de Arrábida in Portugal – Vorbereitung.


Für heute war der Wandertag in der Serra da Arrábida geplant. Das stellte unsere Reiseleiterin vor größere Herausforderungen, weil das Wetter ja nach wie vor nicht optimal war. Die Temperatur war dabei gar nicht das Problem, denn die empfand ich eher als angenehm für Ausflüge. Aber die doch immer wieder auftretenden Regenschauer waren nicht sehr erwünscht.

Ponte 25 de Abril und Statue Cristo Rei

Foto von der Brücke Ponte 25 de Abril in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet


Wir fuhren also nach dem Frühstück im Konvoi über die rote Ponte 25 de Abril in luftiger Höhe (70 Meter) über den Tejo. Wer wollte, hatte einen schönen Blick auf die Umgebung. Ich selber schaute aber als Fahrer mehr auf die Straße. Die Brücke bestand aus einer sechs-spurigen Autobahn, unter die ein Eisenbahndeck mit zwei Schienensträngen gehängt war.

Aus Lissabon kam man als Autofahrer ohne weitere Kosten nach draußen. Wer aber in die Stadt hinein wollte, musste eine Maut bezahlen.

Oft wird die Hängebrücke mit der Golden Gate Bridge in San Fancisco verglichen. Beide unterscheiden sich optisch vor allem durch die verschiedenartige Verstrebung innerhalb der beiden großen Pylonen. Bei der Ponte 25 de Abril sind diese filigraner ausgeführt.

Auf der anderen Seite des Tejo ist man nicht mehr in Lissabon, sondern in Almada. Trotzdem gehört die dort auf einem Hügel stehende Statue Cristo Rei zu den Wahrzeichen von Lissabon. Auch diese Statue wurde einem Vorbild nachempfunden, nämlich der Christus-Statue in Rio de Janeiro.

Foto von der kompletten Cristo Rei Statue in Almada, Lissabon, Portugal

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Wir sind durch die halbe Stadt Almada gefahren, um zu der Statue zu gelangen. Im Nachhinein und mit der Hilfe von Google Maps scheint mir auch ein deutlich kürzerer Weg möglich gewesen zu sein. Entweder kannte Helena den Weg selbst nicht so genau oder sie wollte uns einfach ein wenig von der Stadt zeigen. Ich bin natürlich fest davon überzeugt, dass sie uns etwas von einer typischen portugiesischen Kleinstadt zeigen wollte. Und eilig hatten wir es ohnehin nicht.



Foto des Inneren der Kirche im Sockel der Cristo Rei Statue in Lamada, Lissabon

Foto von mir

Die eigentliche Statue stand hoch oben in 80 Meter Höhe auf einem Sockel. Unten im Sockel befand sich eine Kirche. Wer wollte, konnte mit dem Aufzug hoch zur Statue fahren und die Aussicht genießen. Wer nicht wollte, also ich, konnte die Aussicht auch von unten genießen.



Zurückblicken von der Statue Cristo Rei nach Belém

Foto von mir

Das Wetter war recht diesig, nur ab und zu kam die Sonne durch und ließ am anderen Ufer des Tejo Lissabon erstrahlen. Dann leuchteten die weißen Gebäude sehr schön, so wie hier auf dem Foto das Entdecker-Denkmal in Belém, das wir gestern besucht hatten.

EIn paar Olivenbäume, davor wilder Mohn

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Rund um die Statue und die Kapelle herum gab es einen großen Platz, wo man spazieren gehen konnte. An den Platz schlossen sich einige Felder mit Olivenbäumen an. Ein paar Touristen wanderten herum und suchten geeignete Orte für ein Selfie oder ein Gruppenfoto. Heute war dieser Aussichtspunkt nicht überlaufen. An anderen Tagen mit besseren Wetter konnte das durchaus auch anders sein.

Während die anderen aus meiner Gruppe fast alle mit dem Aufzug nach oben zur Aussichtsplattform hochgefahren sind, um von dort den noch besseren Ausblick zu genießen, schlenderte ich herum und beobachtete die Leute. Hin und wieder machte ich ein Foto, manchmal schaute ich versonnen hinüber zur Perle Portugals, also nach Lissabon. Es regnete nicht mehr, aber es war hier auf dem Hügel recht windig.

Ein paar Meter von der Statue entfernt, gab es ein kleines Café, wo wir uns alle wieder treffen wollten. Helena war schon da und organisierte anscheinend per Smartphone entweder den weiteren Verlauf des Tages mit uns oder erledigte andere Geschäfte. Nach und nach trafen trafen alle anderen ein. Einige tranken noch einen Kaffee oder etwas anderes, die meisten checkten Nachrichten auf ihren Smartphones. Meins war dazu nicht geeignet.

So ist das eben.

Nachdem alle eingetrudelt waren, ging es gemütlich weiter in Richtung Süden.

Portinho da Arrábida

Lageplan der Serra da Arrábida

Die Serra da Arrábida sind ein Höhenzug mit maximal 380 Metern Höhe. Diese Gegend ist besonders bei Wanderern beliebt.

Und auch wir wollten heute eigentlich wandern. Aber unsere Reiseleiterin hatte sich darüber informieren lassen, dass der Regen der letzten Tage das Gelände sehr matschig und rutschig gemacht hat. Für erfahrene Wanderer sicher kein Hindernis. Uns wollte sie das aber nicht antun. Wir haben wohl gestern zu viel über das Wetter geschimpft.

Schönes Foto aus der Vogelperspektive von Portinho da Arrábida bei Lissabon

(c) José Caeiros, 2016

Ich durfte mich über sehr schöne Landschaften freuen. Die Straße schlängelte sich in engen Kehren und – wie üblich – an den Seiten kaum befestigt von den Bergen hinunter zum Meer. Ich liebe solche Straßen!

Unsere Reiseleiterin fuhr direkt zu Portinho da Arrabida, also dieser kleinen Bucht am Meer

Kurz vor dem Ort war die Straße nur noch einspurig und wurde wechselseitig durch eine Ampelanlage geregelt. Vorsichtshalber ließ uns Helena bereits außerhalb des Ortes, noch vor der Ampel, parken. Sie erklärte uns, dass der kleine Parkplatz im Ort manchmal sehr überfüllt war und dass die Ampeln nicht unbedingt von jedem beachtet wurden. Unter Umständen konnte man dann eine längere Zeit im Ort verbringen, weil man einfach nicht mehr nach draußen kam. Unsere Autos parkten wir also draußen. Zu Fuß würden wir sie auf jeden Fall erreichen können.

Ortsschild von Portinho da Arrábida

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Portinho da Arrábida war so ein kleiner Ort, wo man wahrscheinlich zufällig eher nicht landete. Eine kleine malerische Bucht mit ein paar Ferienhäusern und etwas Gastronomie, im Rücken die steil ansteigenden Hänge der Serra da Arrábida.

Ein sehr schöner Ort zum Relaxen.


Ferienhäuser in Portinho da Arrábida

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Wenn ihr mobil in Lissabon unterwegs sein solltet, dann kann ich euch diese Bucht sehr empfehlen, aber nur dann, wenn ihr Entspannung „ertragen“ könnt.

Es war nichts los heute. Die Fensterläden der wenigen Ferienhäuser waren geschlossen. Am Strand war niemand und im Wasser schon gar nicht. Auch der Parkplatz war leer.

Das Restaurant O Farol in Portinho da Arrábida

Foto von mir

Unser Restaurant sah von außen ziemlich uninteressant aus. Es lag etwas erhöht und war gegen alle Widrigkeiten wie Wind und Regen gut geschützt. Uns wurde erzählt, dass dies gestern dennoch nicht ausgereicht hatte. Die Wellen hätten wohl bis zur Mauer gereicht und Gäste mussten das Haus durch die Fenster verlassen.

Wir hatten gerade Glück: das Wetter war recht warm und zur Abwechslung regnete es nicht.

Der eigentliche Strand von Portinho da Arrábida lag etwas weiter östlich. Er war von hier aus über einen schmalen Weg erreichbar. Von der anderen Seite gab es aber auch eine Straße, über die man fast direkt zum Strand fahren konnte. Der Strand machte einen guten Eindruck … so aus der Ferne.

typische portugiesische Entrade zum Essen

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Während wir uns (einige von uns ejdenfalls) über die Vorspeiese hermachten, wunderte ich mich, wo sich denn dieser namensgebende Leuchtturm (= Farol) befinden sollte. Ich hatte keinen gesehen. Helena fragte die Chefin, die daraufhin mit dem Finger nach draußen aufs Meer deutete. Ich konnte nichts sehen, aber es war auch diesig. Helena deutete ébenfallsnach draußen und fragte mich: „Kannst du ihn sehen?“. Nein. Na gut, mit etwas Vorstellungskraft sah ich dann in der Ferne irgendetwas Graues … aber war das ein Leuchtturm? Und was sollte der da draußen im Wasser? Vielleicht gab es tatsächlich einen Leuchtturm, aber ich glaube vielmehr, dass mich Helena auf den Arm genommen hat.

mehrere Robalo als Hauptmahlzeit in Portinho da Arrábida

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Als Hauptgericht gab es gegrillten Robalo (= Wolfsbarsch) für alle … außer für diejenigen, die Fisch verschmähten. Ich mag den Fisch, und wenn er so gut gegrillt ist wie heute, schmeckt er so richtig gut. Aber natürlich mag nicht jeder Fisch. Das ist auch okay und glücklicherweise hat die portugiesische Küche nicht nur Fisch zu bieten.

Zwischendurch regnete es immer wieder. Das Wasser hatte bald den schmalen Sandstreifen vor unserem Lokal erobert. Wir waren nicht so sicher, wie lange wir noch halbwegs trocken zu unseren Autos kämen. Die Fahrzeuge selber waren da oben vor den Toren von Portinho zwar sicher, aber wir mussten ja auch irgendwie hinkommen.

Zunächst zogen wir kurz in Erwägung, den eigentlichen Strand, etwas östlich von uns, zu besuchen. Aber bei dem Wetter war ein Strandbesuch nicht sehr attraktiv.

verfremdetes Foto von der Frucht eines Johannisbrotbaums

Foto von mir, 1995

In einer Regenpause sind wir schließlich aufgebrochen. Das Wetter war wieder schön und der Regen von eben war sofort wieder vergessen. Am Straßenrand stand ein Alfarrobeira (= Johannesbrotbaum). Von diesen Bäumen hatte ich hier in der Gegend um Lissabon bisher noch nicht viele gesehen.

Wir fuhren denselben Weg wieder zurück, den wir gekommen waren. Es war ja schließlich der einzige, der nach Portinho da Arrábida führte.

Weinprobe bei José Maria da Fonseca in Vila Nogueira de Azeitão

Helena hatte wegen des Regens als Alternativprogramm für die entgangene Wanderung eine Weinprobe bei José Maria da Fonseca in Vila Nogueira de Azeitão vorbereitet. Das dürfte in der Weingegend Pamela die wohl bekannteste Weinkellerei sein. Das traditionsreiche Weingut wurde 1834 am nördlichen Rand der Serra da Arrábida gegründet.

Allerdings waren wir zu früh dran. So sind wir noch durch den Ort geschlendert.

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Zuerst sind wir die Straße rauf, dann wieder runter gegangen. Helena musste uns irgendwie beschäftigen. Da bot sich der große Friedhof an, der sich gegenüber der Weinkellerei befand. Das klingt zwar etwas makaber, aber die Gräber waren alle sehr prächtig ausgestattet. Es gab auch zahlreiche Gruften, in denen links und rechts in einer Art Regal gleich mehrere Generationen von Familienangehörigen bestattet waren. Manchmal waren diese Grabstätten sehr edel mit Marmorsäulen fast schon wie kleine Tempel oder Häuser gestaltet. Ich kann mir gut vorstellen, dass so eine Ausgestaltung nicht ganz billig war. Anders als oft bei uns in Deutschland war der Friedhof nicht wie eine parkähnliche Anlage gestaltet. Vegetation gab es nur in Form von Blumenbeigaben und einiger weniger Bäume.

Nach dem Friedhofsbesuch sind wir auf die andere Straßenseite gegangen. Dort fand gerade eine Art Mini-Flohmarkt statt … und dann begann es wieder zu regnen. Es waren nur sehr wenige Stände auf einem größeren Parkplatz. Entweder war der Markt schon vorbei oder er hatte noch nicht richtig begonnen oder er fiel schlichtweg ins Wasser. Schon wieder nass werden, das wollte niemand!

Cafetaria A Casta in Azeitão

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Wir sind schnell ins nächste Cafe geflüchtet. Na gut, nächstes Cafe ist der falsche Ausdruck. Es gab da schon noch nähere. Aber dieses lag direkt bei der Weinkellerei. Leider reichte das kurze Stück Weg schon wieder aus, um die Hosen zu durchnässen.

Im Café warteten wir den Regen und unseren Termin ab. Drei meiner Mitreisenden und ich spielten „Mensch ärgere dich nicht“ auf dem iPad. Ich war ja auf jedes Wetter vorbereitet. 🙂

Irgendwann war es dann so weit und wir durften rüber zur kleinen Führung und zur Weinprobe.

Und es war auch wieder richtig angenehmes Wetter.


Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet


Zunächst kamen wir in den Verkaufsraum. Dort mussten wir eine kleine Gebühr für die Kurzführung und die Weinprobe bezahlen (die Höhe der Gebühr weiß ich nicht mehr).

Haupthaus von José Maria da Fonseca in Vila Nogueira de Azeitão

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Das Weingut wurde vor etwa 200 Jahren gegründet und aus dieser Zeit stammte auch das Hauptgebäude. Heutzutage diente es als Museum. Von der Halbinsel Setúbal expandierte das Unternehmen schnell und baut inzwischen auch im Alentejo und am Douro Wein an.

Das Innere des alten Weinguts José Maria da Fonseca

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Im alten Herrenhaus wurden Gerätschaften aus früheren Zeiten gezeigt wie zum Beispiel eine Maschine, mit der die Korken in die Flaschen gepresst wurden. An den Wänden hingen jede Menge Fotos mit den Konterfeis der Familienangehörigen aus mehreren Generationen. Wir wurden dort mit der Geschichte des Weinguts vertraut gemacht. Unsere Führerin sprach Englisch. Zusätzlich übersetzte Helena aber die wichtigsten Teile auch noch auf Deutsch.

Weinfässer im Lager von José Maria da Fonseca

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Von der Villa machten wir dann einen kleinen Spaziergang durch den hübsch angelegten Garten, bis wir bei den oberirdischen Weingewölben ankamen. Anders als ich es erwartet hatte, wurde der Wein oberirdisch in verschieden großen Fässern zur Reifung gelagert. Auf der anderen Seite hätte mich das eigentlich nicht überraschen sollen. Unterirdische Gewölbe anzulegen, wäre sicher ein Mordsaufwand gewesen.

Die wichtigsten Marken von José Maria da Fonseca sind der Periquita (Rotwein), der Desertwein Moscatel de Setúbal (Weißwein), der Montado (Rot- und Weißwein) und der Hexagon (Rot- und Weißwein). Auch Vinho Verde wird angeboten. Vom Douro stammt der Domini.

Wieder zurück im Verkaufsraum durften wir einige ausgewählte Weine probieren. Eine richtige Weinprobe (so wie ich es aus Deutschland kannte) war das zwar nicht, aber immerhin konnten wir ein paar Weine kennenlernen. Zuerst zierte ich mich, weil ich als Autofahrer Alkohol strikt meide. Aber dann ließ ich mich doch zu ein, zwei kleinen Schlückchen hinreißen. Der Wein wurde hier nicht wieder ausgespuckt, sondern tatsächlich getrunken. Zur Neutralisierung des Geschmacks gab es einige kleine Kekse.

Der Alambre Moscatel de Setúbal ist ein sehr schwerer, sehr süßer Wein und ist möglicherweise nicht jedermanns Geschmack. Er gehört zur Weltspitze der Likörweine.

Den Periquita gibt es auch in einfacheren Qualitäten als Rosé- und als Weißwein.

Einige der Gruppenteilnehmer kauften sich ein oder zwei Flaschen Wein, möglicherweise zum Trinken noch während der Reise, eventuell aber auch als Mitbringsel.

Zum Abschluss unseres Besuchs des Weinguts José Maria da Fonseca habe ich hier noch ein kurzes Promo-Video:



Wanderung durch die Alfama

Nahaufnahme eines Pfeilers der Brücke Ponte 25 de Abril in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Zurück ging es über die Autobahn A2 und wieder über die Ponte 25 de Abril. Ich hatte im Auto ein automatisches Maut-Erfassungsgerät, so dass ich einfach druchfahren konnte. Die anderen beiden Fahrzeuge brauchten etwas länger. Normalerweise kann man hinter den Mautstellen ganz gut anhalten und auf andere Autos warten, aber das war hier nicht möglich. Vor uns war die Brücke, aber kein Parkplatz. Notgedrungen sind wir weitergefahren, wussten aber nicht, wie Helena fahren wollte. Über die Brücke musste sie aber auf jeden Fall.

Gleich hinter der Brücke war eine Ausfahrt, die ich aber rechts liegen ließ. Sie schien mir, zu früh zu sein. Und viel Zeit zum Nachdenken blieb ja nicht, denn wir waren auf einer Autobahn. In dem gleichen Augenblick, als wir an der Ausfahrt vorbeigefahren sind, war uns klar, dass wir hier wohl hätten abfahren müssen. Die anderen beiden Fahrzeuge waren im Rückspiegel noch nicht zu entdecken. Wir fuhren langsam weiter, um bei der nächsten Möglichkeit anzuhalten und die Situation zu klären.

Kurz vor der nächsten Ausfahrt fand sich eine winzige Ausweichstelle, ein Mini-Parkplatz, den wir noch gerade so erwischten, denn einen Verzögerungsstreifen gab es nicht. Es wäre schön gewesen, wenn man mir vor der Fahrt gesagt hätte, an welcher Ausfahrt ich die Autobahn verlassen sollte. Meine Mitfahrerinnen bemühten sich jetzt redlich, mit Helena telefonisch in Kontakt zu treten und die weitere Vorgehensweise abzustimmen.

Das klappte nur sehr mäßig. Viel Auswahl hatte ich jetzt sowieso nicht. Ich musste die nächste Ausfahrt nehmen und dann irgendwie nach Süden ins Zentrum von Lissabon fahren, Richtung Alfama eben.

die Westseite der Praça do Comércio

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Über die Avenida da Liberdade (das ist die Prachtstraße von Lissabon) fuhren wir also irgendwie zur Praça do Comércio, wo wir uns mit den anderen beiden unten am Tejo treffen wollten. Zwischendurch fuhren wir mal unbeabsichtigt auf der Spur der Straßenbahnen, aber das störte offenbar auch niemanden.

Anscheinend konnten die beiden anderen Fahrzeuge keine Möglichkeit zum Parken finden. So wurde telefonisch vereinbart, dass wir alle einfach weiter am Tejo entlang in Richtung Alfama fuhren. Wir hielten dann dort an und konnten uns endlich wieder zusammenfinden. Was hätten wir bloß ohne Handys gemacht? 😉 Gemeinsam ging es nun weiter hoch in das Gewimmel der Alfama.

eine Straße in der Alfama in Lissabon mit vielen geparkten Autos

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Jetzt musste eine Parkmöglichkeit für alle drei Fahrzeuge gefunden werden. Wer die Alfama kennt, weiß, dass dies ein frommer Wunsch ist. Aber irgendwie ist dann am Ende doch alles möglich und wir konnten die Autos parken.


Blick über Lissabon von einem Aussichtspunkt aus

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Vor zwei Tagen sind wir schon einmal durch die Altstadt geschlendert. Für heute Abend war ein Fado-Lokal in der Alfama geplant, aber dafür war es noch etwas zu früh. Wir konnten erneut den Odem der Weltstadt spüren und einatmen. Alles war ziemlich eng und betriebsam. Aber irgendwie wirkte das Ganze dennoch nicht hektisch. Vielleicht lag das nur an unserer entspannten Urlaubsstimmung.

In Lissabon (und nicht nur dort) gab es immer wieder Aussichtspunkte (Miradouros genannt), von denen man einen besonders schönen Ausblick auf die Stadt hatte. Oft gab es dort Bänke oder Tische mit Stühlen, so dass man sich hinsetzen konnte. Meist bestand auch die Möglichkeit, etwas zu trinken oder sogar etwas zum Essen zu kaufen.

Bei einem dieser Miradouros (ich meine, es war der Miradouro da Graça, kann mich aber täuschen) kam Helena auf die Idee, sich eine Schachtel Caracóis-to-Go zu kaufen. Sie fragte deswegen in der Gruppe herum, ob jemand mit essen wollte, denn danach richtete sich ja die Menge, die sie kaufen musste. Wollte aber keiner, nur ich.

kleine Weinbergschnecken als Zwischenmahlzeit

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Nun musste man natürlich wissen, um was es sich bei Caracóis handelte: das sind kleine Weinbergschnecken, die in einem Sud gekocht werden. Normalerweise kenne ich die nur auf einem Teller. Gegessen wurden sie dann vorzugsweise, indem man mit einer Nadel das Fleisch aus dem Schneckenhaus herauszog und verzehrte.

Hier kamen die kleinen Schneckchen aber in einer Alu-Schale und wurden mit den Zähnen aus dem Haus gezogen. Weder die Schnecken noch die Art, sie zu verspeisen, war etwas Gewohntes für den normalen Deutschen. Viele Menschen verziehen, leicht angewidert, das Gesicht, wenn sie sich vorstellen, Schnecken mit den Zähnen aus dem Schneckenhaus zu ziehen. Das kann man niemanden verdenken, aber zumindest probieren sollte man das doch schon mal, finde ich. Im Grunde handelte es sich um einen fettarmen, zuckerfreien leichten Snack … schieres Eiweiß.

Ich jedenfalls nahm Helenas Einladung gerne an und half ihr, die Portion zu vernichten. Man machte sich dabei ganz schön die Finger schmutzig. Und vor den anderen Leuten ständig an den Fingern herumzulutschen, war nun auch nicht so besonders fein. Außerdem hatte ich dauernd das Gefühl, dass mir alle auf die Zähne starrten, um genau zuzusehen, wie die Schnecke aus dem Häuschen in meinen Mund gelangte. Tat wahrscheinlich keiner, aber trotzdem … ich fühlte mich beobachtet. Und in der Tat wollte dann jemand in Nahaufnahme fotografieren, wich ich die Schnecke aus dem Gehäuse zog. Ich lehnte ab. Helena hatte in dieser Hinsicht weniger Skrupel. So verfüge ich über ein paar wunderschöne Fotos von ihren Zähnen und einer Schnecke dazwischen. Ich habe mich entschieden, keins dieser Fotos hier abzubilden.

Fado Abend in der Alfama

Auch in Lissabon wurde es irgendwann einmal Abend. Und so gingen wir zu dem kleinen Lokal, das Helena für unseren Fado Abend ausgesucht hatte. Jetzt ist das natürlich so eine Sache mit dem Fado. Bars und kleine Kneipen, in denen Fado vorgetragen wird, gab es überall in Lissabon. Oft sind diese Kneipen aber schon auf die vielen Touristen ausgerichtet und dadurch irgendwie nicht mehr so richtig „echt“. Da ist es sicher ein Glücksfall, wenn das Lokal von einer Frau ausgesucht wird, die direkt in Lissabon lebt und die selbst mit Freunden zu Fado-Abenden geht.

Foto einer Fado-Sängerin

Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Fado,
(c) Neva Micheva

Wir hatten mit Helena dieses Glück und ich bin unendlich dankbar dafür! Mit dem Fado ist das aber wirklich so eine Sache. Dieser typisch portugiesische Gesang gefällt nicht unbedingt jedem. Insofern muss ich sagen: ihr müsst euch das nicht anhören! Wer aber die Menschen und die Kultur von Portugal kennenlernen möchte, der sollte unbedingt Fado hören, und zwar live! Es geht um viel Sehnsucht und Weltschmerz, mal laut, mal leise vorgetragen, aber immer mit sehr viel Pathos.

Fado wird sowohl von Männern als auch von Frauen gesungen. Begleitet werden sie normalerweise von einer klassischen und einer portugiesischen Gitarre. Achja, von UNESCO Weltkulturerben haben wir schon ein paar Mal gehört. Und richtig, auch der Fado gehört seit 2011 zum (immateriellen) Weltkulturerbe.

Auswahl an Petiscos in einer Fado Bar in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Unser Abend begann damit, dass wir mit unserer kleinen Gruppe erst mal das halbe Lokal füllten. Auf den Tischen standen verschiedene Petiscos. Dabei handelte es sich um kleine Vorspeisen, oft in Öl und/oder Essig eingelegt, teilweise frittiert. Die Vorspeisen waren für Touristen mal wieder gewöhnungsbedürftig. Naja, so ist das eben in anderen Ländern. Nicht alles ist so, wie man es von zu Hause her kennt. Aber ist das nicht gerade das Spannende?

Leider habe ich jetzt gerade ein Problem. Ich habe mir an unserem Fado-Abend kaum Notizen gemacht und Fotos gibt es auch nur sehr wenige. Ich könnte jetzt versuchen, euch die Petiscos auf dem Foto vorzustellen, aber bevor ich Unsinn schreibe, lass ich es erst einmal sein. Falls das jemand sieht und liest und mir mit den deutschen und portugiesischen Begriffen aushelfen kann, wäre das wunderbar. Ich würde das dann hier gerne ergänzen.

eine portugiesische Chorizo, flambiert auf einem Bräter

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Aber eine weitere portugiesische Spezialität kann ich euch noch zeigen: die flambierte Chouriço. Die Chouriço enthält Knoblauch und sehr viel Paprika, was ihr die rote Farbe gibt. Außerdem ist sie sehr fett. Vor dem Flambieren wird die Wurst eingestochen oder eingeschnitten und verliert dann einen Teil des Fettes, der einfach in die Schale hinabtropft. Die Wurst schmeckt sehr würzig und … tja … schmeckt daher (mal wieder) nicht jedem. Helena hatte vorsichtshalber erst einmal nur eine Wurst geordert und das war vermutlich auch gut so. Unsere Gruppe tat sich mit den portugiesischen Spezialitäten heute Abend etwas schwer.

Vor dem Anzünden wird Bagaço über die Wurst gegossen. Das ist ein hochprozentiger Tresterschnaps. Auch zwei Gruppenteilnehmer bestellten sich einen Bagaço zum Trinken. Hehe … unser zweiter Mann bekam beinahe Magenkrämpfe davon. 😉 Aber wenigstens hat er es tapfer versucht. Ist aber jetzt auch nicht unbedingt mein Lieblingsgetränk.

Ja, und dann war es irgendwann spät genug für die Fadistas, um loszulegen. Es wurde totenstill und die Aufmerksamkeit richtete sich ausschließlich auf die Musik und den Gesang.

Wir lernten, dass wir nicht *nach* einem Lied applaudieren durften, sondern bereits einige Sekunden, bevor das Lied zu Ende war. Und wir lernten das schnell.

Wir lernten, dass es nur eine endliche Menge an Melodien, aber eine unendliche Menge an Versen (Texten) gab. Der Fadista gab den beiden Gitarristen leise eine knappe Anweisung, welche Melodie gewünscht war und die Gitarristen mussten sich dann auf den Sänger oder die Sängerin einstellen. Das ging soweit, dass sich Sänger und Gitarristen noch nicht einmal kennen mussten.

An unserem Abend wechselten sich mehrere Fadistas ab, mal männlich, mal weiblich.

Der Fado war oft sehr eindringlich. Aber leider verstanden wir die Texte nicht. Vielleicht war das aber auch ein Glück, weil sonst so manche Träne unsere Wangen heruntergerollt wäre, denn das ist normal beim Fado.

Leider wollte unsere Gruppe viel zu früh wieder ins Hotel. Ihr wisst schon: „wir machen die Nacht durch!“. Na, daraus wurde wieder nichts. Die Fadistas machten einfach weiter und weiter … aber wir nicht. Wir gingen … schätzungsweise so um Mitternacht herum, das weiß ich leider nicht mehr so genau.

Ich empfand jedenfalls viel Dankbarkeit und auch Demut dafür, dass ich in dieser originalen Umgebung mit originalen Getränken und Petiscos und mit originalem Fado sein durfte.

Heimfahrt nach Carcavelos

Unseren Abend beendeten wir mit unser Rückfahrt zum Hotel. Selbst jetzt blieb Helena bei ihren Schafen und fuhr als Leithammel vor uns her nach Carcavelos. Wir immer hinterher. Ihr Arbeitstag war heute mal wieder extralarge! Ich weiß das zu schätzen, liebe Helena! Und ich bin sicher, die anderen unserer Gruppe wussten das ebenfalls zu schätzen!

Eine kurze persönliche Anmerkung:
Jedesmal, wenn ich einen Tag so halbwegs beschrieben habe, denke ich mir: „Mein Gott, du schreibst viel zu viel. Deine Artikel sind viel zu lang für einen Blog. Das liest sowieso kein Mensch!“ Dann schleicht sich ein Stirnrunzeln in mein Gesicht: „Ich habe doch schon so viel weggelassen und gehe auf Vieles überhaupt nicht ein.“

Sagen wir mal so: es gibt auch heute noch Menschen, die Zeitschriften oder gar Bücher lesen und deswegen auch die Lektüre von Texten jenseits der 140-Zeichen Grenze verkraften. Im Grunde schreibe ich für mich, weil ich mir das später immer wieder selber durchlesen und die Urlaubstage erneut erleben kann. Aber wenn es da draußen jemand durchhält, meine Artikel zu lesen, wenn ich ihn oder sie vielleicht sogar unterhalte oder ein paar Anregungen gebe, dann ist es okay. Dann habe ich es richtig gemacht.

Für eure zusätzlichen Fragen stehe ich natürlich jederzeit zur Verfügung.


 zurück zum 4. Tag (Mafra, Sobreiro, Cascais)


Alle Sunwave Artikel in meinem Blog.
Meine Portugal-Artikel.
Übersicht über Facebook-Gruppen, die sich mit Portugal beschäftigen.
Übersicht über deutschsprachige Portugal-Foren.


Weitere Informationen im Internet

Homepage von José Maria da Fonseca in Vila Nogueira de Azeitão
Wikipedia: wie läuft eine Weinprobe ab?
Was ist Fado?
Planet Wissen erklärt den Fado



Lissabon-Reise mit Sunwave – noch mal Mafra und Cascais

Hinweis:
Die Vorbereitungen zu meiner privaten Ausflugstour nach Mafra findet ihr in meinem Artikel Mafra und Ericeira in Portugal – Vorbereitung. Und die Boca do Inferno erwähne ich in dem Artikel Cascais und Praia do Guincho in Portugal – Vorbereitung.


Heute hatten wir den Tag zur freien Verfügung. Da ich ja einige spezielle Ziele auf meiner Agenda hatte, war der Tag deswegen ideal, um damit anzufangen. Obwohl ich die anderen Mitreisenden über meine Pläne informierte, hatte doch niemand Lust, mich zu begleiten.Stattdessen wollten die anderen wieder nach Lissabon und dort weitere interessante Orte erkunden.

Wir hatten vereinbart, dass wir uns dann abends alle unter dem Triumphbogen Arco da Rua Augusta am Praça do Comércio treffen wollten. Danach wollten wir uns dann ins Nachtleben von Lissabon stürzen!

Wenigstens hatte mein Wecker heute wieder normal funktioniert. Die Frühstückstische waren mit Besteck und Papierservietten eingedeckt. Draußen regnete es in Strömen und es war sehr windig. Optimale Bedingungen also für einen entspannten Ausflugstag. 😉

Naja, es war sinnlos, sich in eine trübsinnige Laune hineinzusteigern. Ich war jetzt hier in Lissabon (und Umgebung) und ich wollte jetzt meine Ziele erreichen.

Eins davon war das kleine Museumsdörfchen von José Franco. Und auf dem Weg dorthin konnte ich mir den Nationalpalast von Mafra vielleicht auch noch anschauen. Also schnappte ich mir mein iPad als Navi, nahm mir das Auto und fuhr los.

Der Palácio Nacional de Mafra – jetzt aber richtig!

So grün hatte ich Portugal noch nie erlebt! Unglaublich!

Mit Fotos ist das aber heute so eine Sache … Regen kennt ihr ja alle, aber okay …

Der nationalpalast von Mafra im Regen

Foto von mir … Angela war diesmal nicht dabei 😉

So … das war er also: der Nationalpalast von Mafra … bei Regen. Aus der Sicht eines Menschen, der überhaupt keine Lust verspürte, das trockene Auto zu verlassen. Zumal ich noch nicht mal einen Regenschirm dabei hatte. Aber was soll’s? Was uns nicht umbringt, macht uns nur härter.

Ich bin also mit weit ausholenden Schritten, aber nicht laufend – man musste ja Contenance bewahren – zur Basilika ge… eilt. Konnte ich denn heute wenigstens hinein?

Innenaufnahme der Basilika des Nationalpalasts in MafraJa, ich konnte und ich durfte. Die Basilika befand sich zentral in der riesigen barocken Schloss- und Klosteranlage. Sechs Orgeln gab es in der Kirche! Zunächst fand ein katholischer Gottesdienst statt, an dem Kinder beteiligt waren, vielleicht eine Erstkommunion oder eine Firmung. So verhielt ich mich still. Es waren nicht sehr viele Menschen in der Kirche, möglicherweise war die Veranstaltung gerade zu Ende.

Katholische Kirchen sind immer sehr prächtig gestaltet. So auch diese. Über Details zur Architektur und zur Geschichte müsst ihr euch aber an anderer Stelle erkundigen.

Ein Innenhof vom Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir

Links neben dem Eingang zur Basilika war der Zugang zum Palast mit dem Ticket-Schalter untergebracht. Von dort gelangte man auch in einen der Innenhöfe. In einer der Ecken stand jemand mit ein paar Eulen auf Ständern. Dort konnte man sich gegen Geld fotografieren lassen. Bei dem Wetter war aber nicht mit viel Umsatz zu rechnen.

Da ich nun einmal hier war, wollte ich mir auch den Palast selbst ansehen. Der Eintritt kostete 6 Euro. Zu besichtigen war nur das obere Stockwerk, und das leider auch nicht komplett. Der Palast und das Kloster sind aber so groß, dass auch das völlig ausreichend ist.

Das Bett des Königs im Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir

Im linken Teil des Palastes befanden sich die Gemächer des Königs. Die Königin wohnte auf der anderen Seite des Palastes im rechten Teil. Glücklicherweise gab es einen langen, langen Verbindungsgang zwischen den Gemächern.


Foto von einem Bodenmosaik im Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir

Genau in der Mitte des langen Gangs gab es einen Raum mit einem wunderschönen Bodenmosaik. Nach vorne zum großen Platz hin, befand sich hier ein Balkon, wo sich der Monarch seinem Volke zeigen konnte, um dann vom selbigen bewundert und bejubelt zu werden.


Blick in die Basilika von Mafra auf eine Hochzeit

Foto von mir

In die andere Richtung hatte der König einen direkten Blick hinab in die Basilika. So mussten er und seine Königin sich nicht unters Volk mischen. Als ich dort war, fand gerade eine Hochzeit statt oder die Probe zu einer Hochzeit. Es waren nur sehr wenige Leute da.


Das Bett der Königin im Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir

Ich habe mich auch nicht lange dort aufgehalten, sondern bin weiter in die Gemächer der Königin gegangen. In ihren Räumern war alles etwas verspielter und dekorativer. Ich konnte sofort erkennen, dass hier eine Frau wohnte. Ich fand es sympathischer als drüben beim König.


EIn Foto von der badewanne der Königin im Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir

DIe Königin leistete sich sogar den Luxus einer eigenen Badewanne. Wahrscheinlich mussten 10 Kammerzofen gleichzeitig das heiße Wasser in Krügen herbeischaffen.


So bin ich dann weiter durch die verschiedenen Räume des Palastes geschlendert, die nahtlos in die des Klosters übergingen. Alle Räume waren prachtvoll ausgestattet.

Als Beispiel möchte ich hier noch gerne das Musikzimmer zeigen:

Foto eines Klaviers im Musikzimmer des Palácio Nacional de Mafra

Foto von mir


Es gab dann noch Jagdzimmer, Herrenzimmer (= Spielsalon), Speisesaal und noch jede Menge weiterer Räume.

Hinten im Kloster befanden sich Wachstuben und Zellen. Aber so ganz habe ich nicht verstanden, ob diese kleinen Räume nun Gefängniszellen oder Wohnzellen für die Mönche waren. Alles in allem ist die Anlage sehr groß und beeindruckend. Viel zu groß für ein Land wie Portugal, aber damals floss das Gold ja auch reichlich aus Brasilien. Aber was man mit insgesamt 1.200 Zimmern anstellte … ich weiß es nicht. Möglicherweise wurden auch damals schon nicht alle Räume genutzt.

Es heißt, der König wollte seinen Park vom Palast aus bis zum Meer anlegen lassen, das sind dann mal so 20 bis 30 km. EIn bisschen größenwahnsinnig, der Gute. Aber so einen König hatten wir früher in Bayern ja auch. 😉

Einen Raum muss ich euch noch kurz zeigen und das ist die einzigartige Bibliothek:

die große Bibliothek im Palácio Nacional de Mafra

Bild von mir


Die Qualität des Fotos ist leider nicht so prickelnd. Ich durfte keinen Blitz verwenden und außerdem musste ich aus der Hand fotografieren. Die Architektur sieht doch richtig klasse aus, oder? In der Bibliothek werden Fledermäuse geduldet. Alle Insekten, die eventuell die Bücher schädigen könnten, werden von den Fledermäusen eliminiert.

Der für die Öffentlichkeit zugängliche Bereich des Palastes und des Klosters wurde durch zahlreiche Einrichtungsgegenstände dekoriert. Natürlich weiß ich nicht, ob dies zu Zeiten, als Palast und Kloster noch genutzt worden sind, genauso ausgesehen hatte. Ich habe auch keine Ahnung, ob die Einrichtungs­gegenstände eventuell aus anderen historischen Gebäuden hierhergebracht worden sind. Auf jeden Fall sieht alles sehr stilecht aus.

Somit ist die Besichtigung des Palácio Nacional de Mafra für alle Leute, die auf alte Schlösser stehen, sehr zu empfehlen. Und das kann man auch wunderbar bei Regenwetter machen!

Aber eigentlich wollte ich ja ganz woanders hin und habe den Palast nur quasi so en-passant besichtigt.

Aldeia típica de José Franco

Wegweiser zur Aldeia tipica de José Franco

Foto von mir

Den Tipp dazu erhielt ich von Uwe und Susanne Ahrens. Und anscheinend ist dieses kleine Dörfchen selbst in Lissabon nicht besonders bekannt. Umso dankbarer bin ich für diesen Tipp!

Im Grunde besucht man einen Keramikladen.

Wenn man von Mafra aus nach Ericeira ans Meer fährt, kommt man auch durch Sobreiro. Und dort an der Straße steht dieser Wegweiser. Übersehen kann man das eigentlich nicht.


Schlechtes Wetter auf dem parkplatz der Aldeia típica de José Franco

Foto von mir

Der Parkplatz war gut ausgebaut und ließ erahnen, dass bei besserem Wetter wohl mit sehr vielen Besuchern zu rechnen war. Heute standen nur wenige Autos auf dem Parkplatz, aber immerhin. Mein Blick aus dem Autofenster ließ mich wieder zaudern. Sollte ich wirklich rausgehen und im Regen kleine portugiesische Häuser ansehen? Na, klar sollte ich! Aber lasst uns noch einen Moment inne halten und diesen Moment des Zauderns und der Frustration genießen, bevor wir energisch die Autotür öffnen und ins Dorf gehen.

Okay … los geht´s!

Überblick über das  Dorf Aldeia típica de José Franco

Foto von mir

Vorne seht ihr den Miniaturnachbau eines portugiesischen Dorfes (angeblich Ericeira), in der Mitte den Außenbereich einer echten Taberna und hinten rechts den Parkplatz, wo wir gerade das Auto abgestellt hatten.


Foto von dem Miniaturdorf in der  Aldeia típica de José Franco

Foto von mir

In diesem Miniatur-Dorf waren typische Häuser eines portugiesischen Dorfes dargestellt. Das Dorf war von verschiedenen Mini-Menschen bewohnt. Und typische Tätigkeiten wie Windmühlen waren durch Wasserkraft in Bewegung. Richtig niedlich!


 Aldeia típica de José Franco: Eingan zu Schuster und Friseur

Foto von mir

Es ging aber auch eine Nummer größer. Eine Reihe von kleinen … sagen wir mal … Kammern … war erbaut worden, die ebenfalls die typischen Gewerbebetriebe eines Dorfes aus der Region vor einigen Jahrzehnten darstellten. Hier seht ihr links den Eingang zum Schuster und rechts den Eingang zum Friseur und Zahnarzt in Personalunion. Man konnte diese Gebäude zwar nicht betreten, aber man konnte durch das Gitter hineinschauen.


Ein portugiesischer Schuster bei der Arbeit

Foto von mir

Hier seht ihr den Schuster, umgeben von all seinen Werkzeugen und Maschinen. Die Gerätschaften wurden allesamt aus der Region herbeigeschafft. Das erklärt auch das Gitter vor dem Eingang. Als ich das erste Mal in so einen dunklen Eingang geschaut habe, wurde mir doch etwas mulmig, als ich dort im Dunkeln diese schaurig schöne Gestalt erblickte. Erst wenn sich die Augen an das (nicht vorhandene) Licht gewöhnt hatten, wurde man ruhiger. 😉 Man sieht einfach viel zuviele Horrorfilme im Fernsehen!


Aldeia típica de José Franco: der Zahnarzt

Foto von mir

Gleich nebenan hatte der Zahnarzt seine Praxis. Und auch der Friseur ging dort seiner Arbeit nach. Wer Haare schneiden kann, der kann auch Zähne ziehen. „Und wenn man schon mal da war … „, dachte sich wohl der Herr auf dem Stuhl.


Aldeia típica de José Franco: Unterkünfte für Haustiere

Foto von mir

Selbst an die Haustiere wurde gedacht. Jedes Tier erhielt seine eigene Unterkunft. Oben die Tauben, unten das Schwein und unten rechts der Hofhund.


Aldeia típica de José Franco: ein voll eingerichtetes Klassenzimmer

Foto von mir

José Franco schreckte nicht davor zurück, ganze Räume, in voller Größe und komplett eingerichtet, aufzubauen. Dieses Klassenzimmer durften die Besucher betreten und sich in Ruhe alles anschauen. Ähnliche Klassenzimmer gab es auch früher in Deutschland. Ich habe sie glücklicherweise selber nicht live erleben müssen.

Die mit viel Liebe und viel Arbeit erbauten Räume und Gebäude stellten zusammen mit den vielen originalen Gerätschaften eine Art Bauernmuseum dar. Ich konnte herumschlendern und mir alles genau ansehen.


Foto von mir

Foto von mir

Wenn man seine Kinder dabei hatte und die irgendwann keine Lust mehr auf Museum hatten (soll ja vorkommen), so gab es auf dem Gelände auch einen guten Spielplatz. Mir ist schon klar, dass der bei Regen nicht so toll ist. Aber auf mich machte der Spielbereich einen guten Eindruck. Die Kinder konnten ja darüber hinaus auf dem ganzen Gelände herumlaufen. Und selbst von der kleinen Taberna aus hatte man sie im Blick.


Aldeia típica de José Franco: der Weinkeller für die Besucher

Foto von mir

Da ich gerade von der Taberna spreche … ja, es gab da so einen Raum, eher eine Adega, voll mit Krempel, der herumstand oder von der Decke hing. Das war alles sehr urig, wirkte allerdings auch ein bisschen wie ein Pferdestall. Im Raum standen Bänke und Tische und es gab zwei riesen Weinfässer. Ziemlich ursprünglich das Ganze, aber durchaus sympathisch. An einem normalen Sommertag war hier sicher die Hölle los. Im Augenblick war eher wenig Kundschaft da. Nebenan gab es noch die Möglichkeit, frisches Brot und Wurst zu kaufen und am besten auch gleich zu verzehren.

Aldeia típica de José Franco: der Außenbereich der Adega

Foto von mir

Schade! Wieder der Regen. Ich konnte mir gut vorstellen, hier nach einer Besichtigung des Museumdorfes bei schönem Wetter zu setzen und eine Bica oder einen Vinho Verde zu trinken. Aber ihr seht es selbst: heute hatte wirklich niemand das Verlangen, sich dort in den Regen zu setzen.


Na, schön, blieb noch die Olaria. Kein Portugalbesuch ohne ein Mitbringsel (für mich!) in Form von kleinen Schalen. Am liebsten mochte ich die einfachen Formen und Farben, also Terrakotta und Blau und Weiß. Es gab auch jede Menge quietschbunter Keramik in Portugal, aber das sprach mich nicht so an.

Olaria José Franco: bunte Keramiken

Foto von mir


Portugiesische Keramik-Läden oder -Werkstätten sind grundsätzlich immer einen Besuch wert. Natürlich wird man sich überlegen müssen, was man tatsächlich kauft und nach Deutschland mitnimmt. Immerhin bedeuteten diese Mitbringsel zusätzliches Gewicht. Viel schlimmer war aber die Vorstellung, dass die Keramik den Flug nicht heil überstehen könnte.

Olaria José Franco: noch mehr Keramik

Foto von mir

Der ganze Raum war voller Regale mit praktischen oder einfach nur dekorativen Keramik-Produkten. Ich habe in solchen Läden immer Angst, etwas herunterzureißen, so dass es zu Bruch geht. Also bewege ich mich immer ganz vorsichtig.


Olaria José Franco: kleine Olivenschale

Foto von mir

Ich entschied mich für zwei kleine Olivenschalen. Das sind Schalen mit zwei unterschiedlich großen Fächern, ein größeres für die Oliven und ein kleineres für die Kerne. Eine Schale war für mich selbst bestimmt, die andere für eine Freundin in Erding.


Dieses kleine Dörfchen war ein sehr pitoresker Ort. Einen Besuch bei schönem Wetter kann ich sehr empfehlen. Dann macht es sicher auch Spaß, bei Brot, Wurst und Wein an den Fliesentischen draußen zu sitzen und die Stimmung auf sich einwirken zu lassen, während möglicherweise unten die Kinder herumspielten. Bei Regen ist der Spaß sehr begrenzt.

Der Besuch kostet keinen Eintritt.

Boca do Inferno in Cascais

Nach dem Besuch der Aldeia tipica hatte ich noch genug Zeit, um auf dem Rückweg einen Abstecher über Cascais zu machen und mir dort die Boca do Inferno anzusehen.

Schon beim Besuch des Nationalpalasts in Mafra und der Aldeia tipica de José Franco wurde deutlich, dass ich bei dem Wetter nach dem Aussteigen aus dem Auto jedesmal in kürzester Zeit nass war. Vor allem die Jeans wurde permanent gewaschen. Ich hatte ja leider keinen Regenschirm dabei, sondern nur eine dünne Regenjacke. Die war okay, aber schützte natürlich nicht die Beine.

Jetzt konnte ich herumjammern oder das Wetter einfach ignorieren.

Im Auto trocknete die Hose dann von innen durch meine Körperwärme. Bei den Schuhen war das schon schwieriger.

Während meiner Autofahrt nach Cascais konnte ich auf den Straßen immer wieder richtige Bäche beobachten, die quer über die Fahrbahn schossen. Selbst auf der Autobahn stand das Wasser immer mal wieder in größeren Pfützen. Allerdings nicht so hoch wie auf der Landstraße. Dort waren die Pfützen manchmal wie kleine Seen. Es machte richtig Spaß hindurchzufahren … nur sehen konnte ich in dem Moment gar nichts mehr, weil das Wasser in Fontänen so hoch spritzte, dass es mit der Sicht schwierig wurde. Vor allem, wenn gerade vor einem ein anderes Auto durch so einen Minisee rauschte, kam man sich beinahe vor wie unter Wasser.

Bei dem Wetter waren nicht sehr viele Fahrzeuge unterwegs. Auch wenn es so klingt, als wären die Straßen katastrophal gewesen. So war das ganz und gar nicht der Fall, jedenfalls nicht hier in der Umgebung von Lissabon. Auch die Infrastruktur in Form von Ampeln, Schildern und Kreisverkehren war sehr gut ausgebaut. Mir persönlich sind darüber hinaus keine durchgeknallten Autofahrer begegnet. Alle sind vorsichtig gefahren. Da hatte ich früher an der Algarve schon ganz andere Fahrer erlebt.

In Cascais habe ich die Boca do Inferno mit Hilfe des Navis leicht gefunden. Diese imposante Naturerscheinung lag am westlichen (=links!) Rand von Cascais.

Boca do Inferno in Cascais bei Regen

Foto von mir

Kaum aus dem Auto gestiegen, waren meine Schuhe komplett durchnässt, weil genau vor der Fahrertür ein Fluss über den Parkplatz führte … jedenfalls jetzt bei Regen. Normalerweise war da kein Fluss. Natürlich ließ ich mich dadurch nicht abhalten, denn jetzt war es auch schon egal. Und vorne an der Klippe würde ich sicher noch nasser werden. Also habe ich mir meine Tasche gegriffen und bin rüber zur Felskante gegangen. Das waren nur wenige Meter, denn die Straße verlief direkt an der Küste.

Nun war ich wieder komplett nass, versuchte zwar noch mühsam, die Kapuze in die Stirn zu ziehen, aber das war so gut wie sinnlos wegen des starken Winds. Die Brille war ebenfalls total voller Wassertropfen, was die Sicht noch weiter verschlechterte. Aber immerhin war ich auf diese Weise alleine am Felsabgrund. Es parkten zwar viele Autos, aber Besucher konnte ich keine entdecken. Die hatten es sich vermutlich in den Bars und Restaurant gemütlich gemacht, die es hier natürlich ebenfalls gab.

Riesige Wasserfontänen an der Boca do Inferno in Cascais

Foto von mir

Ich war ziemlich guter Laune, denn ich war hier und trotzte der Witterung. Es war mir auch völlig egal, dass die Brandung in Gischt-Fontänen bis zu mir hoch schlug und mich noch weiter durchnässte. Nur mit schönen Postkartenfotos kann ich leider nicht dienen. Da müsst ihr mal Tante Google bemühen.

Das Atlantikwasser schoss immer wieder mit viel Getöse an den hohen Klippen nach oben. Durch den Wind war das ganze Meer in starker Bewegung. Die Klippen selbst waren durch das Wasser recht rutschig, und der interessanteste Teil der Klippenkante war durch ein hohes Gitter geschützt.

Ich habe zusätzlich ein kurzes Video gemacht, das ich euch nicht vorenthalten möchte. Erwartet aber nicht zuviel von der Qualität. Der infernalische Lärm ist keine Störung der Kamera, sondern der Wind.

Länger als etwa 10 Minuten hielt ich es nicht aus. Dann fuhr ich weiter nach Carcavelos, zurück ins Hotel. Ich wollte mich noch für unseren gemeinsamen Abend in Lissabon in Form bringen.

Der Abend in Carcavelos und in Cascais

Eingang der LX Factory in Lissabon

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Als ich im Hotel ankam, saßen in der Lobby vier meiner Mitreisenden und nachten einen niedergeschlagenen, wenn nicht sogar frustrierten Eindruck. Zur Erinnerung: der Rest der Gruppe hatte geplant, nach Lissabon zum Shoppen zu fahren. Sie wollten zu dieser alten Fabrik, auf derem ehemaligen Gelände ein angesagtes Gemisch aus Kultur, Kreativität und Shopping entstanden ist, die LX Factory in Alcântara, direkt unter der Brücke Ponte 25 de Abril (das ist diese nachgemachte Golden Gate Brücke).

Die vier Frauen berichteten, dass sie bereits auf dem Weg nach Lissabon dermaßen durchnässt gewesen waren, dass ihnen der Spaß am Shoppen gegen Mittag verloren gegangen ist. Sie sind deswegen wieder zurück ins Hotel gefahren. Das Problem bestand in der nicht ausreichend vorhandenen Menge an trockener Wäsche. Bei dem Wetter hier in Lissabon war einfach irgendwann alles nass. Aber selbst, wenn man noch trockene Kleidung hatte, so wollte man diese nicht unbedingt auch noch dem Risiko aussetzen, das nasse Schicksal der anderen Kleidungsstücke zu teilen.

Allerdings wollten wir uns alle um 18:00 Uhr in Lissabon treffen, um den Abend gemeinsam mit der Gruppe zu verbringen. Die halbe Gruppe saß gerade vor mir und hatte so gar keine Lust, wieder nach Lissabon reinzufahren.

Einige der Frauen versuchten, unsere Reiseleiterin telefonisch zu erreichen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Allerdings führte das nicht so richtig zu einem neuen Plan.

Kurze Zeit später stieß eine weitere Mitreisende zu uns, die den Tag genau wie ich auf eigene Faust gestaltet hatte. Sie informierte uns darüber, dass unser gemeinsames Treffen nun für einen späteren Zeitpunkt geplant war und sie auch auch jeden Fall hinfahren wollte. Ich wäre im übrigen um 18:00 Uhr in Lissabon gewesen. Mich hatte niemand über eine Terminänderung informiert.

Da die anderen Frauen weiterhin keine Lust auf ein nasses Lissabon verspürten, entschieden wir uns, mit dem Auto zum Abendessen nach Cascais zu fahren. Wir wollten versuchen, das möglichst trocken zu bewerkstelligen.

Foto von Cascais

Foto von Angela, von mir nachbearbeitet

Um 19:15 Uhr habe ich mich mit drei der Frauen in der Hotel-Lobby getroffen. Wir sind zusammen nach Cascais zum Abendessen gefahren. Und man glaubt es kaum, aber das Wetter wurde immer besser. So langsam verzogen sich sogar die Wolken!

So ohne Regen machte es auch gleich wieder Spaß, durch die Straßen und Gassen zu schlendern.

Im Zentrum von Cascais gab es einen kleinen Platz (Largo Luís de Camões). Dort hatten sich gleich mehrere Bars und Restaurants angesiedelt. Im Grunde bestand der ganze Platz nur aus Gastronomie. Vor jedem Lokal stand jemand und sprach dich an, um dich davon zu überzeugen, dass genau sein Restaurant das ideale sei. Die Speisenkarten unterschieden sich dabei kaum voneinander. Nachdem wir uns für ein Restaurant entschieden hatten, wurden wir in das kleine Haus in das obere Stockwerk geführt. Es war alles recht eng, aber urig eingerichtet. Leider hatten wird das Pech, dass uns ein an der Decke angebrachtes Klimagerät direkt anblies. Nach höflichem Bitten wurde es auf eine viel niedrigere Stufe gestellt. Die Klimaanlage war aber heute auch wirklich nicht nötig. Ich hatte einen wunderbaren Spieß mit Tintenfisch und Garnelen für 16,50 Euro. Okay, das ist jetzt nicht mehr ganz billig, aber wir befanden uns ja immerhin im Herzen von Cascais.

Auf eine Entrada (=Vorspeise) verzichteten wir diesmal. Für mich gehörte das zwar zum portugiesischen Essen dazu, aber die Mädels wollten nicht und da schloss ich mich aus Solidarität an. Aber auf meine Bica nach dem Essen verzichtete ich nicht, auch wenn zwei der Mädels gar keinen Nachtisch wollten.

Icon mit einem schlafenden MenschenDanach fuhren wir entspannt zurück nach Carcavelos und gingen schlafen. Die Laune der Mädels hatte sich aufgrund des besseren Wetters deutlich aufgehellt.

Meine Gedanken drehten sich noch ein wenig um das Wetter. Mal sehen, wie das die nächsten beiden Tage laufen würde. Wandern in den Serra de Arrábida und Spazieregehen im Park der Quinta da Regaleira bei diesem Wetter? Fragezeichen … großes Fragezeichen.

Wie auch immer, ich würde meine Ziele auf jeden Fall weiter verfolgen: Quinta da Regaleira, Cabo da Roca und die Bar Moinho Dom Quixote kurz vor dem Kap. Egal, welches Wetter wir haben würden und egal, ob jemand mit mir mitfahren möchte oder nicht.


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Weitere Informationen zur Boca do Inferno und zur Aldeia tipica

Englisch- und portugiesischsprachige Seite zum Nationalpalast in Mafra
Portugal Reisen: Mafra – Kloster Nationalpalast Wildpark
Fotos und Beschreibung des Aldeia tipica de José Franco (portugiesisch)
Boca do Inferno in der Wikipedia
Persönlicher Artikel von Claus Moser mit Hinterfundwissen
Boca do Inferno – Ein Ausflug zum Höllenschlund>
Website des Reiseanbieters Sunwave